Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 193 Darmstadt, Landesmuseum, aus Fränkisch-Crumbach, Evangelische Kirche 1580

Beschreibung

Epitaph für Hans V. von Rodenstein. Das Denkmal aus rotem Sandstein befand sich ursprünglich in der Kirche von Fränkisch-Crumbach und wurde 1899 für das heutige Hessische Landesmuseum in Darmstadt erworben,1) wo es sich zur Zeit in Einzelteile zerlegt im Magazin befindet (Inventar-Nr. Pl. 36:9). Das nicht mehr vollständig erhaltene Epitaph war vermutlich in Form einer Ädikula aufgebaut, doch ging das Obergeschoß ebenso wie die Hintergrundplatte der Nische verloren. In der Nische kniet die stark beschädigte Figur des Verstorbenen in Rüstung ohne Helm auf einem Löwen. Der Blick des nach oben gerichteten Kopfes ist auf ein heute nicht mehr vorhandenes Kreuz gerichtet.2) Die flankierenden Pilaster tragen jeweils vier Wappenschilde mit Beischriften (W). Das Gebälk trägt ein Bibelzitat (A), und im Sockel ist die Grabinschrift (B) angebracht. Als Worttrenner dienen kleine Quadrangel.

Maße: H. 219, B. 147, Bu. 2,9 (W), 3,4 (A/B) cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 63, Nr.193 - Darmstadt, Landesmuseum, aus Fränkisch-Crumbach, Evangelische Kirche - 1580

 Hessisches Landesmuseum Darmstadt [1/1]

  1. A

    Ich Bin die Auffersthevng vnd Das leben · Iohannis · Am · XI ·3)

  2. B

    An(n)o · 15 · 80 · Den 15 Iunÿ · Ist in Gott / Verschiden der Edell vnd Ernvest Hans / zv Rodenstein der Elter Dessen Seeln / der Almechtig Gott zv Seinen gnaden / nemen vnd pflegena) / · Amen ·

  3. W
    Rod[en]stein · Beÿern · 
    Rodenstein · · Bockle · 
    · Erpach4) · Iude · v(om) · Stein · 
    · Hirshornn · · Hirsperg · 
Wappen:
RodensteinBayer von Boppard
RodensteinBöcklin vom Eutingertal
ErbachJude vom Stein
HirschhornHirschberg.

Kommentar

Die Fraktur der Inschriften zeigt bei den Kleinbuchstaben f und langes s, die mit Unterlängen und Schwellschäften gebildet sind. Bei den Bögen von h und o sind die Brechungen aufgelöst und mit Schwellzügen versehen. Der Schaft des g ist als Schwellschaft gestaltet. Insgesamt weisen die Gemeinen aber noch deutliche Anklänge an die Formen der gotischen Minuskel auf, was sich in der Beibehaltung der Schaftbrechungen sowie im weitgehenden Verzicht auf Schwellschäfte und Schwellzüge bemerkbar macht.

Hans war ein Sohn Hans‘ IV. von Rodenstein (Nr. 121) und der Anna Bayer von Boppard (Nr. 123).5) Er blieb unverheiratet und hielt sich zumeist auf der Burg Rodenstein in der Nähe von Fränkisch-Crumbach auf.6)

Textkritischer Apparat

  1. Das zu erwartende wolle wurde weggelassen.

Anmerkungen

  1. Beeh 128.
  2. Herchenröder 104.
  3. Joh 11,25.
  4. Die Wappen Erbach und Hirschhorn sind in ihrer Reihenfolge vertauscht, vgl. Humbracht, Stammtafeln 66.
  5. Humbracht, Stammtafeln 66.
  6. Hotz 243 f.

Nachweise

  1. Herchenröder, Kdm. 105.
  2. Beeh, Grabsteine 127 f., Nr. 8 mit Abb.
  3. Hotz, Rodensteiner 244 mit Abb. 7.
  4. Mittenhuber, Grabdenkmäler der Rodensteiner 5 f. mit Abb. 2.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 193 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0019303.