Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

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DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 310 Neustadt (Breuberg), Römerberg 8 1. H. 17. Jh.?

Beschreibung

Widmungsinschrift auf einem reliefierten Wappenstein, der sich in Zweitverwendung in der Umfassungsmauer des Anwesens am Eingang befindet. Im eingetieften Feld sind oben zwei Wappen und darunter die vierzeilige Inschrift (A) angebracht. Auf dem Rahmen sind über den Wappen jeweils drei Initialen vorhanden (B, C). Sowohl die Wappen als auch die Inschrift sind heute bis zur Unkenntlichkeit verwittert.

Nach Photo von 1979.1)

Maße: H. 60, B. 49, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 63, Nr. 310 - Neustadt (Breuberg), Römerberg 8 - 1. H. 17. Jh.?

 Traugott Hartmann, Breuberg-Neustadt [1/1]

  1. A

    LIBERTATI MV=/NICIPALI [.]a) LARI / DO(M)EST(ICAM) SED(EM)b) F(ELICITER) / SOLVIT

  2. B

    IWPc)

  3. C

    ERVd)

Übersetzung:

Der städtischen Freiheit und dem Schutzgott hat er das eigene Haus glücklich gewidmet.

Wappen:
unbekannt2)unbekannt3).

Kommentar

Aufgrund der Verwitterungsschäden ist die Schrift nur schwer zu beurteilen. Auffällig sind das M mit seinem bis fast zur Grundlinie reichenden Mittelteil und das R, dessen Cauda unterhalb des Bogens direkt am Schaft ansetzt. Diese Form des R läßt sich sowohl in der ersten als auch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nachweisen.4)

Da das Flurstück am Breuberghang hinter dem Haus Römerberg 8 heute noch die Bezeichnung „Kützschersgärten“ trägt, geht Hartmann davon aus, daß der königlich dänische Rittmeister a. D. und kurfürstlich mainzische Rat Joachim Friedrich von Kitscher das fragliche Haus besessen und die Inschrift angebracht habe.5) Tatsächlich ist Kitscher, der mit Eva Maria Gremp von Freudenstein verheiratet war, für 1674 als Besitzer eines Bürgerhauses in Neustadt nachweisbar.6) Allerdings passen die Wappen nicht zu dieser Identifizierung. Im Reich läßt sich keine Familie Kitscher nachweisen, die einen Stern im Wappen führte, und das Wappen der Frau zeigt eindeutig nicht den wachsenden auffliegenden Schwan der Familie Gremp von Freudenstein. Die Zuweisung des Wappensteins an Joachim Friedrich von Kitscher läßt sich damit kaum aufrechterhalten und die Frage nach seinem Stifter bleibt offen.

Textkritischer Apparat

  1. An dieser Stelle stand möglicherweise eine ET-Kürzung.
  2. DOMESTICO SEDATUS Hartmann.
  3. Hartmann 130 löst die Initialen zu „Johann Wilhelm Pilger“ auf, der 1810 das Haus erwarb. Demnach wären die Initialen erst zu dieser Zeit angebracht worden.
  4. Die Initialen lassen sich nicht auflösen.

Anmerkungen

  1. Für die freundliche Überlassung des Photos danke ich Herrn Traugott Hartmann, Breuberg-Neustadt.
  2. Auf der heraldisch linken Seite des Wappens ist noch ein Stern zu erkennen, der Rest ist verwittert.
  3. Unten ist noch ein Berg zu erkennen, auf dem sich möglicherweise eine Pflanze erhebt.
  4. Vgl. für die 1. Hälfte des 17. Jh. etwa DI 29 (Worms) Nr. 642 mit Abb. 146 und Nr. 643 mit Abb. 149, beide von 1616.
  5. Hartmann 125 und 130 f.
  6. Hartmann 125 nach dem Sandbacher Kirchenbuch.

Nachweise

  1. Hartmann, Zwei Steine 124 mit Abb.
  2. Teubner/Bonin, Kulturdenkmäler 207, Abb.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 310 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0031000.