Die Inschriften der Stadt Pforzheim

5. Die Inschriftenträger

Untersucht man die Inschriften auf ihre Funktionen hin, so ergibt sich für Pforzheim, daß gegenüber der überwiegenden Masse von 225 Inschriften aus dem sakralen Bereich nur fünfundzwanzig Stücke (10%) dem profanen Bereich entstammen. Die Profaninschriften sind fast ausnahmslos mit der historischen Architektur des alten Pforzheim aus der Zeit vor 1650 verbunden gewesen, die 1945 unterging. Daraus erklärt sich die geringe Anzahl. Immerhin sind – unabhängig vom Originalstandort – noch zehn Wappentafeln erhalten, von denen fünf den markgräflichen Bauten (nrr. 126, 130, 161, 164, 182) und sechs den Behausungen niederadliger Familien (nrr. 107, 138, 155, 200, 223) angehörten. Die Inschriften des Sakralbereichs bilden das Kernstück des vorliegenden Inschriftenbandes. Von diesen 225 Inschriften ist der überwiegende Teil dem Totengedenken gewidmet, nämlich 201 Katalognummern. Damit beträgt der Anteil dieser größten Inschriftengruppe 80,4% der Gesamtzahl. Die Inschriftengattungen, die normalerweise in den DI-Editionen zahlenmäßig an zweiter oder dritter Stelle stehen oder die sich wegen ihres hohen Alters und ihrer Kostbarkeit aus dem Bestand herausheben, nämlich die Glockeninschriften und die Inschriften auf liturgischen Geräten und sonstigen kirchlichen Ausstattungsstücken, fehlen in Pforzheim vollständig.

Wenn man versucht, die Pforzheimer Inschriften nach sozialen Gesichtspunkten zuzuordnen, so haben 41 Stücke die markgräfliche Herrschaft zum Auftraggeber und 49 den mit dem Hof verbundenen Niederadel. Die bürgerliche Führungsschicht des Patriziats und der Amtsträger-Familien stellt 76 Inschriften. Der katholische Klerus ist mit 37 Inschriften vertreten. Da der städtische Klerus Pforzheims praktisch aus den Patrizierfamilien hervorging und der Niederadel hier kaum vertreten war, übertrifft der Anteil dieser bürgerlichen Führungsschicht insgesamt noch denjenigen der adligen Gesellschaft. Der Rest der Inschriften verteilt sich – soweit er sicher zuzuordnen ist – auf die evangelische Pfarrerschaft mit sieben, auf den Bereich von Universität und Schule mit sechs, auf die Mittel- und Unterschichten mit sechs Inschriften. Eine Besonderheit des Bestandes bilden zwei Grabinschriften für Zigeuner (nrr. 81, 147).

Wie alle statistischen Erhebungen bietet diese Zusammenstellung nur Näherungswerte angesichts der großen Verlustrate, die die Zahlen des erhaltenen Inschriftengutes zu Zufallsergebnissen macht. Vor allem muß festgehalten werden, daß die Reformation einen tiefen Einschnitt zwischen den mittelalterlichen Inschriften aus katholischer Zeit und den nachreformatorischen Inschriften des 16. und 17.  Jahrhunderts markiert. Für eine Analyse erscheint es angezeigt, die mittelalterlichen und die nachreformatorischen Inschriften getrennt zu betrachten und eine Trennlinie etwa bei dem Jahr 1535 – Regierungsantritt des Markgrafen Ernst – zu setzen. Aus der Zeit zwischen der ältesten nachweisbaren Inschrift von 1260 (nr. 1) – die mit Sicherheit nicht die älteste Pforzheimer Inschrift gewesen ist – und der Wappentafel des Markgrafen Ernst von 1537 sind 125 Inschriften nachweisbar gegenüber ebenfalls 125 Inschriften zwischen 1537 und 1650. Damit liegt der Anteil der mittelalterlichen Inschriften mit 50% in gleicher Höhe wie der aus nachreformatorischer Zeit. Zieht man die benachbarten Bearbeitungsgebiete zum Vergleich heran mit dem Enzkreis (DI 22 mit 50,6% vor 1535), [Druckseite XLV] dem Kreis Karlsruhe (DI 20 mit 40,4%) und dem Kreis Calw (DI 30 mit 57,5%), so überrascht das Ergebnis, daß der Pforzheimer Inschriftenbestand keinen ausgesprochenen Schwerpunkt zu haben scheint. Trotz des Gewichts der Grablege eines protestantischen Fürstenhauses ist das katholische Mittelalter durch das Kollegiatstift zusammen mit den drei Klosterkirchen als Gegengewicht in gleicher Stärke vertreten. Freilich wiegt schwer, daß der mittelalterliche Anteil nur durch die große Anzahl gestalterisch einförmiger mittelalterlicher Grabplatten, nicht aber durch künstlerisch erstrangige oder besonders frühe mittelalterliche Denkmäler zustandekommt. Der Pforzheimer Inschriftenbestand hat deshalb – wenn nach Qualität, historischem Gewicht und kunsthistorischer Bedeutung der Inschriften-Denkmäler gewertet wird – seinen Schwerpunkt eindeutig zwischen 1535 und 1650. Wenn hingegen die Wertung des Bestandes als ein zusammenhängender Komplex von frühen Quellentexten und inschriftlichen Zeugnissen des Mittelalters im Vordergrund steht, kommt den Pforzheimer Inschriften wegen der vorreformatorischen Stücke mit ihrem hohen Anteil von achtundzwanzig vor 1400 entstandenen Denkmälern ein hoher Stellenwert für die Epigraphik des Mittelalters und die landesgeschichtliche Forschung zu.

5.1. Sprache, Formular und Form

Allgemeine Überlegungen zu Form und Inhalt der Grabinschriften können hier entfallen, da den ausführlichen Darlegungen in den Einleitungen der meisten seit 1994 erschienenen Inschriftenbände – so DI 38 (Bergstraße), DI 41 (Göppingen), DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis), DI 49 (Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau) und DI 54 (Mergentheim) – nichts hinzuzusetzen ist. Die rund 200 dem Totengedenken gewidmeten Pforzheimer Denkmäler, für die sich der Oberbegriff „Grabmal“ eingebürgert hat, lassen sich ihrer Funktion nach in Grabplatten, Epitaphien oder Grabdenkmäler, Totenschilde, aus Holz gefertigte gemalte Epitaphien, Särge sowie eine Sargtafel und ein Hochgrab einteilen175). Die Inschriften zum Totengedenken enthalten mit mindestens 21 Stücken einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Fragmenten, über deren Gestaltung und Textinhalt keine Klarheit besteht. Die restlichen Inschriften stammen vor 1535 in der Mehrzahl von schlichten Grabplatten mit Umschrift, die beim Klerus oft einen Meßkelch als Abzeichen für den Geistlichen tragen, bei der Bürgerschaft in den meisten Fällen einen Wappenschild oder ein Vollwappen. Nach 1535 überwiegt die Anzahl der Grabplatten mit zeilenweise angeordneter Inschrift; die früheste derartige Inschrift war bereits vor 1499 nachweisbar (nr. 84). Bei diesem Denkmaltyp ist in vielen Fällen nicht zu unterscheiden, ob es sich ursprünglich um eine Grabplatte im Boden oder um ein an der Wand aufgerichtetes Denkmal handelte. Eindeutig als Epitaphien mit den Figuren der Verstorbenen oder als architektonisch gestaltete Grabdenkmäler anzusprechen sind 37 Stücke, von denen nur eines noch in spätgotische Zeit fällt (nr. 67 von 1479) und von denen acht prunkvolle Monumente der markgräflichen Grablege im Chor angehören (nrr. 149, 157, 171, 183, 185, 186, 192, 220).

Eine Textanalyse der älteren mittelalterlichen Inschriften vor 1400 bietet keine Aussicht auf ein allgemeingültiges Ergebnis, da der Bestand zu sehr dezimiert ist und nur wenige Inschriften in gesichertem Wortlaut erhalten sind. Wie andernorts ist die lateinische Sprache die ausschließlich gebrauchte Sprache der Inschriften bis zu der ersten, ganz in der Volkssprache abgefaßten Grabinschrift für ein Glied der Familie Schnewlin von Wiesneck, gestorben 1419 (nr. 36). Das Latein bleibt in Pforzheim führend bis in das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts, da hier bis dahin zahlreiche Grabplatten für Glieder des Klerus nachweisbar sind. Erst ab etwa 1450 bis gegen 1500 setzt sich die Volkssprache zunehmend durch (nrr. 57, 67, 68, 79, 81 u. ö.). Trotzdem ist schon 1318 eine gereimte Fürbitte in der Volkssprache innerhalb einer ansonsten in Latein abgefaßten Grabinschrift eines Laien aus der Pforzheimer Führungsschicht zu verzeichnen (nr. 13)176). Bis jetzt sind deutschsprachige Textbeispiele auf Grabmälern vor 1350 eine Seltenheit, während die Volkssprache bei anderen Textsorten – wie z. B. bei Bau- und Künstlerinschriften – bald nach 1300 Eingang findet177). Wegen der frühen Entstehungszeit vergleichbar ist eine Grabplatte in der Klosterkirche Alpirsbach für einen Volmar von Oberndorf († 1330 oder 1334) mit einer ebenfalls gereimten deutschen Inschrift, die wie hier mit [Druckseite XLVI] einer lateinischen Datierung kombiniert ist178). Eine deutsch-lateinische Zweisprachigkeit kommt in Pforzheim auch bei der Grabplatte von Hans Blus und Margret Knoder aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts (nr. 85) vor. Hier sind der formelhafte Anfang Anno domini etc. und die Fürbitte am Ende der Inschrift von lateinischen Vorbildern übernommen, die eigentliche Information über die Verstorbenen aber ist deutsch formuliert.

Eine der wenigen metrischen lateinischen Inschriften von Belang ist eine im 18. Jahrhundert noch erhaltene, kopial überlieferte Inschrift, die bisher stets mit einer – offenbar in nächster Nähe befindlichen – Grabinschrift von 1371 verbunden wurde. Jetzt konnte diese Inschrift und das vermutlich zu ihr gehörige Andachtsbild aus dem Bereich der Passion Christi als Stiftung eines Vikars erschlossen werden, die zwischen 1510 und 1519 angesetzt werden kann (nr. 110). Die Verse folgen dem Wortlaut zweier Inschriften im Innern der Grabeskirche in Jerusalem, die lange vor ihrer Übernahme in Pforzheim untergegangen und nur noch kopial überliefert waren; sie konnten also nicht als Frucht einer Pilgerreise aus Jerusalem nach Pforzheim übermittelt worden sein, sondern nur durch eine schriftliche Überlieferung. Die Inschrift wirft somit ein Licht auf das humanistische Milieu des Pforzheimer Kollegiatstifts, zu dem auch Reuchlin und Melanchthon in Beziehung standen.

Einzelne evangelische Pfarrer sowie Rechtsgelehrte zeigen ihre Gelehrsamkeit in lateinischen Inschriften (nrr. 151, 181, 195, 196, 204, 205). Darunter hebt sich besonders das Epitaph des Pfarrers Joachim Giftheil († 1585) hervor, weil es dreisprachig in Deutsch, Griechisch und Hebräisch abgefaßt ist (nr. 196). Die Epitaphien des Theologen Johannes Fleischmann († 1591; nr. 204) und des Juristen und Kanzlers Martin Achtsynit († 1592; nr. 205) bieten lateinische Grabgedichte humanistischen Gepräges. Herausragende Persönlichkeiten wie die Angehörigen der markgräflichen Familie verwendeten Latein für die Deckplatte ihres Grabes und für ihre Sarginschrift, für die Inschrift ihres Grabdenkmals aber die Volkssprache.

Die ersten Belege für das Aufkommen des sog. „Anno-domini-Formulars“ auf Grabmälern setzen mit den ältesten Pforzheimer Inschriften ein. Das erste gesicherte Vorkommen ist die Grabplatte des Eberhard Liebener († 1275; nr. 2). Damit bewegt sich der Befund in demselben zeitlichen Rahmen wie in den benachbarten Aufnahmegebieten. Dieses Formular enthält stets dieselben Grundinformationen – nämlich Sterbejahr und -tag sowie Namen (und mitunter auch den Stand) des Verstorbenen179). Die Fürbittformel cuius anima requiescat in pace und requiescat in pace begegnet schon auffallend früh 1275 und 1324 (nrr. 2, 14), was mit der hier besonders dichten Überlieferung im 14. Jahrhundert erklärt werden kann. Das Anno-domini-Formular wurde ebenso wie die Fürbittformel in deutschsprachigen Grabinschriften übernommen. Die wörtliche Übersetzung dieser Fürbittformel ins Deutsche kommt zuerst 1479 (nr. 67) vor; häufiger ist die – offenbar unabhängig entwickelte – deutsche Fürbitte dem Gott Gnad, zuerst 1493 und 1498 (nrr. 79, 81). Zu den einzelnen Varianten ist das Register 7 zu konsultieren.

Zusammenfassend läßt sich zum Formular auf den Grabmälern Pforzheims festhalten, daß die Grabinschriften der fürstlichen Grablege eine geschlossene Gruppe bilden, während die übrigen Grabinschriften dem Befund in der umgebenden Region des Enzkreises entsprechen. Bei der Markgrafen-Gruppe werden dem Namen die standesspezifischen Epitheta in aller Ausführlichkeit beigefügt. Es sind die dem Fürstenstand vorbehaltenen Epitheta illustris bzw. illustrissima, illustrissimus (nrr. 129, 148, 158, 163, 177 u. ö.) und deren deutschsprachige Entsprechung durchleuchtig oder durchleuchtig hochgeboren (nrr. 149, 154, 157, 171, 183 u. ö.). Bei Markgraf Karl II. und seinen Nachfolgern wird das Epitheton noch gesteigert zu illustrissimus atque magnanimus (nr. 192), illustrissimus ac clementissimus (nr. 218) oder serenissimus (nr. 243, 244, 247) und serenissimus et celsissimus (nr. 247). Darauf folgt die volle Titulatur, die sich gleichförmig bei den meisten Markgrafen wiederholt. Sie lautet auf den lateinisch abgefaßten Inschriften marchio in Baden et Hochberg, landgravius in Susenberg, dominus in Röteln et Badenviler oder entsprechend in Deutsch Markgraf zu Baden und Hachberg, Landgraf zu Susenberg, Herr zu Rötteln und Badenweiler (so bei nrr. 148, 149, 182, 183, 186, 192, 218 u. ö.).

5.2. Kunsthistorische Beobachtungen

Die Stadt Pforzheim liegt in kunstgeographischem Sinne in einem Bereich, in dem sich Einflüsse des nördlichen Oberrheins mit solchen aus Neckarschwaben überschneiden. Die kirchliche Zugehörigkeit zum Bistum Speyer hat vermutlich die sakrale Kunst des Mittelalters entscheidend geprägt, daneben ist vor allem in der Frühzeit an die Strahlkraft der Klöster Hirsau und Maulbronn zu denken. [Druckseite XLVII] Politisch gesehen lag die Region im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit im Bannkreis des württembergischen Hofes in Stuttgart und der kurpfälzischen Residenz und Universität in Heidelberg. Daneben ist der Einfluß der Stadt Straßburg sowie der österreichischen Vorlande mit Freiburg nicht gering zu schätzen.

Die Kunstproduktion in der Markgrafschaft Baden bis zum Ende des Alten Reiches ist bisher nicht zusammenfassend bearbeitet worden. Die miteinander rivalisierenden Residenzstädte Baden-Baden und Pforzheim bildeten die Schwerpunkte innerhalb der Region und befruchteten sich gegenseitig. Man wird den jeweiligen Anteil, den beide Städte zweifellos am Kunstschaffen hatten, nicht voneinander trennen können. Das bewegliche Kunstgut des markgräflichen Hauses wechselte – bedingt durch die verschiedenen Residenzwechsel und die kriegerischen Ereignisse – immer wieder seinen Standort bis hin zum schmerzlichen Ausverkauf am Ende des 20. Jahrhunderts.

Daß Pforzheim um die Mitte des 15. Jahrhunderts der Favorit unter den badischen Städten war, läßt sich daran ablesen, daß es als Schauplatz des Turniers und der Hochzeitsfeierlichkeiten anläßlich der Eheverbindung des Markgrafen Karl I. mit Katharina von Österreich am 22. Januar 1447 sowie als Standort einer geplanten Universität ausgewählt wurde. Die Niederlage von Seckenheim 1462 hatte die Verlegung des Hofes nach Baden-Baden zur Folge und bewirkte den Abstieg Pforzheims180). Die Landesteilung von 1535 führte dann zur Bildung zweier miteinander rivalisierender badischer Residenzen, die fortan auch in ihrer Kunstproduktion miteinander wetteiferten. In Durlach entstanden für die ernestinische Linie der heute zerstörte Renaissancebau des Durlacher Stadtschlosses als Residenz und auf dem Gelände des ehemaligen Benediktinerklosters Gottesau ein Sommersitz in Gestalt einer Spätrenaissance-Villa, beide umgeben von umfangreichen Gartenanlagen. In Baden-Baden ist die ehemalige Residenz in dem sog. Neuen Schloß, einem prunkvollen Bau der Spätrenaissance, erhalten. Die Zerstörungen des Orléans’schen Krieges trafen beide Städte bis ins Mark und bewirkten im 18.  Jahrhundert in beiden Landesteilen die Anlage neuer, vom Geist des barocken Absolutismus geprägter Stadtanlagen in Karlsruhe und in Rastatt. Unter Karl Friedrich gelang 1771 die Vereinigung der beiden badischen Landesteile und mit dem Erwerb der Kurwürde 1803 und der Erhebung Badens zum Großherzogtum auch der Aufstieg in die erste Reihe der Fürstendynastien. Die badische Kunstpolitik des 19. Jahrhunderts suchte diesen hohen dynastischen Anspruch zu legitimieren durch eine bewußte Traditionspflege des historischen Erbes, die auch Pforzheim als Standort der Grablege des badischen Hauses zugute kam.

Allen Kriegszerstörungen trotzend bekrönt der massige, z. T. noch spätromanische Bau der Pforzheimer Schloßkirche bis heute die Stadt, deren alte Bausubstanz ebenso wie ihr planmäßiger staufischer Stadtgrundriß vollständig vernichtet sind. Immerhin weisen die Westteile der Schloßkirche sowie das romanische Tympanon der Altstädter Pfarrkirche noch auf die spätstaufische Epoche, in der sich die badische Herrschaft hier konsolidierte und als äußeres Herrschaftszeichen ihre Residenz schuf. Mit der seltenen hochgotischen Chorlösung mit übereck gestellten Nebenchören erreicht der höchst originelle Bau europäisches Niveau, wobei die Parallelen auf die Champagne (St-Yved-de-Braine), Trier (Liebfrauenkirche), Lothringen (Toul, St-Gengoult) oder den Niederrhein (Ahrweiler) weisen; nächstverwandt ist die Choranlage der Katharinenkirche in Oppenheim181).

Das bedeutendste Bauvorhaben der Spätgotik war der Neubau der Liebfrauenkirche in Baden-Baden, die durch den Markgrafen Jakob I. (reg. 1431–1453) zur Stiftskirche erhoben und reich dotiert worden ist182). Mit dem Chorneubau der 1459 ebenfalls zur Stiftskirche erhobenen Stadtkirche St. Martin in Ettlingen183) kam unter Karl I. (reg. 1453–1475) ein zweiter Großbau zur Ausführung. Gleichzeitig bewirkte die Erhebung der Pforzheimer Schloßkirche St. Michael zum Kollegiatstift auch hier, daß der Neubau eines größeren Chores notwendig wurde. Bei der Aufzählung dieser von den Markgrafen veranlaßten spätgotischen Großbauten darf nicht vergessen werden, daß mit dem Bau zugleich die gesamte Innenausstattung, bestehend aus Werken der Zierarchitektur und Tafelmalerei – wie Sakramentshaus, Lettner, Chorgestühl, Retabel und auch Vasa sacra – vermutlich neu zu schaffen war.

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Welch hohes künstlerisches Niveau diese Kirchenausstattungen gehabt haben mögen, läßt sich vergegenwärtigen durch einen Blick auf die in Kloster Lichtenthal noch erhaltenen oder rekonstruierbaren Retabelschöpfungen der Spätgotik184).

Die Dimensionen der Pforzheimer Schloßkirche sprengt der Anbau des 1470 angefügten Stiftschors. Der leitende Architekt läßt sich durch sein Meisterzeichen im Chorgewölbe als der markgräflich badische Werkmeister Hans Spryß von Zaberfeld (nachweisbar ca. 1470 bis ca. 1490) identifizieren185). Ihm dürften auch der erhaltene Lettner und die leider 1945 zerstörte spätgotische Steinkanzel zuzuschreiben sein. Der Chorbau folgt dem Typus des repräsentativen Hochchors mit Springrautengewölbe, im Aufriß eng verwandt mit den Chorbauten der Stifts- oder Klosterkirchen in Walburg/Elsaß (1453–1456), Baden-Baden (datiert 1454), Öhringen (begonnen 1454) und Ettlingen (um 1464). Die Erforschung der Vita und des Oeuvres von Hans Spryß ist noch keineswegs abgeschlossen; sie hat ergeben, daß sein Werk durchaus neben den Bauten des württembergischen Hofarchitekten Peter von Koblenz bestehen kann186). Mit diesem war er 1493/94 am Bau des Hirsauer Klausurbaues mit neuartigen Gewölbekonstruktionen im Kreuzgang maßgeblich beteiligt. Für das verschwundene Kloster Gottesau schuf er die Marienkapelle und Teile des Kreuzgangs. Vermutlich ist ihm auch der Chorbau der Herrenalber Klosterkirche zuzuschreiben.

Die im späten 15. Jahrhundert und noch bis 1535 bevorzugte markgräfliche Residenz Baden-Baden gewann – kunsthistorisch gesehen – besonderen Glanz durch ein Werk des größten Bildhauers seiner Zeit in ihren Mauern. Der damals noch in Straßburg wirkende, aber bald darauf an den kaiserlichen Hof in Wiener Neustadt berufene Bildhauer Nikolaus Gerhaerts von Leyden († 1473) schuf 1467 das monumentale Steinkruzifix für den Alten Friedhof in Baden-Baden187). Dieses Kruzifix hat die Konzeption aller nachfolgenden Kruzifixe nicht nur am Oberrhein nachhaltig beeinflußt, so auch Schöpfungen der Goldschmiedekunst, wie das Kreuz-Ostensorium der kath. Stadtpfarrkirche St. Stephan in Karlsruhe. Neuerdings gilt dieses als ein für 1473 belegbares Geschenk des Kaisers Friedrich III. an seine mit dem Markgrafen Karl I. verheiratete Schwester Katharina († 1493) für die Baden-Badener Stiftskirche188). Die große Breitenwirkung, die die Kunst des Nikolaus Gerhaerts und damit die Metropole Straßburg im gesamten Oberrheingebiet gehabt hat, ist noch immer nicht abzuschätzen und darf auch für Pforzheim angenommen werden. Dabei ist festzuhalten, daß auch das Pforzheimer Dominikanerinnenkloster ein kostbares Altarkreuz besessen hat. Das Kreuz wird beschrieben als „ … quandam argenteam crucem deauratam quae in die dedicationis et patronorum ejusdem monasterii monstrari solent et ad osculandum exhibent …“189). Diesem Kreuz kommt insofern besondere Bedeutung zu, als es das einzige sicher bezeugte Goldschmiedewerk aus spätgotischer Zeit in Pforzheim ist. Künftig müßte auch dieses Altarkreuz in die Diskussion um die Herkunft der erhaltenen Altarkreuze von Karlsruhe und Weil der Stadt einbezogen werden190).

Noch das 16. Jahrhundert hindurch blieb Straßburg das künstlerische Zentrum der Region. Der Straßburger Maler Hans Baldung Grien war immer wieder exklusiv für die markgräfliche Familie tätig, wie eine Serie von Porträts des Markgrafen zeigt. Mit der sog. Votivtafel der Familie Christophs I. [Druckseite XLIX] schuf dieser Maler für den Markgrafen eine Art politisches Testament191). Christoph bestellte zu derselben Zeit, also um 1512, ein weiteres Werk aus Straßburg: ein geschnitztes Retabel des Bildhauers Veit Wagner für die Baden-Badener Spitalkirche192). Im gleichen Jahr fertigte der Pforzheimer Schreiner Hans Kern das Chorgestühl der dortigen Stiftskirche, das sich in der Spitalkirche erhalten hat. Ein Glied derselben Familie mit Namen Jost Kern schuf 1496 den Altarschrein des Retabels auf dem Frauenchor des Hausklosters Lichtenthal193). Die Pforzheimer Maler Hans Keppner und Hans Könlin, ebenfalls auf einem ehemaligen Retabel von 1521 nachweisbar, sind anderweitig nicht bekannt194). Als einziges Zeugnis der Wandmalerei ist die um 1430/40 entstandene Ausmalung des Chores der Altstädter Pfarrkirche (nr.  54) zu nennen, die enge Verwandtschaft zur spätgotischen Ausmalung der Klosterkirche Maulbronn und der Dorfkirche in Niefern (Enzkreis) zeigt. Über diese wenigen Angaben hinaus liegt über der spätgotischen Kunstproduktion Pforzheims tiefes Dunkel, weil die Kriegszerstörungen nicht nur alle Kirchen mit ihrer Ausstattung, sondern auch alle schriftlichen Quellen über in Pforzheim ansässige Kunsthandwerker vernichtet haben.

Unter den Grabmälern aus vorreformatorischer Zeit sind die Grabplatten des Priesters Trutwin (Ansetzung 1324; nr. 15) und der 1377 verstorbenen Luitgard Pfalzgräfin von Asperg, Priorin des Dominikanerinnenklosters (nr. 24), als herausragende Denkmäler zu erwähnen, weil es sich hier um frühe figürliche Darstellungen von verstorbenen Personen handelt. Als einziges Beispiel eines spätgotischen Wanddenkmals mit den stehenden Figuren eines Ehepaars in Relief hat sich das um 1479 entstandene Denkmal des markgräflichen Haushofmeisters Erhart Thorlinger und seiner Frau erhalten (nr. 67). Daß auch in Pforzheim, genau wie in Baden-Baden, Grabplatten aus Bronze oder mit Metallauflagen vorhanden waren, beweist das nur noch archivalisch faßbare Messing-Epitaph für einen der Stiftsherren aus der Familie Goeslin von ca. 1471/1472 (nr. 64 Anm. 4).

In der Frührenaissance und damit in nachreformatorischer Zeit werden Pforzheimer Denkmäler greifbar, die ein besonders hohes künstlerisches Niveau erreichen. So gehört das Hochgrab des Markgrafen Ernst und seiner Gemahlin (nr. 129) zu den besten Leistungen der Grabmalkunst der Frührenaissance. Mit der Berufung des – vermutlich durch die österreichische Zwischenherrschaft aus Württemberg vertriebenen – Bildhauers Christoph von Urach195) an seinen Hof nach Pforzheim hat Markgraf Ernst sein progressives Kunstverständnis bewiesen, denn Christophs Arbeiten für Pforzheim (nrr. 126, 129, 130) leiten zur Rezeption der Renaissance am Oberrhein über. Am deutlichsten ist dies an dem 1537 im Auftrag des Markgrafen Ernst geschaffenen Grabdenkmal für seinen Bruder Philipp I. (reg. 1515–1533) zu beobachten196). Auch wenn dieses Wandnischen-Grabmal sich der baulichen Situation im spätgotischen Chor der Stiftskirche in Baden-Baden anzupassen hatte, sind die Dekoration und die Gestaltung der Inschrift ein Meisterstück der Frührenaissance auf der Stufe der dekorativen Graphik von Hans Holbein d. J. oder Albrecht Dürer. Der Markgraf war der neuen Kunstauffassung gegenüber aufgeschlossen, wie auch die Aufträge von 1533 an Friedrich Hagenauer von Straßburg, einen der führenden Medailleure der Renaissance, zeigen197). Über Ernsts Bautätigkeit an seiner Nebenresidenz Sulzburg wie auch am Pforzheimer Schloß ist keine Klarheit zu gewinnen. Nur zwei Wappentafeln, geschaffen von Christoph von Urach, weisen auf Bauten dieses Markgrafen hin (vgl. nrr. 126, 130). Ehe dieser damals schon betagte Bildhauer Pforzheim verließ, hat er 1537 den Pforzheimer Marktbrunnen (nr. 130) und im nahen Tiefenbronn das Grabmal für Dietrich (VIII.) von Gemmingen († 1542) geschaffen198).

Markgraf Ernst und sein ältester, zum Nachfolger bestimmter Sohn Bernhard d. J. starben 1553 im Abstand von wenigen Tagen. Da Christoph von Urach – offenbar in hohem Alter – 1543 nach Wertheim in den Dienst der dortigen gräflichen Familie abgewandert war199), stand er als Bildhauer für ein [Druckseite L] Grabmal Bernhards nicht mehr zur Verfügung. Auf der Suche nach einem fähigen Meister scheint der junge Markgraf Karl II. sich wiederum an das Haus Württemberg gewandt zu haben. Die Wahl fiel auf Josef Schmid von Urach als den Spezialisten für die Hochgräber des württembergischen Hauses in der Tübinger Grablege200). Jedoch zeigt die Anfertigung einer Grabplatte mit heraldischem Schmuck (nr. 148) für Bernhard, daß Karl II. die Konzeption seines Vaters Ernst hinsichtlich der Ausgestaltung des Chores mit Hochgräbern nicht fortzusetzen gedachte. Vielmehr muß um 1553 die Entscheidung für die künftige Konzeption der markgräflichen Grablege gefallen sein. Diese sah die Erdbestattung im Chorboden in Kombination mit einem repräsentativen an der Wand aufgerichteten Denkmal vor. Zur Ausführung eines solchen Grabdenkmals für Bernhard d. J. kam es möglicherweise nicht unmittelbar nach dem Tod des Fürsten, weil der Bildhauer Josef Schmid überraschend 1555 gestorben war. Die Ausführung des Wanddenkmals für Bernhard (nr. 149) wurde einem – vermutlich einheimischen – Anonymus übergeben, der nach der von ihm 1565 geschaffenen Wappentafel des Durlacher Schlosses den Notnamen „Meister der Karlsburg“ erhalten hat201). Diesem Bildhauer mit einer Neigung zu dekorativen, mit Masken, Fratzen und Fischleibern verzierten, eher willkürlich arrangierten Renaissance-Versatzstücken wurde auch das – in der Motivik eng verwandte – Grabdenkmal für Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (†  1557; nr. 157) zugeschrieben. Im Jahr 1565 hat vermutlich derselbe Bildhauer das – ausnahmsweise fest datierte – Grabdenkmal der achtjährigen Prinzessin Maria (nr. 171) geschaffen. Alle drei Denkmäler dürften hinsichtlich ihrer Entstehungszeit in das Jahrzehnt zwischen 1555 und 1565 fallen. Sie verarbeiten einerseits im steilen Aufriß der Zierarchitektur Einflüsse der in Simmern tätigen Werkstatt des Johann von Trarbach, sind aber andererseits weit entfernt von einem korrekten Verständnis der Renaissanceformen. In dem Epitaph der Maria sind erstmals in Pforzheim die Statuetten von Tugenden aufgenommen, plaziert in barocker Beweglichkeit vor den Rahmenpilastern, also offenbar in Kenntnis der Architektur des Heidelberger Ottheinrichsbaues oder seiner graphischen Vorlagen202).

Als Karl II. mit Albrecht d. J. († 1574) und Anna Maria († 1573) zwei weitere Kinder durch den Tod verloren hatte, hat sich der Markgraf auf der Suche nach einem fähigeren Bildhauer abermals an den württembergischen Hof gewandt. Der Tübinger Bildhauer Leonhard Baumhauer, bekannt als Spezialist für die Wappnerfiguren auf den Brunnen mehrerer Fürstenstädte des Landes203), erhielt den ehrenvollen Auftrag, erwies sich aber einer solchen Aufgabe nicht gewachsen. Da vergab Karl vermutlich den Auftrag für das Grabmal des Sohnes Albrecht (nr. 183) an den vielbeschäftigten „Modebildhauer“ Johann von Trarbach in Simmern204). Damit hielt nun die Kunst einer der führenden Bildhauer-Werkstätten der südwestdeutschen Spätrenaissance auch in Pforzheim Einzug, nachdem zuvor schon die benachbarten Adelshäuser diesen Bildhauer mit Aufträgen überhäuft hatten. Zwischen etwa 1560 bis zu seinem Tode 1586 hatte er für die Häuser Pfalz-Simmern und Pfalz-Zweibrücken, die Grafen von Hanau-Münzenberg, von Erbach und von Hohenlohe-Öhringen sowie für die Markgrafen von Baden in Baden-Baden monumentale Grabdenkmäler geschaffen, die für die folgende Generation maßgeblich blieben. Nachdem das Denkmal für Albrecht um 1576 offenbar zur Zufriedenheit ausgefallen war, hat Karl II. wohl noch selbst zu Lebzeiten – also vor 1577 – das Denkmal (nr. 192) für seine beiden Frauen und sich selbst bei Johann von Trarbach in Auftrag gegeben. Das groß dimensionierte Denkmal wurde im Chorhaupt am ehemaligen Standort des Hochaltars errichtet und ist wie ein spätgotischer Wandelaltar als Triptychon gestaltet. Die dominierende Position im Chorhaupt in der Mittelachse läßt den Herrschaftsanspruch des Fürsten ahnen, der ja als evangelischer [Druckseite LI] Landesherr zugleich Herr über die Kirche war. In einer von Ornament dicht überzogenen, dreiachsigen Zierarchitektur, die an einen Triumphbogen erinnert, steht die Figur des Fürsten, über seine Gemahlinnen erhöht, in der Mittelachse des Kirchenraums. Er ragt mit seinem Kopf in die Giebelzone hinauf, weil man seine massige Gestalt auf einen zusätzlichen Sockel gestellt hat, der ursprünglich wohl Träger weiterer Inschriften sein sollte. Karls Kleidung ist – wohl nur dem heutigen Empfinden nach – wenig repräsentativ. Von der standesgemäßen Rüstung sind nur der Brustpanzer mit Halsberge und eine Panzerung der Schultern geblieben. Statt des Dolches trägt der Fürst zwei nicht ohne weiteres deutbare Gegenstände am Gürtel. Es könnte sich um eine Pulverflasche oder eher um einen Behälter mit Schreibzeug und Tinte handeln205). Offensichtlich sollte mit dieser Kleidung die friedfertige Haltung Karls II. charakterisiert werden, da es ihm gelang, sein Land aus kriegerischen Händeln herauszuhalten. Der schwerfällige Mann wird flankiert von seinen beiden Ehefrauen, die in modischer Kleidung von steifer Eleganz heute wie gepanzert wirken, aber das weibliche Ideal der Zeit verkörperten.

Wie der ebenfalls dreiteilige Aufriß vermuten läßt, hat das Denkmal Karls II. das Monument seines Kanzlers Martin Achtsynit (vor 1592; nr. 205) beeinflußt. Jedoch sind anstelle der dort vollrunden Statuen hier lebensgroße Porträtfiguren in Hochrelief eingefügt. Sie sind als Hüftstücke, hinter einer Brüstung stehend, gestaltet und scheinen so – aus ihrer Herrschaftsloge herausblickend – dem Gottesdienst beizuwohnen. Bei dem Kanzler hat der Künstler den Harnisch auf einen Brustpanzer reduziert. Als Kanzlei-Attribut trägt Achtsynit ein Schreibzeug in zierlichem Täschchen am Gürtel. Das Denkmal wird dem Bildhauer Mathis Krauss zugeschrieben, der nachweislich 1590–1594 im badischen Dienst und für die bildhauerische Ausstattung des Lustschlosses Gottesau tätig war206).

Den künstlerischen Höhepunkt des markgräflichen Mausoleums bildet das Monument der „feindlichen Markgrafenbrüder“ Jakob und Ernst Friedrich (nr. 220). Das Doppeldenkmal ist zugleich der Endpunkt in der Serie monumentaler Epitaphien innerhalb der Markgrafen-Grablege, denn für alle nachfolgenden Glieder dieses Fürstenhauses wurde – dem Brauch des anbrechenden Barockzeitalters folgend – eine andere Art von Totengedächtnis gewählt. Das Denkmal ist zweifellos im Auftrag des dritten überlebenden Bruders und Erben, des Markgrafen Georg Friedrich, entstanden. Es ist ein Auftrag ausgerechnet desjenigen Fürsten gewesen, der wenige Jahre später mit der Begräbnistradition seines Hauses gebrochen hat, indem er die Erdbestattung aufgab und für sich und seine Angehörigen auf prunkvolle Grabmäler verzichtete. In ihm konnte hier der Schöpfer der Alten (Süd-)Gruft erschlossen werden, obgleich sein Metallsarg nicht mehr erhalten ist (vgl. nr. 243).

Für das Doppeldenkmal der Markgrafenbrüder stand der 1586 verstorbene Bildhauer Johann von Trarbach nicht mehr zur Verfügung. Nachdem dessen Werkstatt eine Art Monopolstellung für die Herstellung fürstlicher Grabdenkmäler errungen hatte, verbreitete eine jüngere Bildhauer-Generation den „Trarbach-Stil“ über Südwestdeutschland. Dessen Kennzeichen sind Virtuosität der Steinbearbeitung, genaue Kenntnis des antiken Architektur-Kanons und Freude an den Variationsmöglichkeiten des biegsamen Ohrmuschel-Ornaments. Das Denkmal der Brüder bildet einen Höhepunkt dieser Stilstufe der Spätrenaissance. Hier sind bereits frühbarocke Tendenzen im Dekor der Kartuschenrahmungen abzulesen, deren Blattformen dem Akanthus ähnlich sind. Außerdem ist die Rhetorik des Denkmals barock, in dem es die beiden Markgrafen als streitbare, in Aktion befindliche Helden stilisiert. Dieser Haltung steht der in Stuttgart und Tübingen tätige Georg Miler (nachweisbar 1602 bis 1631)207) nahe. Ein Werk derselben Stilstufe und desselben Ranges ist das Grabdenkmal für Georg Friedrich Graf von Hohenlohe († 1600) und Dorothea Gräfin Reuß von Plauen († 1631) in Öhringen, datiert 1604 und signiert von Melchior Schmidt von Heilbronn († 1634)208). Jedoch übertrifft die Feinheit des Ornaments und die Klarheit der niemals überladen wirkenden Komposition des Pforzheimer Denkmals die Arbeiten dieser beiden Meister. Hans Rott hat das Doppeldenkmal dem Bildhauer Sebastian Götz (nachweisbar 1604–1621)209) aus Chur zuschreiben wollen, der [Druckseite LII] 1604 bis 1607 den Figurenschmuck am Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses ausgeführt hat210). Götz – anschließend kurz in Aschaffenburg – kehrte 1610 nach dem Tod des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz nach Heidelberg zurück, um dort 1614–1617 das monumentale Grabdenkmal für diesen Fürsten aus mehrfarbigem Steinmaterial auszuführen211). Es wäre denkbar, daß Götz in der Zeit seiner Abwesenheit von Heidelberg, also zwischen 1607 und 1614, in Pforzheim engagiert war, um das Grabdenkmal der Markgrafenbrüder zu schaffen. Da Götz nach 1621 in Heidelberg nicht mehr erscheint, im markgräflich Baden-Durlachischen Archiv aber eine detaillierte Kostenrechnung des Heidelberger Grabmals für Friedrich IV. erhalten ist, weist diese Spur auf eine deutlich greifbare Verbindung des Sebastian Götz zur Durlacher Hofhaltung212). Trotzdem bleibt die Zuschreibung des Pforzheimer Denkmals an Götz Hypothese, weil dieser Bildhauer bisher nur als Schöpfer von relativ groß dimensionierten Bauskulpturen und Bauinschriften und nicht als Virtuose feingliedriger Zierarchitektur und Reliefkunst beurteilt werden kann.

Die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mehrerer Spezialisten ist für das Pforzheimer Doppeldenkmal noch nicht erwogen worden. Sehen wir von den freistehenden Figuren der beiden Markgrafen ab, so fällt auf, daß die Zierarchitektur des Denkmals einer in Pforzheim mehrfach nachweisbaren Werkstatt eines namentlich bisher unbekannten Bildhauers nahesteht. Es handelt sich um eine Werkstatt in der Nachfolge des Jeremias Schwartz von Leonberg, die mit dem Notnamen „Leonberg II“ umschrieben wurde213). Jeremias Schwartz selbst hat mehrere Grabdenkmäler für Angehörige badischer Hofbeamter in Durlach und Umgebung geliefert, so für den Oberamtmann zu Stein und Remchingen und Marschall Eitel von Wildung († 1603?)214), für den markgräflich badischen Forstmeister zu Pforzheim, Christoph Leutrum von Ertingen († 1608) und seine Familie215), für Anna Katharina († 1609), Frau des Johann Albrecht von Anweil († 1616), Obervogts zu Ettlingen und Hofmeisters der Söhne Georg Friedrichs216). Die Söhne des Jeremias Schwartz sind faßbar in Pforzheim in dem leider verstümmelten Grabdenkmal der Familie des Otto Beck († 1625), die unter dem Kruzifix kniend dargestellt ist (nr. 237), ferner in einer Grabplatte für den Forstmeister Heinrich Truchseß von Höfingen († 1631; nr. 240). Zieht man weitere Denkmäler dieser Werkstatt aus der nächsten Umgebung hinzu, so die noch unveröffentlichte Grabplatte des 1644 im Duell gefallenen Klaus Heinrich von Heltritt in Karlsruhe-Durlach217) oder Denkmäler der Göler von Ravensburg in Sulzfeld218), dann begegnet immer wieder dieselbe phantasievolle Handschrift in den gleichen Mikromotiven des Dekors, so der geflügelten Engelsköpfe, der mit Ohrmuschelwerk verschmolzenen Masken und der geflügelten Genien mit Fischleib. Damit ist der Umkreis des Denkmals der Markgrafenbrüder umrissen, doch muß bekannt werden, daß bis jetzt keine überzeugende kunsthistorische Zuordnung der vollrunden Markgrafenfiguren möglich ist.

Vergleicht man die Denkmäler der markgräflichen Grablege mit anderen Fürsten-Mausoleen, ist mit Verwunderung festzustellen, daß der religiöse Aspekt bei der badischen Serie ganz im Hintergrund steht. Obgleich die Markgrafen seit spätestens 1556 eindeutig die lutherische Position in ihrer Politik vertraten, wird in ihren Denkmälern auf die Heilsgeschichte und die Erlösungshoffnung ikonographisch kaum Bezug genommen. Keines der Denkmäler stellt die Verstorbenen als kniende Beter vor dem Kreuz heraus. Bibeltexte sind nicht in die Grabinschriften übernommen worden, bildliche Darstellungen biblischer Szenen fehlen oder sind von bescheidenster Ausführung. So zeigt [Druckseite LIII] das Denkmal für Albrecht  d.  J. (nr. 183) lediglich ein kleinformatiges Medaillon mit Moses und den Gesetzestafeln; man vermißt das theologische Gegenstück einer Darstellung Jesu als Überwinder des Gesetzes. Das Denkmal des Markgrafen Karl II. (nr. 192) als das zentrale Denkmal des Mausoleums verzichtet auf jede sakrale Anspielung und auch auf ein Herausstellen der „Pietas“ des Fürsten. Dies verwundert, denn gerade die Werkstatt des Johann von Trarbach verzichtete selten auf kleinfigurige, virtuos gearbeitete Reliefs aus Alabaster, weil sich an diesen die Kunstfertigkeit des Bildhauers ablesen ließ. Die einzige überzeugende Ausnahme macht in Pforzheim das Grabdenkmal der Markgrafenbrüder (nr. 220) mit einem vielfigurigen Relief der Auferstehung Christi im Giebelfeld.

Eine weitere Besonderheit der Pforzheimer Denkmalserie ist das dramatisch gesteigerte Pathos, mit dem die vollrunden Figuren agieren. Das Grabdenkmal Karls II. zeigt den Landesherrn unbewegt und hoch aufgerichtet in feierlicher Ruhe. Im Gegensatz dazu erscheinen alle übrigen männlichen Glieder der Familie auf ihren Denkmälern in lebhafter, ja fast aggressiver Aktion. Das Denkmal des Albrecht Alcibiades von Brandenburg (nr. 157) nahm 1557 als erstes ein neuartiges ikonographisches Motiv auf, das in der Folgezeit typisch für die Pforzheimer Grablege wurde. Der in seinem Küriß puppenhaft steif wirkende Krieger präsentiert das blanke Schwert – ein Motiv, das für die Person dieses umstrittenen Kriegsmannes passend erscheinen mag, zumal das Formular der Grabinschrift ihn als den deutsch, streitbar und mannlich Held bezeichnet219). Es handelt sich nicht um einen Degen, sondern um ein Schwert mit ausgeprägtem Schwertgriff. Die späteren Denkmäler für Karls Sohn Albrecht  d.  J. (nr. 183) und für die beiden Markgrafenbrüder (nr. 220) nehmen das martialische Motiv des blanken, kämpferisch erhobenen Schwertes auf. Nur Bernhard  d.  J. († 1553; nr. 149) hielt nach der Beschreibung von F. J. Herr von 1830 ursprünglich einen Kommandostab oder Streitkolben in der Rechten, wie man ihn normalerweise auf vielen Adelsdenkmälern findet. Ältere Photos zeigen jedoch auch ihn mit einem blanken Schwert in der Rechten, so daß zunächst der Verdacht nahelag, dies sei eine Zutat des späteren 19. Jahrhunderts. Dieser Verdacht wird durch die genaue Beschreibung von Herr – datiert 1830, also vor den durchgreifenden Restaurierungen des Historismus – widerlegt, denn nach Herr gehörte der Kommandostab nur hier zum ursprünglichen Zustand und wird von ihm ausdrücklich in der Beschreibung hervorgehoben. Nach Herr als Kronzeuge war das aufgerichtete Schwert den vier genannten Markgrafen also schon vor den – von diesem selbst veranlaßten und um 1832 einsetzenden – Restaurierungen als Attribut beigegeben. Herkunft und Bedeutung dieses Motivs bleiben unklar. Einige der Bronze-Epitaphien der kursächsischen Grablege im Chor des Mariendoms zu Freiberg in Sachsen halten ebenfalls das blanke Schwert in Händen, so z. B. Kurfürst Christian I., geschaffen 1590–1593220). Doch hier handelt es sich eindeutig um das im Zeremoniell präsentierte Kurschwert, das schon den älteren sächsischen Denkmälern von Friedrich dem Streitbaren in Meissen (um 1445) und von Friedrich dem Weisen in Wittenberg (1527) als Herrschaftszeichen beigegeben war. Auch bei der Gestalt des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz an der Hoffassade des Friedrichsbaues des Heidelberger Schlosses wird es sich um das Kurschwert handeln. Immerhin war diese monumentale Bauskulptur 1607 von Sebastian Götz geschaffen und könnte also durchaus für das Denkmal der Markgrafenbrüder neben der Pforzheimer Tradition als Vorbild gewirkt haben. Hier in Pforzheim könnte sich das Motiv auf die Deutung der Markgrafen als „milites christiani“ beziehen, womit sie als streitbare Kämpfer und Verteidiger des evangelischen Glaubens charakterisiert werden sollten221). Markgraf Karl II., Auftraggeber der Denkmäler für seinen kriegerischen Schwager und für seinen Sohn, hat das Motiv auf seinem eigenen Denkmal nicht übernommen, obgleich gerade dieser Markgraf als Reformator des Landes die Bezeichnung „miles christianus“ in besonderer Weise verdient hätte. Jedenfalls ist es das Grabmal der Markgrafenbrüder, das sich durch die Verdopplung der „Helden“-Darstellung und die temperamentvolle Ausfallstellung der Glaubensstreiter als das künstlerisch überzeugendste Meisterwerk unter den Pforzheimer Grabdenkmälern erweist. Das Motiv des aufgerichteten Schwertes ist hier zu einer stolzen Drohgebärde gesteigert, die wohl damals – an der Schwelle zum wenig später ausbrechenden Dreißigjährigen Krieg – nicht nur symbolisch gemeint war.

  1. Da innerhalb der deutschen Inschriftenforschung inzwischen Einigkeit über die Terminologie erzielt wurde und die Definition dieser Denkmäler im einzelnen mindestens seit der Einleitung zu DI 38 (Bergstraße) Einl. XXIIIf. mehrfach in den nachfolgenden Bänden wiederholt wurde, kann hier auf eine erneute Erläuterung der einzelnen Grabmaltypen verzichtet werden. »
  2. Vgl. Neumüllers-Klauser, Frühe deutschsprachige Inschriften 1992, 181 Anm. 12 (mit anderer Lesung und Datierung). »
  3. Vgl. die grundlegende Untersuchung von Christine Wulf, Versuch einer Typologie der deutschsprachigen Inschriften. In: Epigraphik 1988, 127–137. »
  4. Vgl. Seeliger-Zeiss, Alpirsbach Bd. 1, 2001, 546 nr. 13 mit Abb. 552. »
  5. Vgl. hierzu und zum folgenden Scholz, Totengedenken 1999. »
  6. Kurt Andermann hat die Bedeutung Baden-Badens als Residenz mehrfach herausgestellt; vgl. Andermann, Kurt, in: Der Stadtkreis Baden-Baden. Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg. Sigmaringen 1995, 104–138; ders., Baden-Badens Weg zur Residenz. In: ZGO 144 (1996) 259–269. »
  7. Zur kunsthistorischen Stellung der Chorlösung vgl. Schütz, Bernhard, Die Katharinenkirche in Oppenheim (Beiträge zur Kunstgeschichte 17). Berlin, New York 1982, 117–127 u. ö. »
  8. KdmBadenXI/1 (Stadt Baden-Baden), 70–142; bes. 77f.; Rößling, Wilfried, in: Der Stadtkreis Baden-Baden 1995 (wie Anm. 180), 138f., 517f. »
  9. Die Kunstdenkmäler Badens IX: Kreis Karlsruhe. 3. Abt. Amtsbezirk Ettlingen. Bearb. v. Emil Lacroix, Peter Hirschfeld u. Wilhelm Paeseler. Karlsruhe i. B. 1936, 25ff. »
  10. Vgl. Krimm, Die Markgrafen von Baden und ihr Hauskloster im 15. und 16. Jahrhundert. In: Katalog Lichtenthal 1995, 71–83. »
  11. Ein Versuch einer kunsthistorischen Würdigung dieses markgräflich badischen Werkmeisters bei Seeliger-Zeiss, Spätgotik Hirsau 1991, 303–314. »
  12. Im Jahr 1475 wurde dem Werkmeister Spryß ein Haus am Pforzheimer Marktplatz gefreit; es lag zwischen dem Haus des Schultheißen Balthasar Wels (vgl. dessen Grabplatte: nr. 65) und dem Haus Strutz; vgl. KdmBadenIX/6, 22, 377. Zu Peter von Koblenz vgl. Laier-Beifuß, Katharina, Spätgotik in Württemberg. Die Kirchenbauten des Peter Steinmetz von Koblenz. Petersberg 2001, passim. »
  13. Heute im Chor der Baden-Badener Stiftskirche. Vgl. Ohnmacht, Mechtild, Das Kruzifix des Nicolaus Gerhaerts von Leyden in Baden-Baden (Europäische Hochschulschriften R. 28 Bd. 2). Frankfurt a. M. 1973; Spätgotik am Oberrhein. Meisterwerke der Plastik und des Kunsthandwerks 1450–1530. Ausstellung … im Karlsruher Schloß 4. Juli–5. Okt. 1970. Karlsruhe 1970, 90–104, hier 95 Kat.-nr. 23; Nachträge zur Ausstellung, in: Jahrbuch d. Staatl. Kunstsammlungen in Baden-Württemberg 9 (1972) 89–202, hier 95, 99. Angemerkt sei, daß es erst der epigraphischen Forschung von Renate Kohn gelungen ist, das Todesdatum des Nikolaus Gerhaerts für den 28. Juni 1473 zu präzisieren; vgl. DI 48 (Niederösterreich 2: Wiener Neustadt) nr. 111. »
  14. Zu diesem Kreuz-Ostensorium und seinen Inschriften vgl. DI 20 (Karlsruhe) nr. 60; ferner zur neuesten Forschungslage DI 47 (Böblingen) nr. 123. »
  15. Vgl. Remling, Franz Xaver, Urkundenbuch zur Geschichte der Stadt Speyer II. Mainz 1853, Neudruck Aalen 1970, 297 nr. 160. »
  16. Auch hier fehlt in der Überlieferung jeder Hinweis auf die Gestaltung und auf Inschriften. Zu der Problematik der beiden erhaltenen Kreuze, die reich mit Inschriften geschmückt sind, vgl. zuletzt DI 20 (Karlsruhe) nr. 60; DI 47 (Böblingen) nr. 123. »
  17. Seit 1833 in Karlsruhe, Kunsthalle, Inv. Nr. 88. Ehemals in Durlach, vermutlich in der Karlsburg, von da 1688 nach Basel in das Markgräfliche Palais geflüchtet und 1789 nach Karlsruhe zurückgekehrt; 1832 durch F. J. Herr in Lichtenthal in der Fürstenkapelle aufgestellt. Krimm, Konrad, Markgraf Christoph I. und die badische Teilung. Zur Deutung der Karlsruher Votivtafel von Hans Baldung Grien. In: ZGO 138 (1990) 199–215. »
  18. KdmBadenXI/1 (Stadt Baden-Baden), 206f. »
  19. Vgl. Krimm, Die Markgrafen von Baden und ihr Hauskloster 1995 (wie Anm. 184), 78. »
  20. Hier nicht aufgenommen; vgl. unten Kap. 7. »
  21. Rott, Baden-Durlacher Hof 1917, 10–16; Wolf, Jürgen, Christoph von Urach. Diss. phil. Freiburg i. Br. 1971 (masch.); Saur, Allg. Künstler-Lexikon 19 (1998) 63f. (Vf. H. Schweizer) mit Zusammenfassung der älteren Literatur. »
  22. KdmBadenXI/1 (Stadt Baden-Baden), 127–130 mit Abb. »
  23. Katalog Renaissance 1986, Bd. 2, K20, K25. »
  24. Vgl. DI 22 (Enzkreis) nr. 199 mit Abb. 72. »
  25. Christoph von Urach schuf dort als letzte Zeugnisse 1543 zwei monumentale Inschrift-Epitaphien, vgl. DI 1 (Bad. Main- u. Taubergrund) nrr. 215, 214. »
  26. Zu diesem Fleischhauer, Renaissance 1971, 126–128. »
  27. Rott, Baden-Durlacher Hof 1917, 33f.; DI 20 (Karlsruhe) nr. 231 mit Abb. und Zusammenfassung der älteren Literatur. »
  28. Dessen Innenausbau wurde nicht vor 1562–1566 fertiggestellt. Dort erscheint dieses Motiv zuerst an Türgewänden im Innern des Erdgeschosses. Um 1590 ist dieses Motiv von dem Heilbronner Bildhauer Jacob Müller mehrfach für Epitaphien aufgegriffen worden. »
  29. Auch für Durlach hatte Baumhauer schon 1567 einen Brunnen-Wappner geschaffen; er war also am badischen Hof bereits bekannt; vgl. Rott, Durlacher Hof 1917, 35. Zu Baumhauer, einem in seinen geringen Fähigkeiten lange Zeit überschätzten Bildhauer vgl. zuletzt: Seeliger-Zeiss, in: Ein seliges End 1998, 115, 118, 121. »
  30. Eine Monographie des Meisters fehlt. Wichtigste Literatur immer noch Rott, Baden-Durlacher Hof 1917, 37–42; Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 1: ehemaliger Kreis Simmern (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz 6/1). Bearb. v. Magnus Backes, Hans Caspary, Norbert Müller-Dietrich. Bd. II. Berlin, München 1977, 964 (mit Literaturangaben), 976–989. Hans von Trarbach hatte schon früher Beziehungen zum Haus Baden, denn Mkgf. Philibert von Baden-Baden, Vetter Karls II. von Baden-Durlach, hatte 1568 den Bildhauer mit einem Epitaph für seine 1565 verstorbene Gemahlin Mechthild von Bayern beauftragt. Philiberts Tod 1569 führte zu einem Doppel-Epitaph des Ehepaars in der Stiftskirche zu Baden-Baden, das für 500 fl. 1571/73 ausgeführt wurde; vgl. KdmBadenXI/1 (Stadt Baden-Baden), 132–134. »
  31. Die Deutung als Geldtasche, die Karl II. die volkstümliche Bezeichnung „mit der leeren Tasche“ eintrug, trifft sicher nicht zu. »
  32. Zu diesem vgl. Fleischhauer, Renaissance 1971, 143f. »
  33. Würdigung und erste Skizze eines Werkverzeichnisses bei Fleischhauer, Renaissance 1971, 349–354. »
  34. Erste Würdigung mit Versuch eines Werkverzeichnisses bei Kaiser, W., Markt Sonthofen. Ein Allgäuer Heimatbuch 1429–1929. Sonthofen 1929, 19–33; Baum, Julius, in: Thieme-Becker 30 (1936) 163. »
  35. Für die persönlichen und künstlerischen Beziehungen zwischen Georg Friedrich als Auftraggeber und dem künstlerischen Milieu des Heidelberger Hofes ist bedeutsam, daß der leitende Architekt des Heidelberger Friedrichsbaues, Hans Schoch aus Königsbach bei Pforzheim, zuvor für die Markgrafen von Baden-Durlach tätig war. Denn er war zwischen 1583 und 1585 im Auftrag von Karl II. von Baden-Durlach maßgeblich am Neubau des Lustschlosses Gottesaue beteiligt. »
  36. Rott, Baden-Durlacher Hof 1917, 67f.; vgl. DI 12 (Heidelberg) nrr. 566, 567, 607, 565 mit weiterführenden Literaturangaben; zuletzt Gensichen, Sigrid, Das Heidelberger Schloß. In: Heidelberg, Geschichte und Gestalt. Hg. v. Elmar Mittler. Heidelberg 1996, 130–161, hier 145–148. »
  37. Die Kosten beliefen sich auf die horrende Summe von 3350 fl. Zum Vergleich dazu seien Preisangaben für gleichrangige Monumente genannt: das Epitaph für Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken und seine Frau in Meisenheim, geschaffen 1575 von Johann von Trarbach, kostete 510 fl.; vgl. DI 34 (Bad Kreuznach) nr. 340. Das Hochgrab für den Grafen Philipp Ernst von Hohenlohe und seine Gemahlin in Langenburg (Lkr. Schwäbisch Hall), geschaffen 1629 von Michael Kern zu Forchtenberg, kostete 800 fl.; Die Kunst- u. Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg, Jagstkreis I. Bearb. v. Eugen Gradmann. Esslingen 1907, 284. »
  38. Karlsruhe, GLA 65/369 (Handschriften), Ausgaben über das Epitaphium Friedrichs IV. von der Pfalz, † 1610 in Heidelberg. »
  39. Zu dieser Werkstatt zuletzt: Seeliger-Zeiss, in: Ein seliges End 1998, 108f., 142–147, 155f. »
  40. Standort Wössingen (Gde. Walzbachtal, Lkr. Karlsruhe); vgl. DI 20 (Karlsruhe) nr. 339 mit Abb. 118. »
  41. Standort: Niefern (Gde. Niefern-Öschelbronn, Enzkreis); vgl. DI 22 (Enzkreis) nrr. 329, 332, 318»
  42. Standort: Karlsruhe-Durlach; vgl. DI 20 (Karlsruhe) nr. 348. Diese Beispiele sind stellvertretend für weitere Denkmäler der Schwartz-Werkstatt für niederadlige Familien im Umkreis des badischen Hofes, die hier nicht aufgezählt werden. »
  43. Abbildung im Photo-Archiv der Heidelberger Inschriftenkommission. »
  44. Vgl. DI 20 (Karlsruhe) nrr. 399, 398 mit Abb. 138. »
  45. Das Schwert wirkt so realistisch, weil es nicht aus Sandstein, sondern aus grau gefaßtem Blech gearbeitet ist. »
  46. Zu dem Freiberger Mausoleum vgl. Dombrowski, Damian, Die Grablege der sächsischen Kurfürsten zu Freiberg – Ideelle Dimensionen eines internationalen Monuments. In: Zs. f. Kunstgeschichte 64 (2001) 234–272; hier Abb. 14. »
  47. Vgl. die Untersuchung von Andreas Wang, Der „Miles Christianus“ im 16. und 17. Jahrhundert und seine mittelalterliche Tradition (Mikrokosmos. Beiträge zur Literaturwissenschaft und Bedeutungsforschung 1). Frankfurt a. M. 1975. »