Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 38 Murrhardt, ev. Walterichskirche 1450–1459

Beschreibung

Urkundeninschrift über eine Jahrzeitstiftung des Hans Bernhart. Innen an der Ostwand des Schiffs, unmittelbar südlich neben dem Chorbogen, über der Kanzel. Mauerquader oder Tafel aus graugrünem Sandstein, links an den Chorbogen stoßend, an den übrigen Seiten eingeputzt; neunzeilige eingehauene Inschrift, Zeilen nach rechts leicht ansteigend. Am linken und am rechten Rand einzelne Buchstaben ausgebrochen; Spuren brauner Farbe in den Vertiefungen.

Maße: H. 62, B. 134. Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien in gotischer Majuskel.

DI 37, Nr. 038 - Murrhardt - 1450-1459

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Anno · d(omini) · M · cccc · l〈. . . .〉 · do · starb · hans · Bernhart 〈. . . . . . . / . . . . . . . . . . . . . . . . . .〉 ez · ist · zu · wissen · das · hans Bern/hart · hot · gemacht · ein · ewig · iarczyt · im · vnd · zweỵena) / [s]einen · hawsfrawen · vnd aller · seiner altvordern · [v]nd / noch · kin · ienb) · vnd · von · den es herkomen · ist · alle / iar · zu begen · am · nehsten · mentag · nach · martini /mit einer vigilg · vnd v selmes · ein ·pfarrer · vnd iiij / priester · do · von · sol ein heilgen · pfleger · gebe(n) dem / pfarer · vj · s(chilling)c) · vnd · igliche(m) · heren · iiij s(chilling)c) · dem · mesner · i s(chilling)c)

Kommentar

Die Buchstaben sind von unsicherer Hand ungleichmäßig eingemeißelt, die Zeilen verlaufen nicht gerade. Die Inschrift war gleichzeitig als Sterbeinschrift konzipiert, doch wurde das Sterbedatum nach dem Tod Bernharts nicht in den freigelassenen Raum nachgetragen. Da für das Todesjahr das l bereits eingesetzt ist, dahinter aber noch kein Zehner-Zahlzeichen, dürfte die Stiftung und somit die Inschrift ins 6. Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts gehören.

Typisch für Urkundeninschriften ist das Promulgation-Formular (ez ist zu wissen), mit dem der dispositive Teil eingeleitet wird. Dagegen ist das Fehlen eines Datums am Ende auffällig1. Die Priester, die neben dem Pfarrer Vigil und Seelmessen abhalten sollten, waren sicherlich Mönchspriester des benachbarten Benediktinerklosters St. Januarius, worauf auch die Bezeichung heren hindeutet.

Textkritischer Apparat

  1. Lesung unsicher, vielleicht auch zwenen.
  2. So der Befund; vermutlich Steinmetzfehler: durch Ausfall der Mittelhaste des m und stattdessen Einsetzung eines Trennpunktes; korrekte Lesung wohl: nochkumen.
  3. Kürzung durch Doppelpunkt.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu allg. Wolfgang Müller, Urkundeninschriften des deutschen Mittelalters (=Münchener Hist. Studien, Abt. Geschichtl. Hilfswiss. 13). Kallmünz Opf. 1975.

Nachweise

  1. Widman 145.
  2. OAB Backnang 226.
  3. Kdm Rems-Murr 630.
  4. Schweizer, Bildsteine 30f.
  5. Eisenhut/Lutz/Schweizer Nr. 2 (Abb.).

F/D

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 38 (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0003805.