Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 12 Murrhardt, ev. Stadtkirche St. Januarius 1340

Beschreibung

Grabplatte des Grafen Nikolaus von Löwenstein. Innen an der Ostwand des südlichen Querschiffs; ursprünglich im Ostchor1. Hochrechteckige Platte mit mehrfach unterbrochener Umschrift2 zwischen Linien. Graugrüner Sandstein, stark abgetreten, dadurch in der oberen Hälfte fast völliger Schriftverlust.

Maße: H. 252, B. 116, Bu. 8,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 37, Nr. 012 - Murrhardt - 1340

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. + A[N(N)O · D(OMI)NI · M°C°C°/C°X]L° O(BIIT)a) // NICOLA//VS · COMES · DE / · LEWENSTEIN / · IN · CRASTIN//O · GREGORII · IIII · ID(VS) · MARTII3)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1340 starb Nikolaus Graf von Löwenstein am Tag nach St. Gregor am 4. vor den Iden des März (12. März).

Kommentar

Nikolaus von Löwenstein war der Sohn des Grafen Albrecht († 1304), eines unehelichen Sohnes König Rudolfs von Habsburg4. Er dürfte um 1300 geboren sein und ist ab 1318 urkundlich bezeugt. Er versuchte, die Grafschaft Löwenstein durch gutes Einvernehmen mit Kaiser Ludwig dem Bayern und durch Städtegründungen (Affaltrach, Mainhardt) zu stabilisieren. Er war Klostervogt von Murrhardt und wurde unmittelbar neben seinem Vater bestattet.

Textkritischer Apparat

  1. Die römischen Zahlzeichen fast völlig zerstört, eindeutig sichtbar jedoch noch der rechte Abschlußstrich der beiden letzten C, die geschwungene linke Schräghaste des X, die Haste und das ausgeprägte keilförmige rechte Balkenende des L sowie die über die Zeile gesetzten o (außer nach M).

Anmerkungen

  1. Vgl. die 1982 im Fußboden angebrachte Inschrift.
  2. Mehrfache Unterbrechungen der Umschrift könnten darauf hindeuten, daß sich im Mittelfeld ursprünglich die skulptierte Figur des Verstorbenen befand, die teilweise in den Umschriftrahmen ragte. Sie müßte freilich später sauber abgearbeitet worden sein, da keinerlei Spuren mehr vorhanden sind. Denkbar wäre eher ein Vollwappen mit schräggelegtem Schild und nach rechts flatternden Helmdecken.
  3. Der Tag nach St. Gregor ist üblicherweise der 13. März. Die scheinbar abweichende Datierung nach Heiligenkalender und römischem Kalender könnte sich dadurch erklären, daß der Heiligentag 1340 mit einem Sonntag zusammenfiel und daher einen Tag früher (11. März) gefeiert wurde.
  4. Vgl. dazu Fritz, Löwenstein 176ff.

Nachweise

  1. OAB Backnang 219.
  2. Kdm Neckarkreis 59.
  3. Kdm Rems-Murr 590.
  4. Fritz, Löwenstein 227.
  5. Schweizer, Bildsteine 26f.

F/D

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 12 (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0001201.