Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 210 Rothenberg, Evangelische Kirche 1589

Beschreibung

Epitaph des Pfarrers Georg Geier. Die Tafel aus rotem Sandstein war zunächst in der Kirche und dann außerhalb der Kirche angebracht1) und befindet sich heute innen im Chor. Ihr ursprünglicher Anbringungsort ist unbekannt. Auf der Tafel sind ohne Absetzung voneinander zuerst die Grabinschrift (A), dann das Bibelzitat (B) und die in Griechisch ausgeführte Spruchinschrift (C) angebracht. In den letzten fünf Zeilen sind die Buchstaben etwa 0,5 cm kleiner als zuvor. Als Worttrenner dienen in (A) Quadrangel und in (B) und (C) Dreiecke. Auf dem oberen Rand der Tafel ist ein Steinmetzzeichen (Nr. 19) vorhanden.

Maße: H. 82,5, B. 78,5, Bu. 3,2–3,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 63, Nr. 210 - Rothenberg, Evangelische Kirche - 1589

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Sebastian Scholz) [1/2]

  1. A

    ANNO · DOMINI · M · D · XXCIX · / DEN · XIIX · IVNII · IST · IM · FRIDEN · / SEINES · HERRN · CHRISTI · DEN · ER · / ERKANT · GELEHRT · VND · BE=/KANT · SANFT · ENTSCHLAF=/FEN · DER · EHRWIRDIG · VND · / WOLGELEHRT · GEORG · GEIER · / PFARRHERR · ALLHIE · ZV · RO=/TENBERG · DEM · GOT · GENAD ·

  2. B

    D(OMI)N(V)S · PARS · HAEREDITATIS · MEAE · / ET · CALICIS · MEI · TV · ES · QVI · RESTI=/TVES · HAEREDITATEM · MEAM · / MIHI · PSAL(M) · XVI2) ·

  3. C

    ΘΑΝEΙ̃Ν · ΜÉ/ΜΝΗΣΟ · ΘΝΗΤÓΣ · ΩΝ · Ω · ΒΡΟΤÉ(ΙΟΣ)a) ·

Übersetzung:

(B) Herr, du bist der Anteil meines Erbes und meines Kelches, der du mein Erbe für mich wiederherstellen wirst.

(C) Sei eingedenk des Todes, oh Sterblicher, eben weil du sterblich bist.

Datum: 18. Juni 1589.

Versmaß: Iambischer Trimeter (C).

Kommentar

Spruchinschriften, die an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern, erscheinen im Odenwald und in den angrenzenden Regionen erst ab dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts auf Grabdenkmälern.3) Häufig kommt dabei der Ausdruck „Memento mori“ vor, dessen Ursprung unbekannt ist und der sich erst ab dem 13. Jahrhundert belegen läßt.4) Häufig wird auch auf die Legende von den drei Lebenden und den drei Toten angespielt, in der drei vornehme junge Männer von drei Skeletten an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert werden.5) Die hier vorliegende Übertragung des „Memento mori“ ins Griechische ist ungewöhnlich und dürfte vor allem dazu gedient haben, die klassische Bildung Georg Geiers hervorzuheben.

Georg Geier war von 1584 bis zu seinem Tod 1589 Pfarrer in Rothenberg.6)

Textkritischer Apparat

  1. Möglich wäre auch der Vokativ BPOTÉ(IE).

Anmerkungen

  1. Schaefer, Kdm. 230.
  2. Ps 16,5.
  3. DI 8 ((Lkr. Mosbach, Buchen, Miltenberg) Nrr. 286, 287, 289; DI 38 (Lkr. Bergstraße) Nrr. 170, 193, 201, 202, 228; DI 49 (Darmstadt, Lkr. Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau) Nrr. 228, 271, 303, 344, 362.
  4. G. Bernt, Memento mori, in: LMA 6 (1993) 505 f.
  5. E. Heyse, Drei Lebende und drei Tote, in: LMA 3 (1986) 1390 f.
  6. Hassia sacra III 361.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 210 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0021003.