Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 57 Waiblingen, Beinsteiner Torturm 1491

Beschreibung

Wappentafel des Grafen Eberhard VI. (im Bart) von Württemberg. Außen an der Ostseite (stadtauswärts) im 2. Obergeschoß. Hochrechteckige Platte, Rahmung durch Sturz, Blendpfeiler und Kehlsims; im Feld plastisches Vollwappen, flankiert von zwei Palmen, darunter ein weiterer von zwei Engeln gehaltener Schild; Spruchband mit Wortdevise und Jahreszahl um die beiden Palmen gewunden und mehrfach verschlungen über den Helm geführt. Sandstein, Verwitterungsschäden, Reste farbiger Fassung; Schrift eingehauen und schwarz nachgezogen.

Maße: H. ca. 200, B. ca. 150, Bu. 7cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 37, Nr. 057 - Waiblingen - 1491

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A/T/TEMTO / 1491

Übersetzung:

Ich wag’s.

Wappen:
Württemberg1, Waiblingen2.

Kommentar

E und O zeigen reine Kapitalisformen, T hat einen überlangen Balken. Typische Formen der frühhumanistischen Kapitalis sind das schmale trapezförmige A mit sehr langem Deckbalken und mit einer kurzen am Mittelbalken hängenden Haste sowie M mit schräggestellten Hasten und sehr kurzem Mittelteil, der wie der Mittelbalken des A durch eine „hängende Haste“ nach unten verlängert ist.

Die Jahreszahl markiert das Jahr der Errichtung des Torturms. Die Palme ist die bekannte Bilddevise des Grafen Eberhard, die nach dem Vorbild der italienischen imprese Bestandteil des persönlichen Wappens war und gelegentlich – meist in Verbindung mit der Wortdevise – auch stellvertretend für das Wappen eingesetzt wurde. Persönliche Wort- und Bilddevisen ermöglichen es den Fürsten, ihr ererbtes dynastisches Wappen auch ohne Beifügung des eigenen Namens unverwechselbar zu differenzieren. Graf Eberhard führte Devise und impresa seit seiner Fahrt ins Heilige Land 14683.

Die Wappentafel weist in der Gestaltung von Helm, Helmdecken und Schriftband enge Verwandtschaft mit den Grabmälern der Nippenburger in der ev. Pfarrkirche zu Schwieberdingen (LKr. Ludwigsburg) auf4.

Anmerkungen

  1. Quadriert Württemberg/Mömpelgard.
  2. 3 Hirschstangen, noch ohne das Schildhaupt. Zur Wappenentwicklung vgl. Eberhard Gönner, Siegel und Wappen der Stadt Waiblingen, in: Waiblingen in Vergangenheit u. Gegenwart 2 (1967) 7–16.
  3. Vgl. DI 25 (Ludwigsburg) nr. 120 †.
  4. Vgl. ebd. nrr. 109, 159.

Nachweise

  1. Reyhing, Das große Wappen.
  2. Glässner, Waiblinger Stadtgeschichte am Beinsteiner Torturm.
  3. Gönner (wie Anm. 2) 12, Abb. 9.
  4. Wappenbuch des Landkreises Waiblingen, Abb. 54.
  5. Kdm Rems-Murr 1131.
  6. Decker-Hauff/Gauß, Abb. 34.
  7. ein halbes Jahrtausend 15 (Abb.).

F/D

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 57 (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0005700.