Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 114 Backnang, ev. Stiftskirche St. Pankratius 1515

Beschreibung

Grabplatte des Propstes Jakob Wick. Innen an der Westwand der Krypta; bis 1929 außen an der Nordwand der Kirche, ursprünglicher Standort unbekannt. Umschrift zwischen Linien; im wannenartig vertieften Mittelfeld unter Astwerkbaldachin in hohem Relief der Propst im Meßgewand, mit Manipel und Birett, den Kelch segnend. Grauer Sandstein; Oberfläche des Reliefs bestoßen und verwittert, Fehlstellen am unteren Rand ausgeflickt, Schriftverlust.

Maße: H. 193, B. 87, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien in gotischer Majuskel.

DI 37, Nr. 114 - Backnang - 1515

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. An(n)o · d(omi)ni · M · ccccc · xv · vndeci(m)a · / Julij Obijt · vene(r)a(bi)l(is)a) · vir · Jacob(us) · wijgk · de · winiden · h(uius) · ecclesie · c[olleg/i]ateb) · d(e) (con)ue(n)tu · i[n. . . . . . . / . .]c) · p(re)posit(us) · p(ri)m(us) · Quo · p(re)side(n)te · t(r)anslac(i)od) · f(a)cta · e(st) · a(nn)oe) · d(omini) · 1·4·7·7· c(uius) · a(n)i(m)a · r(e)q(uiesca)tf) · i(n) paceg) ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1515 am 11. Juli starb der ehrwürdige Mann Jakob Wick von Winnenden, (nach der Umwandlung) dieses Kollegiatstifts von einem Konvent (in ein weltliches Stift) sein erster Propst, unter dessen Leitung die Umwandlung durchgeführt wurde im Jahr des Herrn 1477. Seine Seele ruhe in Frieden.

Kommentar

Das Schriftbild ist ausgesprochen gleichmäßig. Auffällig ist die große Zahl und die Art der Kürzungen durch starke Kontraktion und übergeschriebene Buchstaben, wie sie aus dem zeitgenössischen Schreibschul- und Kanzleibetrieb geläufig waren. Als Worttrenner sind paragraphenförmig ausgezogene Quadrangeln gesetzt.

Das Augustiner-Chorherrenstift Backnang wurde, nachdem es wie viele klösterliche Institutionen im Spätmittelalter in eine schwere Krise geraten war, 1477 auf Betreiben der Chorherren von Papst Sixtus IV. in ein weltliches Chorherrenstift nach dem Vorbild von St. Guido in Speyer umgewandelt (translacio der Inschrift). Mitentscheidend für die Umwandlung war neben schwersten wirtschaftlichen Problemen und innerer Zerrüttung wohl auch die Sorge der Chorherren vor einschneidenden Reformmaßnahmen des Speyerer Bischofs Matthias Ramung1. Die damit zusammenhängenden Verhandlungen wurden von Jakob Wick offenbar nicht ohne Geschick geführt, unmittelbar nach der vollzogenen Umwandlung konnte er sogar daran gehen, die bischöflichen Rechte noch weiter zurückzudrängen. 1492 trat er vom Propstamt zurück.

Textkritischer Apparat

  1. Offenes a über n übergeschrieben, quer durchstrichenes l hochgestellt.
  2. te klein hochgestellt.
  3. Zu ergänzen nach OAB Backnang – vermutlich stark gekürzt –: secularem translate. Nach dem Wortlaut der Papsturkunde von 1477 (Druck bei Besold 11–18) wäre als terminus technicus secularem erecte zu erwarten.
  4. Offenes a über n übergeschrieben, danach s klein übergeschrieben.
  5. o hochgestellt.
  6. t klein übergeschrieben.
  7. Offenes a über p übergeschrieben.

Anmerkungen

  1. Franz Haffner, Die kirchlichen Reformbemühungen des Speyerer Bischofs Matthias von Rammung in vortridentinischer Zeit (1464–1478). Speyer 1961, 150–166.

Nachweise

  1. OAB Backnang 129.
  2. Kdm Rems-Murr 232f. (Abb.).
  3. Bomm/Fritz/Reustle/Schweizer 58.

F

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 114 (Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0011400.