Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 216† Michelstadt, Evangelische Stadtkirche 1591

Beschreibung

Grabplatte der Gräfin Dorothea von Erbach, geborene Reuss von Plauen. Die Platte aus rotem Sandstein steht heute im nördlichen Seitenschiff. Im oberen Teil des eingetieften Feldes ist eine Rollwerkkartusche mit zwei Vollwappen angebracht, über denen ein geflügelter Puttenkopf schwebt. Darunter befindet sich eine Roll- und Beschlagwerktafel mit der 16zeiligen Grabinschrift, die im 19. Jahrhundert erneuert wurde. Am unteren Rand des Feldes ist ein Totenschädel mit einem Knochen dargestellt, und in den Ecken ist je ein Wappen vorhanden.

Nach Kopie.

Maße: H. 205, B. 93,5, Bu. 2,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 63, Nr. 216 - Michelstadt, Evangelische Stadtkirche - 1591

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/6]

  1. DIE WOHLGEBORNE FRAV DOROTHEA / GRAEFIN ZV ERBACH GEBORNE / REVSZIN VON PLAVEN GERA VND / KRANICHFELD DES WOHLGEBORNEN / HERN HERN GEORGEN GRAVEN ZV / ERBACH VND HERN ZV BREVBERG / GEMAHLIN STARB IM IAR 1591. DEN / 26 OCTOB(RIS) ZWISCHE(N) 8 VND 9 VHR / VOR MITAG, IRES ALTERS IM 25 IAR / HAT MIT WOLERMELTE(M) IREM HERN / GEZEVGET EIN HERN VND ZWEŸ / FREWLIN, DIE AVCH IN GOT SELIG / ENTSCHLAFFEN / DEREN SEHLE(N) / GOT GNEDIG / SEY.

Wappen:
ErbachReuss von Plauen
ErbachReuss von Plauen
Wild- und Rheingrafen zu DhaunOettingen.

Kommentar

Die Inschrift wurde in den Jahren 1861/1862 erneuert.1) Die Buchstaben im ersten Teil bis DEN 26 OCTOBRIS zeigen Linksschrägen- und Bogenverstärkungen. Auffällig sind in der gesamten Inschrift das gleichbogige B und die modernen Ziffern, unter denen die runde 2 mit geschwungenem Balken besonders charakteristisch ist. Fast identische Ziffern zeigt das Epitaph für die 1859 verstorbene Emilie Luise Sophie von Erbach-Fürstenau, geborene Prinzessin zu Hohenlohe-Neuenstein-Ingelfingen im Chor der Kirche zu Michelstadt. Auch die dort verwendete Kapitalis ist im Duktus ähnlich. Der zweite Teil der Inschrift nach OCTOBRIS wurde bei der Restaurierung offenbar von einer anderen Hand ausgeführt, da sich der Duktus der Schrift gegenüber dem ersten Teil verändert. Die Linksschrägenverstärkungen fehlen jetzt, und die Bogenverstärkungen sind nicht mehr regelmäßig durchgeführt worden. Die Merkmale der Buchstaben des ersten Teils finden sich auch auf den Platten für Anna Amalia (Nr. 172), Anna (Nr. 206), Ludwig I. (Nr. 299) und Georg Albrecht von Erbach (Nr. 300).

Dorothea wurde am 28. Oktober 1566 als einzige Tochter Heinrichs XV. Reuss zu Plauen und der Marie Salome von Oettingen geboren.2) Am ersten November 1587 heiratete sie Graf Georg III. von Erbach,3) mit dem sie drei Kinder hatte, die jedoch alle im Säuglingsalter verstarben.4)

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu ausführlich Nr. 167.
  2. Europ. Stammtafeln NF I. 3, Taf. 355.
  3. Simon, Geschichte 403; Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 3; zu Georg III. vgl. Nr. 250.
  4. Vgl. zu ihnen ebd. und Nrr. 209, 213, 214.

Nachweise

  1. Schneider, Historie Urk. Nr. CXCII. 3, 438.
  2. Luck, Historische Genealogie 34, Nr. 140 (i).
  3. Buxbaum, Stadtkirche 36, Nr. 26.
  4. Nikitsch, Michelstadt 136, Abb. Taf. 9.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 216† (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0021607.