Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 167 Boppard, ehem. Benediktinerinnen-Kloster Marienberg 1520

Beschreibung

Grabplatte der Pfalzgräfin Anna von Pfalz-Zweibrücken, Nonne im Kloster Marienberg. Im Jahr 1773 von d'Hame in Nachzeichnung überliefert, befand sie sich bereits zu dieser Zeit an ihrem heutigen Standort (plan) in der Wand des nördlichen Kreuzgangflügels. Schmale, sich nach unten hin verjüngende Platte aus rotem Sandstein mit schwarz gefaßten Leisten, darauf Umschrift zwischen Linien, die sich oben in einer Zeile fortsetzt. Das zweigeteilte, braun gefaßte Feld oben mit einem reliefierten Wappen, unten leer. Gut erhalten.

Maße: H. 153, B. 67 (oben), 57 (unten), Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

Grabplatte der Anna von Pfalz-Zweibrücken

 Brunhild Escherich (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. ANNO · D(OMI)NI · M · Vca) · XX / · VICESIMA · PRIMA · DIE · MENSIS · APRILIS · OBIIT · / ILLVSTRIS · SOROR · AN(N)A / COMITIS(S)A · PALENTINAb) · RENI · BAVARIE · DUCIS(S)A · AC · COMITIS(S)A · IN // · VELDENTS

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1521 am ersten Tag des Monats April starb die erlauchte Schwester Anna Pfalzgräfin bei Rhein, Herzogin von Bayern und Gräfin zu Veldenz.

Wappen:
Pfalz-Zweibrücken1)

Kommentar

Die nur auf den ersten Blick ungelenk wirkenden Buchstaben erweisen sich bei genauerem Hinsehen als bewußt gestaltete Varianten aus dem reichen Formenvorrat der frühhumanistischen Kapitalis: Oben gerundetes pseudounziales A steht neben spitzem A mit überstehendem bzw. nur nach links ansetzendem Deckbalken, B ist mit einander nicht berührenden Bögen ausgeführt, D sowohl offen unzial wie kapital, E einmal zweibogig, sonst mit gleichlangen Balken, I mit Nodus, M mit sehr dünn eingehauenem hochgezogenem Mittelteil, N mit ebenfalls dünn eingehauenem, mit Nodus versehenem Schrägschaft, O spitzoval, P offen mit weit unter die Schaftmitte gezogenem Bogen, R mit kleinem Bogen und fast gerader Cauda, S fast durchgehend spiegelverkehrt, T mit nach rechts angesetztem Balken am unteren Schaftende und X mit gerade gestelltem Linksschrägschaft. Als Worttrenner der nexus-litterarum-reichen Schrift dienen paragraphzeichenförmige Quadrangeln.

Die 1461 geborene Anna2) wurde zu Beginn des Jahres 1469 von ihren Eltern Herzog Ludwig I. von Pfalz-Zweibrücken und Johanna Gräfin von Croy gemeinsam mit ihrer älteren, kurz nach ihr verstorbenen Schwester Johanna3) der geistlichen Obhut der Marienberger Äbtissin Isengard von Greiffenclau4) anvertraut. Obwohl Annas Grabplatte den Klosterbrand von 1738 gut überstanden hatte, fertigte man ihr zum Gedächntis - wie anderen auch5) - in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine neue Platte an. Diese gut erhaltene Sandsteinplatte mit der nur wenig abweichenden Inschrift6) befindet sich heute ebenfalls in der Wand des Kreuzgangs eingelassen.

Textkritischer Apparat

  1. Minuskelbuchstabe c dem V eingestellt.
  2. Sic! Zweibogiges E dem L klein eingestellt.

Anmerkungen

  1. Quadriert und belegt mit Mittelschild (Veldenz), 1/4. Pfalzgrafen bei Rhein, 2/3. Bayern.
  2. Vgl. zum Folgenden Acta Academiae und Europ. Stammtafeln NF I Taf. 29.
  3. Vgl. Nr. 170.
  4. Vgl. Nr. 87.
  5. Vgl. dazu Einleitung Kap. 3.
  6. Die in barocker Mischschrift ausgeführte Inschrift lautet ANNO D(OMI)NI 1520 / 21 DIE MENsiS APRI/LIS ObŸT · IllVssTRIS / AC RElIGIOSA / VIRGO ANNa COMi/TiSSA Pal(atina) RHE=/NI ET BAURIR (Sic!) DV/CISSA AC COMITIS/SA IN VELDENTS / CUIUS ANIMA / REqUIESCAT IN / PACE AMEN; vgl. dazu die Nachzeichnung bei d'Hame, ebd., bez. Nr. 3 und die Abb. der Grabplatte bei Kdm. Abb. 177.

Nachweise

  1. Kremer/Lamey, Varia fol. 161 und 162.
  2. d'Hame, Confluvium II 2, 428 und nach S. 570 (Nachzeichnung, bez. Nr. 2).
  3. Acta Academiae 3, 27.
  4. (Kupp), Geschichte fol. 11.
  5. Crollius, Denkmahl 88.
  6. Boulangé, Boppard 7.
  7. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 151.
  8. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 286 mit Abb. 176.
  9. Wagner, Wittelsbacher 137.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 167 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0016701.