Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 84† Michelstadt, Evangelische Stadtkirche 1501

Beschreibung

Grabplatte der Cordula Schenkin von Erbach, geborene von Fraunberg zum Haag. Die heute verlorene, aber durch eine Abbildung bei Schneider überlieferte Platte lag im Boden vor dem herrschaftlichen Gestühl neben der Platte der Lukardis, der Mutter von Cordulas Mann Georg I. Schenk von Erbach. Im Feld ist die Verstorbene in zeitüblicher Tracht mit vor der Brust gefalteten Händen dargestellt, die einen Rosenkranz halten. Auf dem Saum des Gewandes sitzt unten links ein kleiner Hund. In den oberen Ecken des Feldes sind zwei Wappen angebracht. Die Inschrift läuft auf dem Rand um.

Nach Schneider, Taf. IIII,79.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 63, Nr. 84 - Michelstadt, Evangelische Kirche - 1501

 Schneider, Historie. [1/1]

  1. An(n)o 1501 vf sontag nach / sant mertila) starb die edel und wolgebornb) fraw Codulac) / von frauenberch gebor(n) zum / hag d[e]szd) edlne) schenck iorg selge(n) hern von erpach hausfraw

Übersetzung:

14. November 1501.

Wappen:
Fraunberg zum Haag1)Erbach.

Kommentar

Die Platte ordnet Theodor Meisinger mit den Platten der Lukardis (Nr. 47) und der Magdalena von Erbach (Nr. 61), der Jutta von Erlenbach (Nr. 65) sowie mehreren anderen Grabdenkmälern dem Meister von St. Jakob in Adelsheim zu.2) Die Platte der Lukardis gehört jedoch nicht in diesen Zusammenhang, sondern weist Parallelen zum Cyrologusepitaph (Nr. 54) auf. Da die Platten der Lukardis und der Cordula durch den auf dem Gewandsaum sitzenden Hund ein übereinstimmendes Motiv zeigen, das über reine Typenähnlichkeit hinausgeht, könnten beide zusammen mit dem Cyrologusepitaph von einer Werkstatt geschaffen worden sein.

Neben der Werkstattzuweisung bereitet auch die Überlieferung der Inschrift Probleme, da die von Schneider im beschreibenden Teil seiner „Historie“ gebotene Lesung nicht mit dem Text auf dem Stich übereinstimmt. Da die Wiedergabe des Buchstabenbestandes auf den Stichen aber genauer ist als im Textteil der „Historie“, wurde für die Texterstellung die Abbildung zugrunde gelegt. Trotzdem läßt sich eine Fehllesung auch hier nicht ausschließen, so daß der Todestag fraglich bleibt. Bei dem in der Wiedergabe des Stichs genannten sant mertil dürfte es sich um den heiligen Martin handeln, dessen Fest am 11. November begangen wird. Das von Schneider im beschreibenden Teil der „Historie“ festgehaltene Datum Annunciationis (Marie) fällt hingegen auf den 25. März, so daß sich dann als Todestag der 28. März ergäbe.

Cordula war die Tochter Johanns von Fraunberg zum Haag und der Anna Marschallin von Pappenheim. Sie heiratete 1472 Georg I. Schenk von Erbach. Nach Georgs Tod 1481 nahm Cordula in zweiter Ehe Hans von Habern zum Mann.3)

Textkritischer Apparat

  1. Sonntag nach Annunciationis Schneider 143, Nr. 79; Luck.
  2. Fehlt bei Schneider 143, Nr. 79; Luck.
  3. Cordula Schneider 143, Nr. 79; Luck.
  4. Die Abbildung hat nur dsz, doch war das e vermutlich an das d ligiert.
  5. Frauenberg Johann zum Hag Tochter Schneider 143, Nr. 79; Luck.

Anmerkungen

  1. Springendes (hier ungezäumtes) Roß.
  2. Meisinger, Meister 42; vgl. dazu auch bei Nr. 47.
  3. Möller, Stammtafeln NF I, Taf. XV; Europ. Stammtafeln NF XVI, Taf. 59; zu Georg vgl. Nr. 52.

Nachweise

  1. Schneider, Historie, Taf. IIII,79 und 143, Nr. 79.
  2. Luck, Historische Genealogie 19, Nr. 103 (d).
  3. Meisinger, Meister Abb. Taf. VIII 1.
  4. Steiger, Schenken 93, Nr. 47.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 84† (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0008401.