Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 303 Murrhardt, ev. Stadtkirche St. Januarius 1643

Beschreibung

Halbsäule mit Gedächtnisinschrift für den kath. Abt von Stade und Murrhardt Emerich Funckler. Im Langhaus an den südlichen Vierungspfeiler anstoßend. Unmittelbar unter dem Bogenanfänger auf der Südseite der Halbsäule einzeilige Datierung, daran rechts anschließend ein achtzeiliger, sich über zwei Säulensegmente erstreckender Schriftblock. 1648 beim Wiedereinzug der Protestanten beschädigt und zugeputzt, 1973 freigelegt und stellenweise ergänzt. Sandstein, Schrift eingehauen und dunkelbraun nachgezogen; ergänzte Textteile aufgemalt.

Maße: H. (Schriftblock) 76, B. 85, Bu. 4–6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 37, Nr. 303 - Murrhardt - 1643

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. A(NNO) 1643 IAN(VARII)a) XI / CAPT(VS) ET AVECTVS EST / A GALLOb) SVECCIS WINA=/RIENSIBVSc) R(EVERENDVS)a) D(OMINVS)a) EMMERIC(VS) / IN STADEN ET MVRHART / ABBAS QVI XXIIId) MARTII / APVD HOSTESe) OBIIT / FRIBVRGI BRISGOIAE / DEVS MISERERE EIVS

Übersetzung:

Am 11. Januar 1643 ist vom Franzosen, von den Schweden und Weimarern der ehrwürdige Herr Emerich, Abt in Stade und Murrhardt, ergriffen und verschleppt worden; er ist am 23. März bei den Feinden gestorben in Freiburg im Breisgau. Gott erbarme sich seiner!

Kommentar

Die Schrift ist sehr unregelmäßig gehauen, Buchstabenhöhe und Wort- und Buchstabenabstände schwanken erheblich. Die Ungeübtheit des Steinmetzen bei der Anfertigung von Inschriften zeigt sich auch in einigen offensichtlichen Schreibfehlern. Alle I-Punkte und die als Kürzungszeichen gesetzten Doppelpunkte sind dreieckig.

Im Zuge der Rekatholisierung während des Dreißigjährigen Krieges waren bereits 1630 katholische Mönche im Kloster Murrhardt eingezogen, die allerdings 1632 wieder vertrieben wurden. Nach der Schlacht von Nördlingen 1634 erfolgte die Restitution, zunächst unter Abt Adam Adami, dann ab 1635 unter Emerich Funckler, der durch den Präses der Bursfelder Kongregation, Abt Spichernagel von St. Pantaleon/Köln, aus dem Kloster Stade in Niedersachsen nach Murrhardt berufen und als Abt eingesetzt wurde1. Durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens mußten die Katholiken 1648 das Januariuskloster endgültig aufgeben. Die Inschrift verdient Beachtung als unmittelbares katholisches Zeugnis der konfessionellen Auseinandersetzungen während des Dreißigjährigen Krieges wie auch wegen der deletio memoriae seitens der Protestanten, der sie nach dem Ende des Krieges zum Opfer fiel.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch Doppelpunkt.
  2. A GALLO durch grobe Meißelschläge radiert, die Ergänzung ALLO unsicher.
  3. Sic! SVECCIS WINA=/RIENSIBVS teilweise radiert.
  4. Zahlzeichen nicht eindeutig aufzulösen: zwei verschränkte X (?) in Form eines Zwillingsschrägkreuzes; danach ein Quadrat mit eingestellter Haste, vielleicht III mit oberem und unterem Abschlußstrich?
  5. H oben und unten mit einem Balken abgeschlossen, Steinmetzfehler; das E offensichtlich auch verhauen mit deutlich nach links überstehendem oberen und unteren Balken; unter dem letzten S noch ein zuerst eingehauenes M sichtbar.

Anmerkungen

  1. Vgl. Germania Benedictina V 398.

Nachweise

  1. Kdm Rems-Murr 576, 578 (Abb.).
  2. Schweizer, Bildsteine 50f.

F

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 303 (Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0030307.