Die Inschriften des Rems-Murr-Kreises

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2. Historischer Überblick

Der heutige Rems-Murr-Kreis ist erst im Zuge der Kreisreform 1973 im wesentlichen aus Teilen der ehemaligen Landkreise Backnang und Waiblingen, ferner aus kleineren Teilen der Kreise Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd entstanden7). Historisch gesehen, ist er ein uneinheitliches Gebiet, innerhalb dessen sich in den letzten beiden Jahrhunderten die Verwaltungsgrenzen immer wieder verändert haben. Von den seit 1806 geschaffenen württembergischen Oberämtern, die im wesentlichen bis 1938 Bestand hatten, partizipierten acht am heutigen Kreisgebiet: als Bestandteile des Neckarkreises waren dies die Oberämter Backnang, Marbach, Waiblingen und Cannstatt, mit einem winzigen Zipfel auch noch das Oberamt Weinsberg, als Bestandteile des Jagstkreises die Oberämter Gaildorf, Welzheim und Schorndorf. Das Kreisgebiet hatte eine zwar seit dem Spätmittelalter von Württemberg dominierte, indessen nie völlig einheitliche Geschichte.

Der Kreis wird von den beiden namengebenden Flüssen von Ost nach West durchströmt8): von der Murr im Norden, von der Rems im Süden. Beide Flüsse kommen aus dem bewaldeten, wenig fruchtbaren Gebiet der Keuperberge, die den Großteil des Kreisgebiets ausmachen (Löwensteiner Berge, Murrhardter und Welzheimer Wald, Berglen und Schurwald), und münden westlich außerhalb des Kreisgebiets in den Neckar. Lediglich im Westen wird das Land flacher: Hier erstrecken sich die fruchtbaren lößbedeckten Ebenen des mittleren Neckarlandes. Die Flüsse schneiden hier tief in das Muschelkalkgestein ein, während im Keupergebiet die Täler breiter und flacher sind.

Die geologischen und topographischen Gegebenheiten bedingten die Besiedlung des Kreisgebietes9). Während die fruchtbaren Niederungen schon seit der Jungsteinzeit besiedelt waren, waren die Keuperberge noch weitgehend menschenleer. Noch heute herrschen hier große Waldflächen vor.

Als die Römer um das Jahr 150 n. Chr. den Limes vom Neckar um etwa 30 km ostwärts vorschoben, wurde das heutige Kreisgebiet fast vollständig Teil des Römischen Reichs. Der neue obergermanische Limes durchschnitt die Keuperberge in Nord-Süd-Richtung, um im Süden des Kreisgebiets beim Haghof nach Osten, bei Pfahlbronn wieder nach Süden zum rätischen Limes hin abzuknicken. Die militärische Notwendigkeit ließ nun auch in den Bergen erste Siedlungszentren entstehen: In Murrhardt und Welzheim wurden Kohortenkastelle angelegt, in deren Nachbarschaft sich Lagerdörfer von stattlicher Größe bildeten10).

Die Verhältnisse nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft um 260 n. Chr. liegen weitgehend im Dunkeln. Aus alemannischer Zeit gibt es nur vereinzelte Funde. Zweifellos war aber der Westen weiterhin besiedelt, während sich für das Bergland keine Siedlungsspuren finden. Die Orte mit den frühesten Namen (Oeffingen, Heiningen, Schwaikheim) liegen im fruchtbaren Lößgebiet11). Mit der alemannischen Niederlage gegen die Franken (um 500) fiel der gesamte Norden des Bearbeitungsgebiets an die Franken. Fortan verlief die schwäbisch-fränkische Stammesgrenze im wesentlichen auf dem Höhenzug zwischen Rems und Murr12). An dieser Trennlinie orientierten sich für das gesamte Mittelalter auch die kirchlichen Grenzen: Der fränkische Norden gehörte zu den Diözesen Speyer und – zum kleineren Teil – Würzburg, im Süden trafen sich die schwäbischen Bistümer Konstanz und Augsburg13).

In merowingischer Zeit dürfte Waiblingen bereits als Zentrum der schwäbischen Herzöge eine erhebliche Bedeutung gehabt haben14). Gleichzeitig wird man die Entstehung von Urpfarreien in Orten wie Winterbach, Backnang und Murrhardt annehmen dürfen. Erst in der Karolingerzeit konkretisiert sich unser Wissen über die Geschichte einzelner Orte. Für Murrhardt liegen die ersten [Druckseite XII] Nachrichten vor15): Der Ort war in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts im Besitz der karolingerfreundlichen, reichsweit in Aktion tretenden Sippe der Waltriche. Nachdem ein erster Klostergründungsversuch in Murrhardt um 770/780 in den Anfängen steckengeblieben zu sein scheint, war ein zweiter Anlauf um 817 erfolgreich. Das Kloster prägte die Geschichte der Umgebung bis zu seiner Aufhebung 1552 im Zuge der Reformation16).

Die zweite große geistliche Niederlassung im Kreisgebiet war das um 1116 von den Markgrafen von Baden gegründete Augustiner-Chorherrenstift Backnang. 1477 wurde es in ein weltliches Kollegiatstift umgewandelt (nr. 114) und 1534 schrittweise aufgehoben. Eine Stiftung der Herren von Beutelsbach war das weltliche Chorherrenstift gleichen Namens, das 1247 erstmals bezeugt ist, aber wohl mit seinen Anfängen ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Vermutlich von Graf Ulrich I. von Württemberg erweitert und zur Grablege seines Geschlechts bestimmt, wurde das Stift im Reichskrieg gegen Graf Eberhard 1311 zerstört und 10 Jahre später nach Stuttgart verlegt (nrr. 4, 5). Das 1466 von Graf Ulrich V. von Württemberg gegründete Augustinereremitenkloster auf dem Engelberg bei Winterbach bestand nur kurze Zeit (nr. 67). Ferner ist noch der Deutschordenskommende Winnenden (nrr. 170, 256) zu gedenken, die 1288 von Berthold von Neuffen gestiftet worden ist, aber ohne große Bedeutung blieb und 1665 an Württemberg verkauft wurde. Knapp außerhalb des Bearbeitungsgebiets gelegen, aber mit zum Teil umfangreichem Besitz im Kreis waren die Klöster und Stifte Lorch, Adelberg, Weiler bei Esslingen, Steinheim an der Murr, Oberstenfeld (nr. 207) und Lichtenstern.

Die weltlichen Machtverhältnisse im Kreisgebiet bleiben bis ins Hochmittelalter undeutlich. Eine überragende Machtposition hatte bis ins 11. Jahrhundert der König und – im Waiblinger Raum anfangs schwer davon zu trennen – der Herzog von Schwaben inne17). In den beiden bedeutendsten Gauen, dem Murrgau und dem Remstalgau, scheinen im 11. Jahrhundert die Adalberte (die späteren Grafen von Calw) und die Popponen (die späteren Grafen von Lauffen) auf18), mit dem Verfall der Gauverfassung ging aber ihre beherrschende Stellung im 12. Jahrhundert weitgehend verloren. Durch königliche Vergabung zu Beginn des 11. Jahrhunderts gelangten ferner die hochadligen Hessonen zu Besitz in und um Backnang19). Die Herren und Grafen von Württemberg sind möglicherweise Nachkommen des Saliers Konrad von Kärnten und der schwäbischen Herzogstochter Mathilde, aus deren mutmaßlichem Erbe Beutelsbach stammte20). Waiblingen blieb mit mehreren Orten der Umgebung als Hausbesitz namengebendes Zentrum der Salier21) („Heinriche von Waiblingen“). Nach dem Erlöschen der Königsdynastie 1125 gingen die Waiblinger Güter, die gegen Ende des 11. Jahrhunderts vorübergehend an das Hochstift Speyer gelangt waren, in den Besitz der Staufer über. Währenddessen brach die hessonische Machtposition auseinander: In den Jahrzehnten um 1100 fiel Backnang über eine hessonische Erbtochter an die Markgrafen von Baden22), die sich bis etwa 1300 hier behaupteten. Der übrige hessonische Besitz zersplitterte mit der Aufspaltung der Familie in mehrere Zweige. Winnenden ging an die Herren von Winnenden, im frühen 13. Jahrhundert durch Heirat an die Herren von Neuffen. Die Murrhardter Klostervogtei blieb bei den hessonischen Grafen von Wolfsölden, bis eine Erbtochter um 1230 deren gesamten Besitz an die Grafen von Löwenstein, eine Seitenlinie der Grafen von Calw, brachte23).

Nur kleine Teile des Kreisgebiets an der unteren Murr waren als Zubehör Marbachs in der Hand der zähringischen Herzöge von Teck. Den zahlreichen staufischen Ministerialenfamilien blieb in unserem Raum der Gewinn der Reichsunmittelbarkeit versagt, nur die Herren von Rechberg konnten sich gegen Ende der Stauferzeit in Alfdorf, die Schenken von Limpurg in Welzheim (bis 1713, seit dem 14. Jahrhundert als württembergisches Lehen) dauerhaft festsetzen24). Ursprünglich vielleicht Dienstmannen des Hochstifts Speyer waren die Sturmfeder von Oppenweiler, die erst im 13. Jahrhundert in den Quellen erscheinen, denen es aber gelang, die Herrschaft Oppenweiler bis 1806 zu behaupten25). Daneben sind höchstens noch die Herren von Urbach, die von Welzheim und die zur badischen Ministerialität zählenden Herren von Ebersberg26) zu nennen.

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Im 13. Jahrhundert begann der Aufstieg der Grafen von Württemberg. Waiblingen dürfte von ihnen in staufischem Auftrag bereits um 1200 mitverwaltet worden sein, so daß auch der Ausbau Waiblingens zur Stadt (wohl um 1220) als staufisch-württembergisches Gemeinschaftsunternehmen gelten darf27). Endgültig gelangte die Stadt wohl 1246 nach dem Bruch der Württemberger mit den Staufern an das Grafenhaus. Der Machtausbau verlief von da an rasch: Bereits um 1250 war Schorndorf württembergisch, 1293 kam die Vogtei über Kloster Lorch und dessen Besitz hinzu. Um 1300 gewann Graf Eberhard der Erlauchte Backnang nach Erbauseinandersetzungen28). 1302 folgte der Erwerb der Teckschen Besitzungen, 1325 der von Winnenden mit Ausnahme der Deutschordenskommende Winnental29), 1328 der Kauf der Herrschaft Ebersberg. Zur Lorcher Klostervogtei trat 1362 auch die über Kloster Adelberg, 1388 die bislang von den Grafen von Löwenstein ausgeübte über Kloster Murrhardt30).

Die Städtebildung im Gebiet des Rems-Murr-Kreises war am Ende des 13. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen: Um 1220/30 dürften die Städte Waiblingen (Staufer/Württemberg), Winnenden (Neuffen) und Backnang (Baden) entstanden sein, spätestens um 1250 Schorndorf (Württemberg), um 1290 Murrhardt (Löwenstein). Welzheim erscheint zwar zeitweilig in den Quellen als Stadt, sank aber wieder zum Dorf herab.

Ab dem 15. Jahrhundert gab es nur noch geringfügige territoriale Veränderungen. Die im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 von Württemberg annektierte Grafschaft Löwenstein mußte 1510 – jetzt freilich als württembergisches Lehen – an die wittelsbachischen Grafen von Löwenstein zurückgegeben werden31). Punktuelle Veränderungen ergaben sich durch den Wechsel von Ortsherrschaften: 1507/08 kauften die Thumb von Neuburg Stetten im Remstal von den württembergischen Erbtruchsessen von Stetten und konnten eine Herrschaft mit eigener Blutgerichtsbarkeit aufbauen (1664/66 durch Kauf an Württemberg). Der rechbergische Ritterschaftsort Alfdorf wurde 1614/19 von Württemberg erworben und 1628/40 an die Herren vom Holtz verlehnt. Oeffingen bei Fellbach ging 1618 von den Herren von Neuhausen an das Augsburger Domkapitel über, das den Besitz bis zum Ende des Alten Reichs behaupten konnte.

Um 1500 war das Kreisgebiet also, von wenigen Einsprengseln und von einigen löwensteinischen Gebietsstreifen im Nordosten abgesehen, unter württembergischer Herrschaft. Die württembergische Verwaltung war in eine Anzahl unterschiedlich großer weltlicher Ämter (Backnang, Schorndorf; Waiblingen, Winnenden) und in das Klosteramt Murrhardt gegliedert32). Randgebiete des heutigen Kreises gehörten zu den Ämtern Weinsberg, Beilstein, Bottwar, Marbach und Cannstatt sowie zu den Klosterämtern Adelberg und Lorch. Zur Verwaltung der ausgedehnten Waldgebiete bestand ferner das Forstamt Schorndorf, aus dem um 1500 Reichenberg als eigenständiges Forstamt herausgelöst wurde.

Unter den Städten besaßen jetzt Schorndorf und Waiblingen durch Größe und Reichtum eine herausragende Stellung, auch in ganz Württemberg. Schorndorf wurde 1538–44 zur Landesfestung ausgebaut und erhöhte durch diese strategische Bedeutung noch seinen Rang.

Die 1534 durch Herzog Ulrich und ab 1552 endgültig durch Herzog Christoph eingeführte Reformation verschaffte Württemberg die volle Verfügungsgewalt über den reichen Besitz der bevogteten Klöster und Stifte. Die Verwaltungseinheit der Klosterämter wurde unverändert beibehalten. Kloster Murrhardt erfuhr die Umwandlung in eine evangelische Prälatur, Kloster Engelberg wurde aufgehoben. Das neuhausensche und später augsburgische Oeffingen blieb als einziger Ort im Kreis katholisch. Die Sturmfeder von Oppenweiler verblieben beim alten Glauben, gleichwohl wurde auf württembergischen Druck um 1560 die Reformation in Oppenweiler durchgeführt.

Der Dreißigjährige Krieg traf die Gegend mit besonderer Wucht. Nach den Pestepidemien von 1626 und 1635 und der Vernichtung mehrerer Städte – namentlich Schorndorf und Waiblingen wurden katastrophal getroffen – war die gesamte Region in ihrer Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen33). Inschriftliche Zeugnisse des Wiederaufbaus aus den letzten Kriegs- und den ersten Nachkriegsjahren sind im vorliegenden Band noch berücksichtigt (nrr. 299, 315). Die im Zuge des Krieges vorgenommene Rekatholisierung der Klöster und Stifte (Murrhardt 1630 und 1634–48, vgl. nr. 303) mußte nach dem Westfälischen Frieden wieder rückgängig gemacht werden. Bereits außerhalb unseres [Druckseite XIV] Untersuchungszeitraums liegt die teilweise Rekatholisierung Ebersbergs und Oppenweilers durch die Ortsherrschaft (von Winterstetten bzw. Sturmfeder).

2.1. Beschreibung und Geschichte der wichtigsten Standorte

Für die Zeit bis 1650 sind im vorliegenden Band insgesamt 320 Inschriften nachgewiesen. Inschriftenträger, die nur als solche bezeugt sind, deren Wortlaut aber nicht überliefert ist, wurden dabei grundsätzlich nicht berücksichtigt. 231 Inschriften sind noch im Original erhalten, 89 sind nur mehr abschriftlich auf uns gekommen. Der Band bietet 87 Erstveröffentlichungen, etwa 20 weitere Texte waren bislang nur verkürzt publiziert. Auch von den übrigen Inschriften existieren zum Teil nur unzureichende und ungenaue Textwiedergaben.

Die geographische Verteilung der Inschriften innerhalb des Kreisgebiets zeigt mehrere Schwerpunkte: Schorndorf, bis zu seiner Zerstörung 1634 eine der größten und reichsten Städte Altwürttembergs, liegt mit 56 Inschriften an der Spitze, freilich ist ein Großteil des Schorndorfer Inschriftenbestands nur mehr abschriftlich erhalten. Murrhardt hat insgesamt 41 Inschriften aufzuweisen, die ganz vorwiegend aus dem Klosterbereich stammen, Backnang mit dem Augustiner-Chorherrenstift verzeichnet 29 Inschriften. Die nach Schorndorf größten Städte des Kreisgebiets, Waiblingen und Winnenden, fallen mit 15 bzw. 11 Inschriften kaum ins Gewicht, Welzheim hat außer einem Museumsstück unbekannter Herkunft gar keine epigraphische Überlieferung aufzuweisen. Als Standorte mit größeren Inschriftenbeständen sind noch Fellbach, Beutelsbach und Winterbach (10, 8 bzw. 7 Inschriften) zu nennen, vor allem aber Oppenweiler, der Sitz der Sturmfeder, mit der fast komplett erhaltenen Grablege des Rittergeschlechts (26 Inschriften).

Im folgenden werden die wichtigsten Inschriftenstandorte kurz vorgestellt. Damit soll eine erste Orientierung geboten werden, sollen die Inschriften im Zusammenhang in ihren lokalen Kontext eingeordnet werden34). Die wichtigsten historischen Zusammenhänge der hier nicht berücksichtigten Inschriftenstandorte sind in der Regel im Kommentar des Inschriftenkatalogs erläutert.

2.1.1. Murrhardt

Über die Gründung des Klosters Murrhardt ist keine letzte Klarheit zu gewinnen. Die frühesten Erwähnungen (788, 817) entstammen kopial überlieferten gefälschten Königsurkunden: Mit diesen und weiteren Urkundenfälschungen versuchten einerseits die Bischöfe von Würzburg, die Unterstellung des Klosters unter ihre Diözesanhoheit darauf zu gründen, daß Pippin das Kloster an Würzburg geschenkt und Karl der Große 788 diese Schenkung bestätigt habe, während andererseits das Kloster Murrhardt seinen Anspruch auf Immunität und freie Abtswahl darauf stützte, daß die Gründung des Klosters angeblich auf eine Schenkung Kaiser Ludwigs des Frommen von 817 an den Einsiedler Walterich zurückgehe. Die Murrhardter Version der Gründungslegende wurde um 1500 (nr. 69), um 1528 (nrr. 136, 137, 138) und wohl erneut um die Mitte des 16. Jahrhunderts (nrr. 159, 160) in Wand- und Glasmalereien im Kloster ins Bild gesetzt und mit entsprechenden Inschriften versehen, eine davon wendet sich ausdrücklich gegen die Würzburger Ansprüche (nr. 136). Tatsächlich scheint ein Würzburger Klostergründungsversuch auf Königsland in den Anfängen steckengeblieben zu sein, während die eine Generation später von Kaiser Ludwig dem Frommen genehmigte Mönchsansiedlung unter Walterich, einem Verwandten des Kaisers35), erfolgreich war. Die Gemeinschaft nahm die Benediktinerregel an, Walterich wurde ihr erster Abt.

Die Klosterkirche war ursprünglich der hl. Jungfrau Maria, der Hl. Dreifaltigkeit und dem hl. Januarius geweiht. Ein karolingischer einschiffiger Bau wurde um die Jahrtausendwende und in der Folgezeit mehrfach umgebaut und erweitert zu einer Basilika mit rechteckigem Chor und Querhaus im Westen und mit Apsis und Chorseitentürmen im Osten. Aus dieser frühen Zeit sind keine inschriftlichen Zeugnisse bekannt. Die fragmentarisch erhaltene Grabplatte eines Unbekannten, vermutlich eines Abtes, aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts (nr. 2) könnte in ihrer Inschrift auf die Bautätigkeit um 1230 hinweisen, in deren Zug die Walterichskapelle an den nördlichen Chorseitenturm [Druckseite XV] angebaut und ein Westturm errichtet wurde. Vermutlich noch aus dem 13. Jahrhundert datiert eine verlorene Glocke (nr. 9). Die Bauzahl 1434 am südöstlichen Vierungspfeiler, verbunden mit den Wappen von Württemberg und von Abt Paul von Leuzenbronn, markiert den Abschluß des Neubaus von Westchor, Sakristei und Querhaus. Das dreischiffige Langhaus entstand bald darauf um 1440. Aus dieser Bauphase könnte eine Aufschrift an einer Rippenkonsole in der Nordwestecke des Westchors stammen (nr. 23), ferner eine Januariusstatue mit Inschrift auf der Konsole (nr. 24). Im Zuge der gotischen Umgestaltung der Kirche dürfte auch die Stiftertumba für Kaiser Ludwig den Frommen angefertigt worden sein (nr. 25), die mitten im Westchor ihren Platz fand. Ein Zusammenhang mit der Bestätigung des Ludwigsprivilegs für Murrhardt durch Kaiser Friedrich III. im Jahr 1444 und der Weihe der Tumba ist denkbar. Die Errichtung des aufwendigen Stiftergrabmals fügt sich gut in die Zeit, in der auch andernorts allenthalben die Stiftermemoria in ähnlicher Weise „aufgefrischt“ wurde36). Auf einen etwaigen karolingischen oder romanischen Vorgänger des Kenotaphs gibt es keine Hinweise. Von der spätgotischen Ausstattung ist noch ein Altarretabel von 1496 (nr. 66) vorhanden. Aus nachreformatorischer Zeit haben sich keine den Kirchenbau betreffenden Inschriften erhalten außer einem datierten Dachziegel von 1577 (nr. 186), der aber eher Ausbesserungs- als Umbaumaßnahmen dokumentieren dürfte.

In der Klosterkirche wurden außer den Äbten auch die Klostervögte bestattet. Als einzige Grabplatte der Vögte ist die für Graf Nikolaus von Löwenstein (1340, nr. 12) auf uns gekommen. Ein Grabmal für seinen Vater ist zwar bezeugt, seine Inschrift ist indes nicht überliefert. Zwei erhaltene Abtsgrabplatten des 13. Jahrhunderts tragen keine Inschriften sondern sind lediglich mit Krummstab bzw. mit Krummstab und Kreuz bezeichnet, eine wurde im 16. Jahrhundert als Epitaph wiederverwendet (nr. 173). Noch vorhanden sind eine Abts- und drei Mönchsgrabplatten (nrr. 41, 47, 49, 52) – letztere wohl aus dem Kreuzgang – aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts sowie eine weitere Abtsgrabplatte aus dem frühen 16. Jahrhundert (nr. 99). Die hohe Verlustrate ist schon daran zu ermessen, daß Adam Adami im Chronicon Murrhardtense allein fünf heute verlorene, mit Inschriften bezeichnete Abtsgrabmäler für Heinrich von Enslingen († 1406), Johannes d. Ä. und Johannes d. J. von Leuzenbronn († 1444 bzw. um 1452), Wilhelm Egen († 1486) und Johannes Schradin († 1501) erwähnt, ohne deren Wortlaut mitzuteilen.

Das Januariuskloster wurde 1552 reformiert, die Klosterkirche wurde seither als Pfarrkirche genutzt. Aus der Zeit danach sind die Inschriften von vier Grabmälern evangelischer Äbte, die weiterhin in der Kirche bestattet wurden, kopial überliefert (nrr. 157, 162, 232, 251). Die Gegenreformation im Dreißigjährigen Krieg und die zeitweilige Rekatholisierung des Klosters 1629 und 1634–48 fand ihren epigraphischen Niederschlag in einer Gedächtnisinschrift für einen von protestantischen Truppen verschleppten katholischen Abt (nr. 303). Von der Ausstattung der Kirche und von den Grabmälern ging vermutlich schon ein erheblicher Teil bei der umfassenden Renovierung im späten 18. Jahrhundert zugrunde, weiteres verschwand nach der Erneuerung von 1872/73.

Von der Klausur stehen heute nur mehr geringe Reste. Ein überlieferter mit Inschriften bezeichneter Glasgemäldezyklus, der die Klostergründungslegende zum Thema hatte, dokumentiert Baumaßnahmen unter Abt Schradin 1498 (nr. 69), Fenster- und Wandinschriften in der Alten und in der Neuen Abtei um 1528 könnten im Zusammenhang stehen mit dem Wiederaufbau des Klosters nach dem Bauernkrieg (nrr. 136138). Die Bautätigkeit des Abtes Carlin, der in seiner Grabschrift als aedificiorum restaurator bezeichnet wird, um die Mitte des 16. Jahrhunderts nach den Zerstörungen des Schmalkaldischen Kriegs wird belegt durch eine Bauinschrift am sogenannten „Langen Bau“, einem Wirtschaftsgebäude des Klosters (nr. 161). Aus seinem Abbatiat stammen vermutlich weitere Wandinschriften in der Neuen Abtei, die erneut die Gründungslegende behandeln (nrr. 159, 160). Am Klosterfruchtkasten ließ Abt Hofseß 1568 Bauinschrift und Wappen anbringen (nr. 178).

Murrhardter Pfarrkirche war die ursprünglich der hl. Jungfrau Maria geweihte Walterichskirche. Kaiser Ludwig der Fromme soll sie 817 dem Kloster geschenkt haben. Sie steht auf einem Hügel südwestlich der Klosteranlage, wo sich in römischer Zeit ein Friedhof befand. Über Resten eines Römertempels wurde zunächst eine Holzkirche errichtet (Klause des Klostergründers Walterich?), dann in der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts ein erster Steinbau. Hier wurde Walterich bestattet. Für sein Grab wurden römische Sakralsteine in Zweitverwendung benutzt. Wohl erst im 14./15. Jahrhundert brachte man auf der Grabplatte eine Inschrift an (nr. 74). Von der späteren aufwendigen Grabanlage [Druckseite XVI] mit einem angeblich wundertätigen „schwebenden Stein“ sind nur ungenaue Beschreibungen vorhanden37), ein Fragment dieses Wackelsteins wurde in nachreformatorischer Zeit zum noch erhaltenen Opferstock umgearbeitet. Aus dem romanischen Bau des 11./12. Jahrhunderts stammt das Tympanon mit der ältesten Inschrift im Kreisgebiet (nr. 1). Bei einer Kirchenerweiterung im frühen 14. Jahrhundert entstand an Stelle einer Rundapsis der quadratische Turmchor, in dessen Quader 1372 die Grabschrift für einen Pfarrer eingehauen wurde (nr. 15). Die drei Glocken von 1445 und 1451 (nrr. 26, 28, 29) könnten ein Hinweis darauf sein, daß der Fachwerk-Glockenstuhl um diese Zeit auf den gemauerten Chor aufgesetzt wurde. Eine Ritzinschrift von 1453 (nr. 31) dürfte sich auf die Chorausmalung beziehen. Der spätgotische Umbau der Kirche scheint demnach um die Jahrhundertmitte schon in Gang gewesen zu sein, er wurde aber nach Ausweis der Bauzahlen an den drei Portalen wohl erst 1489 zum Abschluß gebracht. Eine Nameninschrift von 1494 (nr. 58) könnte in Zusammenhang mit der Fertigstellung der Fensterverglasung stehen. Noch aus der Jahrhundertmitte datiert eine umfangreiche Jahrzeitstiftungsinschrift, gewissermaßen das letzte „katholische“ Zeugnis in der Kirche. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche als „Walterichskirche“ bezeichnet, sie diente, seit die Klosterkirche die Funktion der Pfarrkirche übernommen hatte, im wesentlichen nur mehr als Friedhofskirche. An Grabmälern aus nachreformatorischer Zeit finden sich lediglich drei, alle für Mitglieder derselben Familie (nrr. 150, 173, 254).

Die Stadt Murrhardt (als solche erstmals 1318 genannt), Gründung der Grafen von Löwenstein und seit 1388 in württembergischer Hand, hat an Profanbauten keinerlei Inschriften bewahrt. Vieles war – bei der geringen Bedeutung der Stadt – sicher ohnehin nicht vorhanden, die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und des Stadtbrands von 1765 haben jedenfalls alle etwaigen epigraphischen Zeugnisse beseitigt.

2.1.2. Backnang

Die Markgrafen von Baden gründeten vor 1116 in Backnang ein Augustiner-Chorherrenstift, das ihnen bis ins 13. Jahrhundert als Grablege diente und dessen Schutzvogtei sie bis zum Übergang Backnangs an Württemberg um 1300 ausübten. Die Stiftskirche St. Pankratius war zuvor Pfarrkirche gewesen. Die neue Pfarrkirche St. Michael (s. unten) wurde 1160 dem Stift inkorporiert. Aus der badischen Zeit sind keine epigraphischen Zeugnisse bekannt, lediglich der inschriftlose Sarkophag der seligen Markgrafentochter Judith ist erhalten (vgl. nr. 110). Die Gräber der Markgrafenfamilie, die auf verschiedene Plätze innerhalb der Kirche, in Kapellen und im Kreuzgang verteilt waren, haben wohl keine Inschriften getragen. Denn als die romanische Basilika zu Beginn des 16. Jahrhunderts umgebaut wurde (Schlußstein mit Jesus-Monogramm, nr. 92) und bei dieser Gelegenheit 1513 alle Markgrafenbestattungen in einer mehrtägigen feierlichen Aktion erhoben und gemeinsam in vier Steinsärgen im neuen gotischen Chor beigesetzt wurden, wußte man über die Identität der erhobenen Leichname offenbar nicht mehr in allen Fällen Bescheid. Wer der Initiator dieser Translation war, ist nicht bekannt, auch nicht, ob und inwiefern die Markgrafen von Baden daran beteiligt waren. In die vier Särge wurden Bleitäfelchen mit Inschriften gelegt, die der Identifizierung der Verstorbenen dienen sollten (nrr. 108111). Zwei Jahre später wurden für die Grabplatten im Boden über den Särgen Inschriften und Wappentafeln angefertigt (nrr. 115118).

1477 war das Chorherrenstift in ein weltliches Kollegiatstift umgewandelt worden. Aus der Zeit vorher sind keine Grabschriften für Kanoniker überliefert. Eine nur mehr fragmentarisch erhaltene Grabplatte aus dem Ende des 15. Jahrhunderts für einen Priester (?) und die Grabplatte für den ersten Propst des umgewandelten Stifts von 1515 sind neben einer Stiftungsinschrift am verlorenen Chorgestühl von 1508 (nr. 98) die einzigen inschriftlichen Überreste, die an die Stiftsherren erinnern (nrr. 70, 114). Von 1501 stammen zwei Sakristeischränke, von denen einer mit einem einfachen Fertigungsvermerk versehen ist (nr. 88).

1557 wurde das Stift endgültig im Zuge der Reformation aufgehoben. Auf Baumaßnahmen bezügliche Inschriften finden sich nicht. 1693 brannte das Langhaus völlig ab und wurde in den folgenden Jahren neu aufgebaut als flachgedeckter Predigtsaal. In nachreformatorischer Zeit fanden Adelige und wohlhabende Bürger ihr Begräbnis in der Kirche. Nur fünf Grabplatten und Epitaphien haben die Zerstörung und spätere Umbaumaßnahmen in der Kirche überstanden (nrr. 168, 189, 204, 257, 274). Gabelkover berichtet noch von einer beträchtlichen Zahl heute verlorener Grabmäler für [Druckseite XVII] Adelige aus der Zeit vor der Reformation, ohne deren Inschriften wiederzugeben38). Einziges epigraphisches Zeugnis der protestantischen Kirchenausstattung ist ein Kreuztitulus, der um 1600 an das gotische Altarkreuz angefügt wurde (nr. 237). Zu Umgruppierungen der Grabmäler kam es 1929, als bei der durchgreifenden Innenrenovierung des Chors die Markgrafengräber beseitigt wurden und die Steinsärge und Inschriften sowie weitere Grabmäler in der freigelegten Krypta ihren neuen Platz fanden.

Die 1122 nach Umwandlung von St. Pankratius in eine Stiftskirche als neue Pfarrkirche errichtete Michaelskirche wurde bereits 1160 dem Stift eingegliedert. Nach Aufhebung des Stifts Backnang zog die Gemeinde wieder in die ehemalige Stiftskirche um, St. Michael wurde seither vorwiegend für profane Zwecke (Bindhaus, Kornspeicher) genutzt. Der über dem frühgotischen Chor (Mitte 13. Jahrhundert) aufragende Chorturm wurde anläßlich einer Kirchenrestaurierung 1614 teilweise abgetragen und durch den Baumeister Heinrich Schickhardt neu aufgeführt und mit einem Fachwerkaufsatz versehen (Eckquader mit Devise und Bauzahl, nr. 273). Um diese Zeit scheint das Gebäude auch wieder kirchlich genutzt worden zu sein. Es diente vielleicht sogar zeitweise als Bestattungsort, will man nicht annehmen, daß die beiden in die vermauerte Chorbogenwand eingefügten Grabplatten eines Stadtschreibers und seiner Frau von 1613 (nrr. 268, 270) erst später vom ehemals umliegenden Friedhof hierher verbracht wurden39). Ein Grabstein von diesem Oberen Friedhof ist mit seiner Inschrift kopial überliefert (nr. 278). Der Stadtbrand von 1693 zerstörte die Michaelskirche fast völlig. Erhalten blieben nur der Chor und ein Teil des Chorturms, der wiedererrichtet wurde als städtischer Glockenturm und als Hochwacht. Die Glocken zerschmolzen damals ebenso wie in der Pankratiuskirche. Vom Schiff blieben nur Reste der Ostwand stehen, an seiner Stelle wurde 1824 das sogenannte Turmschulhaus errichtet, das bis vor kurzem als Schule diente und künftig als Stadtarchiv genutzt wird.

Die ehemalige Kirche Unserer Lieben Frau im Eckertsbach, das sogenannte Totenkirchle, stand früher inmitten des Unteren Friedhofs, der 1841 aufgelassen wurde. Erhalten ist nur der Chor (Schiff nach Nutzung als Wohnhaus 1967 abgerissen) mit Grundsteinlegungsinschrift von 1452 (nr. 30) und mit einer Armenstiftungs-Inschrift von 1621 (nr. 280)40).

Inschriften an Backnanger Profanbauten sind insgesamt nur drei bekannt: eine Brunneninschrift (nr. 202), eine Wappentafel am Rathaus (nr. 241) und eine Bauinschrift (nr. 247).

2.1.3. Beutelsbach

Das um 1080 urkundlich erstmals belegte Beutelsbach gehört zum frühesten nachweisbaren Besitz der Grafen von Württemberg. Von der Burg auf dem Kapellberg über dem Dorf sind nur noch einige Mauerzüge erhalten. Bei Notgrabungen anläßlich der Rebflurbereinigung 1968/69, der Teile des Burgareals zum Opfer fielen, wurde eine Bauinschrift von angeblich 1252 aufgefunden (nr. 3), die in ihrer vorliegenden Form aber aus dem 16. Jahrhundert (?) stammen, freilich auf einer echten Vorlage des 13. Jahrhunderts beruhen dürfte. Die Burg ist seit ihrer weitgehenden Zerstörung 1312 Ruine.

Die Kirche St. Leodegar (Patrozinium erst 1537 bezeugt, ursprünglich vielleicht zum Hl. Kreuz) wird 1247 erstmals genannt. Das weltliche Chorherrenstift geht vermutlich ins 11. Jahrhundert zurück. Die Kirche diente den Grafen von Württemberg als Grablege. In der Kirche (in der jetzigen Gestalt im wesentlichen ein Bau aus dem frühen 16. Jahrhundert) zeugt heute davon lediglich noch ein vermutlich in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts angebrachter Gedenkstein mit dem württembergischen Wappen. Graf Ulrich I. „mit dem Daumen“ gilt als der Neubegründer oder jedenfalls als wesentlicher Förderer des Stifts. Ihm und seiner Frau Agnes von Schlesien wurde in der Kirche gegen Ende des 13. Jahrhunderts ein imposantes Hochgrab errichtet (nr. 4). 1285 wurde eine Glocke gegossen (nr. 5). Als nach wiederholten Plünderungen und Zerstörungen von Burg und Dorf Beutelsbach [Druckseite XVIII] im Krieg Graf Eberhards gegen die Reichsstädte (1311) das Stift mit päpstlicher Genehmigung 1321 nach Stuttgart verlegt wurde, wurden Doppelgrabmal und Glocke nach Stuttgart überführt. Nach der Stiftsverlegung sank Beutelsbach zur Bedeutungslosigkeit herab. Ältestes noch am Ort befindliches epigraphisches Zeugnis ist eine weitere Glocke in der Stiftskirche aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts (nr. 17). Von alten Grabplatten hat sich nur ein Fragment aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts für einen Priester erhalten. Die Unterstellung Beutelsbachs unter das Stuttgarter Heiligkreuzstift dokumentiert sich in einem Wappenstein an der ehemaligen Zehntscheuer von 1568 (nr. 177).

2.1.4. Schorndorf

Schorndorf ist 1235 erstmals urkundlich bezeugt. Nach der Stadtgründung um die Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort rasch und zählte im Spätmittelalter zu den bedeutendsten Städten der Grafschaft Württemberg; Schorndorf war Sitz eines Obervogts. Ab 1538 wurde die Stadt unter Herzog Ulrich zur Landesfestung – neben den Höhenfestungen Hohentübingen, Hohenurach, Hohenneuffen und Hohentwiel – ausgebaut. Durch die Wallanlagen, in die das herzogliche Schloß einbezogen wurde, veränderte sich das Stadtbild einschneidend. Epigraphisch hat sich der Festungscharakter der Stadt aber kaum niedergeschlagen. Weder am Schloß noch an den zwischen 1830 und 1860 niedergelegten Festungsanlagen haben sich Inschriften erhalten. Lediglich ein kritischer Spruch zweifelhafter Authentizität, der sich gegen die Verschandelung der Landschaft durch die Anlage der Bastionen wendet und der an einem der Stadttore eingemeißelt gewesen sein soll, ist kopial überliefert (nr. 149). Ein Verlust inschriftlicher Texte ist sicherlich im Bereich der ehedem zahlreichen Festungsgeschütze zu verzeichnen, die im allgemeinen häufig mit Inschriften versehen waren41). Als Landesfestung zog die Stadt im Krieg die Aktionen der feindlichen Truppen auf sich. Die wechselvollen Kriegsereignisse finden ihren Ausdruck in einer Gedenkinschrift auf den Abzug der spanischen Besatzung während des Schmalkaldischen Kriegs (nr. 188) sowie in einigen Grabschriften für württembergische und gegnerische Soldaten, die während ihrer Besatzungszeit in Schorndorf verstorben sind (nrr. 152, 153, 154, 155). Nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 wurde die Stadt von den Kaiserlichen fast vollständig zerstört. Nur dank der Aufzeichnungen von Martin Crusius und David Wolleber wissen wir von dem ehemals großen Bestand an Inschriftendenkmälern (40 verlorene gegenüber 17 erhaltenen). Vom Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg kündet eine Gedenkinschrift an der ehemaligen Lateinschule von 1650 (nr. 315).

Wichtigster Inschriftenstandort war und ist die Stadtkirche. Ihr Patrozinium (St. Basilides, Cyrinus, Nabor, Nazarius und Celsus) weist auf westfränkischen42) oder Lorscher Einfluß bei der Gründung der Kirche hin, die zunächst Filial der Winterbacher Pfarrkirche war, dann 1275 als selbständige Pfarrkirche erscheint und schließlich ab dem 14. Jahrhundert sogar Winterbach übergeordnet war. Das Marienpatrozinium, das ab dem 15. Jahrhundert neben den bisherigen erscheint, wird im 16. Jahrhundert zum maßgeblichen. Über den Vorgängerbau der spätgotischen Kirche ist nichts Genaues bekannt. Aus ihm wurden mindestens drei Grabmäler (nrr. 18, 19, 48), darunter die Grabplatte für Graf Rudolf von Tübingen43), und eine Glocke (nr. 39) in den Neubau überführt. Aus dem Jahr des vermutlichen Baubeginns 147744) stammt eine Grabschrift an der Westfassade (nr. 51), die vielleicht auf eine finanzielle Beteiligung der dort Bestatteten hinweist. Verschiedene nur mehr abschriftlich bezeugte Bauzahlen deuten darauf hin, daß sich der Kirchenbau (nach Plänen von Aberlin Jörg) über längere Zeit erstreckte, der Chor könnte 1511 vollendet worden sein. Im nördlich des Chors angebauten Marienchor von etwa 1500 sind die figürlichen Gewölbekreuzungssteine erhalten, die einen Stammbaum Jesse bilden (nr. 82). Noch aus vorreformatorischer Zeit stammte eine Tafel mit Mahnversen an nachlässige Priester und Meßdiener (nr. 83). Kurios ist die Gedenkinschrift von 1529 auf den „Judasstrick“, der als Trophäe aus dem Sacco di Roma nach Schorndorf gelangte und in der Kirche zur Schau gestellt wurde (nr. 139). Das Chorgestühl von 1533 (nr. 143) und alle vier Glocken (nrr. 19, 76, 97, 169) gingen 1634 zugrunde. Inschriftlich bezeugte Baumaßnahmen nach der Einführung der Reformation fanden 1574 an der Galerie des Chors (Jerg Busch, nr. 183) und 1610 am [Druckseite XIX] Turm (Melchior Gockheler, nr. 259) statt. Der Wiederaufbau der Kirche nach der teilweisen Zerstörung von 1634 setzte 1642 ein. Erhalten waren nur der Hauptchor und der Marienchor und somit auch die darin aufgestellten großen Figurengrabmäler (nrr. 261, 267). Die zahlreichen Grabplatten, Epitaphien und Totenschilde aus dem Schiff wurden fast alle vernichtet. Überliefert sind in erster Linie Totengedächtnismale für das „ehrbare“ Bürgertum, für adelige und bürgerliche Offiziere und Beamte, darunter drei Obervögte (nrr. 122, 144, 267), sowie für Pfarrer.

Die ältesten inschriftlich bezeichneten Geräte stammen erst aus dem 17. Jahrhundert (Hostienbüchse nr. 293, Kelch nr. 316). Zeugnis der im Dreißigjährigen Krieg ausgetragenen Konfessionsgegensätze ist ein Gemälde mit der Darstellung der Verlesung der Augsburger Bekenntnisschrift vor Kaiser Karl V. und mit der Wiedergabe der gottesdienstlichen Handlungen der lutherischen Kirche (nr. 313).

2.1.5. Waiblingen

Waiblingens Bedeutung in salischer und staufischer Zeit hat keinen nachweisbaren inschriftlichen Niederschlag gefunden. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte die Stadterhebung und der Übergang an Württemberg, Waiblingen wurde Amtsstadt. Im Spätmittelalter war die Stadt eine der größten innerhalb Württembergs.

Der wichtigste Inschriftenstandort ist die Michaelskirche, wegen ihrer Lage außerhalb der Stadt (wohl an der Stelle des alten Dorfs) auch „Äußere Kirche“ genannt. Sie war Mutterkirche eines großen Sprengels im unteren Remstal, 1225 ist erstmals ein Leutpriester bezeugt. Verschiedene Grabungen lassen auf zwei romanische Vorgängerbauten und einen früh- bis hochgotischen Umbau schließen45). Der älteste Teil der bestehenden Kirche ist der spätgotische Chor aus der Zeit um 1440. Westturm und Langhaus wurden in einer etwas späteren Bauphase aufgeführt46), aus der die undatierte Baumeisterinschrift des Hans von Landau an der Westseite der Chorbogenwand stammt (nr. 40). Die Gewölbe sind mit den Jahreszahlen 1487, 1488 und 1490 bezeichnet. In der nicht eindeutig lokalisierbaren Marienkapelle wurde 1471 Anna geborene Gräfin von Württemberg bestattet (nr. 45), in der sogenannten Hapenkapelle (am Westende des nördlichen Seitenschiffs) fanden Angehörige der Familie Hap von Hapenberg zu Beginn des 16. Jahrhunderts ihr Begräbnis, eine der Grabschriften ist überliefert (nr. 95). In einer weiteren Familienkapelle, der im 17. Jahrhundert beseitigten Sattlerkapelle, fanden sich dem Chronisten Zacher zufolge die Satlerische Ahna mit ihren Wappen und namen aufgemalt. Möglicherweise stellt das nur noch auf Fotografien überlieferte sogenannte „Sattler-Epitaph“ aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (?, nr. 318) eine auf Leinwand übertragene Kopie dieser Ahnenreihe dar. Aus dem 16. und beginnenden 17. Jahrhundert finden sich ausschließlich Grabmäler der sozialen Führungsschichten der Bürgerschaft, durchweg württembergische Beamte oder Offiziere und deren Angehörige (nrr. 133, 218, 235). Daneben soll ein Totenschild für einen oettingischen Hofbediensteten – heute im Württ. Landesmuseum – aus der Michaelskirche stammen (nr. 167a). Für die Kinder eines Präzeptors, die auf dem um die Kirche gelegenen Kirchhof bestattet waren, wurde die Grabschrift direkt in die Quader eines Strebepfeilers eingehauen (nr. 199). 1634 wurde beim Stadtbrand das Kirchendach und ein Teil des Turms zerstört. Die Glocken fielen dem Brand zum Opfer, ohne daß etwaige Inschriften abschriftlich festgehalten wären. Noch aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs datiert ein weiteres Grabmal (nr. 306) sowie ein auf den Altar gestiftetes Hostienkästchen (nr. 309a).

Innerhalb der Waiblinger Stadtmauern haben nur verschwindend wenige Inschriften den Stadtbrand überlebt. Über die Wiederaufbaumaßnahmen berichtet eine Gedenkinschrift von 1640 an der Unteren Apotheke (nr. 299).

2.1.6. Winnenden

Winnenden wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1693 von französischen Truppen fast völlig zerstört. Dabei gingen auch sämtliche Inschriftendenkmäler zugrunde, ohne daß ältere kopiale Aufzeichnungen [Druckseite XX] existierten. Einzig in der Kirche des ehemaligen Schlosses der Deutschordenskommende Winnenden, das im Südwesten außerhalb der Stadtmauern lag, haben sich epigraphische Zeugnisse erhalten. Diese Schloßkirche St. Jakobus war ursprünglich Pfarrkirche von Winnenden, wurde aber 1288 von Berthold von Neuffen und seiner Frau dem Deutschen Orden geschenkt. Der Sitz der Komturei wurde 1423 oder schon früher von dem Ordenshaus in der Stadt in das neue, später zum Schloß ausgebaute Gebäude bei der Jakobskirche verlegt. Die Kommende wurde 1665 an Herzog Eberhard III. von Württemberg verkauft, diente seither als Sitz der württembergischen Linie zu „Winnental“, später als Kaserne und beherbergt jetzt das Psychiatrische Landeskrankenhaus.

Das Jakobspatrozinium geht sicherlich erst auf den Deutschen Orden zurück, der Jakobus d. Ä. als den Beschützer der Pilger besonders verehrte. Der heutige Bau, unter dem ältere, vielleicht bis ins 10. Jahrhundert zurückweisende Bauschichten ergraben wurden, stammt aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts und wurde später vielfach verändert. Prunkstück der spätgotischen Ausstattung und gleichzeitig der älteste Inschriftenträger ist das geschnitzte Hochaltar-Retabel (nr. 126). Eine nachträglich eingefügte Schrifttafel informiert darüber, daß der Altar 1520 errichtet, 1540 (im Zuge der Reformation) abgebrochen und 1549 während des Interims wieder aufgebaut wurde. Er diente dem katholischen Gottesdienst bis 1665. Lediglich für einen einzigen Deutschordenskomtur ist das Grabdenkmal (von 1608) erhalten (nr. 256). Nur wenig älter sind sechs Grabplatten und Epitaphien für Angehörige der bei Winnenden ansässigen geadelten Familie Breuning zu Buchenbach (nrr. 206, 209212, 227). Zwei weitere bürgerliche Grabmäler von 1605/06 und 1623 (nrr. 248, 284) komplettieren die Reihe der erhaltenen Inschriftenträger.

Ein inschriftliches Zeugnis der ehemaligen Deutschordens-Herrschaft findet sich noch auf einem Wappenstein an der Kelter zu Hanweiler (nr. 170), das nach Winnenden eingemeindet ist.

2.1.7. Oppenweiler

Die Ortsherrschaft über Oppenweiler übten ohne Unterbrechung bis zum Ende des Reichs die 1262/88 aufscheinenden Herren von Oppenweiler genannt Sturmfeder aus. Zunächst badische Vasallen, waren die Sturmfeder ab dem 14. Jahrhundert Lehensleute der Grafen von Württemberg. Trotz Zugehörigkeit der Sturmfeder zur Reichsritterschaft konnte Württemberg die Oberhoheit über den Ort behaupten. Sitz des Adelsgeschlechts war die Wasserburg im Ort, an deren Stelle ab 1782 das neue achteckige Schloß erbaut wurde. Aus der alten Wasserburg stammt ein nur durch eine Beschreibung überliefertes mit Inschriften bezeichnetes Turniergemälde (nr. 233) und die aus elf Gemälden mit ausführlichen Inschriften bestehende Sturmfeder-Ahnengalerie (nr. 190), die im „unteren Sommersaal“ aufgestellt war und dann ins neue Schloß übernommen wurde. Das Schloß dient seit 1939 als Rathaus der Gemeinde.

Die Sturmfeder waren Patronatsherren der Pfarrkirche St. Jakobus. Die Kirche – Rechteckschiff mit eingezogenem Chor und südlich angebautem Turm – wurde unter Friedrich Sturmfeder († 1471) und seiner Frau Lucia von Hornstein errichtet, wie deren Wappensteine im Chorgewölbe anzeigen. 1468 ist erstmals ein Pfarrer bezeugt. Das genannte Ehepaar hat für die neue Kirche den erhaltenen Hochaltar gestiftet (nr. 44). Eine Glocke ist 1510 gegossen worden (nr. 104). Aus einem Vorgängerbau müssen eine figürliche Hochgrab-Deckplatte von 1365 und zwei Grabplatten des 15. Jahrhunderts in den neuen Bau übernommen worden sein (nrr. 14, 21, 32). In der Nordostecke des Kirchenschiffs war die Grablege der Familie eingerichtet, daneben finden sich einige Bestattungen im Chor (nrr. 93, 146, 230). An den Wänden unmittelbar bei den Gräbern wurden zahlreiche großformatige Figurenepitaphien errichtet, zusätzlich haben sich fünf Totenschilde erhalten. Die jüngste Bestattung in der Kirche datiert von 1704, danach fanden die Beisetzungen der Sturmfeder auf dem Friedhof statt. 1878 wurden alle Grabdenkmäler und Totenschilde in den Chor versetzt. Die Grabplatten im Kirchenschiff lagen dagegen wohl seit dem 18. Jahrhundert verdeckt unter dem Holzfußboden und wurden erst 1963 wiederentdeckt und geborgen, 1973 kamen südlich davon zwei weitere zum Vorschein47); danach wurden alle Grabplatten an den Wänden des Kirchenschiffs und der Turmhalle aufgestellt.

Zitationshinweis:

DI 37, Rems-Murr-Kreis, Einleitung, 2. Historischer Überblick (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011e000.

  1. Grundlegend zum Folgenden: LdBW 3, 471–493; ebd. 2, 99–114. Außerdem sind immer noch die württembergischen Oberamtsbeschreibungen des 19. Jahrhunderts zu vergleichen: OAB Backnang, OAB Cannstatt, OAB Gaildorf, OAB Marbach, OAB Schorndorf, OAB Waiblingen, OAB Weinsberg, OAB Welzheim. – Zur Gebietsreform: Rems-Murr-Kreis. Kreisverwaltung einst und heute, passim; LdBW 3, 484. »
  2. Zu den natürlichen Grundlagen vgl. Wild 17–15; Kennzeichen WN 62–77; LdBW 3, 471–477. »
  3. Vgl. Wagner 73–94. »
  4. Zur römischen Besiedlung allgemein: Die Römer in Baden-Württemberg, bes. 448–453 (Murrhardt), 611–620 (Welzheim). Zu Backnang und Umgebung: Horst Denkinger, Die Römer im mittleren Murrgau (Tl. 1), in: Backnanger Jb. 1 (1991/92) 5–28. »
  5. Jetzt grundlegend: Reichardt, Ortsnamenbuch; zu Heiningen: Kost, Urdorf Heiningen. »
  6. Fritz, Herrschaft 85–89. »
  7. Vgl. die Karte VIII 5 des Historischen Atlas von Baden-Württemberg. Kirchliche Gliederung um 1500 (Beiwort von Meinrad Schaab). Vgl. ferner ebd. Karte V 1: Das merowingische Herzogtum Alemannien (Beiwort von Meinrad Schaab u. Karl Ferdinand Werner m. e. Beitr. v. Otto P. Clavadetscher) sowie Franz Quarthal, Alemannien und Ostfranken im Frühmittelalter (=Veröff. d. Alemannischen Inst. Freiburg 48). Freiburg 1984. »
  8. Vgl. Glässner, Königsgut 20–31; ders., Waiblingens älteste Erwähnung. »
  9. Allgemein vgl. Nüske 95–97; zu Murrhardt: Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter 44–46. »
  10. Ebd. 19–37; ferner ders., Murrhardt im Spätmittelalter pass. »
  11. Glässner, Königsgut 31–40. »
  12. Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter 127–139; zusammenfassend: ders., Waiblingen und Umgebung 24–26. »
  13. Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter 127–139. »
  14. So Mertens, bes. 91–95. »
  15. Glässner, Königsgut 40–75. »
  16. Schmid, Werdegang 57f. »
  17. Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter 144–146; ders., Grafschaft Löwenstein 19. »
  18. Kieß, Alfdorf pass. »
  19. Schön pass.; Zehender 484–520. »
  20. Pabst, Burg und Herrschaft. »
  21. Fritz, Waiblingen und Umgebung 481–520. »
  22. Bomm/Fritz/Reustle/Schweizer 50. »
  23. Fritz/Schauer, Herrschaftsverhältnisse 1–19. »
  24. Fritz, Grafschaft Löwenstein 53–68; ders., Murrhardt im Spätmittelalter 25-35. »
  25. Rommel 43–46; Angerbauer pass. »
  26. Vgl. allgemein: Fritz, Herrschaft 97–103; speziell zum Amt Schorndorf: Holub pass. »
  27. Zu Waiblingen: Haupt, Schlacht bei Nördlingen; zu Schorndorf: ders., Zerstörung Schorndorfs pass. Ansonsten liegt lediglich für Sulzbach an der Murr eine Untersuchung vor: Fritz/Klink pass. »
  28. Für nähere Ausführungen zur Orts- und Besitzgeschichte sowie zur Baugeschichte sei hier ein für allemal auf die entsprechenden Abschnitte in der Amtlichen Kreis- und Gemeindebeschreibung (LdBW III, 493–579), im Handbuch der Historischen Stätten Baden-Württemberg und im Kunstdenkmälerinventar für den Rems-Murr-Kreis (Kdm Rems-Murr) verwiesen. »
  29. Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter 35–50. »
  30. Zum Komplex der Stiftermemoria vgl. Renate Neumüllers-Klauser, Maulbronner Stifterdenkmäler, in: ZWLG 37 (1978) 27–45; dies., Das Hirsauer Stiftergedenken. Überlegungen zu den Grabmälern im Klosterbereich, in: Der Landkreis Calw. Ein Jb. 6 (1988) 161–173; Renate Kroos, Grabbräuche – Grabbilder, in: Memoria. Der geschichtliche Zeugniswert des liturgischen Gedenkens im Mittelalter, hg. v. Karl Schmid u. Joachim Wollasch (Münstersche Mittelalterschrr. 48). München 1984, 285–353. »
  31. Vgl. Kdm Rems-Murr 619. »
  32. Vgl. OAB Backnang 128 f.: Grabmäler für einen Kraft von Hohenlohe-Weikersheim, für einen Friedrich Sturmfeder und dessen Frau Agatha von Talheim (bislang nicht in die Sturmfeder-Genealogie einzuordnen), für Bernolt von Urbach († 1450/51, vgl. Regesten der Herren von Urbach 65) und für Albrecht von Bönnigheim (der 1342/51 urk. bezeugte? vgl. Alberti 72). »
  33. Erst kürzlich konnte Gerhard Fritz ein kleines als Spolie in der Wand vermauertes Fragment einer weiteren Grabplatte mit wenigen Schriftresten auffinden, das der Frakturschrift nach ebenfalls ins frühe 17. Jahrhundert passen könnte. »
  34. Im Kircheninnern befand sich neben der Kanzel an der Wand eine Inschrift, die besagte, daß während des 30jährigen Krieges in einem Pestjahr allein 1100 Menschen auf dem Kirchhof begraben worden sind. Hinweis in einer Papierhandschrift vermischten Inhalts in der Bibliothek des Heimat- und Kulturvereins Backnang, deponiert im Stadtarchiv Backnang, alte Sign.: Dokum. 7 (1798). Die Notiz muß nach 1841 nachgetragen worden sein, da der Friedhof bereits als „alter Kirchhof“ bezeichnet wird. »
  35. Vgl. etwa die Kanonen Franz’ von Sickingen: DI 34 (Bad Kreuznach) nrr. 254 (1519) und 259 (1522) oder die zahlreichen Bremer Geschütze des 16. und 17. Jahrhunderts: Hermann Frh. von Eelking, Alte Geschützinschriften in der Stadt Bremen, in: Anzeiger für Kunde der dt. Vorzeit, Jg. 1883, 162–166. »
  36. So Palm, Schorndorf 51–61. »
  37. Falls hier nicht eine Neuanfertigung der Grabplatte nach dem Neubau der Kirche vorliegt, vgl. unten S.XXXII. »
  38. Wahrscheinlich gemacht durch Graf, Quellenfund 38f. »
  39. Kdm Rems-Murr 1138. Zu neueren Untersuchungen vgl. Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart 12 (1991): Sonderband Dokumentation Michaelskirche; darin bes. Karlheinz Eckardt, Bericht über baugeschichtliche Untersuchungen in der Michaelskirche Waiblingen vom 19.–25. Februar 1990, 46–83; Herbst/Jenisch, 96–187; sowie kontrovers dazu: Erich Scheible/Helmut Wild, Vortrag mit Lichtbildern: „Die Geheimnisse des Michaelskirchhügels“ am 24. März 1990 in der Michaelskirche Waiblingen, 188-227. »
  40. Nach Kdm Rems-Murr 1139: Turm jedenfalls nach 1462, Langhaus in den 70er und 8oer Jahren; nach Glässner, Grafenstadt 169f.: 1459/63. »
  41. Die Grabplatten im Chor, die 1804 noch sichtbar waren, liegen vermutlich noch unter dem Steinfußboden. In einem Fall ist dies gesichert (nr. 230). Auf eine Hebung mußte wegen Einsturzgefahr der hierher versetzten Epitaphien verzichtet werden. »