Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 12 Bonn, Rheinisches Landesmuseum (aus Boppard) 2.H.6.-7.Jh.?

Beschreibung

Grabstein der (...)dis. Im Jahr 1871 bei Bauarbeiten im Bereich des fränkischen Gräberfeldes "Im Proffen" in situ aufgefunden1), heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn (Inv.-Nrr. A 1409 und A 1411)2). Kleiner, in zwei Teile zerbrochener Quader aus Kalkstein mit neunzeiliger Inschrift zwischen Linien. Oberfläche beschädigt mit geringem Textverlust, dritte und vierte Zeile vollständig ausgebrochen.

Maße: H. 26, B. 12, Bu. 1,5-2 cm.

Schriftart(en): Vorkarolingische Kapitalis, Typ 2 (Fränkische Schrift).

Grabstein der (...)dis

 Reproduktion: Spätantike und frühes Mittelalter, S. 69 [1/1]

  1. HIC REQ/[(VI)ES]CIT IN / [PACE ... / .....]/DIS VI/XIT OV[I]/ITa) AN/NVSb) / XXXc)

Übersetzung:

Hier ruht in Frieden (...)dis. Sie lebte 30 Jahre. Sie starb (...).

Kommentar

Die in ähnlich mangelhafter Qualität wie bei dem Bilefridus-Stein ausgeführte fränkische Schrift zeigt Schaftverlängerung bei C und E, dazu A mit geknicktem Mittelbalken, eckiges C, rautenförmiges O, unziales Q mit offenem Bogen, liegendes S und T mit verkürztem Schaft. Die schwankende Linienführung und die auffällig weiten Winkel bei A und V unterstützen den uneinheitlichen Gesamteindruck.

Das knappe Formular sowie die vulgärlateinischen Formen OVIIT für OBIIT und ANNVS für ANNOS sind auch sonst in Inschriften dieser Art nachweisbar3). Aufgrund der Endung des Namens auf -dis kann eine Frau als Verstorbene angenommen werden, die der fränkischen Bevölkerung Boppards zuzurechnen sein dürfte. Offensichtlich wurde die Gestaltung des X bei VIXIT sowie die der Zahlzeichen in der letzten Zeile bewußt dem christlichen Kreuzeszeichen angeglichen. Der Grabstein wurde von Boppert "eher ins 7. als ins 6. Jh."4) datiert.

Textkritischer Apparat

  1. Satzbau verworren, vermutlich war - wie bei Nr. 10 (Fredoara) - VIXIT ANNVS XXX OVIIT mit dem (fehlenden) Sterbedatum beabsichtigt.
  2. Nach ANNVS folgen zwei leicht nach rechts gebogene Schrägstriche, von denen der erste die Linie füllt und der zweite etwas nach unten versetzt bis in die Mitte der nächsten Zeile reicht. Beide Zeichen, die auch sekundär entstanden sein könnten, wurden bisher als Zahlzeichen X (Bendermacher; Kraus und folgende) bzw. II (Egger; Boppert; Böringer/Schmitz) gedeutet.
  3. ††† (drei lateinische Kreuze) Bendermacher; Böringer/Schmitz.

Anmerkungen

  1. Der Stein lag auf dem von den Ausgräbern mit Nr. 9 bezeichneten, sonst nicht näher beschriebenen Reihengrab; vgl. dazu Anm. 1 der vorhergehenden Nr. - Wie Böringer/Schmitz erstmals festgestellt haben, wurde der Grabstein aus einem "antiken Altar zurechtgehauen", von dem noch Teile der Basis erhalten geblieben sind.
  2. Unter den Inv.-Nrr. befindet sich eine weitere Nr. 982 aufgemalt; freundlicher Hinweis meiner Bonner Kollegin Dr. Helga Giersiepen, der ich zudem die Maßangaben und die Überprüfung der Inschrift verdanke.
  3. Vgl. dazu und zum Folgenden Boppert 133.
  4. Ebd.

Nachweise

  1. Bendermacher, Grabstätten 106 mit Nachzeichnung.
  2. Kraus, Inschriften I 132 Nr. 268 mit Nachzeichnung.
  3. Le Blant, Recueil Nr. 71/72 mit Nachzeichnung.
  4. CIL XIII 2.1 Nr. 7562.
  5. Lehner, Provinzialmuseum 2 mit Abb. Taf. 34.2.
  6. Lehner, Steindenkmäler Nr. 982.
  7. Egger, Grabsteine 155 mit Abb. Taf. 10.2.
  8. Boppert, Inschriften 132 mit Abb.
  9. Neumayer, Grabfunde 169.
  10. Böringer/Schmitz, Art. -dis 69 mit Abb. 40.
  11. Wegner, Denkmäler 759.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 12 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0001200.