Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 162† Murrhardt, ev. Stadtkirche St. Januarius 1552

Beschreibung

Grabplatte des Abtes Thomas Carlin. Gestaltung und Standort unbekannt.

Wortlaut nach dem Roten Buch des Klosters Murrhardt.

  1. Anno 1552. Scias Candide Lector hoc saxum Venerabilis et pij D(omini) Thomae hujus Monasterii abbatis corruptibile Corpus obtegere. Qui erga Deum et hominesa) Christianissimumb) gessit animum. Etiam tam monastice religionis, quam aedificiorum restaurator fuitc). Vitam terminavit 21ten July Vixit annos 56. Regnavitd) 4. Cuius anima requiescat in pacee).

Übersetzung:

Im Jahr 1552. Wisse, redlicher Leser, daß dieser Stein den vergänglichen Leichnam des ehrwürdigen und frommen Herrn Thomas, Abts dieses Klosters, bedeckt. Er hat gegenüber Gott und den Menschen eine höchst christliche Gesinnung bewiesen. Auch war er ein Erneuerer sowohl des Klosterlebens als auch der Bauten. Sein Leben beschloß er am 21. Juli, er hat 56 Jahre gelebt, 4 Jahre regiert. Seine Seele ruhe in Frieden.

Kommentar

Thomas Carlin (Karle) war bereits vor 1527 Prior des Januariusklosters, von 1536 bis 1548 bildete er zusammen mit Abt Martin Mörlin den gesamten Konvent. Nach Mörlins Tod 1548 wurde Carlin von Herzog Ulrich von Württemberg zum Abt eingesetzt und von Bischof Melchior von Würzburg bestätigt1. Der Hinweis der Grabschrift, er sei ein Erneuerer des Klosterlebens gewesen, bezieht sich auf den 1548 begonnen Wiederaufbau eines Mönchskonvents2. Zahlreiche Gebäude hat Carlin neu erbauen lassen, nachdem Kloster und Stadt Murrhardt durch die Truppen Kaiser Karls V. im Zuge des Schmalkaldischen Krieges 1547 schwer verwüstet worden waren.

Textkritischer Apparat

  1. Emend.; hominis Rotes Buch.
  2. Christianum Crusius.
  3. Hier ist bei Crusius das Anno 1552 vom Beginn der Inschrift eingefügt.
  4. Folgt autem Crusius.
  5. Folgt Amen Crusius.

Anmerkungen

  1. Zu dem juristisch problematischen Vorgehen bei der Abtseinsetzung vgl. Fritz, Murrhardt im Spätmittelalter 123–126.
  2. Ebd. 126–128.

Nachweise

  1. Crusius, Ann. Suev. II 23.
  2. Rotes Buch des Klosters Murrhardt 36.
  3. Fritz, Murrhardt im Spätmittelalter 349.

F

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 162† (Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0016206.