Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 112 Oberwesel, Stadtgebiet 1492ff

Beschreibung

Jahreszahlen an verschiedenen Gebäuden und Denkmälern im Stadtgebiet und den eingemeindeten Vororten.

Jahreszahlen

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/4]

I†. Heumarkt 17. – Holzstück mit Jahreszahl, aufgefunden im Jahr 1996 während der Renovierung des aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden zweigeschossigen Fachwerkhauses1). Offen bleibt, ob die seit 1997 verschollene, offensichtlich zweitverwendete Jahreszahl auf einen unbekannten Vorgängerbau hinweist.

Nach Kdm.

  1. 1492

II. Holzgasse 4. – Großformatige Jahreszahl, ehemals an einer Knagge unter dem Zwergwalm des zweigeschossigen Fachwerkhauses2); in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts restauriert und in das Brüstungsfeld der Ladeluke in der Mitte des unteren Giebelgeschosses versetzt. Die erhaben gearbeitete, rot gefaßte Jahreszahl bezeichnet wohl das Erbauungsdatum des giebelständigen Hauses. Die beiden seitlich angebrachten kapitalen Buchstaben sind modern.

  1. [A(NNO)] 1576 [D(OMINI)]

III†. Unterstr. 8 – Zweitverwendete Jahreszahl (A) an unbekannter Stelle im 1850 neu errichteten sogenannten Haus Schönburg3) und gleiche Jahreszahl (B) im südlich benachbarten, mittelalterlichen Turm am Haus Schönburg (Unterstr. 8a) (B). Beide heute verlorenen Jahreszahlen wurden 1885 erstmals erwähnt, die Jahreszahl im Turm soll sich „auf seinem Schlußstein“4) bzw. „heute nicht mehr sichtbar“ auf „der obersten Stufe der Wendeltreppe“5) befunden haben. Die Jahreszahlen dürften sich auf eine Erneuerung des mittelalterlichen Turmes und des zugehörigen, ehemaligen Adelshofes der Herren von Schönburg auf Wesel beziehen.

Nach Vuy.

  1. A

    1585

  2. B

    1585

IV. Chablisstraße 4. – Jahreszahl an einem Balkenstück, eingelassen in die Giebelschwelle des zweigeschossigen, giebelständigen Fachwerkbaus6). Das mit Sicherheit in Zweitverwendung versetzte Holzstück dokumentiert einen ersten Umbau des wohl noch im Spätmittelalter errichteten Hauses7). Die schwach erhaben gearbeiteten Ziffern sind schwarz bemalt.

  1. 1586

V†. Marktplatz8). – Jahreszahl am Fuß des Kreuzes einer monumentalen Kreuzigung, überliefert durch ein um 1900 aufgenommenes Foto. Kreuz aus Basalt, der Korpus aus anderem Material. Das sogenannte Marktkreuz wurde 1939 von seinem damaligen Standort (vor dem 1964 abgerissenen Haus Rathausstr. 8) entfernt und 1948 durch eine Nachbildung ersetzt, dabei wurde auf die Anbringung der Jahreszahl verzichtet.

Nach Foto.

  1. 1606

VI. Niederbachstr. 120. – Jahreszahl im Sturz der Kellertür der sogenannten Schneidersmühle, eines zweigeschossigen Fachwerkhauses des 18. Jahrhunderts9). Die Jahreszahl verweist auf den im Kern noch erhaltenen Vorgängerbau.

Nach Kdm.

  1. 1607

VII. Martinsberg 3. – Jahreszahl in gerundeten Ziffern auf einem Schieferfragment, aufgefunden 1983 während der Restaurierung des ehemaligen Küsterhäuschens10). Durch den Fund dürfte der Zeitpunkt der Erbauung des 1650 erstmals erwähnten malerischen Fachwerkhauses genauer zu fassen sein.

Maße: H. 18, B. 27, Bu. 6,5 cm.

  1. 1625

VIII(†). Chablisstraße 5. – Jahreszahl in modernen Formen an der rundbogigen hölzernen Ladeluke des zweigeschossigen, giebelständigen Fachwerkbaus11), bei der letzten Renovierung erneuert. Die an unzugänglicher Stelle eingehauene, rot ausgemalte Jahreszahl weist auf die Erbauungszeit des Hauses hin.

  1. 1626

IX†. Oberwesel-Dellhofen, Schulweg 6/8. – Jahreszahl an einem Türbalken des Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten giebelständigen Einfirsthauses12). Vermutlich deutet das in Zweitverwendung eingebaute, seit der Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts verschollene Holzstück13) auf einen unbekannten Vorgängerbau.

  1. 1642

X(†). Münzgasse 3. – Jahreszahl innen am Eckständer des Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten ehemaligen Kelter- bzw. Backhauses14). Die flüchtig eingeritzte Jahreszahl und eine zugehörige, nicht sicher überlieferte Manensinschrift wurden im Zuge der Renovierungsarbeiten um 1985 unter Putz gelegt15). Möglicherweise stammt das offenbar zweitverwendete Holzstück aus dem unbekannten Vorgängerbau.

  1. 1659

XI†. Oberwesel-Engehöll, Am Kapellenberg 6. – Jahreszahl an einem zweitverwendeten Balken des im 19. Jahrhundert erbauten Fachwerkhauses16). Herkunft unbekannt, verschollen17).

Nach Kdm.

  1. 1686

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Kdm. 930.
  2. Vgl. dazu Kdm. 931ff.
  3. Vgl. dazu und zum Folgenden Kdm. 828ff.
  4. So Vuy.
  5. So Kdm. 830.
  6. Vgl. dazu Kdm. 921ff.
  7. Vgl. dazu Kdm. 2.1, 91 mit Abb. des spätmittelalterlichen Dachstuhls.
  8. Vgl. zum Folgenden Fischer, Heimat Oberwesel 45 und Kdm. 1007f.
  9. Vgl. dazu Kdm. 1012ff.
  10. Vgl. dazu Kdm. 972ff.
  11. Vgl. dazu Kdm. 924f.
  12. Vgl. dazu Kdm. 1065f.
  13. Freundliche Auskunft des heutigen Besitzers vom 13. November 2002.
  14. Vgl. dazu Kdm. 976.
  15. Freundliche Mitteilung von Herrn Hans Josef Henrich, Oberwesel, vom 13. November 2002. Seiner Erinnerung nach lautete der in kapitalen Buchstaben ausgeführte Name WEINGARTNER oder ähnlich.
  16. Vgl. dazu Kdm. 1082.
  17. Die heute außen am Haus Am Kapellenberg 4 angebrachte Jahreszahl ist modern.

Nachweise

  1. Vuy, Geschichte 120 (III). – Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz (1979-81) 251 (IV). – Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 930 (I), 932 (II), 830 (III), 922 und 924 (IV), 1007 mit Abb. 699 (V), 1012 (VI), 973 (VII), 924 (VIII), 1065 (IX), 976 (X), 1082 (XI). – Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz (1997-2001) 344 (II; VII).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 112 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0011206.