Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 251 Erbach, Schloß, aus Michelstadt, Evangelische Stadtkirche (?) 1612

Beschreibung

Epitaph der Margretha Gans, geborene von Schmidburg. Das ädikulaförmige Denkmal aus rotem Sandstein steht heute im Ostflügel des Schlosses, links am Treppenaufgang. Die Herkunft aus der Michelstädter Stadtkirche ist nicht sicher. In der Nische befindet sich oben unter Gebälk, das einen Halbkreis bildet, ein Vollwappen. Darunter ist die Grabinschrift (A) angebracht. Die rahmenden Pilaster schmücken jeweils zwei Wappenschilde. Der Sockel trägt das Bibelzitat (B). Als Worttrenner dienen Quadrangel.

Maße: H. 192, B. 93, Bu. 4,4 (A), 2,5 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 63, Nr. 251 - Erbach, Schloß, aus Michelstadt, Evangelische Stadtkirche (?) - 1612

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/4]

  1. A

    VF · ANNV(N)CIATIONISa) · MARIAE · / ANNO · 1 · 6 · 12 · IST · DVIb) · EDEL · / VND · TVGEND · SAME · FRAW / MARGRETHA · GENSIN · GE · =/ BORNE · VON · SCHMIDT · BE/RG · WITWE · GEWESENE · HOF · =/MEISTRIN · BEI · DEM · GREFLICH / HOF · ZV · ERPACH · IM · HERN · SEL=/IG · ENT · SCHLAFEN · VND · VOLG/ENDS · TAGES · CHRISTLIGEM · GE/BRAVCH · NACH · ZVR · ERDEN · BE/STAT · WORDEN · DEREN · GOT · MI/T · ALEN · AVSSERWEHLTEN · / EIN · FROELICHE · VFFER · STEH/VNG · VER · LEICHENb) · WOLLE

  2. B

    SI(RACH) 2c) 40 / ES IST EIN ELLENDT IEMERLICH / DING VMB ALLER MENSCHEN / LEBBEN · SO WOL BEI DEM DER SEI/DEN VND KRON TREGT ALS BEI / DEM DER EIN GROBEN KITTEL / AN HAT1)

Datum: 25. März 1612.

Wappen:
Schmidburg2)
unbekannt3) Horneck von Weinheim (?)4)
unbekannt5)unbekannt6).

Kommentar

Die schlanken Kapitalisbuchstaben sind etwas unregelmäßig gebildet. Auffällig sind die mehrfach innerhalb der Worte gesetzten Worttrenner.

In den Stammtafeln der naheländischen Familie von Schmidburg läßt sich in der fraglichen Zeit nur eine Margarethe nachweisen. Sie wird 1567 erwähnt und war mit Bertram von Hersbach verheiratet. Ihre Eltern waren Christoph von Schmidburg und Magdalene Horneck von Weinheim.7) Wenn diese Margarethe mit der in der Inschrift genannten MARGRETHA identisch sein sollte, müßte sie eine zweite Ehe mit einem Mitglied der Familie Gans eingegangen sein. Für eine Gleichsetzung der beiden Personen spricht das oben auf der heraldisch linken Seite angebrachte Wappen mit der Schrotleiter, das die Horneck von Weinheim führten. Die übrigen Wappen lassen sich allerdings nicht in die Genealogie einordnen, da die Mutter Christophs von Schmidburg eine geborene Steinkallenfels war und die Mutter Magdalenes Horneck von Weinheim eine geborene von Sierk.8) Die Identifizierung der Margretha bleibt also ein ungelöstes Problem. Das gleiche gilt für ihre Ehe, da das Wappen ihres Mannes auf dem Denkmal nicht vorhanden ist. Naheliegend wäre eine Verbindung mit den Gans von Otzberg, doch läßt sich eine entsprechende Ehe in deren Stammtafel nicht nachweisen.9)

Das Grabdenkmal stammt vermutlich aus der Stadtkirche in Michelstadt, da dort auch andere erbachische Amtsträger ihre letzte Ruhe fanden.10) Zudem wurden auch die Platten für Philipp I. und für Lukardis von Erbach aus der Stadtkirche zu Michelstadt in das Erbacher Schloß verbracht.11)

Textkritischer Apparat

  1. Ein Kürzungszeichen für das N fehlt.
  2. Sic!
  3. Der Sinn der Ziffer ist unklar. Vielleicht ist auch Z für Z(VM) statt AM gemeint.

Anmerkungen

  1. Sir 40,1 und 4.
  2. Eine rautenförmige, auf einer Spitze stehende, mit Edelsteinen besetzte Schnalle mit rechtsgewendetem Dorn. Helmzier: ein Baum.
  3. Zwei gekreuzte Lilienstäbe; dieses Wappen führten die Familien Engassen, Remchingen und Vennigen.
  4. Eine Schrotleiter.
  5. Ein Löwe.
  6. Fünf Kugeln 2:1:2; dieses Wappen führten die Familien Flehingen und Sickingen.
  7. Humbracht, Stammtafeln 257; Zwiebelberg, Beiträge 3 f.
  8. Ebd.
  9. Möller, Genealogische Beiträge, Taf. Gans von Otzberg.
  10. Vgl. Nrr. 252, 284, 297.
  11. Vgl. Nrr. 37, 47.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 251 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0025104.