Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 34 Oberwesel, Kath. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau 1340

Beschreibung

Fragmente der Grabplatte des Ritters Humbert von Schönburg auf Wesel (gen.) von Argenthal. Aufgefunden im Sommer 19881) als Bestandteile der in den Jahren 1842 bis 1845 zugemauerten Kreuzgangfenster, seit Sommer 1996 rekonstruiert2) und im neu errichteten Nordflügel des Kreuzgangs aufgestellt. Aus sechs Teilen bestehende, ansonsten gut erhaltene obere Hälfte einer Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im Feld ein großes reliefiertes Wappen.

Maße: H. 112 (frgm.), B. 95, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Grabplatte des Humbert von Schönburg auf Wesel gen. von Argenthal

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. ANNO · D(OMI)NI · Mo · / CCCo · XLo KAL(ENDIS) JULI[I - - - / - - -/ - - -]a) ARGINDAL ·

Datum: 1. Juli 1340.

Wappen:
Schönburg auf Wesel (Stamm III)3).

Kommentar

Die Enden der in ausgewogenen Proportionen gearbeiteten Buchstaben laufen zum Teil in umgebogene Zierlinien aus oder weisen dreiecksförmige Sporen auf. Als Worttrenner dienen Quadrangeln.

Durch das Datum und den auffälligen Namenszusatz läßt sich der Unbekannte mit dem bislang als vor 13424) verstorben bezeichneten Humbert (I.) von Schönburg auf Wesel identifizieren. 1296 als "armiger" und ab 1334 als "miles" urkundlich erwähnt, war er ein Nachkomme des 1266 erstmals genannten "Merbodo dictus de Argental", vermutlich Herr des unweit Oberwesels gelegenen Dorfes Argenthal im Hunsrück. Humberts (I.) gleichnamiger Sohn war in kinderloser Ehe mit Peterse, Tochter des Lamprecht von Schönburg auf Wesel (Stamm I), verheiratet. Merbodo dagegen begründete über seinen gleichnamigen Sohn die später "Humbracht" genannte Linie, die 1534 mit Otto Humbracht von Schönburg auf Wesel5) im Mannesstamm ausstarb.

Die bis dahin unbekannte Grabplatte stellt das älteste sepulkrale Zeugnis der als Ganerben auf der Schönburg oberhalb von Oberwesel residierenden Herren von Schönburg dar und eröffnet damit die lange Reihe der Bestattungen von Mitgliedern der verschiedenen Linien, denen als hervorgehobene Familien-Grablege der nördliche Seitenchor der Liebfrauenkirche vorbehalten war.

Textkritischer Apparat

  1. Da von der Inschrift bislang keine kopiale Überlieferung nachzuweisen war, mag die 1996 als Malerei ausgeführte Ergänzung JULI[I · O(BIIT) · HUMBERT(US) · / MILES · DE · SC/HONENBVRG · D(I)C(TU)S · DE] zwar wahrscheinlich sein, beruht dennoch sowohl inhaltlich als auch vom Wortlaut her auf reiner Hypothese. So nennt sich etwa Humbrachts Vetter Merbodo - der mit ihm das Dorf Argenthal vermutlich zu gleichen Teilen besaß - in einer Urkunde von 1303 ausdrücklich "de Argendale" (vgl. dazu Baumgarten/Schellack 51), verzichtet also auf das "dictus" seines gleichnamigen Vorfahren.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Kdm. 410 und Weiler 112 (dort irrtümlich die Angabe 1990/91).
  2. Während die originalen Teile der oberen Hälfte lediglich fixiert wurden, komplettierte man den verlorenen unteren Teil durch rot eingefärbten Beton und ergänzte die Fehlstellen der Umschrift mit der oben zitierten Inschrift.
  3. Sechs 3:2:1 gestellte Schildchen.
  4. Vgl. zum Folgenden Möller, Stammtafeln AF I S. 93ff mit Taf. 34, Baumgarten/Schellack 47ff. und Weiler pass.
  5. Vgl. DI 34 (Lkrs. Bad Kreuznach) Nr. 278.

Nachweise

  1. Baumgarten/Schellack, Argenthal 50 mit Abb. 19.
  2. Weiler, Grabstein 112, erg. Text mit Nachzeichnung und Abb. S. 114.
  3. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 410ff. mit Abb. 267.
  4. Nikitsch, Grabplatte 113 mit Abb. S. 114.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 34 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0003400.