Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 176† Boppard, ehem. Benediktinerinnen-Kloster Marienberg 1524

Beschreibung

Grabplatte der Äbtissin Anna Apollonia Kämmerer von Worms gen. von Dalberg. Im Jahr 1773 von d'Hame in originalgetreuer Nachzeichnung überliefert, war sie zu dieser Zeit im Boden unterhalb der Stufen zum Chor der Klosterkirche eingelassen und ging vermutlich mit deren Abriß im Jahre 1802 unter. Hochrechteckige Platte mit umlaufenden, inschriftlosen Linien; oben im Feld Beginn der Inschrift in einer linierten Zeile, die sich in der Mitte der Grabplatte in zwei um das Wappen angeordneten Kreisen fortsetzt.

Nach d'Hame.

Schriftart(en): Kapitalis und gotische Minuskel.

Grabplatte der Äbtissin Anna Apollonia Kämmerer von Worms gen. von Dalberg

 d'Hame, Confluvium [1/1]

  1. A(NNO)a) MVcXXIIIIb) · XII AP(RI)LIS // obiit · ve(nerabi)lis · reli(gi)osa · ac · nobil(is) · d(omi)na appolonia · dalburg · / d(omi)na m(a)gi(str)a hui(us) · mo(na)st(er)ii

Übersetzung:

Im Jahr 1524 am 12. April starb die ehrwürdige, gottesfürchtige und edle Frau Apollonia (von) Dalberg, Meisterin dieses Klosters.

Kommentar

Zwar hat sich d'Hame hier um eine möglichst orginalgetreue Wiedergabe von Text und Aussehen bemüht, dennoch sind ihm in der Nachzeichnung einige Mißverständnisse unterlaufen: So ist zweifelhaft, ob das g in religiosa und das r in magistra gekürzt wurden; auch der Name muß nicht vollständig sein.

Obwohl Anna Apollonia als einzige aus der großen Schar der im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts im Kloster Marienberg weilenden Nonnen aus dem Hause Dalberg1) die Würde der Äbtissin erlangen konnte, ist ihre familiäre Zuordnung nicht eindeutig bestimmbar2). Jedenfalls folgte sie der im April 1518 verstorbenen Äbtissin Cäcilia von Ingelheim im Amt und erreichte während ihrer fünfjährigen Regierung die urkundliche Bestätigung sämtlicher Privilegien des Klosters durch Kaiser Karl V. Anna Apollonias Grabplatte hatte zwar den Brand der Klostergebäude 1738 überstanden, dürfte aber so beschädigt gewesen sein, daß man für sie - wie für andere auch3) - vermutlich nach Abschluß des Neubaus des Klosters in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts eine neue Platte "ad conservandam piam memoriam"4) anfertigen und sie im Kreuzgang aufstellen ließ. Einige dieser einheitlich mit Wappen und kurzer zeilenweise angeordneter Inschrift gestalteten hochrechteckigen Sandsteinplatten haben sich erhalten5), darunter auch die untere Hälfte der Platte für Anna Apollonia6).

Textkritischer Apparat

  1. d'Hame überliefert in der Nachzeichnung nur noch den geschwungenen linken Schaft des A.
  2. c klein dem V eingeschrieben.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Nr. 164 Anm. 5.
  2. Möller, Stammtafeln AF II Taf. 66 bezeichnet sie als Tochter Wolffs II. Kämmerer von Worms und Gertruds von Greiffenclau zu Vollrads (damit wäre sie die Schwester der 1518 verstorbenen Priorin Guda und der 1520 verstorbenen Nonne Gertrud; vgl. Nrr. 164 und 168), dagegen setzen sie Bollinger, Familien 38 und die Europ. Stammtafeln NF XI Taf. 56 als Tochter Friedrichs Kämmerer von Worms gen. von Dalberg und Katharinas von Gemmingen eine Generation später an (damit wäre sie eine Nichte der oben genannten Schwestern).
  3. Vgl. dazu Einleitung Kap. 3.
  4. So die Einschätzung von d'Hame, als Kommentar der Nachzeichnung beigefügt.
  5. Kdm. bezeichnet die in angedeuteter Kreuzform mit sehr kurzen, breiten Armen ausgeführten Platten irrtümlich als zeitgenössische Originale; vgl. dazu Kdm. mit Abb. 177/178.
  6. Die in barocker Mischschrift ausgeführte Inschrift lautet R(EVEREN)DA D(OMI)NA / dE DalbE/RG PRae/FVIT A(NN)IS 5 / ObIIT A(NN)O / 1524; vgl. dazu die Nachzeichnung der heute im Klostergarten aufgestellten, zu seiner Zeit noch vollständigen Platte bei d'Hame, Confluvium II 2 nach S. 570 (Nachzeichnung, bez. Nr. 7) und die Abb. des Fragments in Kdm. Abb. 185.

Nachweise

  1. d'Hame, Confluvium II 2, nach S. 570 (Nachzeichnung ohne Numerierung, eingefügt nach Nr. 7).
  2. Ockhart, Darstellung fol. 138.
  3. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 155.
  4. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 292.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 176† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0017600.