Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 55 Boppard, Karmeliterkirche 1393

Beschreibung

Grabplatte bzw. Epitaph für Conrad Kolb von Boppard, innen in die Südwand des Chors eingelassen. Große Platte aus rotem Sandstein mit von innen zu lesender Umschrift auf den leicht nach außen abgeschrägten seitlichen und der oberen Leiste, die untere ist nicht ausgeführt. Unter einer reliefierten Kielbogenarkade fast vollplastische Darstellung des Verstorbenen als voll gerüsteter Ritter mit zugespitzter Beckenhaube, offenem Visier und Helmbrünne, zugeschnürtem Lendner und tiefsitzendem Gürtel, daran das Schwert auf der linken Hüfte. Die rechte Hand hält den nach innen gerichteten Dolch, die linke den reliefierten Wappenschild, der sich in kleiner Ausführung auf der Brust wiederholt. Beide Füße ruhen auf einem Löwen mit rückwärts gekehrtem Kopf, darüber Helm mit Helmzier. Ehemals sicher farbig gefaßt und später nochmals überstrichen, sonst bis auf die beschädigte Mundpartie verhältnismäßig gut erhalten.

Maße: H. 221, B. 116, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Grabplatte des Conrad Kolb von Boppard

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. annoa) · d(omi)ni · M · ccc · lxxxx · tercio · xxvii · die · mensis · marcii · Obiit · / Conradus kolb[.]b) · de / Bop(ar)dia · armiger · cui(us) · a(n)i(m)a · requiescat · in · pace · amen

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1393 am 27. Tag des Monats März starb Conrad Kolb von Boppard, Edelknecht, dessen Seele in Frieden ruhe, Amen.

Wappen:
Kolb von Boppard1)

Kommentar

Die Versalien der etwas wackelig ausgeführten Minuskel orientieren sich nicht an der zu dieser Zeit durchaus noch gebräuchlichen Majuskel, sondern eher an den mit starken Brechungen ausgeführten Initialen handschriftlicher Auszeichnungsschriften. Als Worttrenner dienen Quadrangeln.

Die zu den ältesten und bedeutendsten Adelsgeschlechtern der Stadt zählenden Kolb von Boppard2) fungierten zunächst als königliche Ministeriale, seit der Herrschaft Erzbischof Balduins von Trier oft als kurtrierische Amtleute und Vögte. Ende des 15. Jahrhunderts verliert sich ihre Spur. Aufgrund der Wappengleichheit ist eine gemeinsame verwandtschaftliche Wurzel mit den früher bezeugten Beyer von Boppard nicht auszuschließen. Konrad Kolb von Boppard (der Alte) ist für das Jahr 1347 urkundlich belegt, als er dem Trierer Erzbischof für das erhaltene Burglehen in Boppard Treue gelobte.

Offen bleibt, ob es sich bei diesem ältesten Grabdenkmal eines Adeligen in der Karmeliterkirche noch um eine Grabplatte oder aufgrund der wie eine Standfläche gearbeiteten unteren Zone bereits um ein senkrecht angebrachtes Epitaph gehandelt hat3). Der inschriftlose, früher über dem Grabdenkmal angebrachte Totenschild4) des Verstorbenen ist heute im Chor aufgehängt.

Textkritischer Apparat

  1. Textbeginn links unten.
  2. kolbe d'Hame; Rhein. Antiquarius; Martini; kolbo Nolden; Schlad; Eltester; KOLBU Kubach/Verbeek; KOLBE Kdm. - Erkennbar sind zwei Schäfte, von denen der linke unten gebrochen ist, der rechte nicht. Da ihre oberen Enden nicht sicher zu bestimmen sind, kann es sich nur um o oder v handeln.

Anmerkungen

  1. Löwe; Helmzier: Mohrenrumpf mit Stirnbinde.
  2. Vgl. zum Folgenden Klein 35, Kreuzberg, Gruber, Adel 394 sowie Möller, Stammtafeln AF I 50 und Taf. 20 (mit Todesdatum 1399).
  3. Vgl. dazu Einleitung Kap. 4.1.2.
  4. Vgl. dazu die Abb. in Boppard am Rhein.

Nachweise

  1. d'Hame, Confluvium II 2, 690.
  2. Nolden, Karmeliterkirche 9.
  3. Schlad, Chronick 1, o. P.- Rhein. Antiquarius II 5, 536f.
  4. L. v. Eltester, Bleistiftzeichnung, dat. 7. Juli 1857 (LHAK Best. 700,30 Nr. 417/19).
  5. Boulangé, Boppard 20 mit Taf. 4 (Nachzeichnung).
  6. Klein, Geschichte 308 (übers.).
  7. Martini, Carmel 307.
  8. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 121.
  9. Kreuzberg, Grabmale 54.
  10. Kubach, Kunstdenkmäler, Abb. 128.
  11. Boppard am Rhein 1977, Abb. 36.
  12. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 374 mit Abb. 263.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 55 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0005502.