Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 161(†) Boppard, Kath. Pfarrkirche St. Severus 1516

Beschreibung

Kreuzigungsgruppe mit Jahreszahl und Titulus. Ursprünglich an der Innenseite der südlichen Friedhofsmauer1), wurde sie 1785 in die Johanneskapelle verbracht und nach deren Niederlegung um 1803 am heutigen Standort an der Südseite des Südturmes aufgestellt. Im Jahr 1953 wiederhergestelltes, monumentales Kruzifix mit lebensgroßen Assistenzfiguren aus Sandstein. Am Kreuzesstamm moderne Tafel mit Titulus (A) sowie zu Füßen Christi eingehauene Jahreszahl (B).

Maße: Zi. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, modern.

Jahreszahl und Titulus

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/3]

  1. A†

    · i(esus) · n(azarenus) · r(ex) · i(udeorum)2)

  2. B

    1516a)

Kommentar

Bis auf die innere 1 sind die Ziffern der Jahreszahl auffallend rund gearbeitet: gebogene 1 am Anfang, 5 in S-Form aus zwei gegenläufigen Bögen, 6 mit eingerolltem, geschlossenem Bogen. Wohl anstelle eines verlorenen dürfte der heutige Titulus im 20. Jahrhundert neu angefertigt worden sein. Sichere Anzeichen dafür sind sowohl die plumpe rechteckige Form der Tafel als auch offensichtlich anachronistische Elemente in der Buchstabengestaltung wie der Verbindungsstrich zwischen den beiden oberen Schaftenden des n und die spiegelverkehrt s-förmig verlaufende Fahne des r.

Die gut gearbeitete, in der Literatur bislang nur beiläufig behandelte Kreuzigungsgruppe, die aufgrund ihres ehemaligen Standorts als Friedhofskreuz fungiert haben dürfte, wird einer unbekannten niederrheinischen bzw. einer noch in spätgotischen Formen arbeitenden mittelrheinischen Werkstatt3) zugeschrieben.

Textkritischer Apparat

  1. 1576 Lehfeldt.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu die um 1750 entstandene Skizze des Stiftsbezirks bei Pauly, Topographie 62.
  2. Joh 19,19.
  3. Vgl. dazu Tiemann, Beiträge 18 bzw. Fabian, Friedhofscrucifixi 110. - Die Gruppe blieb in der grundlegenden Arbeit von Goeltzer über die mittelrheinische Bildhauerei dieser Zeit unbeachtet.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 578 (B).
  2. Höffling, Zeugen (B).
  3. Dehio Rheinland-Pfalz 143 (B).
  4. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, Abb. 146.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 161(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0016103.