Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 80 Reichelsheim, Evangelische Kirche 15. Jh.

Beschreibung

Evangelistennamen, Heiligennamen und Meistername auf einer Glocke. Die Bronzeglocke hängt schwer zugänglich im Glockenturm. Die Inschrift läuft zwischen einfachen Stegen auf der Schulter um. Auf der Flanke befindet sich unter dem durch ein Kreuz markierten Textbeginn die Darstellung des Gekreuzigten. Alle Buchstaben, das Kreuz sowie das Kruzifix befinden sich auf einzelnen Plättchen. Die Worttrenner sind in Form eines kleinen Minuskel-o gestaltet.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 63, Nr. 80 - Reichelsheim, Evangelische Kirche - 15.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/10]

  1. + lvcas · marcvs · mateusa) · iohanes · gasbarb) · melchior · baltisar · peter · wisenligc)

Kommentar

Die Buchstaben der im Vierlinienschema ausgeführten Minuskel stehen oft nicht auf einer Linie, wodurch teilweise der Eindruck einer Zweilinienschrift entsteht. Auffälligstes Merkmal der Schriftausführung ist, daß innerhalb der Worte stets ein rundes, aus zwei gegeneinandergesetzten c gebildetes s verwendet wurde, während ein Schaft-s fehlt. Im übrigen weist die Minuskel jedoch keine besonderen Formen auf, die eine genauere Einordnung innerhalb des 15. Jahrhunderts zulassen.1) Bei Peter Wisenlig dürfte es sich um einen bisher nicht identifizierten Glockengießer handeln, auch wenn der sonst in den Glockeninschriften übliche Hinweis auf die Gießertätigkeit fehlt. Nennungen von Auftraggebern oder Stiftern sind jedoch im 15. Jahrhundert weder auf den Glocken des Odenwaldkreises noch auf denen der angrenzenden Regionen nachweisbar.

Textkritischer Apparat

  1. mattheus Schaefer; Schwinn und Kalberlah geben die Inschrift im wesentlichen ohne Berücksichtigung des Buchstabenbestandes wieder.
  2. capsar Schaefer.
  3. Die letzten beiden Worte fehlen bei Schaefer, Schwinn und Kalberlah.

Anmerkungen

  1. Die Angabe von Kalberlah, die Glocke sei 1450 gegossen worden, konnte nicht verifiziert werden.

Nachweise

  1. Schaefer, Kdm. 219.
  2. Schwinn, Kirche zu Reichelsheim 19.
  3. Kalberlah, Evangelische Michaelsgemeinde 581.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 80 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0008005.