Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 24 Murrhardt, ev. Stadtkirche St. Januarius um 1440

Beschreibung

Figürliche Konsole für ein Heiligenstandbild. An der Westseite des nordöstlichen Vierungspfeilers. Ursprünglich innen an der Westwad des Nordturms, die Heiligenfigur im 19. Jahrhundert auf dem Altar der Walterichskapelle, 1932 wieder an den alten Platz und 1975 zusammen mit der Konsole an den jetzigen Standort versetzt. Skulptur des Klosterpatrons Januarius (in Bischofsornat) aus grünem Schilfsandstein, die Konsole aus rötlichem Keupersandstein: polygonale, gewulstete und gekehlte Deckplatte, gestützt von der Halbfigur eines Engels, der ein mehrfach verschlungenes Schriftband mit eingehauener Inschrift hält. Schriftband stark beschädigt, stellenweise ganz abgeschlagen oder weggebrochen.

Maße: H. (Konsole) 42, B. 60, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 37, Nr. 024 - Murrhardt - um 1440

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/3]

  1. S[. .]sa) · p(re)svl · ia[nuarius · h]u//i(us) · eccl(es)ie · pa[tronus ·] orab) · / p(ro) no/b(is)c) · ad deod) · tu[is] / p(re)cibus · amen

Übersetzung:

Heiliger Bischof Januarius, Patron dieser Kirche, bete für uns zu Gott mit deinen Gebeten!

Kommentar

Als Worttrenner sind paragraphenförmige Zierpunkte gesetzt. Durch die Inschrift wird die Identifizierung des Heiligenstandbildes als das des Kirchenpatrons Januarius gesichert. Bischof Januarius von Benevent ist im Jahr 305 bei Pozzuoli nahe Neapel enthauptet worden. Er dürfte, unter Verdrängung älterer Hauptpatrone, seit dem frühen 9. Jahrhundert namengebender Patron des Klosters Murrhardt geworden sein.

Heiligenskulptur und Konsole sind wohl von demselben Künstler geschaffen, nach Schahl von einem „wie H. Multscher, in Abhängigkeit von der burgundischen Kunst stehenden Bildhauer“1. Sicher ist, daß die Figur bald nach dem Neubau des gotischen Kirchenschiffs und vielleicht auch im Zusammenhang mit dem Kenotaph Ludwigs des Frommen (vgl. nr. 25) entstanden ist.

Textkritischer Apparat

  1. Zwischen den beiden s nur mehr die oberen Hälften von drei Hasten zu erkennen, die mittlere schräg und leicht gebogen. Buchstabenabstand unsicher, aber sicherlich zu einer Abkürzung für Sanctus zu ergänzen.
  2. Untere Hälfte des Wortes durch die Hand des Engels verdeckt.
  3. Zwischen o und b im Knick des Schriftbands großer Zwischenraum.
  4. So statt deum. Die Inschrift setzt sich nach tuis auf der Innenseite des Schriftbands fort.

Anmerkungen

  1. Kdm Rems-Murr 584.

Nachweise

  1. Schmitt H. 10/11.
  2. Cichy 57.
  3. Festschrift Murrhardt 40f.
  4. Troll 60.
  5. Lässing. Werke der Kunst und Kultur 119.
  6. Kdm Rems-Murr 584, 587f. (Abb.).

F/D

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 24 (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0002401.