Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 92 Boppard, ehem. Benediktinerinnen-Kloster Marienberg 1477

Beschreibung

Grabplatte der Kunigunde Kämmerer von Worms gen. von Dalberg, geb. Beyer von Boppard. Im Jahr 1773 durch d'Hame in Nachzeichnung überliefert, befand sie sich bereits damals an ihrem heutigen Standort plan in die Wand des nördlichen Kreuzgangflügels eingelassen. Große schmale Platte aus Sandstein mit Umschrift auf schwarz gefaßten Leisten, im Feld Relief eines an einem Haken hängenden Wappenschildes. Gut erhalten.

Maße: H. 176, B. 65, Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Grabplatte der Kunigunde Kämmerer von Worms gen. von Dalberg

 Brunhild Escherich (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. An(n)o · d(omi)ni · m° · cccc° lxxvi / · xxiii · die · marcii · obiit · ho(nora)bil(is) · d(omi)na · ku(n)egu(n)d(is) · vidua · ex · / domo · nobiliu(m) · / bauaror(um)a) · de · bop(ar)diab) · Cui(us) · a(n)i(m)a · requiescat · i(n) · s(an)c(t)a · pace ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1477 am 23. Tag des März1) starb die ehrwürdige Frau Kunigunde, Witwe, aus dem Haus der edlen Beyer von Boppard, deren Seele in heiligem Frieden ruhe.

Wappen:
Kämmerer von Worms gen. von Dalberg/Beyer von Boppard2)

Kommentar

Die wenigen Versalien der sehr gestreckt und mit weiten Wortabständen ausgeführten Minuskel folgen gebrauchsschriftlichen Vorlagen. Als Worttrenner dienen paragraphzeichenförmige Quadrangeln.

Die um 1413 geborene Kunigunde3) war eines der zahlreichen Kinder des Heinrich Beyer von Boppard zu Bruchcastel (aus der lothringischen Linie) mit Agnes von Ochsenstein. Seit 1433 mit Adam I. Kämmerer von Worms gen. von Dalberg verheiratet, verzichtete sie 1463 nach dem Tod ihres einzigen Kindes und ihres Ehemannes4) auf ihr Dalberger Erbe und trat in das Kloster Marienberg ein. Dort soll sie Nachfolgerin5) der 1469 verstorbenen Äbtissin Isengart von Greiffenclau zu Vollrads6) geworden sein - ohne daß sich dieses Amt im Text ihrer Grabinschrift oder in der Gestaltung der Grabplatte niedergeschlagen hätte. Kunigunde wurde in der Familiengrablege der Beyer von Boppard neben ihrem Großvater Conrad7) und vielen weiteren Vorfahren begraben.

Textkritischer Apparat

  1. banarorum Boulangé; banardvs Kubach/Verbeek.
  2. Lvpdia Lehfeldt; lvp(er)dia Kubach/Verbeek; Kdm.

Anmerkungen

  1. Berechnet nach Trierer Stil; vgl. dazu Einleitung Kap. 1.
  2. Gespalten, vorne Kämmerer von Worms gen. von Dalberg mit sonst unbekanntem Beizeichen (gabelendiges Kreuz) im Schildhaupt, hinten geteilt von Beyer von Boppard und Lösnich.
  3. Vgl. zum Folgenden Europ. Stammtafeln NF IX Taf. 5 und 6 sowie Bollinger, Familien 31.
  4. Er wurde in der Dalberger Grablege im Martinsstift zu Worms bestattet; vgl. zu seiner Grabinschrift DI 29 (Worms) Nr. 257.
  5. So Bollinger, Familien 31 und Europ. Stammtafeln NF IX Taf. 6.
  6. Vgl. dazu Nr. 87. - Laut Jaeschke, Marienberg 92 war ihre Nachfolgerin im Amt deren 1484 verstorbene Nichte Christine Greiffenclau zu Vollrads.
  7. Vgl. dazu Nr. 65.

Nachweise

  1. d'Hame, Confluvium II 2, 631 und nach S. 570 (Nachzeichnung, bez. Nr. 1).
  2. Ockhart, Darstellung fol. 131v (teilw.).
  3. Boulangé, Boppard 7.
  4. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 584 (teilw.).
  5. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar 150.
  6. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 284 mit Abb. 173.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 92 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0009206.