Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 221 Boppard, Kath. Pfarrkirche St. Severus nach 1574?, 1614?

Beschreibung

Grabplatte für Maria Fenger mit einer nachgetragenen Inschrift. Ursprünglich wohl in der Kirche, seit unbekannter Zeit im Boden der Taufkapelle verlegt. Untere Hälfte einer ehemals großen Platte aus Basalt mit Umschrift (A) zwischen Linien, im erhabenen Feld nachgetragene Inschrift (B) in fünf Zeilen. Die linke Seite des Fragments ist bis zur Unkenntlichkeit abgetreten.

Maße: H. 125 (frgm.), B. 103, Bu. 5 (A), 4 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Maria Fenger

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/1]

  1. A

    [- - - / .....]E · VND · TVGENTREICHE · MARIA / FENGER · H[ERRN..... / - - - / - - -]

  2. B

    A[(NNO) 16]14a) [D]EN · 23 · / [NO]VEMBRIS · IST · IN · GOT / [VERSCHI]DEN · DER · EHR/[...]b) V[O]RNEHM / [- - -]MER

Kommentar

Die gleichstrichig ausgeführte Kapitalis zeigt in beiden Inschriften die gleichen auffälligen Formen: E mit stark verlängertem unteren Balken, M mit flach eingezogenem Mittelteil und R mit gerader Cauda.

Die Identifizierung der Verstorbenen wird durch die Existenz zweier gleichnamiger Personen namens Maria Fenger erschwert. Es dürfte sich aber um Maria, die Tochter des 1572 verstorbenen Bopparder Bürgers Heinrich Fenger und seiner Frau Merga1) gehandelt haben. Seit August 1571 mit Georg Korber verheiratet, bekam sie nacheinander drei Kinder und könnte an den Folgen der Geburt ihres letzten Kindes am 22.12.1574 verstorben sein - ab diesem Zeitpunkt wird sie in den Quellen nicht mehr erwähnt. Da aus der Familie Fenger/Korber kaum Todesdaten überliefert sind, bleibt die Identität des zweiten Verstorbenen ungeklärt; es dürfte ein älterer Verwandter gewesen sein, dessen Grabinschrift auf die Fengersche Grabplatte nachgetragen wurde. Eine zweite Deutungsmöglichkeit ist weniger wahrscheinlich, da Maria, die 1597 geborene Tochter des Bopparder Schöffen und Ratsherrn Friedrich Fenger und seiner Frau Anna bis 1628 bezeugt ist2). Sollte Inschrift (A) auf sie bezogen sein, müßte man für Inschrift (B) annehmen, daß sie ungewöhnlich lange nach dem Todesfall 1614 nachgetragen worden wäre.

Textkritischer Apparat

  1. Links der 4 ein senkrechter Schaft; keine 7, die im Bearbeitungsgebiet immer einen Schrägschaft besitzt.
  2. Vermutlich mit EHRENGEACHT VND zu ergänzen.

Anmerkungen

  1. Vgl. zum Folgenden Frauenberger, Bürgerbuch 1, 179 und 407.
  2. Vgl. zum Folgenden Frauenberger, Bürgerbuch 1, 180 und 102.

Nachweise

  1. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 87 (erw.).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 221 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0022101.