Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 69† Murrhardt, Klosterklausur 1498

Beschreibung

Glasgemäldezyklus aus 16 Scheiben. Ursprünglicher Standort in der Klausur unbekannt, zwölf Scheiben unter Abt Josef Huffius (1643–48) in die Abtswohnung1 versetzt, die vier übrigen (Nrr. 1316) ins Obergeschoß des Klosterhofs Neuhaus2 eingebaut, wobei auf die ursprüngliche Reihenfolge keine Rücksicht genommen wurde. Verbleib unbekannt. Über die Ausführung und das Bildprogramm unterrichtet das Chronicon Murrhardtense des Murrhardter Priors Adam Adami aus der Mitte des 17. Jahrhunderts3. Demnach dürfte es sich um Rundscheiben gehandelt haben, die zum Teil mit Beischriften versehen waren: 1. Kniender Mönch vor thronendem Kaiser und zwei stehenden Personen; 2. kniender Mönch vor thronendem Kaiser, im Hintergrund zwei Dörfer mit Beischriften (A); 3. Zerstörung von Quadermauern in Anwesenheit des Kaisers; 4. Bau einer Kirche und eines Klosters aus ähnlichen Quadersteinen durch Mönche; 5. Kirchweihe durch einen Bischof; 6. Kaiser im Gebet vor Gottvater und Christus im Wolkenkranz; 7. ein Benediktiner empfängt vom Kaiser in Anwesenheit von Fürsten eine Urkunde, darauf (?) kurze Aufschrift (B); 8. Empfang des Kaisers mit seinem Hofstaat durch den Mönch in Anwesenheit eines Abts und zweier Kardinäle; 9. kniender Mönch vor dem Kaiser; 10. Benediktiner empfängt vom Papst im Beisein zweier Kardinäle Mitra und Pedum; 11. Burg auf einem Berg, Beischrift (C), am Fuß des Berges Bildstock mit Kruzifixus, davor segnet ein sitzender Mönch den knienden Kaiser; 12. Kaiser mit Fürsten und Mönchkonvent vor demselben mit einer Jahreszahl (D) bezeichneten Bildstock; 13. kniender Mönch vor thronendem König, dabei Kleriker und Laien; 14. thronender König übergibt dem Mönch eine Siegelurkunde, Beischrift (E); 15. Kaiser stehend, unter seiner ausgestreckten Hand ein bittender Mönch, darüber Burg mit Beischrift (F); 16. kniender Mönch vor thronendem König, im Hintergrund drei durch Beischriften (G) bezeichnete Orte.

Reihenfolge und Wortlaut nach Weißenberger.

  1. A

    Oswil4) Eckevereshusen5)

  2. B

    …] Romanum Pontif[icem …a)

  3. C

    Hunaburg

  4. D

    1498

  5. E

    Anno Domini DCCCXVII. superius est destructum monasterium aliquod

  6. F

    Hunaburg

  7. G

    Sultzbach6)  Morgnet7)  Vichberg8)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 817 ist ein weiter oben gelegenes Kloster zerstört worden.

Kommentar

Der Glasgemäldezyklus hat die Murrhardter Klostergründungslegende zum Inhalt9: Ludwig der Fromme gestattet Walterich auf dessen Bitte, sich im Wald bei der Hunnenburg – vermutlich dem Römerkastell in Murrhardt – niederzulassen, schenkt ihm nach Einrichtung eines Mönchskonvents ein Waldgebiet und anschließend Sulzbach, Murrhardt und Fichtenberg. Die abegrissene Hunnenburg dient als Steinbruch für den Bau des Klosters Murrhardt, als weitere Schenkungen erhält Walterich Erdmannshausen und Oßweil. In Rom empfängt Walterich vom Papst die Abtswürde, er kehrt in Begleitung zweier Kardinäle zurück und erwirkt die kaiserliche Bestätigung seiner Privilegien. Auf den Abbruch der Hunnenburg bezieht sich offenbar die mißverständliche Inschrift (E).

Die Herstellung der Glasgemälde hängt zusammen mit den umfangreichen Baumaßnahmen und künstlerischen Aktivitäten unter Abt Johannes Schradin in den Jahren um und kurz vor 150010. Ähnlich umfangreiche Scheibenzyklen sind auch aus anderen Klöstern Württembergs bezeugt11.

Textkritischer Apparat

  1. Ob es sich bei diesem Eintrag tatsächlich um eine Inschrift oder nur um einen Hinweis des Adami handelt, ist unklar.

Anmerkungen

  1. Wohl der Vorgängerbau des jetzigen ev. Pfarrhauses.
  2. Weiler, heute Teil von Fornsbach, Stadt Murrhardt.
  3. Würzburg, Univ.bibliothek, M. ch. q. 85, 336. Erstmals veröffentlicht durch Weißenberger 78–85.
  4. Oßweil, Stadtteil von Ludwigsburg.
  5. Erdmannhausen, LKr. Ludwigsburg.
  6. Sulzbach a. d. Murr.
  7. Murrhardt.
  8. Fichtenberg, LKr. Schwäbisch Hall.
  9. Dazu ausführlich Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelater 37-56.
  10. Fritz, Murrhardt im Spätmittelalter 60f.
  11. Zusammenstellung in CVMA Schwaben 2, XLVIf. Vgl. auch die (verlorene) Farbverglasung des Herrenrefektoriums im Zisterzienserkloster Schönau (Rhein-Neckar-Kreis) von 1491: CVMA Baden/ Pfalz 1, 220–223.

Nachweise

  1. Weißenberger 81–83.
  2. Kdm Rems-Murr 611 (nur erwähnt).
  3. CVMA Schwaben 2, 353, 370f. Reg. nr. 36.

F

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 69† (Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0006907.