Die Inschriften des Regensburger Doms (II)

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4. Die Inschriftenträger

Gestaltung, künstlerische Ausführung und Material

Das Jahr 1500, mit dem die Bearbeitung der Inschriftendenkmäler des ersten Dombandes endet, stellt weder unter historischen, kunsthistorischen noch unter epigraphischen Aspekten eine Zäsur dar. Ausschließlich die Fülle des Materials machte die Teilung in zwei Bände notwendig. Von den insgesamt 687 bearbeiteten Inschriften fallen 355 in den Zeitraum bis 1500, für die weiteren 200 Jahre bis 1700 konnten 317 Inschriftendenkmäler aufgenommen werden. Weitere 14 Stücke, die zum Teil im Zuge von Renovierungs- und Bauarbeiten aufgefunden wurden und zeitlich dem ersten Band zugeordnet werden müssen, sind im Anhang ediert.

Im Bearbeitungszeitraum dieses Bandes sind 223 Denkmäler (rund 70%) im Original vorhanden, 94 konnten aufgrund der kopialen Überlieferung bearbeitet werden.

Den weitaus größten Teil der Denkmäler stellen nach wie vor die Inschriften des Totengedenkens dar. Es handelt sich dabei um einfache Grabplatten, figürlich gestaltete Grabplatten, Wappengrabplatten und unterschiedlich gearbeitete Epitaphien.

Eine nächste größere Gruppe stellen die Stifterinschriften dar, die sich auf liturgischem Gerät, Gemälden, Inschriftentafeln an Gebäuden, Skulpturen und Altären befinden. Bauinschriften und Inschriften auf Bildfenstern, Glocken, Sonnenuhren, Vasa Sacra und Paramenten vervollständigen das Spektrum der Inschriftenträger. Aus diesem Rahmen fallen die Inschriften auf dem Opferstock mit der Skulptur des Hl. Petrus (Kat.-Nr. 575) und die Wappen und Namen des gesamten Domkapitels im Deckengemälde des Kapitelsaals (Kat.-Nr. 666).

Totengedächtnismale

Bischofsgrabmäler

Bei einer Zusammenschau aller Bischofsgrabmäler bildet zu Beginn der frühen Neuzeit zweifelsohne das monumentale Epitaph für Bischof Heinrich von Absberg († 1492)170) im nördlichen Seitenchor einen Höhepunkt sowohl in der künstlerischen Ausführung als auch der Ikonographie und der Ornamentik.

Die Gestaltung und Ausführung der Grabplatte seines im Jahr 1507 gestorbenen Nachfolgers, Bischof Rupert II. (Kat.-Nr. 378) zeigt große Ähnlichkeit mit dem Grabmal des Bischofadministrators Herzog Rupert († 1465)171). Die Gestalt, bekleidet im Pontifikalornat mit Bischofsstab und Evangelium, ruht im vertieften Feld, die Inschrift auf erhöhtem Rand läuft doppelzeilig um den Stein. Allein das Motiv der Engel, die das Grabtuch halten, wurde von der Wandgrabplatte des Heinrich von Absberg übernommen. Die Gestalt steht auf zwei Löwen, die beiden unteren Ecken füllen die Wappen des Hochstifts und Pfalz-Bayerns jeweils unter Kleeblattbögen. Diese Bischofsgrabplatte ist die einzige, die aufgrund einer heute noch vorhandenen Rechnung einem bestimmten Bildhauer zugeschrieben werden kann, nämlich dem Dommeister Wolfgang Roritzer.

Konzeptionell nur geringfügig anders, was die künstlerische Gestaltung und Ausführung betrifft, präsentiert sich die Grabplatte des Bischofsadministrators Johann III. († 1538, Kat.-Nr. 484), Sohn des Kurfürsten Philipp von der Pfalz. Hier wird das Motiv der auf einem Kissen ruhenden Gestalt wieder aufgenommen, jedoch mit geöffneten Augen. Die sehr exakt und filigran gearbeiteten Falten der Albe und der Dalmatik zeigen eine stehende Gestalt. Wie bei dem Grabmal des Bischofsadministrators Rupert I. hält auch Johann III. die Mitra und den Bischofsstab in seiner rechten Hand, als Zeichen, dass er nie zum Bischof geweiht wurde. Die Darstellungsweise, vor allem aber die Profilleiste lässt auf Stilelemente der Renaissance schließen. Die Zuschreibung an Georg Hering oder Leonhard Sinninger ist nicht eindeutig gesichert172). Die Grabplatte wurde von seinem Nachfolger Pankraz von Sinzenhofen in Auftrag gegeben, was aus der Umschrift hervorgeht.

Wenig unterschiedlich im künstlerischen Konzept präsentiert sich die Grabplatte des Prankraz von Sinzenhofen († 1548, Kat.-Nr. 499), der nach über 30jähriger Amtszeit des Bischofsadministrators Johannes III. zum Bischof gewählt wurde. Auch hier ruht die Gestalt im bischöflichen [Druckseite 40] Vollornat auf einem Kissen, in seiner Rechten den Bischofsstab mit Velum, in seiner Linken ein Buch haltend. Die Inschrift auf erhöhtem Rand ist, im Gegensatz zu den Denkmälern der Vorgänger, nur einzeilig, lässt also auch weniger Raum für Informationen über die hier bestattete Persönlichkeit.

Bei der Grabplatte des nachfolgenden Bischofs, Georg Marschall von Pappenheim († 1563, Kat.-Nr. 526), wurde die Inschrift unter der figürlichen Darstellung in einem querrechteckigen Feld in kapitalen Buchstaben angebracht. Den „Rahmen“ bildet ein ornamentierter Wulst, der an der oberen Seite durch die Mitra unterbrochen ist.

Die Gedächtnismale der folgenden Bischöfe aus unterschiedlichen Adelsfamilien folgen alle dem oben beschriebenen Gestaltungskonzept. Bei Vitus von Fraunberg († 1567, Kat.-Nr. 529) und David Kölderer von Burgstall († 1579, Kat.-Nr. 545) handelt es sich jeweils um hochrechteckige Grabplatten aus rotem Marmor, im vertieften Feld die Gestalt des Bischofs im Vollornat, die Inschrift läuft jeweils einzeilig um den Stein. Durchgehend kann man bei diesen kurz beschriebenen Darstellungen von zunehmender Individualisierung der Persönlichkeiten sprechen. Auch die Grabplatten der beiden Auxiliarbischöfe aus dem 16. Jahrhundert, Georg Waldeisen († 1560, Kat.-Nr. 523) und Johannes Deublinger († 1576, Kat.-Nr. 540), folgen diesem künstlerischen Konzept in Inhalt und Ausführung.

Nach diesen Bischöfen, die alle in der Domkirche ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten und durch mehr oder weniger aufwändig gestaltete Gedächtnismale bis heute präsent sind, gewinnen wiederum nicht nur die religiös-mentalitätsgeschichtlichen Fakten an Bedeutung. Das monumentale Denkmal für den im Alter von 22 Jahren verstorbenen Bischof und Kardinal Philipp Wilhelm († 1598, Kat.-Nr. 562) muss vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse in der Reichsstadt interpretiert und gelesen werden. Nach dem Tod Bischof David Kölderers versuchte Herzog Wilhelm V., mit der Besetzung des Bischofsstuhles durch seinen erst dreijährigen Sohn dem Haus Wittelsbach wieder mehr politischen Einfluss auch gegen den Protestantismus in der Reichsstadt zu verschaffen. Der Auftrag für das Denkmal ging an Hans Krumper, einen der bedeutendsten Künstler zu Beginn des 17. Jahrhunderts173). Das im Jahr 1611 errichtete Denkmal befand sich in medio ecclesiae im Mittelschiff in Höhe der Kanzel und wurde erst um 1960 in das vierte Joch des Mittelschiffes versetzt. Der Kardinalbischof fand seine letzte Ruhestätte in der Münchner Liebfrauenkirche174), sein Herz wurde im Regensburger Dom in der Mitte des Chores bestattet175).

Bei diesem Denkmal tritt der memoriale Gedanke in den Hintergrund. Die Trauer um den so früh verstorbenen Kardinaldiakon wird in der Inschrift an der östlichen Stirnseite des Kenotaphs in lateinischer Sprache verbalisiert.

Die anderen Inschriften an den beiden Längsseiten weisen den Betrachter auf seine eigene Vergänglichkeit und Bedeutungslosigkeit hin. Die überlebensgroße kniende Gestalt vor dem gekreuzigten Christus signalisiert tiefe Frömmigkeit und Demut.

Bei der gesamten Komposition einschließlich des nicht zu übersehenden bronzenen Wappens an der westlichen Stirnseite des Kenotaphs handelt es sich zweifelsohne um die große Repräsentation und Machtdemonstration des Hauses Wittelsbach in der freien Reichsstadt.

Eine Ausnahme in der Gestaltung der Bischofsgrablegen bildet die Rotmarmorplatte für Bischof Sigismund Friedrich von Fugger († 1600, Kat.-Nr. 565), die Teil eines Wandgrabmals war, dessen oberer Teil heute verloren ist. Im größeren oberen Feld der Platte befindet sich in einer Kartusche das persönliche Bischofswappen, darüber der Kopf eines Putto mit Mitra, links der Bischofsstab mit Pannisellus und rechts die Vittae. Die Ornamentierung um die ovale Wappenkartusche, um die Inschriftentafel und auf dem erhabenen Rand sind Stilelemente der Renaissance. Es handelt sich hier um das einzige Bischofsgrabdenkmal, das nicht figürlich gestaltet ist.

Bischof Wolfgang von Hausen († 1613, vgl. Stifterinschrift Kat.-Nr. 573) ließ sich auf eigenen Wunsch sehr bescheiden in der Minoritenkirche bestatten; von ihm gibt es in der Domkirche kein Totengedächtnismal.

Völlig neuartig in der Reihe der Bischofsdenkmäler präsentierte sich das einst monumentale Epitaph des Bischofs Albert IV. von Törring († 1649, Kat.-Nr. 619), das im Südchor an der Wand aufgerichtet war. Der gesamte obere Teil mit zweigeteiltem Relieffeld, flankiert von korinthischen Säulen und bekrönt von einem gesprengten Giebel mit dem Wappen des Fürstbischofs, präsentiert [Druckseite 41] in der Gestaltungsweise die Stilmittel der Renaissance. In den frommen Darstellungen, dem knienden Bischof vor dem gekreuzigten Christus und der Grablegung Christi, greift das Konzept die Elemente der Epitaphik auf, wie sie seit dem 14. Jahrhundert üblich waren. Die gesamte Architektur des Epitaphs ging bei der Restaurierung des Doms im 19. Jahrhundert verloren, sodass gerade für diesen Bischof, der die Geschichte des Hochstifts und des Bistums über 30 Jahre leitete, kein Gedächtnismal in der Kathedralkirche vorhanden ist. Allein der mit Voluten gezierte Sockel mit der Inschriftentafel hat, wenn auch stark beschädigt, die Zeit überdauert.

Bereits während der Amtszeit Alberts IV. von Törring wurde Franz Wilhelm Graf von Wartenberg († 1661, vgl. Stifterinschrift Kat.-Nr. 618) als Koadjutor des Hochstifts bestellt. Von ihm existierte ein Epitaph, von dem sich nur noch das Porträtmedaillon erhalten hat. Der ehemalige Standort im Dom ist unbekannt. Der Bischof wurde im Chor der Altöttinger Stiftskirche bestattet176).

Nur ein Jahr dauerte die Amtszeit des nachfolgenden Bischofs Johann Georg von Herberstein († 1663, Kat.-Nr. 627, 628 †). Er starb noch vor seiner Konsekration und ließ sich im Mittelschiff des Domes bestatten. Eine bescheidene Steinplatte mit eingelassener Metalltafel und neunzeiliger Inschrift, die heute nicht mehr vorhanden ist, kennzeichnete die Grablege. Heute noch vorhanden ist das fromme Bild des monumentalen Epitaphs mit der Darstellung der Wundersamen Brotvermehrung. Die Architektur um die Bilddarstellung ist verloren.

Der Abzeichnung in ABAdW, Grabsteinbuch zufolge bediente man sich unterschiedlichster moderner Gestaltungsmittel; die Darstellung der Brotvermehrung ist im Dreiviertelrelief aus Solnhofer Kalkstein gearbeitet, der profilierte Rahmen aus Rotmarmor. Balusterförmige Podeste, auf denen auf der linken Seite des frommen Bildes die Gestalt eines Bischofs, auf der rechten Seite eine weibliche Gestalt mit Krone dargestellt ist, sind den Pilastern vorgeblendet. Die weiteren Stilelemente wie ein mächtiger Sprenggiebel mit Füllhörnern zu beiden Seiten, die mit Voluten gezierte Wappenkartusche, das Medaillon mit dem Brustbild des Klerikers und die geflügelten Engelsfiguren bedienen sich der Formensprache der Renaissance und des Barock.

Auch die Amtszeit des Nachfolgers Adam Lorenz von Törring († 1666, Kat.-Nr. 630 †) auf dem Bischofsstuhl währte nur zwei Jahre. Er ließ sich in der Familiengrablege im ehemaligen Augustinerchorherrenstift in Baumburg bestatten. Die kopiale Überlieferung berichtet von einer Herzbestattung in der Domkirche mit Gedenkinschrift.

Mit Guidobald von Thun (1666–1668) beginnt die Reihe der Bischöfe, für die keine Gedächtnismale, in welcher Form auch immer, in der Regensburger Domkirche oder im Kreuzgang existieren. Über ein Jahrhundert lang war das Bistum fest in der Hand von Bischöfen aus dem Haus Wittelsbach, die wenig Präsenz im Bistum Regensburg zeigten177). Sie ließen sich in den Kathedralkirchen ihrer anderen Bistümer Freising, Köln und Lüttich beisetzen.

Bischof Anton Ignaz, Graf von Fugger von Glött († 1787) setzt die Tradition fort, sich in der Domkirche bestatten zu lassen. Die folgenden Bischöfe, Max Prokop von Törring-Jettenbach († 1789), Carl Theodor Freiherr von Dalberg († 1817), Johann Nepomuk Freiherr von Wolf († 1829), Johann Michael Sailer († 1832), Georg Michael Wittmann († 1833), Franz Xaver von Schwäbl († 1841), Valentin von Riedl († 1857), Antonius von Henle († 1927) und Michael Buchberger († 1961) fanden alle ihre Begräbnisstätte in der Domkirche.

Joseph Konrad von Schroffenberg († 1803) wurde in der Stiftskirche in Berchtesgaden und Ignatius von Senestrey († 1806) in der Schottenkirche St. Jakob in Regensburg bestattet178).

Seit Ende der 80er Jahren des letzten Jahrhunderts befindet sich die Begräbnisstätte der Regensburger Bischöfe in der im südlichen Seitenschiff neu erbauten Bischofsgruft.

Grabmäler der Domherren und des übrigen Klerus

Die Kontinuität und Neuerung in der Grabmalskulptur ab dem 16. Jahrhundert, die den Einzug der Renaissance in den Ländern nördlich der Alpen beschreibt, lässt sich sehr gut an der Gestaltung der Gedächtnismale der weitaus größten Personengruppe, den Domherren und dem übrigen Klerus, nachvollziehen. Die unterschiedlichsten Auffassungen von postmortaler Präsenz vermischen sich und folgen keiner chronologischen Reihenfolge.

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Was das Totengedächtnis betrifft, so ist dies fast zu 80% geistlichen Herren gewidmet. Demgemäß ist auch bis auf wenige Ausnahmen die Sprache der Inschriften Latein. Die wenigen deutschsprachigen Inschriften betreffen fast ausschließlich den Adel und das Bürgertum.

Vor allem in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts leben nahezu alle Typen der Grabskulptur des vergangenen Jahrhunderts weiter. Bei einer Zusammenschau der ganzfigurig gestalteten Denkmäler, von denen 47 im Original vorhanden sind, bleibt die bekannte Darstellungsweise erhalten. Die geistlichen Herren sind im vertieften Feld zumeist im Viertelrelief, bekleidet mit Chorgewand, Almucia und Birett dargestellt, entweder betend oder den Kelch haltend; die Umschriften in lateinischer Sprache auf erhabenem Rand nennen Sterbedaten, Namen und zum Schluss zumeist die fromme Formel requiescat in pace. Der Wappenschild zu Füßen oder in den vier Ecken der Umschrift als Ahnenprobe ist nahezu immer vorhanden. Was sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bereits angedeutet hatte, die Individualisierung der Persönlichkeiten in der Darstellungsweise, gibt ein ziemlich genaues Bild der einzelnen Personen wieder. Nach wie vor vermitteln die zum Teil aufwändig gestalteten Kissen oder Bücher, auf denen die Köpfe liegen, den Eindruck des Ruhens; Faltenwurf und Haltung der Figuren sprechen von einer fest im Leben stehenden Persönlichkeit, der Würde und Unvergänglichkeit des Amtes. Diese Art der Darstellung von Klerikern endet im Dombestand im Jahr 1558 mit der Grabplatte des Domherrn Johannes von Parsberg (Kat.-Nr. 521).

Als eine Variante der oben beschriebenen Reliefdarstellungen präsentieren sich sechs ebenfalls figürlich gestaltete Grabplatten von Klerikern aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, bei denen die Körper als Ritzzeichnungen gearbeitet sind, die Köpfe aber im Viertelrelief. Zwei betreffen Stiftsherren von St. Johann (Kat.-Nrn. 365, 426), die restlichen vier sind dem niederen Klerus zuzuordnen (Kat.-Nrn. 383, 403, 406, 409).

Diese Gestaltungsweise war wohl preiswerter in der Ausführung als ganzfigurige Reliefs, tritt aber in der Folgezeit im Bestand des Domes nicht mehr auf.

Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts kommt eine weitere Gestaltungsweise von Grabdenkmälern hinzu, nämlich die Darstellung der Kleriker in Halbfigur, darunter jeweils Inschriftenfelder mit zum Teil sehr umfangreichen Inschriften, in denen Herkunft, Titel und Leistungen genannt werden. Es handelt sich hier um die Grabplatten für Johannes Delicasius († 1563, Kat.-Nr. 525), Laurentius Hochwart († 1570, Kat.-Nr. 531) und Johannes Pyrerr († 1581, Kat.-Nr. 547).

Sowohl in der Darstellung als auch in der teilweise verschlüsselten Inschrift bleibt das Totengedenken für das Kind Johann Jakob Kölderer († 1583, Kat.-Nr. 550) im Nordflügel des Kreuzgangs eine Ausnahme. Er starb im Alter von sechs Tagen und war bereits in den geistlichen Stand eines Diakons erhoben.

Die Mehrzahl der zehn vorhandenen Wappengrabplatten mit Umschrift datiert in das erste Drittel des 16. Jahrhunderts (Kat.-Nrn. 361, 398, 450, 466, 477). Das künstlerische Konzept schließt an die Darstellungen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts an. Es handelt sich dabei um reich ornamentierte Vollwappen der Domherren im Viertelrelief, zum Teil mit den Wappen der Ahnenprobe in den Ecken. Die Umschriften laufen auf erhöhtem Rand um den Stein.

Zwei weitere Wappengrabplatten für adelige Domherrn aus den Jahren 1596 und 1602 (Kat.-Nrn. 560, 569) greifen historisierend auf dieses Konzept der Darstellung zurück, danach bricht diese Tradition ab.

Drei Inschriften befinden sich auf Wappengrabplatten des 15. Jahrhunderts und sind nachgetragen (Kat.-Nrn. 377, 441, 471).

Im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts entwickelt sich, was die Wappengrabmäler betrifft, ein anderes künstlerisches Konzept, nämlich neben der Wappendarstellung die Inschrift in zeilenweiser Gestaltung. Dieser Typus hält sich bis zum Ende des Bearbeitungszeitraums. Die 19 vorhandenen Denkmäler sind sowohl vom Schrifttyp als auch von der plastischen Ausarbeitung her äußerst unterschiedlich gestaltet. Die Vollwappen erscheinen zum Großteil stark ornamentiert, teils unter Rundbögen, teils in Medaillons oder in eckigen Feldern, einige flankiert von kleineren Wappen der Ahnenprobe. Mit Ausnahme der vier Denkmäler, die Frauen gewidmet sind (Kat.-Nrn. 555, 639, 643, 660), zwei Grabplatten für Kinder aus Adelsfamilien (Kat.-Nrn. 602, 622) und der Grabplatte für Georg Marschall von Pappenheim (Kat.-Nr. 507) handelt es sich um Totengedächtnismale von Domherren und Kanonikern des Stifts St. Johann. In ABAdW, Grabsteinbuch sind vier weitere, heute verlorene Grabdenkmäler dieses Typus überliefert (Kat.-Nrn. 373 †, 604 †, 637 †, 648 †).

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Ebenfalls keine Einheitlichkeit ist festzustellen bei der Schriftgestaltung und der Sprachlichkeit. So wählen zum Beispiel drei Domherrn die deutsche Sprache für ihr Totengedenken (Kat.-Nrn. 544, 574, 591).

Exkurs: Stilwandel hin zur Renaissance

Bei den oben kurz beschriebenen Bischofsgrabmälern und den figürlich gestalteten Grabmälern der Domherren ist sowohl im Programm als auch in der Ausführung Kontinuität mit den Denkmälern des 15. Jahrhunderts festzustellen.

Dennoch gewinnt die Zeit um 1500 an Bedeutung für den Einzug der Renaissance in den Ländern nördlich der Alpen, gerade was die Grabmalkunst betrifft. Die alten Formen bleiben erhalten, die Neuerungen passieren regional unterschiedlich und mit unterschiedlicher Intensität. So kann das 16. Jahrhundert bei einer Zusammenschau wohl als die interessanteste Zeit für die Sepulkralskulptur gewertet werden, denn es vermischen sich hier die verschiedendsten religiösen, geistigen, epigraphischen und kunsthistorischen Auffassungen nebeneinander und nicht in chronologischer Reihenfolge179).

Die 1520 datierte Grabplatte des Domherren Johannes von Holbach (Kat.-Nr. 425) ist im Konzept auf den ersten Blick dem Formenkanon des vergangenen Jahrhunderts verpflichtet.

Die auf dem Kissen ruhende Gestalt steht fest auf dem unteren Rahmen der Grabplatte, im Hintergrund halten zwei Engel das Grabtuch, der Wappenschild auf der linken Seite, das Oberwappen auf der rechten Seite und die Umschrift auf erhöhtem Rand sind hinlänglich bekannte Motive. Hatten wir in früheren Beispielen häufig gotische Drei- oder Vierpassbögen über den Häuptern der Herren, so finden sich hier erstmals Festons, d. h. girlandenartige Bogengehänge aus Blüten- oder Rankenwerk, zweifelsohne ein Zitat der Ornamentik auf antiken Sarkophagen. Die Buchstabenformen, eine erhaben gearbeitete Gotische Minuskel mit fein gezierten Versalien, führen die Tradition aus dem vergangenen Jahrhundert fort.

Während die bekannten Frühhumanisten des 15. Jahrhunderts, Thomas Pirckheimer, Johannes Mendel und Johannes Tröster180), die alle Italien bereist und auch dort studiert hatten, noch für ihre Gedenken die konventionelle Grabplatte mit ruhenden figürlichen Darstellungen und den bekannten Formularen fertigen ließen, vollzieht sich der Wandel zur Moderne sowohl in der Gestaltung als auch im Programm, d.h. in den Inhalten der Inschriften.

Das Regensburger Domkapitel galt bereits zum Ende des 15. und im 16. Jahrhundert als ein Zentrum des Frühhumanismus181). So sind es hier vor allem die gelehrten Domherren, die der Nachwelt einen ganz anderen Eindruck über ihr Leben vermitteln wollten. Unsterblichkeit wird nicht mehr ausschließlich durch Erlösung auf Grund von frommen Taten angestrebt. Der Einzelne erreicht durch Leistung vor allem auf geistigem Gebiet das ewige Gedenken. Die zumeist ausführlichen Inschriftentexte erzählen von der edlen Abkunft, den akademischen Titeln, den Leistungen der einzelnen Personen. Der Individualisierung und Selbstdarstellung wird mehr Raum gegeben. Die ganzfigürlichen Darstellungen weichen zumeist betenden oder auf Bücher gestützten Halbfiguren oder verschwinden ganz zugunsten antiker Aedikulaarchitekturen mit ikonographischen Programmen.

Inwieweit das vielfach publizierte Sterbebild des berühmten Humanisten Conrad Celtis (1459–1508) gerade hier in Regensburg diesen Trend beeinflusst hat, kann in diesem Rahmen nicht endgültig geklärt werden182). Im Jahr 1507 entstand der von Celtis in Auftrag gegebene Holzschnitt, ausgeführt von Hans Burgkmair. Auf diesem „papierenen Epithaph“ ist der Humanist im Brustbild gestützt auf Bücher dargestellt. Haltung und die gesenkten Lider vermitteln dem Betrachter Trauer und Resignation über das eigene Ableben. Beklagt wird sein Ableben von den griechischen Göttern Apoll und Hermes und von Eroten. Gleich einem Rundbogen überspannt ein Schriftband mit Inschriften die Gestalt, darunter die Inschriftentafel183). Celtis hielt sich häufig in Regensburg auf. Hier hatte es ihm besonders die berühmte Bibliothek des Klosters Emmeram angetan. Er lehrte an der Domschule, war mit dem Domherrn Johannes Tolhopf († 1503, Kat.-Nr. [Druckseite 44] 361) befreundet und Lehrer des 1534 verstorbenen berühmten Humanisten und Historiographen Johannes Aventinus.

Ein Beispiel für den gravierenden Wandel, was die Gestaltung und das Programm der Gedächtnismale betrifft, stellt das monumentale Wandepitaph des gelehrten Domherren Kaspar von Gumppenberg († 1532, Kat.-Nr. 454) an der Ostwand des Mortuariums dar. Während die Grabplatte mit achtzeiliger Inschrift und Wappen in der Gestaltung und dem Inhalt noch ganz der spätmittelalterlichen Tradition verhaftet ist, zeigen sich auf dem Epitaph nahezu alle Gestaltungselemente der Renaissance: Bogenfries, korinthische Kapitelle, gestufter Architrav und Akanthusranken. Der Domherr ist vor einer Muschelnische in Halbfigur betend dargestellt. Die Inschrift erzählt von der edlen Herkunft, seinem erfolgreichen Wirken und dass er „tiefste Sehnsucht“ hinterlassen werde.

Konzeptionell ähnlich gestaltet ist das Wandepitaph des Domherren Haubold von Breitenbach († 1546, Kat.-Nr. 495).

Das klassische Epitaph, wie es als Erinnerungsmal der Verstorbenen neben den Grabplatten seit dem 14. Jahrhundert im sakralen Bereich angebracht wurde, bleibt im Bestand des Domes mit einigen hochwertigen Denkmälern erhalten.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts finden sich noch all jene Kriterien der Andachtsbilder zum Zwecke des Totengedächtnisses, d. h. die fromme Darstellung, der kniende betende Verstorbene oder eine ganze Familie und die Inschrift mit dem obiit-Vermerk.

Die beiden frühesten Epitaphien für den Domherrn Jakob Klein († 1510, Kat.-Nr. 394) und Georg Liebolt († 1515, Kat.-Nr. 405) schreiben mit kleinen Abweichungen das künstlerische Konzept des vergangenen Jahrhunderts fort. Es handelt sich beide Male um die Darstellung der Pietà, allerdings mit kleinen Varianten. So sitzt die Gottesmutter im Epitaph für Jakob Klein unter einem Antoniuskreuz, die Inschrift ist im Sockel. 15 Jahre später datiert das Epitaph des Georg Liebold. Hier überspannt ein Rundbogen die Szene. Im unteren Teil ist auf der rechten Seite eine Schriftrolle mit der Gedenkinschrift angebracht. Im kleineren linken Feld die kniende Gestalt des Verstorbenen.

Zur Mitte des Jahrhunderts wandelt sich nicht das Konzept, aber die Architektur und Ornamentik, die den Einfluss der Renaissance erkennen lässt. Bei dem Epitaph für den Domherren Michael Apfelbeck († 1526, Kat.-Nr. 438) findet sich über dem Sockel mit Inschrift ein floral ornamentierter Rundbogen, der von zwei Pilastern mit korinthischen Kapitellen getragen wird.

Sowohl die Architektur als auch die Inschrift, eine Renaissancekapitalis, des zeitlich folgenden Epitaphs für den Ritter Jörg Prandt von Prandtseck († 1539, Kat.-Nr. 486) aus rotem Marmor bedient sich der Formen der Renaissance. Der betende Verstorbene im Harnisch kniet vor dem Kruzifix, den Aedikularahmen aus Kalkstein bekrönt eine Muschelnische, die zu beiden Seiten von behelmten Putti flankiert wird. Das monumentale Epitaph ist zudem umrahmt von Malerei, die die Architektur illusionistisch vergrößert.

Wie heterogen sich die Konzepte und Ausführungen der Epitaphien im weitesten Sinn etwa zur selben Zeit entwickeln, soll hier kurz an drei Beispielen gezeigt werden. Das früheste Denkmal ist das für den Salzburgischen Rat Leonhard Lang zu Wellenburg († 1532, Kat.-Nr. 457); es weist kaum mehr Ähnlichkeiten mit dem klassischen Epitaph auf. Über einem kleinen ornamentierten Sockel löst nun die 17-zeilige Inschrift in Renaissancerahmung das Andachtsbild ab. Die Darstellung der Auferstehung Christi befindet sich über dem vielfach gekehlten Architrav unter einem Rundbogen, flankiert von zwei Wappenhaltern.

Eines der künstlerisch wertvollsten Epitaphien im Dombestand ist dem hochgelehrten Domprediger Paul Hirschbeck († 1545, Kat.-Nr. 491) gewidmet. Die Architektur mit Sockel, Pilastern und gekehltem Architrav, der von einem gezinnten Rundbogen mit Muschelnische und Wappen bekrönt wird, ist dem Formenkanon der Hochrenaissance entnommen. Das Andachtsbild, ein Gnadenstuhl mit dem betenden Domherren zu Füßen Gottvaters zeigt eine künstlerische Ausdruckskraft und Feinheit, die als nahezu einmalig im Dombestand bezeichnet werden kann. Auch die Form der Inschrift, eine fein eingehauene Humanistische Mischschrift (vgl. Schriftkapitel), und der Inhalt sind von hoher Aussagekraft. Die Inschrift in lateinischer Sprache auf dem Epitaph spricht hier neben der in dieser Zeit üblichen Lobpreisung der Persönlichkeit und deren Taten auch vom Bekenntnis zum Glauben und dem Ausdruck tiefster Frömmigkeit des Verstorbenen.

Das in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datierte Epitaph des bischöflichen Hofweinschenks Hans Haider († 1567, Kat.-Nr. 530) und dessen Gemahlin Katharina († 1589) gehört nicht direkt zum Dombestand. Es stammt aus der Damenstiftskirche Obermünster und ist heute an der Südaußenwand des Kapitelhauses angebracht. Das bewegt gestaltete Andachtsbild der Auferstehung Christi als Salvator mundi dominiert die Szene. Im unteren Teil kniet das betende Stifterpaar. [Druckseite 45] Auch dieses Gedächtnismal ist als Aedikula konstruiert mit allen Elementen der Architektur und Ornamentik der Hochrenaissance. Dieses Beispiel zeigt, vor allem, was die Ikonographie betrifft, die spätmittelalterliche Auffassung von Tod und Erlösung, gepaart mit der modernen Darstellungsweise.

Das letzte aufwändig gestaltete Epitaph im klassischen Sinn zum Ende des 16. Jahrhunderts ist dem adeligen Domherren Johann Friedrich Spretter († 1584, Kat.-Nr. 551) gewidmet. Auch hier vereinigen sich die oben zitierten Architekturelemente der Renaissance mit der im Dombestand häufig vorkommenden Kreuzigungsszene und dem davor knienden Domherren. Auch der lateinische Inschriftentext, in kapitalen Buchstaben eingehauen, erzählt von der edlen Herkunft, dem hohen Bildungsstand und der tiefen Trauer über den Tod. Aber, anders als bei vielen Gedächtnismalen des 17. Jahrhunderts, kommt in dieser Inschrift auch tiefe Frömmigkeit und der Wunsch nach einem Leben nach dem Tod zum Ausdruck.

Diese Tradition der Gedächtnismale mit Andachtsbildern, den betenden Stiftern und mehr oder weniger langen Inschriftentexten wird im 17. Jahrhundert nicht mehr fortgeführt.

Eine weitere Gruppe von Epitaphien vor allem aus dem 17. Jahrhundert verdient wegen der besonderen Situation im Regensburger Dom Beachtung. Hier haben nur wenige vollständig die Zeit überstanden. Es handelt sich fast ausnahmslos um Epitaphien mit Inschriftentafeln, die an der Wand im südlichen Seitenschiff der Domkirche angebracht waren. Vermutlich bei der Purifizierung und Restaurierung der Domkirche im 19. Jahrhundert wurden diese Wanddenkmäler entfernt und deren Architekturrahmen vernichtet. Ein Teil der Tafeln, häufig aus schwarzem Schiefer, mit den Inschriften haben die Zeit überdauert. Es handelt sich um 15 Denkmäler, deren Aussehen auf Grund von detailgetreuen Abzeichnungen rekonstruiert werden kann184). Abgesehen von einer Ausnahme (Johannes Paulutus Calbulus, Kat.-Nr. 611) sind diese Epitaphien Domherren gewidmet. Das Konzept der Gestaltung ist sehr ähnlich und zeigt deutlich barocke Stilelemente. Auf breiten Sockeln, in denen ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Vanitassymbole wie Totenschädel und Knochen herausgehauen waren, erheben sich Säulen mit korinthischen Kapitellen, über den breiten Architraven Voluten oder gesprengte Giebel, auf denen Putti oder geflügelte Engelköpfe die Wappen halten und flankieren. Bei fünf Epitaphien finden sich bildliche Darstellungen aus dem Neuen Testament185). Bei den Restlichen nehmen die Inschriftentafeln mit ausführlichen Texten den zentralen Raum ein.

Die Inhalte dieser Inschriftentexte, die bislang in der Humanismusforschung kaum Beachtung fanden, können das vor allem im 19. Jahrhundert gezeichnete Bild des modernen klassischen Renaissancemenschen relativieren186). Trotz aller Individualisierung der einzelnen Persönlichkeiten, egal ob in den Darstellungen oder ausführlichen Inschriftentexten, handelte es sich nicht nur um ein „ruhmsüchtiges Völkchen“, das durch seine Schriften und dann zum Ende durch die im ewigen Material eingehauenen Biographien Unsterblichkeit erlangen wollten. Allein die Anbringung der Denkmäler in sakralen Räumen deutet auf deren Gläubigkeit hin. Auch sie bitten den Betrachter um Fürbitte für die Erlösung und häufig weist, wie bei dem berühmten Epitaph des Humanisten Celtis, die Schlussformel quiescere in deo auf die Hoffnung hin, erlöst zu werden. Ein gravierender Unterschied zu den Gedächtnismalen des Hoch- und Spätmittelalters besteht jedoch darin, dass spätestens ab dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts auch im Regensburger Bestand, wie bereits bei den Bologneser Professoren 200 Jahre früher, der Ruhm des Einzelnen in den Kirchen und Kreuzgängen für jeden zugänglich publiziert wird.

Das Nebeneinander von Gestaltungsweisen und Inhalten im 16. Jahrhundert kann anhand von einem weiteren Totengedächtnismal für den Domherren aus dem Augsburger Patriziat, Christoph Welser († 1536, Kat.-Nr. 473) exemplarisch gezeigt werden. Diese Wappengrabplatte aus weißem Kalkstein mit zwei gleichgroßen quadratischen Feldern für die Inschrift und das eingelegte kolorierte Vollwappen bleibt einmalig im Dombestand. Groteskenornamentik, die Medaillons im Rahmen und die exakt eingehauenen Inschrift in kapitalen Buchstaben rezipieren den Formenkanon der Renaissance, was wohl der Herkunft des Domherrn geschuldet ist, da die wohlhabende freie Reichsstadt Augsburg als die Stadt gilt, die als erste diese Gestaltungsweisen aufnahm. Der Text der Inschrift stellt eine Lobeshymne auf das Leben und die Verdienste des Verstorbenen dar.

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Das monumentale Epitaph für den Augsburger Patrizier und Propst des Regensburger Domkapitels, Anton Welser († 1558, Kat.-Nr. 520) datiert 22 Jahre später. Die große Inschriftentafel mit 33-zeiliger lateinischer Inschrift ist umrahmt von einer Ädikulaarchitektur mit Pilastern, Architrav und Muschelgiebel, flankiert von zwei Kugeln. Hier findet sich weder Andachtsbild noch irgendein frommes Symbol. Das ornamentierte Wappen im Rundfeld repräsentiert die edle Herkunft des Verstorbenen.

Das Epitaph für den Domherrn Johann Rudolf Raynoldt († 1629, Kat.-Nr. 596), ehemals im Dom und heute in der Mittelhalle des Kreuzgangs an der Ostwand, ist das dritte Denkmal, das vollständig erhalten ist. Das Schema, wie oben beschrieben, bleibt in etwa gleich. Neu hier ist der Volutengiebel mit der großen Wappenkartusche, ein Stilelement, das in der Folgezeit in geringen Varianten immer wieder zitiert wird und die Ornamentik des Barock verwirklicht. Den größten Raum nimmt auch hier die hochrechteckige Inschriftentafel mit 27-zeiliger Inschrift ein.

Diese Tradition der Wandgrabmäler ohne Andachtsbilder mit sehr aussagekräftigen Inschriftentexten und aufwändigen Architekturen wird nahezu das gesamte 18. Jahrhundert fortgeführt187).

Seit dem 15. Jahrhundert gibt es im Dombestand den Typus der Grabplatten mit der Darstellung des Kelchs, die durchgängig Priestern gewidmet waren. Die älteste stammt aus dem Jahr 1441188). Im Bearbeitungszeitraum sind 16 Denkmäler erhalten, die sich alle im Domkreuzgang befinden; das letzte datiert 1688 (Kat.-Nr. 649).

Totengedächtnismale für Nichtkleriker

Insgesamt elf Nichtgeistliche aus adeligen Häusern fanden ihre letzte Ruhestätte im Dom und im Domkreuzgang.

Dreiunddreißig Bürgerliche, die ebenfalls nicht dem Klerus angehörten, wurden zum großen Teil im Domfriedhof bestattet. Ihre Gedächtnismale sind zum größten Teil verloren. Erhalten ist das monumentale Epitaph, das Wolfgang Kitztaler 1532 errichten ließ (Kat.-Nr. 387), ein Fragment mit Resten einer Inschrift (Kat.-Nr. 568) und das Wandepitaph an der Außenseite des Südchors für Anna und Sigismund Loybl (Kat.-Nr. 605).

Die Begräbnisstätten des Adels, des Patriziats und des säkularen Personenkreises finden sich in Regensburg hauptsächlich in den Bettelordenskirchen der Minoriten, der Dominikaner und der Augustinereremiten.

Drei Totengedächtnismale aus dem 16. Jahrhundert verdienen besondere Aufmerksamkeit, denn sie fallen, setzt man die oben beschriebenen Kriterien für Epitaphien an, völlig aus dem Rahmen. Sie sind sehr unterschiedlich gestaltet; die einzige Gemeinsamkeit ist, dass alle drei Denkmäler Frauen gewidmet sind.

Das zeitlich früheste Epitaph stammt aus der Ulrichskirche und ist heute an der Westwand des Mittelschiffes der Domkirche aufgerichtet. Es ist Margret Tucher, einer Dame aus dem Nürnberger Patriziat gewidmet († 1521, Kat.-Nr. 429). Dieses Epitaph aus Metall wurde in der berühmten Nürnberger Vischerwerkstatt hergestellt und ist das einzige Grabdenkmal im Dombestand, das eine Künstlersignatur trägt189). Die Darstellung der Begegnung Christi mit dem kanaanäischen Weib verweist auf die Unerschütterlichkeit des Glaubens. Der Ehemann der Margarete, Martin Tucher, gab das Epitaph nach dem Tod seiner Frau in Auftrag. Den perspektivisch dargestellten Raum schließt im Hintergrund ein gotisches Gewölbe mit einem schmalen Lanzettfenster ab. Zwischen dem Portal, das von zwei Pilastern mit ionischen Kapitellen flankiert ist, befindet sich ein Rundbogen, durch den man den Raum betritt und der überhöht ist von einem flachen Tambour mit Fenstern. Der monumentale Rundbogen, ebenfalls gerahmt von zwei Pilastern, zwischen dem sich das Geschehen abspielt, ist mit floraler Ornamentik geziert, ebenso die Zwickel, in denen sich die Wappen in Rundmedaillons befinden. Hier vermischen sich bei der Architektur spätgotische und Renaissanceelemente. Der Inhalt der deutschsprachigen Inschrift in Gotischer Minuskel mit fein gezierten Versalien ist jedoch ganz dem spätmittelalterlichen Formular verhaftet.

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Das zeitlich folgende monumentale Epitaph aus weißem Marmor für Ursula Adler (Aquila) an der Westwand im Inneren der Domkirche, datiert 1547 (Kat.-Nr. 496), präsentiert in der Architektur, dem komplexen ikonographischen Programm und in der Ornamentik Renaissancekunst in Perfektion. Grotesken, Bukranien, Festons und Fabelwesen, die Göttin Fortuna, kurzum ein fast vollständiger Katalog antiker Dekorationselemente wird hier gezeigt. Es standen die kurz vor 1500 aufgedeckten Dekorationen aus den Bauten, die zur Zeit Kaiser Neros (54–68 n. Chr.) entstanden sind, Pate190). Auch die lateinische Inschrift auf der zentriert angebrachten Tafel in einem Rahmen, der ebenfalls mit Amoretten, Grotesken und Rankenwerk geziert ist, weist mit der Eingangsformel DEO OPTIMO MAXIMO und der Widmung MATRI PIENTISSIMAE PIE POSVIT (Der frömmsten Mutter in Frömmigkeit errichtet) auf antike Formulierungen hin. Die nur noch fragmentarisch vorhandene Grabplatte (Kat.-Nr. 497), die sich ursprünglich in der Nähe des Epitaphs befand, ist weitgehend schmucklos und trägt außer der in kapitalen Buchstaben eingehauenen Datierung eine deutschsprachige Inschrift in Gotischer Minuskel.

Das dritte Inschriftendenkmal, völlig anders konzipiert, befindet sich im Mortuarium des Domkreuzganges an der Ostwand. Es ist der Anna Lucretia von Leonsperg († 1556, Kat.-Nr. 515), der Gemahlin des berühmten Orientalisten Johannes Widmannstetter, gewidmet. Mit Ausnahme der drei kleinen gleicharmigen Kreuze am oberen Rahmen des ovalen Inschriftenfeldes weist in der Bildgestaltung nichts auf ein christliches Totengedächtnismal hin. Das Programm, zweifelsohne von Johannes Widmannstetter erdacht, zeugt von dessen komplexem Wissen um die Emblematik der damaligen Zeit und weist auf seine fundierten Kenntnisse der Orientalistik hin. Im Kontrast dazu steht der Inschriftentext, der in sorgfältig gearbeiteten kapitalen Buchstaben unterschiedlicher Größe in das ovale Inschriftenfeld eingehauen ist. Hier wird nicht nur die tiefe Trauer um die so früh verstorbene Ehefrau verbalisiert, der Inhalt zeugt auch von der Frömmigkeit und dem Glauben des Johannes Widmannstetter. Er entsagte nach dem Tod seiner Frau allen Ämtern, ließ sich noch im selben Jahr zum Priester weihen und wurde in das Regensburger Domkapitel aufgenommen. Seine heute nicht mehr vorhandene, eher bescheidene Grabplatte († 1557, Kat.-Nr. 518 †) befand sich in der Nähe dieses Epitaphs.

Die einzigen Denkmäler in der Domkirche für weltliche Adlige beziehen sich auf Machabäus Kölderer († 1592, Kat.-Nr. 556), den Bruder des Bischofs David Kölderer, und seine Gemahlin Sophia († 1588, Kat.-Nr. 555). Er ist auf einem Kissen ruhend in Rüstung dargestellt, eine Schärpe quer über der Brust, in der Rechten den Marschallstab, die Linke am Schwertgriff. Unten links der Helm mit geschlossenem Visier und die Handschuhe, rechts das Vollwappen. Seiner Ehefrau ist eine Wappengrabplatte gewidmet.

Exkurs: Ein bibliographischer Überblick zur bisherigen Erforschung der Regensburger Denkmäler nach dem Tod des Dommeisters Wolfgang Roritzer im Jahr 1514.

Von Beginn des 11. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts finden sich in Regensburg vor allem im Dom, in St. Emmeram, den Bettelordenskirchen, den Damenstiftskirchen Nieder- und Obermünster und der Alten Kapelle eine Vielzahl bedeutender Werke der Grabplastik

Mit dem tragischen Tod Wolfgang Roritzers im Jahr 1514, des letzten Mitglieds der berühmten Werkmeisterfamilie Roritzer-Engel, die ein Jahrhundert lang den Dombau vorangetrieben und mit ihrem Kunstschaffen vor allem die Grabmalkunst mit beachtlichen Werken bereichert hat, endet nicht nur die Tradition der berühmten Dommeister in Regensburg, sondern bedauernswerter Weise auch die kunsthistorische Forschung über die so aussagekräftigen Werke.

Schon auf Grund der politischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Freien Reichsstadt siedelten sich hier Kunstschaffende aus allen Bereichen an, so die berühmten Maler Albrecht Altdorfer und dessen Schüler Michael Ostendorfer, Melchior Bocksberger und Erasmus Loy, um nur einige zu nennen. Im 16. und 17. Jahrhundert lebten und arbeiteten hier zum Beispiel der weit über die Grenzen der Stadt bekannte Steinätzkünstler Andreas Plenninger (1555–1607) und andere bekannte Bildhauer, Steinmetze und Bildschnitzer191).

Bei der Recherche für diesen kurzen Überblick fällt auf, dass das Regensburger Material in überregionalen zusammenfassenden Aufsätzen nahezu überhaupt nicht berücksichtigt ist. Als ein [Druckseite 48] gewichtiger Grund hierfür kann die Tatsache genannt werden, dass sich außer in den Inventarbänden der Kunstdenkmäler Bayerns aus den 30er Jahren des vergangen Jahrhunderts nirgendwo eine Dokumentation dieser Werke findet. So können mit Ausnahme des ersten Drittels des 16. Jahrhunderts auch kaum mehr Zuschreibungen „gewagt“ werden. Für diesen Bereich gibt es gerade für die Zeit der Renaissance und des Barocks bis hin zum Klassizismus leider keine zusammenfassenden und vergleichenden Darstellungen. Dennoch können hier einige Einzelstudien aufgeführt werden, die sich mit diesem Thema befassen.

Die drei großen Inventarbände der Kunstdenkmäler für die Stadt Regensburg aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, bearbeitet von Felix Mader, bieten nicht nur eine umfangreiche Auflistung der vorhandenen Denkmäler. Hier werden auch hin und wieder Steinmetze oder Bildschnitzer genannt. Im dritten Band ist eine kurze Zusammenfassung über die Grabmalplastik durch die Jahrhunderte publiziert192).

Volker Liedke veröffentlichte im Jahr 1977 die Ergebnisse seiner archivalischen Recherchen über Regensburger Bildschnitzer und Schnitzaltäre der Spätgotik, in denen er von 1483 bis 1522 einige Bildschnitzer in Regensburg nachweisen konnte193).

In der ebenfalls 1977 erschienen Dissertation von Peter Reindl, der die Rezeption der Renaissance in Süddeutschland untersucht und vor allem die große Bildhauerfamilie Loy Herings zum Thema hat, wird auch das Regensburger Material untersucht194).

Ein weiterer Überblick über die Grabmäler im Regensburger Dom aus dem Jahr 1991 findet sich bei Achim Hubel im Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler für Regensburg und die Oberpfalz195).

Die Entwicklung der Regensburger Sepulkralskulptur beschreibt umfassend Volker Liedke in dem 2008 erschienen Band der Inschriften des Regensburger Doms. Hier gehen die Beschreibungen und Zuschreibungen der Denkmäler weit über den Bestand des Domes und der Regensburger Kirchen hinaus. Erstmalig sind umfassende Werklisten der berühmten Bildhauerfamilie Roritzer publiziert196).

Als jüngste Publikation zur Familie Roritzer-Engel erschien 2009 „Die Erbauer des Doms“ von Peter Morsbach, in der nicht nur die Baugeschichte des Doms, sondern auch das bildhauerische Schaffen behandelt wird197).

Exkurs: In Regensburg nachweisbare Bildhauer, Kunsthandwerker und Bildschnitzer

In den Bürgeraufnahmebüchern der Stadt Regensburg erscheinen eine Reihe von Bildhauern und Bildschnitzern. Genannt sind 1473 Conrad Zeittentaler († 1506, Kat.-Nr. 375 †), 1477 Christoph Ternhofer, 1490 Hans Claus Reicius aus Koblenz, 1501 Niklas Koch aus Burg in der Mark, 1504 Philipp Hämerl aus Neumarkt, 1518 Lienhard Hopf, 1519 Peter Prock aus Ulm, 1520 Lienhard Dernhofer und 1522 Erasmus Loy198). Seit Ende des 15. Jahrhunderts war der Bildschnitzer Michael Loy hier tätig.

Auch der berühmte Passauer Bildhauer Jörg Gartner ist mit einer signierten Grabplatte in der Dominikanerkirche in Regensburg nachweisbar199).

Der Bildhauer Leonhard Sinninger († 1548) arbeitete von 1528 bis 1538 in Ingolstadt und von 1543 bis 1545 in Regensburg200). Ihm werden mehrere Grabplatten zugeschrieben. Im Domkreuzgang befinden sich die Grabplatte des Kaspar von Gumppenberg († 1532, Kat.-Nr. 454), des Leonhard Lang zu Wellenburg († 1532, Kat.-Nr. 457) und des Sebastian Klugheimer († 1546, Kat.-Nr. 494). In der Domkirche ist an der Südwand die Grabplatte des Bischofsadministrators [Druckseite 49] Johann III. († 1538, Kat.-Nr. 484) aufgerichtet201). Zudem wird er als Schöpfer des Epitaphs für Johannes Aventinus aus dem Jahr 1534 in der Vorhalle von St. Emmeram genannt202). Die Entwürfe für die zwei erstgenannten Denkmäler könnten bei aller Vorsicht von Albrecht Altdorfer (um 1480–1538) stammen203).

Einer der bedeutendsten Bildhauer ist Hans Plötzlinger, der 1560 das Bürgerrecht erhielt und ab dem Jahr 1565 nachweislich in Regensburg eine Bildhauerwerkstatt betrieb204).

Er schuf vor allem im süddeutschen Raum bedeutende Werke der Grabmalkunst. Für Regensburg ist allerdings nur ein Epitaph in der Alten Kapelle für den Kaplan Casparus Kammerhueber († 1573) erhalten205). Aus dem Dombestand ist ihm jedoch kein Werk zuzuschreiben.

Die Archivalien geben Auskunft über weitere Bildhauer, die in Regensburg gearbeitet haben. Ein Sohn des bedeutenden Bildhauers Loy Hering, Georg (geb. 1520/22, † vor 1554), war möglicherweise Geselle und Meisterknecht in der Werkstatt des Leonhard Sinninger und hatte in Regensburg das Bürgerrecht erworben. Allerdings ist ihm weder ein signiertes noch archivalisch gesichertes Werk nachzuweisen206).

Genannt sind die „pilt oder Stainhauer“ Bastian Ladinger zwischen 1556 und 1565, Hans Ernst aus Amberg zwischen 1557 und 1567, Wilhelm Putz aus Köln zwischen 1555 und 1572, Heinrich Hagarth aus Breda um 1569, Balthasar Illsang bis 1603, Christof Gölner 1577 bis 1599 und der Bildhauer und Bildschnitzer Dietrich Horn. Zudem geben die Quellen Auskunft über zwei Lehrlinge, Georg Dietlmeier und Fridrich Thön. Letzterer hinterließ einige signierte Werke in Oberösterreich207).

Für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts nennt Felix Mader in der kunststatistischen Übersicht im dritten Inventarband der Kunstdenkmäler noch folgende in Regensburg tätige Bildhauer: Hans Wilhelm, Bartholomäus Müller, Jakob Schüderich und Leopold Hilmer208).

Zuschreibungen

Nur drei Denkmäler können einem bestimmten Bildhauer zugeschrieben werden. Das einzige signierte Werk ist das Epitaph für Margaretha Tucher († 1521, Kat.-Nr. 429) aus der Werkstatt des Nürnbergers Peter Vischer des Älteren.

Die Grabplatte des Bischofs Rupert II. († 1507, Kat.-Nr. 378) stammt aufgrund einer noch vorhandenen Rechnung aus der Werkstatt des Dommeisters Wolfgang Roritzer.

Bei dem außergewöhnlichen Epitaph für Ursula Adler († 1547, Kat.-Nr. 496) spricht sehr viel für eine Herkunft aus Augsburg und den dort ansässigen Bildhauer Sebastian Loscher209).

Eine ganze Reihe von Grabdenkmälern zu Beginn des 16. Jahrhunderts kann mit aller Vorsicht der Werkstatt des Dommeisters Wolfgang Roritzer zugeschrieben werden. Es handelt sich dabei um folgende Grabplatten, die durchwegs Domherren und Klerikern gewidmet sind: ein unbekannter Kleriker des Stifts St. Johann († 1501, Kat.-Nr. 358), Johannes Tolhopf († 1503, Kat.-Nr. 361), Georg Nothaft († 1504, Kat.-Nr. 364), Johannes Leonberg († 1504, Kat.-Nr. 365), Heinrich Schönleben († 1505, Kat.-Nr. 368), Sigismund Rueshaimer († 1505, Kat.-Nr. 370), Johannes Gkrad († 1506, Kat.-Nr. 374), Bischof Rupert II. († 1507, Kat.-Nr. 378), Werner von Kuttenau († 1509, Kat.-Nr. 386), Rudolf Halder († 1510, Kat.-Nr. 389), Johannes von Gumppenberg († 1510, Kat.-Nr. 391), Jakob Klein († 1510, Kat.-Nr. 393/394), Georg Segenschmid († 1511, Kat.-Nr. 398) und Emmeram Stichs († 1520, Kat.-Nr. 426)210).

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Die Figur des Kardinalbischofs Philipp Wilhelm († 1598, Kat.-Nr. 562) ist ein Entwurf des Münchner Hofbildhauers Hans Krumper, das dazugehörende monumentale Kruzifix eine genaue Kopie nach Giovanni da Bologna, das er 1594 für die Münchner Michaelskirche angefertigt hat211).

Außer den oben genannten Denkmälern, deren Zuschreibung eindeutig gesichert ist, und den Zuschreibungen an die Roritzerwerkstatt müssen auch im Zusammenhang mit dem hier publizierten Material des Domes viele Fragen offen bleiben.

Kurze Zusammenfassung

Was das Totengedächtnis betrifft, so ist dies fast zu 90% geistlichen Herren gewidmet.

Insgesamt elf Nichtgeistliche aus adeligen Häusern fanden ihre letzte Ruhestätte im Dom und im Domkreuzgang.

Dreiunddreißig Bürgerliche, die ebenfalls nicht dem Klerus angehörten, wurden zum großen Teil im Domfriedhof bestattet. Deren Gedächtnismale sind zum größten Teil verloren. Erhalten ist das monumentale Epitaph, das Wolfgang Kitztaler 1532 errichten ließ (Kat.-Nr. 387), ein Fragment mit Resten einer Inschrift (Kat.-Nr. 568) und das Wandepitaph an der Außenseite des Südchors für Anna und Sigismundt Loybl (Kat.-Nr. 605).

Demgemäß ist auch bis auf wenige Ausnahmen die Sprache der Inschriften Latein. Die wenigen deutschsprachigen Inschriften betreffen fast ausschließlich das Bürgertum und Adelige.

Anhand der vorhandenen Denkmäler und der kopialen Überlieferungen konnten für den Dom und den gesamten Dombereich bis zum Ende des Bearbeitungszeitraumes im Jahr 1700 insgesamt 317 Denkmäler publiziert werden. Im 18. Jahrhundert setzt sich selbstverständlich, gerade was die Totengedächtnismale in allen Varianten betrifft, die Tradition der Bestattungen im sakralen Raum fort, wenn auch nicht mehr in der Quantität, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten dokumentiert werden konnte. So finden sich bei Roman Zirngibl für diesen Zeitraum noch 12 Abschriften von Gedenkinschriften (letzter Eintrag 1779), bei Joseph Cranner 18, der letzte Eintrag 1786. Der Inventarband für den Dombereich enthält noch 37 Totenmemorien, deren letzte Einträge das Jahr 1826 bezeichnen. Die in der Domkirche noch vorhandenen Denkmäler von 1700 bis 1810 werden publiziert im neuen Inventarband212).

Mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Übergang der Stadt und des Bistums 1810 an das Königreich Bayern, beginnt eine neue Phase der Ausgestaltung des Innenraums der Domkirche. Zum 1100jährigen Jubiläum der Bistumsgründung 1839 fanden die Arbeiten der Purifizierung und Restaurierung ihren Abschluss. Ziel war die Wiederherstellung der „Stilreinheit“ des Baus. Im Zuge dieser Neugestaltung wurden unter anderem die barocken Altäre und ein großer Teil der Grabdenkmäler entfernt, die nach dem Zeitgeschmack als störend empfunden wurden213). Damit endete eine fast 800jährige Tradition der Bestattung für den Dom, den Domkreuzgang und den im Jahr 1811 aufgelösten Domfriedhof. Lediglich den Regensburger Bischöfen steht bis heute das Privileg zu, im Dom bestattet zu werden.

Neben der großen Gruppe der Totengedächtnismale findet sich im Bestand des Domes eine Vielzahl weiterer Inschriftenträger.

Glocken

Für die Zeit bis 1500 ist lediglich die von Bischof Nikolaus von Ybbs gestiftete Marienglocke, die spätere Predigtglocke214), aus dem Jahr 1333 heute noch vorhanden. Sie hing bis 1958 im Südturm, wurde wegen eines Risses abgenommen und befand sich noch im Jahr 2008 im Turmjoch des nördlichen Seitenschiffes. Heute wird sie im Vorraum des Domschatzmuseums aufbewahrt. Den [Druckseite 51] Quellen zufolge besaß der neu errichtete gotische Dom wohl ein vollständiges Geläut von sechs kleineren Glocken215).

Insgesamt fünf Glocken mit Inschriften sind aus dem Bearbeitungszeitraum überliefert. Sie stammen alle aus dem 17. Jahrhundert. Die erste Glocke, die Kleine Fürstin (Kat.-Nr. 577), im Nordturm ist 1615/1616 datiert und wurde von Bischof Albert IV. von Törring gestiftet. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Domgeläut erneuert und vier neue Glocken zwischen 1694 und 1696 gegossen. Heute noch vorhanden sind die Große Fürstin (Kat.-Nr. 657) im Nordturm und die Frauenglocke (Kat.-Nr. 658) im Südturm, beide aus dem Jahr 1696. Die Gebetsglocke aus dem Jahr 1694 (Kat.-Nr. 653 †) und die Hußglocke von 1696 (Kat.-Nr. 659 †) wurden im Jahr 1942 aufgrund der nationalsozialistischen Verordnungen beschlagnahmt und kamen aus dem Hamburger Glockenlager nicht mehr zurück.

Das kleine Messglöckchen mit Inschrift, gegossen im Jahr 1548 (Kat.-Nr. 501), gehört zwar heute zum Domschatz, stammt aber nicht aus Regensburg, sondern aus Norddeutschland. Fünf weitere Glocken des heutigen Domgeläuts wurden in den Jahren 1961, 1965 und 2000 gegossen216).

Sonnenuhren

Insgesamt sechs Sonnenuhren konnten im Zusammenhang mit der baulichen Erforschung des Doms nachgewiesen werden217). Am Strebepfeiler des Südchors lassen sich noch Umrisse der ältesten Sonnenuhr aus der Anfangszeit des Dombaus um 1300 erkennen.

An der Südseite des Südturms am östlichen Strebepfeiler finden sich zwei gut erhaltene, mit roter Farbe ausgelegte Sonnenuhren. Über der älteren aus dem Jahr 1487218) wurde nur 22 Jahre später eine zweite angebracht (Kat.-Nr. 388); sie trägt für jedermann gut sichtbar die Jahreszahl 1509 in arabischen Zahlzeichen. In dieser kurzen Zeitspanne artikuliert sich ein neues „modernes“ Zeitverständnis. Während die Inschrift der älteren Sonnenuhr LONGITVDO DIERVM HORAE INEQVALES darauf hinweist, dass sowohl die Tage als auch die Stunden je nach Sonnenstand und Jahreszeit unterschiedlich lang sind, gibt die jüngere Uhr die heute übliche Stundeneinteilung wieder. Der Schattenstab steht hier nicht mehr im 90 Grad Winkel, sondern im ortsspezifischen Winkel von 49 Grad für Regensburg. Zwei vollkommen gegensätzliche Konzeptionen vom „antiken geozentrischen zum neuzeitlich heliozentrischen Weltbild“ sind hier eindrucksvoll dokumentiert219). Die beiden Sonnenuhren wurden in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts restauriert.

Zwischen diesen beiden Sonnenuhren befand sich wohl noch eine dritte, von der außer der Dübelöffnung für den Schattenstab heute nichts mehr vorhanden ist.

Bei der Restaurierung der Fassaden des Doms wurde eine weitere gemalte Sonnenuhr an der Südwestecke des Südturms sichtbar (Kat.-Nr. 570). Sie trägt die Jahreszahl 1606, die römischen Zahlzeichen waren in einem Rechteckrahmen aufgemalt. Es handelt sich um eine „polare Westuhr“, deren Stab nur die Nachmittagsstunden anzeigen konnte.

Bauinschriften und Jahreszahlen

Etwa gleichzeitig mit dem Bau der gotischen Kathedrale wurde auch die Residenz der Regensburger Bischöfe, der Bischofshof, erbaut. Im 16. Jahrhundert hatte er in etwa seine heutige Form und Ausdehnung erreicht220). Ein Denkstein mit Inschrift und Wappen (Kat.- Nr. 528) erinnert bis heute an die Bautätigkeit des Bischofsadministrators Johann III. (Kat.-Nr. 484) und seines Nachfolgers Vitus von Fraunberg (Kat.-Nr. 529). Bischof David Kölderer (Kat.-Nr. 545) vollendete schließlich den Ausbau der Anlage. Hieran erinnern sein Wappen und die Jahreszahlen 1570 und 1573 (Kat.-Nrn. 532, 533, 537 und 538). Bei den zahlreichen Reichsversammlungen in der Stadt [Druckseite 52] diente der Bischofshof ab dem Ende des 16. Jahrhunderts den Kaisern und Königen als Residenz während ihrer Aufenthalte.

Eine weitere Inschriftentafel aus den Jahren 1584/85 (Kat.-Nr. 552 †) ist nur durch die Abzeichnung des geschichtsbegeisterten königlichen Rats Georg Alois Resch überliefert. Die Inschrift berichtet von der Wiedererrichtung des eingestürzten Beinhauses in der Amtszeit des Domherrn und Baumeisters Johann Georg von Stinglheim (Kat.-Nr. 569).

Seit dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts wurde nahezu 350 Jahre am Dom nicht mehr weitergebaut. Die Wirren der Reformation und ihre Folgen ließen den Bau bis in das Jahr 1859 stagnieren, als mit dem Ausbau der Türme der Dom sein heutiges Aussehen bekam.

Im 17. Jahrhundert, als sich der Katholizismus im Zuge der Gegenreformation zu erneuern suchte, begannen die Bischöfe und das Domkapitel mit der Ausgestaltung des Innenraumes im Stil des Barock221). Auch hier geben bis heute vorhandene Inschriften Auskunft über diese Aktivitäten vor allem unter der Amtszeit des Fürstbischofs Albert IV. von Törring. So zeugen zwei Schlusssteine (Kat.-Nr. 581, 584) und eine Bauinschrift im Gurtbogen des 4/5 Jochs im Langhaus aus dem Jahr 1618 von der Fertigstellung dreier Mittelschiffjoche (Kat.-Nr. 582). Im Erdgeschoß des Domschatzmuseums im ehemaligen Bischofshof gibt ein weiterer Schlussstein mit der Jahreszahl 1617 (Kat.-Nr. 579) Auskunft über bauliche Veränderungen. Die Ausmalung der Seitenschiffe 1639 ist durch eine weitere Inschrift im ersten Joch an der Südwand des südlichen Seitenschiffs dokumentiert (Kat.-Nr. 607).

Durch den gesamten Bearbeitungszeitraum sind weitere Jahreszahlen im Domkreuzgang und in der Domkirche angebracht, die den Zeitpunkt baulicher Aktivitäten nachvollziehen lassen (Kat.-Nrn. 359, 376, 380).

Bildfenster

Die Ausgestaltung der Domkirche mit Bildfenstern war gegen Ende des 15. Jahrhunderts abgeschlossen. Im 16. und 17. Jahrhundert erfolgten im Wesentlichen nur Instandsetzungen und Reparaturen der vorhandenen Fenster. Ein neues Verständnis von Raumgestaltung im Zuge der Romantik und des Historismus führte im 19. Jahrhundert unter König Ludwig I. von Bayern zur Restaurierung des mittelalterlichen Bestands und zur Anfertigung neuer Bildfenster. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die ausgebauten Fenster wieder eingesetzt und die blankverglasten und beschädigten bis Ende des 20. Jahrhunderts durch neue farbige ersetzt und ergänzt222).

In den Bearbeitungszeitraum fallen neun Bildfenster mit Inschriften ausschließlich aus dem Domkreuzgang.

Unter dem Dommeister Erhard Heydenreich wurde dieser in den Jahren 1517/1518 letztmals größer umgestaltet, wobei die Erneuerung der Fenster die auffälligste Baumaßnahme darstellte. Die Datierung ergibt sich aus den Inschriften der von Domkanonikern gestifteten Wappenscheiben für die neuen Fenster. Sechs dieser Scheiben (Kat.-Nrn. 413 †, 414 †, 415 †, 416 †, 420 †, 422 †) sind bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts verloren, drei (Kat.-Nrn. 411, 412, 421 (†)) sind noch vorhanden und befanden sich bis Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts in den Fürstlich Oettingen-Wallersteinschen Sammlungen auf Schloss Harburg (Lkr. Donau-Ries/Schw.); sie wurden 1987 photographisch dokumentiert und publiziert223). Danach gelangten sie in den Kunsthandel. Der weitere Verbleib ist unbekannt224).

Ein heute verlorenes farbiges Fenster mit Wappen, Name und Stand des Domherrn Achatz von Nothaft am Behältnis des Ewigen Lichts im Domfriedhof (Kat.-Nr. 553 †) war 1585 datiert und wies auf eine Stiftung hin.

Gemälde

Eine heute verlorene Gemäldeinschrift aus der Zeit zwischen 1531 und 1534 weist auf Petrus Rauscher, den damaligen Dekan von St. Johann, als Stifter hin. Das Gemälde „Die Enthauptung [Druckseite 53] Johannes des Täufers“ (Kat.-Nr. 452 †) befand sich im Südflügel des Domkreuzgangs, der Grablege einiger Kanoniker dieses Stifts.

Zwei weitere Inschriften befinden sich an den von Bischof Albert IV. von Törring gestifteten monumentalen Gemälden „Christus im Sturm auf dem See“ aus dem Jahr 1622 (Kat.-Nr. 587) und der „Schlüsselübergabe an Petrus“ von 1647 (Kat.-Nr. 617). Diese Gemälde befanden sich an der Süd- und Nordwand des Querhauses im Dom, im Zuge der Purifizierung wurden sie dann 1835 nach St. Emmeram transferiert und hängen heute an der Wand des Westchors. Während die Zuschreibung des ersten Gemäldes an den Regensburger Maler Johann Paul Schwendter gesichert ist, stammt das zweite wohl von Joachim Sandrat225).

Altäre

Mit Ausnahme der Heiligenbenennung auf den Seitenflügeln des St. Georg-Altars im Winterchor, datiert um 1535 (Kat.-Nr. 469), den Inschriften auf dem nach Ramlesreuth (Gde. Speichersdorf/Lkr. Bayreuth, OFr.) verbrachten Altar aus dem Dom aus dem Jahr 1610 (Kat.-Nr. 573 †) und der Stifterinschrift aus dem Jahr 1700 auf dem ehemaligen Wolfgangsaltar, der aus dem Dom entfernt wurde und sich heute in Steinkirchen an der Würm befindet (Kat.-Nr. 667), sind weitere fünf Inschriften auf Altären kopial überliefert. Diese stammen alle aus dem 17. Jahrhundert. Die Inschriften aus den Jahren 1609, 1610 und 1693 (Kat.-Nrn. 571 †, 572 †, 652 †) beziehen sich auf Stiftungen. Unter Bischof Albert IV. von Törring wurde 1624 der St. Andreas-Altar (Kat.-Nr. 589 †) im Südchor neu gestaltet und 1627 der St. Stephans-Altar (Kat.-Nr. 594 †) im Nordchor neu errichtet, wobei hier drei ältere Altäre abgebrochen wurden. Die zum Teil sehr umfangreichen Inschriften erzählen die bewegte Geschichte dieser Altäre und ihrer Stifter über die Jahrhunderte hinweg.

Wand- und Deckenmalereien

Die nur noch fragmentarisch vorhandenen Wandmalereien mit Inschriften im Innenraum der Domkirche wurden erst während der Restaurierungen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts freigelegt. Die zeitlich früheste datiert in das Jahr 1579 und befindet sich im Mittelteil des Polygons im Südchor (Kat.-Nr. 546). Es handelt sich hier um den Restbestand einer Stifterinschrift des Domherren Thomas von Eck und ein Psalmzitat226). Im nördlichen Seitenschiff sind westlich des heutigen St. Rupertus-Altars Fragmente einer Inschrift zu sehen (Kat.-Nr. 609), die den Bischof Albert von Stauf (1409–1421) als Stifter des Altars der Hll. Florinus und Laurentius bezeichnen. Östlich sind Reste einer biblischen Szene zu erkennen und die Bezeichnung der dazugehörigen Bibelstelle (Kat.-Nr. 610). Diese Inschriften sind aufgrund der epigraphischen Analyse erst nach 1640 zu datieren und gehören zu den wenigen erhaltenen Resten der frühbarocken Ausgestaltung227).

Zu den Wand- und Deckenmalereien gehören auch die bereits erwähnten Bauinschriften im Gurtbogen des 4./5. Langhausjoches (Kat.-Nr. 582, s. o.) aus dem Jahr 1618. Aus dem gleichen Jahr stammt die aufgemalte Inschrift einer Bibelstelle auf dem Gurtbogen des 1./2. Langhausjochs (Kat.-Nr. 583).

In der ehemaligen Kapelle des Bischofshofs befinden sich Malereien des 16. Jahrhunderts, die bei der Restaurierung 1974 freigelegt wurden. Die noch vorhandenen Inschriften bezeichnen die vier Kirchenväter und drei der Evangelisten (Kat.-Nr. 527).

Der größte Bestand an gemalten Inschriften befindet sich im ersten Stock des Kapitelhauses im prunkvoll ausgestatteten Kapitelsaal und stammt vom Ende des 17. Jahrhunderts. Neben Inschriften auf dem großen zentralen Deckengemälde des Malers Peter Ayrschedel, das den Lehrauftrag der Kirche darstellt, sind alle Namen, Titel und Wappen des 1699 amtierenden Domkapitels in zwei großen runden Medaillons angebracht (Kat.-Nr. 666)228).

Eine weitere gemalte Inschrift befand sich an der westlichen Wand der heute profanierten Nikolauskapelle unter dem Winterchor des Doms, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts kaum mehr [Druckseite 54] lesbar war und heute nicht mehr sichtbar ist (Kat.-Nr. 670 †). Sie wies auf eine Restaurierung im 17. Jahrhundert hin.

Liturgisches Gerät und mobiler Kirchenschmuck229)

Unter den Vasa Sacra, den Paramenten und anderen Gegenständen der mobilen Kirchenausstattung gibt es im Erfassungszeitraum nur sehr wenige Inschriftenträger. Die Objekte des Domschatzes wurden unabhängig von ihrer Provenienz und des Anschaffungsdatums aufgenommen.

In der Domkirche hängt die große silberne Ewig-Licht-Ampel (Kat.-Nr. 593), die im Jahr 2004 vom Hauptchor in den Südchor transferiert wurde. Auf Medaillons sind der Domherr Wilhelm Weilhammer als Stifter im Jahr 1626 und das Domkapitel genannt, das die Ampel 1698 umarbeiten ließ. Neben dem neuen Volksaltar steht das silberne Vortragekreuz (Kat.-Nr. 612), bezeichnet als Stiftung des Bischofs Albert IV. von Törring aus dem Jahr 1643. Ein weiteres Altarkreuz aus dem 17. Jahrhundert mit Inschrift (Kat.-Nr. 621) befindet sich im Domschatz. Das vom Domherrn Heinrich Langenmantel gestiftete silberne Kruzifix aus dem Jahr 1625 (Kat.-Nr. 590 †) ist heute nicht mehr vorhanden, die kopial überlieferte Inschrift gibt Auskunft über diese Stiftung.

Vier silberne, teilweise vergoldete Kelche sind mit Inschriften versehen. In das Jahr 1510 datiert der aus Österreich oder Slowenien stammende prächtige Kelch (Kat.-Nr. 395). Der Domherr Hans Georg Sintzenhofer stiftete 1639 für die Regensburger St. Gallus-Kapelle einen Kelch mit seinem Wappen und seinen Initialen (Kat.-Nr. 606). Nicht genau datierbar ist ein weiterer Kelch, wohl aus der zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts (Kat.-Nr. 671). Der prächtigste Kelch ist Teil einer Garnitur mit Platte und Messkännchen, stammt aus Waldsassen und ist eine Stiftung des dortigen Abtes Albert Hausner aus dem Jahr 1691 (Kat.-Nr. 651), er kam erst 1857 in den Regensburger Domschatz.

Eine Reihe der wertvollen barocken Silberleuchter sind mit Inschriften versehen, die auf reiche Stiftungen zur prunkvollen Ausstattung der Altäre hinweisen. Sechs identische über einen Meter hohe Silberleuchter (Kat.-Nr. 595) gehen auf eine Stiftung des adeligen Augsburger Patriziers und Regensburger Domherrn Wolfgang Heinrich von Langenmantel aus dem Jahr 1627 zurück. Für den Sakramentsaltar stiftete der Domherr Johann Franz Ferdinand Graf von Herberstein 1667 zwei kleine Silberleuchter (Kat.-Nr. 632), drei Jahre später vermachte der adelige Domherr Johann Andreas von Puech 600 fl. zur Anschaffung von vier silbernen Leuchtern (Kat.-Nr. 635), die bis heute in Gebrauch sind.

Zu den bedeutendsten Goldschmiedearbeiten im Domschatz gehört die reich verzierte Turmmonstranz aus der Zeit um 1633 (Kat.-Nr. 599), die aus der Werkstatt des Münchner Goldschmieds Ferdinand Zschokk stammt.

Ein ganz besonderes Stück stellt die so genannte Wolfgangsschale (Kat.-Nr. 626) dar, die aus dem 12. Jahrhundert stammt und in der den Domherren und Domvikaren der Wolfgangswein gereicht wurde. Die barocke silberne Fassung der Schale aus dem Jahr 1658 ist mit der Stifterinschrift versehen, in der der Domherr Johann Paul von Leoprechting genannt wird.

Die Inschrift auf der großen silbernen und teilweise vergoldeten Prunkschale (Kat.-Nr. 645) aus den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts nennt Weihbischof Franz Weinhart als Stifter. Sie wurde zur Fußwaschung am Gründonnerstag verwendet.

Die laut Inschrift 1536 vom Domvikar Ulrich Vörgl gestiftete silberne Skulptur mit der Darstellung der Wurzel Jesse (Kat.-Nr. 478 †) ist verloren.

Zum Bestand des Domschatzes gehören auch zwei Paxtafeln mit Inschriften, die den Geistlichen und dann allen Gläubigen vor der Kommunion zum Kuss gereicht wurden. Die ältere stammt aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts (Kat.-Nr. 436) und ist wohl eine Stiftung Kaiser Karls V. Die zweite datiert um 1700 (Kat.-Nr. 669) und birgt um einen Kreuzpartikel als Hauptreliquie herum angeordnet acht kleine Reliquienbehältnisse, die jeweils mit dem Namen der Heiligen und Märtyrer bezeichnet sind.

Nur wenige Inschriften sind auf Textilien angebracht. Eine Bursa und die wohl dazugehörende Palla aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Kat.-Nr. 672) sind mit Monogrammen versehen; das Kelchvelum aus dem Jahr 1700 (Kat.-Nr. 668) trägt eine Jahreszahl. Eine prachtvolle Kasel aus Goldbrokat (Kat.-Nr. 618) stammt aus der Zeit vor 1649; das darauf angebrachte Wappen und [Druckseite 55] die Initialen weisen auf den Stifter hin, den späteren Regensburger Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg.

Der Opferstock mit der Statue des Hl. Petrus, des Patrons der Domkirche, befand sich an prominenter Stelle in der Mitte des Langhauses. Der Sockel (Kat.-Nr. 575) war eine Stiftung des Domkapitels aus dem Jahr 1612 und trägt auf allen vier Seiten Inschriften. Im Jahr 1859 wurde dieser durch ein neues Steinpodest ersetzt und befindet sich heute im Lapidarium.

Nachträge zu Band 1

Bei Grabungen in der Stephanskapelle im Jahr 2010 wurde ein bleiernes Sargtäfelchen mit fünfzeiliger Inschrift aus dem Jahr 1086 (Kat.-Nr. A1) gefunden. Sie lag als Grabbeigabe bei dem Skelett eines bislang Unbekannten230). Es handelt sich hier um den zweitältesten inschriftlichen Beleg im Dombereich.

Im Zuge der Bauarbeiten zum Einbau einer Fußbodenheizung für den Domspatzenchor wurden im September 2009 die Hochaltarstufen freigelegt. Dabei sind mehrere Grabplatten zum Vorschein gekommen, die möglicherweise Ende des 18. Jahrhunderts bei der Errichtung des neuen Hochaltars in Wiederverwendung eingebaut worden sind (Kat.-Nrn. A2 bis A7). Es handelt sich ausnahmslos um Grabplatten aus dem 14. Jahrhundert, die dafür extra als Stufen zugeschnitten worden sind. Die Holzverschalung wurde danach wieder darüber angebracht.

Bei der Verlegung neuer Leitungen und der Erneuerung des Pflasters vor dem Eingang zum Domkreuzgang im Sommer 2008 wurden drei Grabplatten aus Sandstein aufgefunden, die offensichtlich als Füllmaterial im Untergrund verwendet worden waren. Sie stammen aus dem 15. Jahrhundert und sind stark beschädigt, zwei davon tragen Inschriften (Kat.-Nrn. A8, A9). Die drei Grabplatten wurden nicht bewegt und nach Beendigung der Arbeiten wieder zugeschüttet.

Nachzutragen sind noch die Inschriften der Prophetenskulpturen vom Domaußenbau, die Bezeichnungen der Konsolfiguren im Gewölbe des Winterchores sowie die Beschriftung des Wolfgangskammes aus dem Domschatz (Kat.-Nrn. A10, A11, A12).

Aufgenommene Inschriften, die nicht zum ursprünglichen Dombestand gehören

Wie im Abschnitt zum Liturgischen Gerät und zum mobilen Kirchenschmuck bereits erläutert, wurden auch Stücke des Domschatzes bearbeitet, die nicht aus Regensburg stammen. Hier soll daher nur auf in den Dombereich verbrachte Steindenkmäler eingegangen werden.

Gesichert ist die Herkunft der Denkmäler für Anna von Kirmreuth († 1599, Kat.-Nr. 564), der Lucretia Camilla Herold († 1648, Kat.-Nr. 614), der Eva Christina von Muggenthal († 1681, Kat.-Nr 639), des Augustin Hoylmann († 1685, Kat.-Nr. 644) und der Maria Franziska von Muggenthal († 1697, Kat.-Nr. 660); sie stammen alle aus der Niedermünsterkirche und sind wohl im 19. Jahrhundert im Nordflügel des Domkreuzganges an der Wand angebracht worden. Das Epitaph für Margaretha Tucher († 1521, Kat.-Nr. 429) wurde wohl nach der Schließung der St. Ulrichs-Kirche im Jahr 1824 in den Dom verbracht, in dem es heute an der Westwand angebracht ist. Das Epitaph für Hans Haider und seine Frau († 1567/1589, Kat.-Nr. 530), heute an der Außenwand des Domkapitelhauses, gehörte zum Bestand der Obermünsterkirche. Die Wappengrabplatte der Margarete von Rorbach († 1510, Kat.-Nr. 390), heute im Westflügel des Kreuzgangs an der Wand, stammt aus der 1810 profanierten und 1839 abgerissenen Augustinereremitenkirche.

Wegen der fehlenden kopialen Überlieferung ist die Herkunft weiterer vier Denkmäler ungeklärt. Es handelt sich hier um drei einfach gestaltete Grabplatten von Klerikern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, des Lienhart Melker von Melk († 1516, Kat.-Nr. 408), des Michael Michaelis († 1519, Kat.-Nr. 423) und des Egidius Gencher († 1537, Kat.-Nr. 482). Dazu kommt noch die Wappengrabplatte des Franz Karl Gattermayer († 1653, Kat.-Nr. 622).

  1. DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) Kat.-Nr. 293, Abb. 103 und 104. »
  2. Ebenda, Kat.-Nr. 238, Abb. 100. »
  3. Reindl, Loy Hering 457f. »
  4. Diemer, Hans Krumper 284ff. »
  5. Vgl. DI 5 (München) Kat.-Nr. 329. »
  6. Cranner 58; Morsbach, Kunst in Regensburg 88. »
  7. Kdm Altötting 2351f.: Denkmal an der Südwand der Kirche. »
  8. Vgl. hierzu das Einleitungskapitel Kurzer historischer Überblick zur Geschichte der Stadt und des Hochstifts Regensburg 18. »
  9. Hausberger, Grablegen 377ff.; Mayerhofer, Bischofsgrabmäler 392ff. »
  10. Panofsky, Grabplastik 76ff. »
  11. DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) Kat.-Nrn. 251, 272, 280»
  12. Fuchs/Märtl, Literarisches und geistiges Leben im 15. Jahrhundert 909ff. »
  13. Kdm Regensburg I, 302; die ältere kunsthistorische Forschung hat sich dieses Themas bereits angenommen. »
  14. Panofsky, Grabplastik 76f.; Kolmer, Erinnert – nicht errettet. Der Tod der Professoren 72ff. »
  15. ABAdW, Grabsteinbuch. Folioband mit Abbildungen von Grabdenkmälern und Grabsteinen aus dem Dom zu Regensburg im ABAdW München, vgl. hierzu DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) LXV»
  16. Vier dieser bildlichen Darstellungen sind noch im Dom erhalten, Kat.-Nrn. 578 (Johannes Christoph von Gumppenberg), 603 (†) (Simon von Labrique), 619 (Albert IV. von Törring) und 647 (†) (Franz Weinhart). »
  17. Hier kurz zusammengefasst: Kolmer, Erinnert – nicht errettet. Der Tod der Professoren. »
  18. Die heute noch vorhandenen Denkmäler in der Domkirche aus dem 18. bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts werden publiziert in: Hubel Achim und Schuller Manfred, Der Dom zu Regensburg. Textband 3 (Die Kunstdenkmäler von Bayern NF 7.3), in Vorbereitung. »
  19. DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) Kat.-Nr. 192»
  20. Vgl. hierzu Hauschke, Die Grabmäler der Nürnberger Vischer-Werkstatt 271–273, Kat.-Nr. 78. »
  21. Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter in Regensburg 174. »
  22. Benker, Die Kunstentwicklung vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts 908–997; Morsbach, Kunst in Regensburg: hier ein Überblick über das Kunstschaffen vom 7. bis zum 20. Jahrhundert »
  23. Kdm Regensburg III, 265–270. »
  24. Liedke Volker, Regensburger Bildschnitzer und Schnitzaltäre der Spätgotik. In: Ars Bavarica 8 (1977) 9–28. »
  25. Reindl Peter, Loy Hering. Zur Rezeption der Renaissance in Süddeutschland. Basel 1977. »
  26. Dehio Georg, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. Bearb. von Jolanda Drexler und Achim Hubel unter Mitarbeit von Astrid Debold-Kritter u.a. München-Berlin 1991, 429–466. »
  27. Liedke in DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) XLII-LX»
  28. Morsbach Peter, Die Erbauer des Doms. Die Geschichte der Regensburger Dommeisterfamilie Roriczer-Engel. Regensburg 2009. »
  29. Liedke, Regensburger Bildschnitzer und Schnitzaltäre der Spätgotik 9. »
  30. Kdm Regensburg II, 90; Liedke, Jörg Gartner 41, Abb. 2. »
  31. Thieme/Becker 31, 93; Zuschreibungen in Kdm Regensburg II, 260. »
  32. Reindl, Loy Hering 457f. (E2). »
  33. Kdm Regensburg I, 302; Benker, Die Kunstentwicklung vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts 910. »
  34. Dehio Bayern V (Regensburg und Oberpfalz) 462. »
  35. Dinzinger Gertraud, Hans Plötzlinger (1535–1603) ein Regensburger Bildhauer 335–350. »
  36. Ebenda 336. »
  37. Reindl, Loy Hering 16ff., 456ff. »
  38. Dinzinger Gertraud, Hans Plötzlinger (1535–1603) ein Regensburger Bildhauer 342–345. »
  39. Kdm Regensburg III, 270. »
  40. Schädler, Allegorie der Gerechtigkeit 194f.; Reindl, Loy Hering 476 (F 49); Hubel/Kurmann, Der Regensburger Dom 84; Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter 174 (Anm. 250). »
  41. Liedke in DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) LVI-LX; zur Schriftanalyse s. u. Ramona Baltolu 60ff.) »
  42. Diemer, Hans Krumper 284ff.; Morsbach, Kunst in Regensburg 88; Fuchs/Wellnhofer, Der Dom im Spätmittelalter und in der Barockzeit 384f. »
  43. Wellnhofer, Dom im 17. und 18. Jahrhundert, in: Hubel, Achim und Schuller, Manfred, Der Dom zu Regensburg. Textband III (Die Kunstdenkmäler von Bayern NF 7.3), in Vorbereitung. »
  44. Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter 239ff. »
  45. DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) Kat.-Nr. 60»
  46. Hubel/Schuller, Der Dom zu Regensburg 86f. »
  47. Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter 290, Anm. 324; wir bedanken uns bei Franz Magerl, Obertraubling, für die Überlassung seines ungedruckten Skripts über die Domglocken. »
  48. Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter 203f. mit neuester Literatur zu diesem Thema. »
  49. DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) Kat.-Nr. 287»
  50. Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter 204. »
  51. Stauffer, Bischofshof Regensburg 15ff. »
  52. Hubel in DI 74 (Stadt Regensburg II, Dom I) XV»
  53. Fritzsche, Glasmalereien 10–14; Hubel/Kurmann, Der Regensburger Dom 96ff., Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter 243ff., 272. »
  54. Fritzsche, Glasmalereien 346f.; Herz, Regesten 353f. »
  55. Für diese Auskunft danken wir Herrn Gerhard Beck, Fürstlich Oettingen-Wallersteinsches Archiv Harburg. »
  56. Loers, Barockausstattung 231; Morsbach, Kunst in Regensburg 93. »
  57. Fuchs Friedrich, Der Dom St. Peter 235 mit Abb. 239. »
  58. Ebenda, 233 mit Abb. 235–238. »
  59. Nitz, Der Kapitelsaal im Domkapitelhaus 501f.; Morsbach, Kunst in Regensburg 93f. »
  60. Der Domschatz mit seinen Inschriften ist vollständig ediert bei Hubel, Der Regensburger Domschatz (Kirchliche Schatzkammern und Museen 1, hg. von Hugo Schnell und Paul Mai), München-Zürich 1976, auch die Stücke, die sich im Bearbeitungszeitraum nicht in Regensburg befanden, sondern erst später dazukamen. »
  61. Bornschlegel, Zwei inschriftlich datierte Regensburger Grabauthentiken der Ottonen- und Salierzeit 517–534. »