Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 2 Murrhardt, ev. Stadtkirche St. Januarius 1200–30

Beschreibung

Fragment der Grabplatte eines Unbekannten. Innen an der Westwand des nördlichen Querschiffs, nördlichster Stein. Um 1973 als vermauerte Spolie im Dachgeschoß der Kirche aufgefunden, zeitweilig in Privatbesitz1. Umschrift zwischen Ritzlinien, eingetieftes Mittelfeld ohne erkennbare bildliche Darstellung oder Schrift. Graugrüner Sandstein, erhalten etwas weniger als die Hälfte der quer durchgebrochenen Platte; schräge Bruchkante, Ränder und Oberfläche bestoßen.

Maße: H. (links) 94, (rechts) 104, B. 91, Bu. 2,5–8,5 cm.

Schriftart(en): Romanische Majuskel.

DI 37, Nr. 002 - Murrhardt - 1200-1230

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. + · ISTIVS · / AECCLESIE [. . . /. . . / . . .]DIDIT · AVCTA · SVOa)

Übersetzung:

Dieser Kirche . . . , . . . hat er übergeben, vermehrt um sein . . .

Versmaß: Elegisches Distichon.

Kommentar

Das Invokationskreuz ist von vier runden Punkten bewinkelt. Die Schrift ist noch verhältnismäßig dünnstrichig ausgeführt, Bogenschwellungen sind meist nur zaghaft angedeutet, Schaftverstärkungen (bei T und bei den Schräghasten von A und V) sind wenig ausgeprägt. Alle freien Bogen-, Hasten- und Balkenenden haben mäßig große Dreiecksporen. C und unziales E zeigen noch keine Tendenz zur Abschließung. An Doppelformen finden sich trapezförmiges A (einmal mit auffallend niedrigem Mittelbalken) neben unzialem, sowie kapitales und unziales D, E und T. I begegnet einmal mit oben und unten S-förmig umgebogener Haste. Ligaturen fehlen, Worttrennung erfolgt durch runden Punkt auf Mitte.

Der Pentameterschluß AVCTA SVO deutet darauf hin, daß die Inschrift hier endet und daß ISTIVS AECCLESIE somit als Hexameterauftakt den Beginn der Umschrift bildet. Eine überzeugende metrisch einwandfreie Ergänzung des Textes läßt sich aus den wenigen Resten nicht gewinnen. Thematisiert ist anscheinend eine Stiftung des Verstorbenen an die Kirche, vielleicht eine Beteiligung am Kirchenbau – will man AECCLESIA auf das Gebäude und nicht auf das Kloster als Institution beziehen. Der Name fand kaum in dem Distichon Platz, er stand möglicherweise gesondert im Mittelfeld der Platte. Nicht auszuschließen ist ferner, daß es sich um eine Abtsgrabplatte handelt, das Formular könnte dann ISTIVS AECCLESIE PATER … o.ä. lauten.

Im Kloster Murrhardt wurde im dritten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts gebaut, um 1225 entstand die Walterichskapelle, etwa gleichzeitig sind auch Teile der Klausur (Refektorium, vielleicht der Kreuzgang) errichtet worden2. Die Inschrift könnte mit dieser Bautätigkeit in Verbindung stehen.

Textkritischer Apparat

  1. V klein zwischen S und O hochgestellt.

Anmerkungen

  1. Freundl. Mitt. von Dr. Rolf Schweizer, Murrhardt, der auch für die Rückführung des Steines gesorgt hat.
  2. Vgl. Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter 98f.; Kdm Rems-Murr 595, 606.

Nachweise

  1. Kdm Rems-Murr 590.

F/D

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 2 (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0000205.