Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 24 Bonn, Rheinisches Landesmuseum (aus Boppard) vor 1327

Beschreibung

Maßgefäß (sogenannter Bonner Sömmer) mit Rechts- und Stifterinschrift. Durch den Bearbeiter Ende April 1997 im Magazin des Rheinischen Landesmuseums Bonn1) aufgefunden, bis dahin unbeachtet. Laut Eintrag im Inventarbuch des Museums (Inv.-Nr. 202)2) vom 23. Oktober 1877 wurde der Sömmer zusammen mit 10 weiteren "mittelalterl(ichen) Frucht- und Flüßigkeits-Maaße(n) und 2 Gewichtseinsätze(n) der Stadt Boppard" für 300 Mark von einem Herrn Schwickerath erworben3). Über die glatte Außenwand sind vier Adlerwappen verteilt, jeweils eines kennzeichnet den Textbeginn bzw. das Textende. Das runde Hohlgefäß aus Bronze entspricht in seinem Äußeren bis auf seine etwas höhere Ausführung, den abweichenden Inschriftenbeginn hinter einem Henkel und einer anders durchgeführten Maßänderung4) ziemlich genau dem Bopparder Sömmer5).

Maße: H. 25,5 bzw. 21,5 (ohne Füße), Dm. 41,5, Bu. 2,2-2,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, erhaben.

sogenannter Bonner Sömmer

 Rheinisches Landesmuseum, Bonn; H. Lilienthal [1/1]

  1. · V(M)MEa) · EYNb) · REICHTEc) · BESHEIDI(N)EITd) · SO VORDI(N)d) · DVSSEe) · SV(M)MERI(N)ad) · BEREIT · V(M)MEa) · / RECHTE · SACHTEf) · SO · DADI(N)d) · MIRSE · MACHI(N)d)

Versmaß: Deutsche Reimverse.

Wappen:
Stadt Boppard6)

Kommentar

Abgesehen von dem hier neu verwendeten Buchstaben Y, dem mehrmaligen Gebrauch des unzialen D bei DVSSE bzw. DADI(N) und den wenigen sonstigen Varianten wird hier der gleiche, wohl aus denselben Modeln wie bei dem Bopparder Sömmer gewonnene Text geboten. Als Kürzungszeichen und Worttrenner dienen ebenfalls halbkugelig erhabene Punkte, zudem werden als neue Worttrenner kleine Balken eingesetzt. Zusätzlich zu den bereits beim Bopparder Sömmer angeschnittenen Problemen, stellt sich nun auch noch die Frage nach dem Grund für die Existenz zweier nahezu gleicher und offensichtlich zur selben Zeit hergestellter Maßgefäße7).

Textkritischer Apparat

  1. V mit überschriebenem halbkugelig erhabenem Punkt als Kürzungszeichen; vgl. dazu die vorhergehende Nr. mit Anm. a.
  2. Y spiegelverkehrt; EIN Bopparder Sömmer.
  3. RECHTE Bopparder Sömmer.
  4. I mit überschriebenem halbkugelig erhabenem Punkt als Kürzungszeichen; BESHEDIEIT Bopparder Sömmer.
  5. V mit überschriebenem kleinem Ring.
  6. T wurde vermutlich durch den Hersteller korrigiert: Der linke Teil des mit deutlicher Schwellung ausgeführten Balkens des T fehlt, dadurch sollte wohl der Eindruck eines G erweckt und damit der Schreibweise SACHGE des Bopparder Sömmers entsprochen werden.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu ausführlich Nikitsch, Maß pass. - Der Magazinverwalterin Frau Ulrike Komainda und meiner Bonner Kollegin Dr. Helga Giersiepen gilt mein herzlicher Dank für ihre freundliche Unterstützung.
  2. Die aufgrund der äußerlichen Ähnlichkeit mit dem Bopparder Sömmer (vgl. die vorhergehende Nr.) vermutete Bopparder Provenienz wurde durch die von dem Museums-Restaurator Herrn Frank Willer oben auf dem Innenrand entdeckte Inventar-Nummer 202 und die mir durch Frau Dr. Ingeborg Krueger freundlicherweise zur Verfügung gestellten Kopien aus dem Inventarbuch von 1877 und dem Tausch- bzw. Abgabebuch des Jahres 1938 endgültig bestätigt.
  3. Laut Tausch- bzw. Abgabebuch wurden (bis auf das vorliegende) sämtliche anderen Stücke (vollständige Liste bei Nikitsch, Maß 94) vor 1937 im Tausch an den Verband der rheinischen Heimatmuseen in Düsseldorf abgegeben und dürften noch im gleichen Jahr an das geplante 'Haus der rheinischen Heimat' nach Köln abgeliefert worden sein. Ungeklärt bleibt allerdings, warum der im Abgabebuch auf S. 77 als eine von vier "Schüssel(n) auf 3 Füssen u(nd) mit 2 Henkeln" verhältnismäßig eindeutig zu identifizierende Bonner Sömmer zurückblieb. Offenbar sind die Stücke aber nie nach Köln gelangt, vielmehr wieder nach Boppard zurückgekehrt: Dort war am 1. Juli 1936 das neue Stadtmuseum in der Alten Burg offiziell eröffnet worden (vgl. dazu Koelges, Altertumssammlung 73) und am 5. Juli 1937 bestätigte Kreisschulrat Becker als neuer Museumsleiter den Empfang von 14 "Maßen und Gewichten aus Boppard" vom Verband der Rheinischen Heimatmuseen. Über den Verbleib dieser Maße und Gewichte ist nichts bekannt.
  4. Um das neue Maß zu erreichen, wurde beim Bonner Sömmer nur ein vier Zentimeter hoher Ring von außen aufgesetzt und mit mehreren Bronzenägeln derart grob befestigt, daß er drei der vier Adlerwappen zur Hälfte verdeckt. Zur Feinabstimmung wurde innen zusätzlich Bronze abgeschabt.
  5. Vgl. die vorhergehende Nr. - Wie eine von Herrn Frank Willer durchgeführte Vergleichsmessung ergeben hat, entspricht auch der Inhalt des Bonner Sömmers mit 26,5 Liter exakt dem des Bopparder.
  6. Ein einköpfiger Reichsadler.
  7. Vgl. dazu die folgende Nr.

Nachweise

  1. Nikitsch, Maß 92 mit Abb. S. 91f.
  2. Nikitsch, Sömmer 12 mit Abb. 11 und 13.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 24 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0002403.