Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 201† Boppard, ehem. Benediktinerinnen-Kloster Marienberg 1553

Beschreibung

Grabdenkmal für Pfalzgräfin Odilia von Pfalz-Simmern, Nonne im Kloster Marienberg. Die verlorene Inschrift ist - mit wohl nur geringen textlichen Abweichungen - auf ihrem vor 1768 angefertigten Gedenkstein1) überliefert. Dieser bereits bei d'Hame in Text und Nachzeichnung gebotene kreuzförmige Stein hat sich erhalten und befindet sich heute im Klostergarten.

Grabdenkmal der Odilia von Pfalz-Simmern

 D'Hame, Confluvium [1/1]

  1. Anno 1553 6 septembris obiit illustrissima ac religiosa virgo Odilia rheni comitissa et bavariae ducissa cuius anima requiescat in pace

Übersetzung:

Im Jahr 1553 am 6. September starb die erlauchte und fromme Jungfrau Odilia Pfalzgräfin bei Rhein und Herzogin von Bayern, deren Seele in Frieden ruhe.

Wappen:
Pfalz-Simmern2)

Kommentar

Die im Jahr 1513 geborene Odilia3) wurde - vermutlich gemeinsam mit ihrer etwas älteren Schwester Johanna - von ihren Eltern Herzog Johann II. von Pfalz-Simmern und Beatrix Markgräfin von Baden wohl bereits als kleines Mädchen4) dem Kloster Marienberg übergeben. Odilia blieb wie ihre jüngere Schwester Maria5) einfache Nonne, ihre Schwester Johanna6) stieg dagegen zur Priorin auf und amtierte von 1576 bis 1581 als Äbtissin des Klosters.

Zieht man die Grabinschriften ihrer 1520 verstorbenen Tanten Anna und Johanna zum Vergleich heran, so fällt sowohl die abweichende Schreibung der Wortenden ae für e auf, als auch der Zusatz ac religiosa virgo statt soror und die dort fehlenden Fürbitten. Daher dürfte trotz der zeitlichen Differenz davon auszugehen sein, daß darin die Zutaten des 18. Jahrhundert zu sehen sind.

Anmerkungen

  1. Große hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein in Form eines gedrungenen Kreuzes mit nur angedeuteten breiten Kreuzarmen, im Feld oben Wappen im Lorbeerkranz, darunter achtzeilige Gedächtnisinschrift in barocker Mischschrift; vgl. zur Problematik der Überlieferung Einleitung Kap. 3.
  2. Quadriert: 1/4. Pfalzgrafen bei Rhein, 2/3. Bayern.
  3. Vgl. zum Folgenden Europ. Stammtafeln NF I Taf. 28.
  4. Vgl. dazu den ähnlich gelagerten Fall ihrer pfalzgräflichen Tanten Anna und Johanna Nrr. 167 und 170.
  5. Vgl. Nr. 223.
  6. Vgl. zu ihr Rhein. Antiquarius II 5, 298; allerdings hat sich von ihr kein inschriftliches Zeugnis erhalten.

Nachweise

  1. Das Denkmal des 18. Jh. überliefert bei: Kremer/Lamey, Varia fol. 161 und 162.
  2. d'Hame, Confluvium II 2, 436 und nach S. 570 (Nachzeichnung, bez. Nr. 5).
  3. Acta Academiae 3, 28.
  4. (Kupp), Geschichte fol. 14.
  5. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 151.
  6. Boulangé, Boppard 8.
  7. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 291.
  8. Wagner, Wittelsbacher 205 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 201† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0020107.