Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 139 Oberwesel, Kath. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau um 1500

Beschreibung

Namensbeischriften der Heiligen Erasmus und Hildegard. Wandmalerei, innen auf der Nordseite des Westportals. Dargestellt sind drei nebeneinander auf einer Wiese stehende Heilige mit ihren Attributen, die ersten beiden über ihren Köpfen inschriftlich bezeichnet. Die ehemalige Inschrift über dem dritten Heiligen fehlt1). Neben dem Bischof Erasmus von Formio (A) mit einem Buch in der Hand2) steht Hildegard von Bingen in Ordenstracht lesend mit geöffnetem Buch und den Stab im Arm (B), gefolgt von einem heiligen Bischof mit einem Glöckchen in der rechten Hand. Temperamalerei auf Kreidegrund, 1895/98 von dem Kölner Maler W. Batzem stark überarbeitet3).

Maße: H. 203, B. 143, Bu. ca. 3,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien, gemalt.

Wandmalerei des hl. Eramus und der hl. Hildegard

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. A

    S(anctus) · Erasmus

  2. B

    S(ancta) · Hildegardis

Kommentar

Schriftausführung und Worttrenner entsprechen der zuvor besprochenen Wandmalerei.

Aufgrund der Pontifikalkleidung und des seltenen Attributs kann der unbezeichnete Heilige mit dem hl. Theodul (oder Theodor) von Sitten4) identifiziert werden. Die mit jeweils drei stehenden Heiligen in etwa gleicher Größe und Ausführung vorgenommene Ausmalung innen zu beiden Seiten des Westportals5) folgt einem bestimmten Schema: Jeweils zwei männliche Heilige rahmen eine weibliche ein, wobei es sich bei den Männern um Glaubenszeugen der christlichen Frühzeit handelt. Zudem können der Eremit Goar, der Begründer der Oberwesel benachbarten Stadt St. Goar, Hildegard von Bingen und auch die aus dem Elsaß stammende Otilie fast als 'heimatliche' Heilige gelten. Ob die Gesamtkonzeption insgesamt als "Ersatz eines Skulpturenprogramms des Westportals"6) verstanden werden kann, muß offen bleiben. Beide Wandgemälde sind mit Sicherheit demselben unbekannten Maler zuzuschreiben. Die Datierung orientiert sich an der kunsthistorischen Einordnung.

Anmerkungen

  1. Weder ein um 1920 aufgenommenes Foto (vgl. die Abb. bei Kdm.) noch der heutige Befund zeigen mehr als senkrechte Farbspuren, die vielleicht als Reste der ursprünglichen Inschrift gedeutet werden könnten.
  2. Bei dem möglicherweise falsch restaurierten, von Kdm. als Helm auf dem Buch gedeuteten Objekt könnte es sich nach Braun 229 um das nur hier nachgewiesene Attribut einer Büste handeln.
  3. Vgl. dazu Kern.
  4. Vgl. dazu Braun 689ff.
  5. Vgl. dazu die vorhergehende Kat.-Nr.
  6. So Kdm. 200.

Nachweise

  1. Clemen, Gotische Monumentalmalereien, Taf. 81.
  2. Braun, Tracht und Attribute, Abb. 176.
  3. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 199 mit Abb. 102.
  4. Kern, Wandmalerei (Ms.).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 139 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0013908.