Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 196(†) Boppard, Karmeliterkirche 1548

Beschreibung

Epitaph des Ehepaars Johannes d. J. von Eltz und Maria von Breitbach unter dem südöstlichen Fenster des Chors. Dreiachsige Ädikula aus grauem Sandstein über niedrigem Postament. In den seitlichen Sockelfeldern illusionistische Reliefs von oben angenagelten, unten eingerollten Pergamentbögen; auf dem linken neunzeilige Sterbeinschrift mit Stifterinschrift (A), auf dem rechten (heute inschriftenlos ergänzten) ehemals Sterbeinschrift (B). Im mittleren Sockelfeld eine von fackeltragenden Engeln gehaltene Schüssel mit dem Haupt Johannes des Täufers und der darauf hinweisenden Inschrift (C). In der überhöhten Mittelnische vor dem Hintergrund einer Stadtsilhouette die Darstellung der Taufe Christi im Jordan durch Johannes den Täufer in Begleitung eines Engels in Priestertracht; die beiden Hauptpersonen mit namentlich bezeichneten Nimben (D und E). Im Bogenfeld darüber die aus einem Wolkenband herabschwebende Taube, in den Zwickeln daneben zwei Büsten (Propheten?) mit leeren Schriftbändern. Unter der Szene eine (heute ebenfalls inschriftenlos ergänzte) von Händen gehaltene Tafel, darauf ehemals das mehrzeilige Bibelzitat (F). In den seitlichen Muschelnischen die Figuren der Verstorbenen, jeweils im Gebet kniend zur Mitte zugewandt: links der Mann im reich verzierten Harnisch, rechts seine in ihren Mantel gehüllte Frau, in den Händen einen Rosenkranz. Auf den mit Grotesken verzierten Pilastern jeweils unten und oben bezeichnete Ahnenwappen (G und H), in der Mitte Medaillons mit paarweise zugeordneten männlichen und weiblichen Büsten, unter dem rechts der Mittelnische ein Täfelchen mit der Jahreszahl (I). Ein bekrönender Giebel ist nicht mehr vorhanden oder war (wegen des darüberliegenden Fensters) nie ausgeführt1). Die wenigen Ergänzungen an dem sonst gut erhaltenen Epitaph wurden offenbar im Jahr 1903 durchgeführt2).

Nach Ewerbeck und Roth (B, F), erg. nach Roth (H).

Maße: H. 269, B. 326, Bu. 2,5 (A, D, E), 3 (C), 2 (G, H, I) cm.

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben.

Epitaph des Ehepaars Johannes d. J. von Eltz und Maria von Breitbach

 Heinz Straeter (GDKE Denkmalpflege) [1/4]

  1. A

    IM · IAIR · 1 · 5 · 4 · 7 · DEN · 4 · NOVEM(BRIS) IST / GESTORBEN · DER · EDEL · VND · ERN=/VEST · IOHAN · HER · ZV · ELTZ · WELCH/ER · GEGENWERTICH · CHRISTLICH / WERCK · GOT · DEM · ALMECHTIGEN / ZV · LOB · VND · BEIDER · SELEN · ZV · TR=OIST · VND · GEDECHTNVS · IN · SINEM / LEBEN · MACHEN · ZV · LAISSEN · VER=/ORDNET · HAIT · DEM · GOT · G[E]NADT ·

  2. B†a)

    IM IAHR 1544 MORE TREV(ERENSI)b) / 13 IANVARII IST GESTORBEN / DIE EDEL VND ERENDVGENT/HAFFTIG FRAV MARIA ANNA / VON BREITBACH DES EDEL / VND ERENVESTEN IOHAN / HERN ZV ELTZ ELIGEN GEMAHEL / DER GOT / GENADT

  3. C

    · CAPVTc) · SANCTI · IOANNIS · BAPTISTE · IN · DISCO

  4. D

    S(ANCTVS) IOANNES BAPT(ISTA)

  5. E

    IESVS

  6. F†d)

    VND ES BEGAB SICH ZVR SELBIGEN ZEIT DAS IESVS AVS / GALILEA VON NAZARET KAM VND LEIS SICH TAVFFEN / VON IOANNE IM IORDAN VND ALS BALD STEIG ER AVS / DEM WASSER VND SAHE DAS SICH DIE HYMEL AVFF/THAETEN VND DEN GEIST GLEICH WIE EIN TAVBE HERAB/STEIGEN AVFF INE VND DA GESCHAH DAS ES RIEF VOMM / HYMEL DV BIST MEIN LIEBER SOHN AN DEM / ICH EIN WOLGEFALLEN HABE MARCI AMe)3)

  7. G
    ELTZ HELMSTAT 
    WALTTBOTf) / VON · BASSENHEIM FLERSHEM 
  8. H
    [BREITBACH]  SCHOINECKg) 
    [SA]NECK  EYNE(N)BERG 
  9. I

    15 · 4 · 8 ·

Übersetzung:

Das Haupt des hl. Johannes des Täufers in der Schüssel.

Datum: 13. Januar 15454).

Kommentar

  
Wappen:
EltzHelmstatt
Waldbott von BassenheimFlersheim

  
Wappen:
BreitbachSchöneck (mit Balken)
Saneck von WaldeckEynenburg5)

Kommentar

Die aufgrund der erhabenen Ausführung und des breiten flachen Profils recht kompakt wirkende Kapitalis zeigt neben einer ausgeprägten Linksschrägenverstärkung I durchgehend mit i-Punkt und R mit leicht geschwungener und in einer Spitze auslaufender Cauda. Wie bei erhabenen Inschriften mehrfach zu beobachten, sind Bogenenden regelmäßig mit Sporen versehen, während Schaft- und Balkenenden zumeist nur keilförmig gestaltet sind. Als Worttrennner dienen Dreiecke sowie halbkugelig vertiefte Punkte (I).

Johann der Jüngere6), Sohn Johanns des Älteren von Eltz und der Margarethe von Helmstatt, war seit Mai 1496 mit Maria verheiratet, der ältesten Tochter aus der Ehe Johanns von Breitbach mit Loretta von Schöneck7). Im Bopparder Krieg und den daraus folgenden Querelen mit Kurtrier stand Johann an der Seite seines Vaters, später fungierte er als kurmainzischer Amtmann zu Lahneck und Vogt zu Fürstenberg. Spätestens seit der Teilung der elterlichen Güter mit seinem Bruder Friedrich im Jahr 1519 dürfte Johann zusammen mit seiner Frau in dem Bopparder Haus der Familie gewohnt haben. Der von dem Ehepaar begonnene und von seinem ältesten Sohn Johann Richard vollendete große Umbau des sogenannten Eltzer Hofes8) zeigt den Aufstieg der Familie in Boppard, deren Ansehen durch die Wahl des zweiten Sohnes Jakob zum Erzbischof und Kurfürst von Trier9) noch weiter gestiegen sein dürfte. Während Johanns Vater in Koblenz bestattet wurde, wählte er - wie zuvor seine Mutter10) - den Chor der Bopparder Karmeliterkirche für sich und seine Frau als Begräbnisstätte. Sein ebenfalls im Chor aufgehängter Totenschild11) hat sich erhalten. Der Karmeliterkonvent erhielt vom Ehepaar zweieinhalb Gulden zur Abhaltung des Anniversars12).

Das von Johann laut Inschrift zu Lebzeiten in Auftrag gegebene, von der Kunstgeschichte vielbeachtete Denkmal13) läßt sich aufgrund seiner epigraphischen, dekorativen und figürlichen Details wie etwa der mit Bildnisbüsten gefüllten Medaillons, der Muschelnischen und des Täfelchens mit der Datierung dem sogenannten Meister des Metzenhausendenkmals zuschreiben, der vermutlich mit dem Trierer Meister Hieronymus Bildhauer14) zu identifizieren ist.

Textkritischer Apparat

  1. Die von Rhein. Antiquarius II 5, 536 nur fragmentarisch wiedergegebene Inschrift folgt der exakten Nachzeichnung bei Ewerbeck; bei der mißverstandenen Datumsangabe wurde nach der Lesung von Roth verbessert, dem entweder das von ihm abgebildete Foto mit der noch erkennbaren Inschrift oder eine Abschrift in dem von ihm benutzten Eltzschen Archiv zu Eltville vorlag.
  2. MORG DEN Ewerbeck.
  3. Textbeginn nach einer Rosette.
  4. Text nach der Nachzeichnung bei Ewerbeck.
  5. Bei Ewerbeck endet der Text mit HABE; bei Roth folgen nach AM drei Auslassungspunkte.
  6. T in O eingestellt.
  7. I in O eingestellt. Da Ewerbeck hier SCHONEK überliefert, könnte der heutige Befund der Renovierungsmaßnahmen des Jahres 1903 zu verdanken sein.

Anmerkungen

  1. Bereits Kugler bemerkte bedauernd, daß der "oberste Aufsatz des Werkes ... leider schon beschädigt" sei. Allerdings ist bereits auf der ältesten (sehr exakten) Nachzeichnung des Denkmals bei Ewerbeck von einem Aufsatz nichts mehr zu sehen.
  2. So Kdm. 383.
  3. Mk 1, 9-11.
  4. Zählung des Jahresbeginns nach dem Trierer Stil vom 25. März an; vgl. dazu Einleitung Kap. 1.
  5. Fehlerhafte Ausführung: Geviert, überdeckt von einem Schrägbalken, dieser im ersten Platz beiderseits begleitet von je sechs Steinen. Korrekt wäre: Quadriert: 1/4. Schrägbalken, beiderseits begleitet von drei Steinen, 2/3. eine Krone; vgl. dazu die entsprechende Ausführung des Wappens Eynenberg auf dem Grabdenkmal ihrer 1500 bzw. 1511 verstorbenen Eltern (wie Anm. 7).
  6. Vgl. zum Folgenden Möller, Stammtafeln AF I Taf. 26 und Roth 1, 169ff.
  7. Vgl. zu ihrem gemeinsamen Epitaph in der Lorcher Pfarrkirche DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 324 mit Abb. 111.
  8. Vgl. dazu Pauly, Beiträge 7ff. sowie Nrr. 199 und 212.
  9. Vgl. zum ihm ausführlich Roth II 264ff.
  10. Vgl. zu ihrem Epitaph Nr. 166.
  11. Vgl. die vorhergehende Nr.
  12. So Milendunck, Historia fol. 60.
  13. "Ein ganz köstliches und vorzüglichstes Werk der Frührenaissance", so Kuhn 632; vgl. zu weiteren Wertungen Kdm. 379.
  14. Vgl. dazu ausführlich Kahle 108ff. sowie Nr. 204 mit den Ausführungen zu dem ebenfalls diesem Meister zugeschriebenen Schönburg-Epitaph in Oberwesel.

Nachweise

  1. Kremer/Lamey, Epitaphia fol. 44 (A, B).
  2. Nolden, Karmeliterkirche 8 (A, B, C, F, G, H).
  3. Kugler, Kleine Schriften 2, 276 (I).
  4. Schlad, Chronick 1, o. P. (A, B, C, F, G, H).
  5. Rhein. Antiquarius II 5, 535f. (A, B, C, G, H).
  6. Ewerbeck, Reiseaufnahmen S. 1 (C), Blatt 1-3 (Gesamtaufnahme), Blatt 6 (I), Blatt 7 (G), Blatt 8 (H).
  7. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 569f. (A, B, I).
  8. Roth, Geschichte 1, 192f. und 2, Abb. 36.
  9. Klein, Geschichte 308 (G, H).
  10. Kuhn, Kunstgeschichte, Fig. 856 (Gesamtabbildung "nach Originalphotogr.").
  11. Martini, Carmel 306 (A, B, C, G, H).
  12. Kahle, Studien, Abb. 37.
  13. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 123.
  14. Kreuzberg, Grabmale 62 (A, B, I).
  15. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 379-383 (A, B, C, D, E, G, H, I) mit Abb. 266-270.
  16. Mißling, Karmeliterkirche 18 (D, E, I) mit Abb. S. 19.
  17. Weber (u.a.), Bau- und Kunstdenkmäler, Abb. S. 817.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 196(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0019608.