Die Inschriften des Rems-Murr-Kreises

Hinweis: Diese Einleitung enthält eine Änderung gegenüber der Druckfassung. [Dorthin springen].

[Druckseite VII]

Vorwort

Die vorliegende Bearbeitung der Inschriften des Rems-Murr-Kreises hat Gerhard Fritz 1983 begonnen, weil ihm bei den zahlreichen Arbeiten zur Geschichte seiner Heimatstadt Murrhardt immer wieder inschriftliche Quellen begegneten, die aussagekräftig, aber nicht oder nur unzureichend veröffentlicht waren. Seine Arbeit konzentrierte sich zunächst auf den nördlichen und westlichen Teil des Kreisgebietes mit den Schwerpunkten Murrhardt, Backnang, Winnenden und Waiblingen. Für den südöstlichen Teil (ehemaliger Oberamtsbezirk Schorndorf) hatte Dieter Reichert (Iggingen) im Rahmen einer Zulassungsarbeit für das höhere Lehramt bei Professor Dr. Hansmartin Decker-Hauff in Tübingen das Material gesammelt; seine Hoffnung, als zweiter Autor den Band mit Gerhard Fritz gemeinsam veröffentlichen zu können, ließ sich nicht realisieren, weil berufliche Überlastung und gesundheitliche Beeinträchtigungen eine kontinuierliche zeitaufwendige Nebentätigkeit nicht erlaubten. Wir danken Herrn Reichert für die Überlassung seiner Materialien und für hilfreiche Auskünfte und Hinweise.

An seiner Stelle übernahm seit 1991 Harald Drös die Bearbeitung der Inschriften des ehemaligen Oberamtsbezirks Schorndorf und der im Norden und Westen unmittelbar angrenzenden Ortschaften sowie – als Mitarbeiter der Heidelberger Arbeitsstelle – die redaktionelle Überarbeitung des gesamten Manuskripts und seine Angleichung an die Editionsrichtlinien des Akademieunternehmens „Deutsche Inschriften“, in deren Heidelberger Reihe der Band erscheint. Der historische Teil der Einleitung wurde im wesentlichen von Gerhard Fritz verfaßt, Inschriftenträger- und Schriftkapitel von Harald Drös, der Abschnitt über die nicht-originale Überlieferung von beiden Autoren gemeinsam. Im Katalogteil bezeichnen die Siglen F und D den Bearbeiter der jeweiligen Nummer. Regelmäßige Rücksprachen der Autoren untereinander, ein hohes Maß an Kollegialität und gegenseitiger Förderung haben den Band trotz der komplizierten Ursprünge zu einem – wie wir hoffen – einheitlichen Werk werden lassen, das zur Landesgeschichte des mittleren Neckarraumes einen gewichtigen Baustein liefert.

Es ist den beiden Bearbeitern ein Bedürfnis und eine Freude, den Personen und Institutionen Dank auszusprechen, die die Arbeit an dem vorliegenden Inschriftenband in vielfältiger Weise gefördert haben. Den kirchlichen, staatlichen und kommunalen Behörden und Amtsträgern, in deren Obhut sich die meisten Inschriftenträger befinden, sei für Auskünfte und für Hilfe bei der Arbeit vor Ort gedankt: den Pfarrern und Mesnern der evangelischen und der katholischen Kirchen, dem Württembergischen Landesmuseum Stuttgart (Dr. Heribert Meurer), dem Heimatmuseum Beutelsbach, dem Museum Helferhaus in Backnang, dem Carl-Schweizer-Museum in Murrhardt, dem Heimatmuseum Reutlingen, dem Stadtmuseum Waiblingen und dem Museum des Historischen Vereins Welzheimer Wald in Welzheim. Auch Inschriftenträger in Privatbesitz wurden uns dankenswerterweise bereitwillig zugänglich gemacht, namentlich von Michaela Gräfin von Bentzel (Heroldsbach, Schloss Thurn), Klaus Bossaller (Schorndorf), Dr. Rolf Schweizer (Murrhardt) und Bürgermeister i. R. Julius Zehender (Oppenweiler). Handschriften und Akten als Quellen der nicht-originalen Überlieferung wurden im Generallandesarchiv Karlsruhe, im Staatsarchiv Ludwigsburg, im Hauptstaatsarchiv, in der Württembergischen Landesbibliothek und im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart, im Stadtarchiv Schorndorf und in den Universitätsbibliotheken Tübingen und Würzburg benutzt. Mitarbeiter der Heidelberger Universitätsbibliothek halfen in gewohnt kollegialer Weise bei der Beschaffung und Bereitstellung der Literatur.

Landrat Horst Lässing (Waiblingen) hat unserer Arbeit vielfache Förderung angedeihen lassen. Ein namhafter Druckkostenzuschuß wurde von der Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen für Kultur, Natur und Heimatpflege gewährt. Er kam der großzügigeren Ausstattung des Abbildungsteils zugute. Durch mancherlei Hilfe hat sich Hans-Dieter Bienert (Murrhardt) Dank verdient, ebenso Eberhard Schauer (Winnenden), der zur Klärung mancher Fragen der Personenidentifizierung beitrug.

Für vielfachen Ansporn, fachliche Ratschläge und freundschaftliche Unterstützung sei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der befreundeten Arbeitsstellen der Akademien der Wissenschaften in Deutschland und Österreich gedankt, vornehmlich Dr. Sabine Wehking und Dr. Christine Wulf (Göttingen) sowie Dr. Rüdiger Fuchs, Dr. Eberhard J. Nikitsch und Dr. Sebastian Scholz (Mainz).

[Druckseite VIII]

Die beiden Letztgenannten haben noch in der Phase der Drucklegung wichtige Korrekturen beisteuern können. Den Kollegen der Heidelberger Arbeitsstelle gebührt besonderer Dank für ihre Hilfestellung, vorweg der Dienststellenleiterin Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss, die stets zu förderlicher Diskussion bereit war und wertvolle Hilfe vor allem in kunsthistorischen Fragen leistete. Der Fotograf Axel Schmider hat in bewährter Weise einen Großteil der Fotoaufnahmen angefertigt und die gründliche Laborarbeit besorgt; Dorothee Kaufmann M.A. konnte manchen Kampf mit dem Computer zu guter Letzt zu unseren Gunsten entscheiden.

Professor Dr. Renate Neumüllers-Klauser schließlich hat – zunächst als Leiterin der Heidelberger Arbeitsstelle, dann als stellvertretende Kommissionsvorsitzende – die Entstehung des Bandes von Beginn an und in allen Phasen betreut, koordiniert und durch Kritik und sachkundigen Rat gefördert. Dafür sagen ihr beide Autoren herzlichen Dank.

Heidelberg und Murrhardt, im Februar 1994

Gerhard Fritz und Harald Drös

[Druckseite IX]

1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften des Rems-Murr-Kreises bis zum Jahre 1650. Mit berücksichtigt sind Objekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen, auch in Orten außerhalb des Kreisgebietes, deren Provenienz aus dem Bearbeitungsgebiet nachgewiesen werden kann. Neben den erhaltenen Inschriften sind auch die nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen, in Fotos oder Abgüssen überlieferten Texte aufgenommen. Vollständigkeit der Erfassung wurde angestrebt, ist gleichwohl bei der unübersichtlichen Streuung der nichtoriginalen Überlieferung kaum zu erreichen. Ausgeklammert blieben konsequent alle isoliert stehenden Jahreszahlen, Initialen, Monogramme sowie Haus- und Meisterzeichen1). Damit folgt der Band den Bearbeitungsrichtlinien, die für das Inschriften-Unternehmen der Deutschen Akademien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften festgelegt wurden.

Die Inschriften sind im Katalogteil chronologisch und nach einem einheitlichen Schema angeordnet:

Die Kopfzeile enthält links die laufende Nummer der Inschrift2), ein lateinisches Kreuz hinter der Nummer deutet auf den Verlust des Originals hin.

In der Mitte der Kopfzeile steht die Angabe des derzeitigen oder des letzten erschließbaren Standorts. Die Ansetzung erfolgt unter den alten, vor der 1974 abgeschlossenen Gebietsreform gültigen historischen Ortsnamen, die neue Gemeindezugehörigkeit ist in Klammern beigefügt3). Kirchen sind unter ihrer heutigen Bezeichnung angesetzt, doch ist den evangelischen Kirchen das jeweilige ehemalige Patrozinium hinzugefügt, unter dem sie in den Quellen erscheinen4).

Die Datierung am rechten Rand der Kopfzeile ist in der Regel der Inschrift entnommen5). Die Entstehungszeit undatierter Inschriften ist so eng wie möglich eingegrenzt anhand historischer Belege, paläographischer Befunde oder stilistischer Merkmale der Inschriftenträger. Diese Inschriften sind jeweils am Ende des so erschlossenen Zeitraums nach den sicher datierten und datierbaren eingereiht. Unsichere Zeitansätze sind mit Fragezeichen versehen, aus anderen Quellen – d. h. nicht aus der Inschrift selbst – erhobene genaue Datierungen stehen in runden Klammern.

Im ersten Absatz des Artikels finden sich die Benennung des Inschriftenträgers6), die (wichtigsten) in der Inschrift genannten Personen, eine präzisierte Standortangabe, gegebenenfalls auch Hinweise zu früheren Standorten sowie eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers mit Bemerkungen zu Material, Anbringung der Inschrift(en) und Erhaltungszustand. Die Beschreibung erfolgt vom Betrachter aus, nur für Wappenbeschreibungen ist nach den Regeln der Heraldik umgekehrt verfahren. Mehrere Inschriften auf einem Träger werden mit A, B, C usw. bezeichnet.

Bei kopial überlieferten Inschriften ist die für die Textedition maßgebliche Vorlage angegeben.

[Druckseite X]

Es folgen Maßangaben (in cm) von Inschriftenträger, Buchstaben und gegebenenfalls Ziffern sowie die Bestimmung der Schriftart. Die Schrifthöhe orientiert sich am Normalwert des Buchstabens N/n, erhebliche Schwankungen werden durch Angabe der Extremwerte vermerkt.

Eine Abbildungsnummer am Rand außerhalb des Satzspiegels weist auf die Abbildung der betreffenden Inschrift im Tafelteil hin.

Zur Wiedergabe des Inschriftentextes:

Die Texte sind eingerückt; sie werden fortlaufend wiedergegeben, nur metrische Inschriften sind versweise abgesetzt.

Ein Schrägstrich kennzeichnet das Zeilenende auf dem Träger.

Ein doppelter Schrägstrich gibt den Übergang auf eine andere Beschriftungsfläche an; innerhalb einer Zeile markiert er die Unterbrechung der Schrift durch eine Darstellung.

Worttrennstriche an Zeilenenden und -anfängen originaler Inschriften sind durch Doppelstrich (=) wiedergegeben.

Bögen unter der Zeile bezeichnen Buchstabenligaturen. Die Verschmelzung zweier i bzw. I (mit Lautwert ii) zur Y-Form wird nicht als Y, sondern – je nach Erscheinungsbild – als ij-, II- oder IJ-Ligatur dargestellt.

Änderung in der Onlineversion

Nicht Bögen, sondern Striche unter der Zeile (Unterstreichungen) bezeichnen Buchstabenligaturen.

Abkürzungen werden unter Wegfall der Kürzungszeichen zwischen runden Klammern aufgelöst.

Eckige Klammern schließen Ergänzungen ein. Textverlust, der nicht ergänzt werden kann, ist durch leere eckige Klammern angedeutet. Die Größe der Lücke wird durch eine den fehlenden Buchstaben schätzungsweise entsprechende Zahl von Punkten angegeben. Ist die Länge einer Fehlstelle am Beginn oder am Ende der Inschrift ungewiß, so werden drei Punkte gesetzt und die Klammer bleibt offen.

Erhaltene Buchstaben, deren Lesung unsicher ist, sind durch daruntergesetzte Punkte markiert.

Ursprünglich freigelassene Stellen – wie z. B. ausgesparte Sterbedaten – wie auch deren nachträgliche Ausfüllung werden zwischen spitze Klammern eingeschlossen.

Lateinische Inschriften werden übersetzt. Bei metrischen Inschriften ist das Versmaß vermerkt. Datierungen nach den römischen Stichtagen und nach dem Festkalender werden aufgelöst. Alle auf dem Inschriftenträger vorkommenden Wappen werden nachgewiesen. Etwaige Wappenbeischriften sind hier, nicht im Textteil wiedergegeben. Unbekannte Wappen werden blasoniert, ebenso solche Wappen, die bislang nicht oder nur an abgelegener Stelle publiziert sind. Bei Ahnenproben gibt das Druckbild die Anordnung der Wappen wieder.

Der anschließende Kommentar enthält Bemerkungen zum paläographischen Befund, zu Sprache und Formular, zum historischen Umfeld der Inschrift, zu Problemen der Datierung sowie gegebenenfalls Überlegungen zur kunsthistorischen Einordnung des Inschriftenträgers.

Der Apparat gliedert sich in Buchstaben- und Ziffernanmerkungen. Die Buchstabenanmerkungen sind textkritischen Fragen gewidmet (Textvarianten, problematische Lesungen, orthographische und paläographische Besonderheiten oder Fehler im Text), die Ziffernanmerkungen weisen Zitate und Literatur nach und geben zusätzliche Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar.

Das abschließende Literaturverzeichnis listet in chronologischer Folge die wichtigsten kopialen – ungedruckten und gedruckten – Überlieferungen und Abbildungen der Inschrift auf. Dabei ist auch Literatur nachgewiesen, die den Inschriftentext nur teilweise wiedergibt.

Die Siglen F(ritz) und D(rös) am Ende einer jeden Katalognummer bezeichnen den jeweiligen Bearbeiter.

Das Register schlüsselt das Inschriftenmaterial nach den verschiedensten Gesichtspunkten auf. Die Inschriften sind nach ihrer laufenden Nummer zitiert. Zur Anlage der einzelnen Register sind die dort gegebenen kurzen Vorbemerkungen zu vergleichen.

Den Abbildungen liegt kein einheitlicher Maßstab zugrunde. Die fotografischen Vorlagen wurden zum größten Teil in den Jahren 1991–93 am Standort neu angefertigt. Die Reihenfolge der Abbildungen weicht gelegentlich von der der Inschriften im Katalog ab, wenn sachliche Gründe (Zuordnung gleichartiger Inschriftenträger) das zweckmäßig erscheinen ließen. Die auf den behandelten Inschriftenträgern registrierten Steinmetzzeichen sind auf einer Tafel zusammengestellt.

Zitationshinweis:

DI 37, Rems-Murr-Kreis, Einleitung, 1. Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise (Harald Drös und Gerhard Fritz), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011e000.

  1. Die gerade in unserem Bearbeitungsgebiet sehr zahlreichen Bauzahlen mit – meist nicht aufzulösenden – Besitzerinitialen an Fachwerkpfosten bleiben somit unberücksichtigt. Dies war umso leichter möglich als sie weitgehend vollständig im Kunstdenkmäler-Inventar von Adolf Schahl (Kdm Rems-Murr) erfaßt worden sind. »
  2. Für zwei Nachträge mußten Zwischennummern (167a, 209a) eingeschoben werden. »
  3. Im Standortregister werden die Ortschaften nach der neuen Gemeindezugehörigkeit aufgeschlüsselt. »
  4. Also etwa „ev. Stadtkirche St. Januarius“, nicht „Klosterkirche St. Januarius“. Die ehemalige Bezeichnung der Kirche – im genannten Beispiel also „Klosterkirche“ – wird nur bei Inschriften angeführt, die vor der Umwidmung des Gebäudes verlorengegangen sind. »
  5. Die vorauszusetzende, im allgemeinen jedoch geringe Zeitdifferenz zwischen einem genannten Datum und der tatsächlichen Ausführung der Inschrift wird vernachlässigt, falls nicht eindeutige Hinweise auf frühere oder spätere Entstehung vorliegen. »
  6. Bei nicht erhaltenen Inschriften ist eine Klassifizierung oft nicht möglich, in solchen Fällen wird die Textart (z. B. Grabschrift) angegeben. »