Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 47 Murrhardt, ev. Stadtkirche St. Januarius 1473

Beschreibung

Grabplatte des Abtes Herbord genannt Gütigott. Innen an der Westwand des südlichen Querschiffarms, vierter Stein von Norden. Ursprünglich vermutlich im nördlichen Seitenschiff im Boden1; seit 1974/75 am jetzigen Standort. Umschrift zwischen Linien, im Feld ein senkrecht gestellter Krummstab und oben links daneben eine Mitra in Ritzzeichnung. Graugrüner Sandstein, stellenweise, vor allem an den Längsseiten, bis zur Unkenntlichkeit abgetreten2; geflickter schräg verlaufender Bruch in der unteren Hälfte; linker Rand bestoßen.

Maße: H. 207, B. 102, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Initiale in gotischer Majuskel.

DI 37, Nr. 047 - Murrhardt - 1473

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Anno d(omi)ni mcccclxxiii / feria · sexta post · pentecostes · o(biit) · reverendus · p(ate)r et · d(omi)n(u)s · d(omi)n(u)s · herbo/rdus · abbas huius / + m[onasterii murhart] cuius anima [re]quiescat in pace

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1473 am Freitag nach Pfingsten (11. Juni) starb der ehrwürdige Vater und Herr Herr Herbord, Abt dieses Klosters Murrhardt. Seine Seele ruhe in Frieden.

Kommentar

Abt Herbord, der wegen einer häufig gebrauchten Redewendung (botz Gütigott) den Beinamen Gütigott erhalten hat, wurde 1452 Abt von Murrhardt3. Im Laufe seiner Herrschaft fiel er durch eine Reihe merkwürdiger Marotten auf und ist dadurch die farbigste Gestalt der mittelalterlichen Murrhardter Klostergeschichte. Als er in heftigen Streit mit den Grafen von Württemberg als den Vögten des Klosters geriet, wurde er schließlich auf massiven Druck des Grafen Ulrich 1469 seines Amtes enthoben. Bis zu seinem Tod lebte er als einfacher Konventuale im Januariuskloster.

Anmerkungen

  1. Vgl. Chronicon Murrhardtense (UB Würzburg, M. ch. q 85) fol. 336: Tandem vivendi finem fecit anno salutis 1473 feria VI post Pentecostes, sepultus in navi ecclesiae, ad latus sinistrum.
  2. Die Schrift scheint zu einem Zeitpunkt, als die Platte schon stark abgetreten war, breit mit dunkler Farbe nachgezogen worden zu sein. Von dieser Nacharbeitung sind auch an Stellen noch Spuren zu erkennen, an denen die Vertiefungen im Stein mittlerweile völlig verschliffen sind.
  3. Zur Person ausführlich: Fritz, Murrhardt im Spätmittelalter 336–340.

Nachweise

  1. Kdm Rems-Murr 590.
  2. Fritz, Murrhardt im Spätmittelalter 340.

F

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 47 (Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0004704.