Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 121(†) St. Goar, Evang. Stiftskirche 2.H.15.Jh.

Beschreibung

Namensbeischriften der vier Evangelisten. Gewölbemalerei der ebenerdigen Kapelle (ehemalige Taufkapelle) des südlichen Chorflankenturms. Die vier Kappen des Kreuzrippengewölbes zeigen vor einem mit roten Sternchen besäten weißen Grund die Evangelistensymbole mit Spruchbändern, auf denen die schwarz auf Weiß gemalten Inschriften (A-D) zu lesen sind. Die noch 1908 als "nie übermalt (...) und vorzüglich erhalten" bezeichneten Malereien1) wiesen gleichwohl im Buchstabenbestand erhebliche Lücken - wie die damals von dem Kölner Maler und späteren Restaurator A. Bardenhewer angefertigten Aquarelle2) eindeutig zeigen. Die Wandmalerei wurde im Jahr 1910 von Bardenhewer wiederhergestellt3).

Nach Aquarell Bardenhewer; erg. nach heutigem Befund.

Maße: Bu. ca. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Gewölbemalerei der Evangelisten

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. A4)

    Sanc[tus] // Mat[hevs]

  2. B

    San[ctus] // Ma//rc[vs]

  3. C

    [Sanctus // lu//cas]

  4. D

    S(anctus) [Joh]//a//[nnes ewa(ngelista)]

Kommentar

Die Versalien sind nicht der gotischen Majuskel entlehnt, wie es bei den Malereien im Schiff der Stiftskirche der Fall ist, sondern sind mit geknickten Bögen und quadrangelartigen Zierlinien zeitüblichen Gebrauchsschriften angenähert. Daher dürfte der Restaurator durchaus auf Vorhandenes zurückgegriffen haben, wenngleich die Minuskeln im Duktus seine Hand zeigen.

Die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaute Turmkapelle blieb zwar von den durchgreifenden Neubaumaßnamen der Jahre nach 1444 verschont5), erhielt aber zumindest im Bereich des Chors mit den Evangelistensymbolen eine neue, farbenfrohe Ausmalung durch einen unbekannten Meister, der nicht mit dem der Ausmalung des Kirchenschiffs identisch ist. Das legt auch die unterschiedliche Behandlung der Versalien durch den Restaurator nahe. Die jüngst - ohne nähere Begründung - vorgeschlagene Datierung der Malereien ins 14. Jahrhundert6) erscheint deutlich zu früh angesetzt.

Anmerkungen

  1. Bardenhewer/Renard, Wiederherstellung 56.
  2. LfD Mainz, Planarchiv, Inv.-Nr. 362 von 1308; freundlicher Hinweis von Frau Susanne Kern, Bodenheim/Rhein.
  3. Vgl. dazu Kern.
  4. Die Inschriften sind von Osten her im Uhrzeigersinn aufgeführt.
  5. Vgl. dazu ausführlich die Bauinschrift Nr. 71.
  6. So Elenz, Tätigkeitsbericht 447.

Nachweise

  1. Clemen, Gotische Monumentalmalereien, Abb. 375.
  2. Ledebur, Stiftskirche, Abb. S. 10.
  3. Imhof, Stiftskirche, Abb. S. 12.
  4. Kern, Wandmalerei (Ms.).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 121(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0012105.