Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 95 Boppard, Karmeliterkirche 1480

Beschreibung

Grabplatte des Dr. Matthias Emich aus Andernach, Prior des Klosters und Mainzer Weihbischof, wohl noch am ursprünglichen Standort im Boden der Chorapsis, rechts vom Hochaltar1). Platte aus gelblich-grauem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien. Im Feld in Ritzzeichnung ausgeführte, kaum noch erkennbare Figur des Verstorbenen. Auf der rechten Seite erheblich beschädigt, zudem insgesamt fast völlig abgetreten.

Erg. nach Milendunck.

Maße: H. 187, B. 100, Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Grabplatte des Dr. Matthias Emich

 Brunhild Escherich (ADW) [1/1]

  1. [an]no d(omi)ni [mcccclxxx die xxiiii mai / obiit r(everen)dus in d(omi)no pater et d(omi)]n(u)s math[ias / episcopus cyr]enen(sis) sac(rae) theo(logia)ea) / doctor cuius anima requiescat i(n) pa(ce amen)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1480 am 24. Mai starb im Herrn der ehrwürdige Vater und Herr Matthias, Bischof von Cyrene, Doktor der heiligen Theologie, dessen Seele in Frieden ruhe, Amen.

Kommentar

Durch die hier erstmals vorgelegte Lesung des Vornamens und Titels ist die bislang eher hypothetisch vertretene Identifizierung dieser Grabplatte mit der des Verstorbenen2) gesichert. Es handelt sich um den aus Andernach stammenden Matthias Emich, Mönch im Bopparder Karmeliterkloster, seit 1466 dessen Regens und Prior, dann wohl ab 1473 (als Titularbischof von Cyrene) Weihbischof von Mainz. Der in den Quellen als "orator eminentissimus"3) bezeichnete Emich war offenbar ein bedeutender Gelehrter des Karmeliterordens und wurde bei der Gründung der Mainzer Universität zu deren erstem Theologieprofessor berufen.

Textkritischer Apparat

  1. Schluß-e hochgestellt.

Anmerkungen

  1. "iacet in choro ... iuxta presbyterium", so Milendunck.
  2. Vgl. dazu den Hinweis bei Rhein. Antiquarius II 5, 534 sowie zum Folgenden Eubel, Hierarchia catholica II 158 und ausführlich Kreuzberg, Grabmale 53f.
  3. So Koch, Karmelitenklöster 15.

Nachweise

  1. Milendunck, Historia fol. 50.
  2. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 126 (teilw.).
  3. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 374 (teilw.).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 95 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0009503.