Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 98 Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika 1512

Beschreibung

Grabplatte der Äbtissin Elisabeth Lochinger von Archshofen. Die Platte aus rotem Sandstein befindet sich heute an der Nordwand des Langhauses. Im eingetieften Feld steht in flachem Relief die Figur der Verstorbenen in zeitüblicher Tracht, die Hände mit dem Rosenkranz vor der Brust gefaltet. Mit dem linken Arm preßt sie das Gebetbuch an den Körper. In den Ecken des Feldes sind vier Wappenschilde angebracht. Die Inschrift läuft zwischen Linien auf dem Rand um. Als Worttrenner dienen Quadrangel, von denen das letzte paragraphzeichenförmig ausgezogene Zierstriche besitzt.

Maße: H. 162, B. 67, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 63, Nr. 98 - Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika - 1512

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. An(n)o d(omi)ni · 1512a) · 14 · / die augusti Obiit r(e)ligiosa at(que) venera(n)dab) Elizabeth loching/erin de arxhofenc) Ce/nobii h(uius) abbatissa c(uius) a(n)i(m)a req(ui)escat in pace amend) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1512, am 14. Tag des August starb die gottesfürchtige und ehrwürdige Elisabeth Lochinger von Archshofen, Äbtissin dieses Klosters, deren Seele in Frieden ruhen möge, Amen.

Wappen:
Lochinger1) unbekannt2)
unbekannt3) unbekannt4).

Kommentar

Während das A aus der gotischen Majuskel abgeleitet ist, handelt es sich bei den übrigen Versalien um typische Versalien der gotischen Minuskel, die aus den Buchschriften und Schreibmeisterbüchern übernommen wurden.

Die Eltern Elisabeth Lochingers lassen sich nicht ermitteln. In der Stammtafel bei Biedermann wird Elisabeth nicht erwähnt, und es wird auch keine Eheverbindung eines Lochinger von Archshofen genannt, die zu den auf der Grabplatte dargestellten Wappen paßt.5) Als Äbtissin des Klosters Steinbach ist Elisabeth ab 1504 nachweisbar. In diesem Jahr wandte sie sich an den Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg und bat ihn um seinen Schutz für das Kloster, da Landgraf Wilhelm von Hessen im Zuge der Auseinandersetzungen im Bayerischen Erbfolgekrieg in das Territiorium der Schenken von Erbach eingefallen war.6) Im Jahr 1509 ließ sie im Kloster Baumaßnahmen durchführen.7)

Textkritischer Apparat

  1. 1212 Gabelkover.
  2. verecunda Schneider.
  3. lochingerin de arxhofen fehlt bei Gabelkover.
  4. Die Fürbitte fehlt bei Gabelkover.

Anmerkungen

  1. Ein bärtiger Männerrumpf mit dreifachem Kropf und gestulptem Hut.
  2. Ein Balken.
  3. Ein Pferderumpf; das Wappen weist auf die Familien Hund von Wenkheim und Zobel von Giebelstadt hin.
  4. Eine Hirschstange.
  5. Biedermann, Geschlechtsreg. Ottenwald Taf. CCCLXXXVI f.
  6. Draudt, Kloster Michelstadt 406; Knöpp, Entstehung 30; zum Bayerischen Erbfolgekrieg vgl. Schaab, Kurpfalz I 213 – 216.
  7. Vgl. dazu Nr. 96 und Ludwig, Baugeschichtliche Zusammenfassung 82.

Nachweise

  1. Gabelkover, Kollektaneen 450.
  2. Schneider, Historie 554, Nr. 34.
  3. Beeh-Lustenberger, Grabdenkmäler 273, Nr. I,5 mit Abb. Taf. 122.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 98 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0009806.