Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 197(†) Oberwesel, Kath. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau 1.H.16.Jh.

Beschreibung

Wandmalerei mit Namensbeischriften der Heiligen Florinus, Katharina und Kastor am vierten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffs. Dargestellt sind drei nebeneinander in einer Landschaft stehende Heilige mit ihren Attributen, zu ihren Füßen in weißer Schrift namentlich bezeichnet (A-C). Im Hintergrund die Mündung der Mosel in den Rhein mit einer detaillierten Stadtansicht von Koblenz und dem gegenüberliegenden Ehrenbreitstein. In der unteren linken Ecke eine aus den Initialen (D) bestehende Marke im Wappenschild. Temperamalerei auf Kreidegrund, im 19. und 20. Jahrhundert stark überarbeitet1).

Maße: H. 235, B. 173, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, gemalt.

Wandmalerei der Heiligen Florin, Katharina und Kastor

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/4]

  1. A

    FLORINVSa)

  2. B

    CATHARINA

  3. C

    CASTORb)

  4. D

    AWc)

Wappen:
unbekannt2)

Kommentar

Das Schriftbild zeichnet sich durch schlanke Proportion und gedrängte Buchstaben aus; Linksschrägenverstärkung ist nicht zu erkennen. Die Anfangsbuchstaben der Heiligennamen sind durch parallel begleitende Zierstriche, die Buchstabenenden durch Sporen betont, unter anderem auch an der Spitze des A. Der Schrägschaft des N ist auffallend dünn ausgeführt. Die Cauda des R ist einmal gerade, einmal gebogen mit eingerolltem Ende gestaltet und setzt fast am Schnittpunkt von Bogen und Schaft an. Auch wenn der heutige Befund - insbesondere bei (B) - durch die Maßnahmen des Restaurators beeinflußt worden ist, lagen ihm vermutlich unklare Frühformen der Kapitalis vor.

Möglicherweise läßt die großformatige Darstellung der Patrone der beiden großen Koblenzer Stifte St. Kastor und St. Florin auf eine wie auch immer geartete Beziehung zur damaligen Pfarr- und Stiftskirche Liebfrauen schließen. Die nicht identifizierte Marke mit den ineinander verschränkten Initialen AW bzw. WA wurde gelegentlich mit dem bekannten Kölner Grafiker und Maler Anton Woensam († 1541)3) in Verbindung gebracht, dem damit auch dieses Wandgemälde - das immerhin die bislang älteste Ansicht von Koblenz zeigt - zugeschrieben wurde. Von der neueren kunsthistorischen Forschung4) wird dies jedoch aus stilistischen Gründen abgelehnt und das Gemälde weiterhin in die Zeit um 1530 bzw. in die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert. Vorbehaltlich restauratorischer Veränderungen kann man die Datierung aus epigraphischer Sicht auf das erste Viertel des 16. Jahrhunderts einschränken; die jüngst vorgenommene Datierung "um 1500"5) ist dagegen abzulehnen.

Textkritischer Apparat

  1. O etwas kleiner dem L eingestellt.
  2. O etwas kleiner dem T eingestellt.
  3. Möglich auch WA; vgl. den Kommentar.

Anmerkungen

  1. So Kdm. 194.
  2. Marke Nr. 15 (vermutlich Kombination eines spitzen kapitalen A ohne Mittel-, aber mit weit überstehendem Deckbalken mit zwei verschränkten V).
  3. Vgl. zu ihm Koppe, Bücher 67f.
  4. Vgl. dazu Kdm.
  5. So Freckmann.

Nachweise

  1. Bellinghaus, Heimatbuch, Abb. S. 89.
  2. Bellinghaus, Koblenz, Abb. S. 136.
  3. Michel, Geschichte, Abb. S. 8.
  4. Clemen, Gotische Monumentalmalereien, Taf. 82.
  5. Braun, Tracht und Attribute, Abb. 153.
  6. Schwarz, Chronik, Abb. S. 31.
  7. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 194 mit Abb. 99.
  8. Freckmann, Bauforschung, Abb. 105.
  9. Kern, Wandmalerei (Ms.).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 197(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0019707.