Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 67 Boppard, ehem. Benediktinerinnen-Kloster Marienberg 1425

Beschreibung

Epitaph der Adelheid von Ippelborn, geb. Beyer von Boppard. Im Jahr 1773 von d'Hame in der Wand des Kapitelsaals in Nachzeichnung überliefert, wurde sie nach Aufhebung des Klosters an der Wand der südlichen Vorhalle, ihrem heutigen Standort, befestigt. Kleine querrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Inschrift zwischen sieben vorlinierten Zeilen, in den oberen Ecken je ein reliefierter Wappenschild. Leicht verwittert, braun überstrichen.

Maße: H. 50, B. 95, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Epitaph der Adelheid von Ippelborn

 Dr. Eberhard J. Nikitsch (ADW) [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · m · cccc° · / xx · v°a) · in · die · s(an)c(t)i · silvestri / pape · o(biit) · d(omi)na · alheidyzb) · / vxor · d(omi)ni · Frederici · de · yppelborne · miles · filia · / d(omi)ni · henrici · beier · milesc) · de · bop(ar)dia · Cui(us) / a(ni)ma · Requiescat · in · pace · Amen ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1325 am Tag des heiligen Papstes Silvester (31. Dezember) starb Frau Adelheid, Ehefrau des Herrn Friedrich von Ippelborn, Ritter, Tochter des Herrn Heinrich Beyer von Boppard, Ritter, deren Seele in Frieden ruhe, Amen.

Wappen:
Beyer von Boppard1)Ippelborn2)

Kommentar

Während der mit gebogenem Deckbalken und gebogenem Abschlußstrich am rechten Schaft versehene Versal bei Anno sonst dem pseudounzialen A der gotischen Majuskel nachempfunden ist, orientieren sich die restlichen Versalien an gebrauchsschriftlichen Vorlagen. v ist mit links nach oben verlängertem linken Schaft gebildet. Als Worttrenner dienen Quadrangeln.

Die erstmals 1375 genannte, seit 1391 mit dem sonst nicht bezeugten Friedrich von Ippelborn verheiratete Adelheid3) war eine Tochter Heinrichs d. J. Beyer von Boppard und seiner Frau Lisa von Lösnich, die beide - wie auch ihr Bruder Conrad - ebenfalls im Kloster Marienberg begraben waren4). Das schlichte Epitaph Adelheids dürfte als letzter erhaltener Vertreter eines ansonsten im Bearbeitungsbgebiet nicht mehr nachweisbaren Grabdenkmalstyps5) anzusehen sein, der vermutlich anstelle von Grabplatten für weniger bedeutende Adelige oder auch für einfache Nonnen benutzt wurde. Aufgrund des signifikanten A-Versals und des identisch gebildeten v könnte die Inschrift von dem gleichen Steinmetz hergestellt worden sein, der auch die Inschrift auf der Grabplatte ihres 1421 verstorbenen Bruders Conrad verfertigt hatte.

Textkritischer Apparat

  1. mccccxxv iii Kdm.
  2. Sic! z zweistöckig.
  3. Folgt eine wegen einer alten Beschädigung unbeschriftete Stelle.

Anmerkungen

  1. Quadriert von Beyer von Boppard und Lösnich.
  2. Ein Schrägbalken.
  3. Vgl. zum Folgenden Europ. Stammtafeln NF IX Taf. 5.
  4. Vgl. dazu Nrr. 56 und 65.
  5. Zahlreiche dieser tafelartigen Denkmäler des 15. Jh. haben sich in Oppenheim erhalten; vgl. dazu DI 23 (Oppenheim) XXXIX, sowie vereinzelt im Rheingau; vgl. dazu DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) XLVII.

Nachweise

  1. d'Hame, Confluvium II 2, 631 und nach S. 631 (Nachzeichnung, bez. Nr. 4).
  2. Rhein. Antiquarius II 5, 338.
  3. Boulangé, Boppard 18.
  4. Klein, Boppard 224 (übers.).
  5. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 150 und 155.
  6. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 284 mit Abb. 172.
  7. Pauly, Beiträge, Abb. S. 20.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 67 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0006705.