Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 44 Oppenweiler, ev. Pfarrkirche St. Jakobus vor 1471

Beschreibung

Altarretabel. Im Chor. In der Mitte rechteckig überhöhter Schrein aus Tannenholz, darin als Schreinfiguren (Lindenholz) Kruzifixus mit aufgemaltem Titulus (A) zwischen Maria und Johannes Ev., links ein unbekannter Heiliger (Sebastian?), rechts der hl. Jakobus d. Ä.; Flügel beidseitig bemalt: auf den Innenseiten je zwei Heilige und darunter kniende Stifterfigur mit Wappenschild, in der Überhöhung jeweils geschnitztes und bemaltes Vollwappen; links die hll. Wendelin und Christophorus sowie Friedrich Sturmfeder, rechts die hll. Katharina und Odilia sowie Lucia von Hornstein; auf den Außenseiten: links Mariae Verkündigung, der Engel mit Stab und Schriftband (B), Maria am Lesepult mit zwei aufgeschlagenen Büchern, das untere mit lesbarer Schrift (C); rechts Heimsuchung, in der Überhöhung Halbfigur des Propheten Jesaja mit Schriftband (D). In der Predella Christus und die zwölf Apostel, auf der rechten Schmalseite aufgemaltes Wappen mit schildhaltendem Engel, Gegenstück auf der linken Seite fehlt. Wiederholt restauriert.

Maße: H. (Schrein) 173, B. 184, Bu. 4 (A), 2,5 cm (B–D).

Schriftart(en): Kapitalis (A), gotische Minuskel mit Initialen in gotischer Majuskel (B–D).

DI 37, Nr. 044 - Oppenweiler - vor 1471

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/3]

  1. A

    INRI

  2. B

    Auea) · / gracia · plena · / · dominus · / · tecum1) ·

  3. C

    Ecceb) ancil/llac) dominus / fiat mich/i secundu/m verbu/m tuum2) //magnific/catc) anim/a mea do/minu(m) et ex/ultauit sp/iritus me/us in deo3)

  4. D

    · Ecce · / v(ir)go · (con)cipiet · et · par/iet · filiu(m)4)·

Übersetzung:

Gegrüßt seist du, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. – Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort. Hoch preist den Herrn meine Seele und mein Geist frohlockt in Gott. – Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.

Wappen:
Sturmfeder, Hornstein; Sturmfeder, Hornstein; Hornstein.

Kommentar

Friedrich Sturmfeder, der Stifter des Altars, ist 1471 gestorben (vgl. nr. 46). Somit ist ein terminus ante quem für die Anfertigung des Altars gegeben. Friedrich war der Sohn Hans Sturmfeders und der Anna von Heinriet, sein Bruder Heinrich ist 1437 verstorben5. Seine Frau Lucia entstammt der Ehe Jos’ von Hornstein mit Amalie von Hohen-Landenberg.

Nach Schahl weisen die Schreinfiguren Verwandtschaft mit der oberrheinischen Plastik auf, während (nach Stange) die Tafelbilder in Verbindung gebracht werden mit dem Meister des Lichtensterner Altars und des Hochaltars der Schwäbisch Haller Katharinenkirche6.

Textkritischer Apparat

  1. Versal A rot, ebenso die als Worttrenner gesetzten Zierpunkte; übrige Schrift schwarz.
  2. Versal E rot.
  3. Sic!

Anmerkungen

  1. Lc 1, 28.
  2. Lc 1, 38.
  3. Lc 1, 46–47.
  4. Is 7, 14.
  5. Vgl. nr. 21. Die Stammtafeln bei Humbracht Taf. 84 und Möller, Stammtafeln NF 2, 117 sind hier fehlerhaft; vgl. auch nr. 190.
  6. Kdm Rems-Murr 689.

Nachweise

  1. Klemm, Altertumsstudien 24.
  2. Bertsch 229.
  3. Schuette 142f., Taf. 41–42.
  4. Häberlen 1955 Nr. 3.
  5. Stange, Dt. Malerei der Gotik 8, 113 (Abb.).
  6. Ders., Krit. Verzeichnis II nr. 1051.
  7. Kdm Rems-Murr 687–689.
  8. Zehender 251.

F/D

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 44 (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0004403.