Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 163 Oberwesel, Kath. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau 1518

Beschreibung

Grabplatte der Agnes von Dienheim. Ursprünglich in der Liebfrauenkirche1), wurde sie 1842/45 nach außen an die Wand des Kreuzgangsüdflügels versetzt und 1990/91 im neu errichteten Nordflügel des Kreuzgangs aufgestellt. Große Platte aus rot-weiß geflämmtem Sandstein mit Umschrift auf erhabenen Randleisten und vier Wappen in den Ecken. Im Feld unter Kielbogen flachreliefierte Figur der mit Kleid, Mantel, Haube und Schleier bekleideten Verstorbenen. In der linken Hand den Rosenkranz, greift sie - den Blick nach unten gerichtet - mit der rechten nach einem zu ihren Füßen stehenden, nackten Kleinkind, das seinerseits die rechte Hand der Mutter entgegenstreckt und mit der linken das rechte untere Wappen hält. Stark abgetreten und verwittert, dadurch erheblicher Schriftverlust.

Maße: H. 226, B. 110, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Grabplatte der Agnes von Dienheim

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. Anno xvc v[...]a) xvii vf dorst[ag] / nach [santb)] paulus bekerung ist gestorben frawe [Agnes von Derno Friedrichs von Schönburg hussfraw der got g]enedigc) Sey amen ·

Datum: 28. Januar 15182).

Wappen:
n: [Schönburg auf Wesel (Stamm IIb)][Dienheim]3)
Wallbrunn4)[Forstmeister von Gelnhausen]5)

Kommentar

Trotz der großen Schäden ist bei der dünnstrichig ausgeführten Minuskel eine für die Spätzeit dieser Schriftform typische Tendenz zur Rundung einzelner Buchstabenbestandteile zu beobachten: Der rechte Schaft des mit einem frakturähnlichen Anschwung versehenen A-Versals ist deutlich nach innen gezogen, bei g ist der Übergang vom Schaft zur Unterlänge nicht gebrochen, sondern gebogen, Anfangs- und Schluß-s sind rund ausgeführt, der linke Schaft des v ist leicht nach innen gebogen. Worttrenner fehlen.

Aufgrund des Todesdatums und der rekonstruierbaren Wappenkonstellation ist die Verstorbene mit Agnes von Dienheim6) zu identifizieren. Sie wurde am 31. Mai 1489 als neuntes und letztes Kind der Ehe des bedeutenden erzbischöflich-mainzischen bzw. kurpfälzischen Rats Wigand von Dienheim7) mit Agnes Forstmeister von Gelnhausen geboren. Agnes heiratete im Jahr 1509 den fünf Jahre älteren Friedrich von Schönburg auf Wesel8), erstgeborener Sohn aus der Ehe Adams von Schönburg mit Guda von Wallbrunn9). Ob die sonst nicht überlieferte, bislang nur ansatzweise entzifferte Inschrift10) auf das gemeinsam mit der Mutter abgebildete Kleinkind Bezug genommen und ob deren früher Tod mit diesem in Zusammenhang gestanden hatte, muß offen bleiben.

Textkritischer Apparat

  1. Anno dmni M. D. (...) v. Eltester. - Mögliche Ergänzung zu vndt.
  2. Die oberen Schaftenden des Wortes sind gerade noch zu sehen.
  3. Erg. nach Eltester.

Anmerkungen

  1. Vgl. Kdm. 410.
  2. Berechnet nach Trierer Stil; vgl. dazu Einleitung Kap. 1.
  3. Unter Schildhaupt ein gekrönter Löwe.
  4. Drei 2:1 gestellte Rauten.
  5. Im mit Schindeln bestreuten Feld ein senkrecht gestellter Doppelhaken, oben in einen Adlerkopf auslaufend.
  6. Vgl. Humbracht, Stammtafeln I 17.
  7. Vgl. zum Folgenden Neumer, Wigand von Dienheim pass. und zu seinem Grabdenkmal DI 23 (Oppenheim) Nr. 137.
  8. Friedrich verstarb 1550 und wurde in der Schönburger Grablege im nördlichen Seitenchor der Liebfrauenkirche bestattet; vgl. dazu Nr. 204.
  9. Vgl. dazu Möller, Stammtafeln AF I Taf. 24 und Kunz, Wallbrunn 153.
  10. Kdm. liest lediglich Anno [...] · ist · gestorben · [...] fraw...

Nachweise

  1. v. Eltester, Schönburg pass.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 413 mit Abb. 270.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 163 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0016309.