Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 70† Burg Breuberg 1499?

Beschreibung

Jahreszahl und Name als Bauinschrift auf einer Wappentafel aus rotem Sandstein, die über dem Eingang zur Burg eingemauert ist. Zwischen zwei flankierenden Pilastern befindet sich ein relefiertes Vollwappen, über dessen Helmzier die Jahreszahl (A) auf einer kleinen Tafel angebracht ist. Die Namensinschrift (B) steht in erhabenen Buchstaben ebenfalls auf einer eigenen Tafel unterhalb des Wappens. Als Worttrenner dienen Quadrangel.

Nach moderner Fassung.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 63, Nr. 70 - Burg Breuberg - 1499?

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/2]

  1. A

    1 · 4 · 99

  2. B

    Michel · Grave · / zv · Werthem Et(cetera)

Wappen:
Wertheim.

Kommentar

Die heute vorhandene Tafel stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern ist vermutlich ein Produkt des 19. Jahrhunderts. Bereits Schaefer hat in seinem Kunstdenkmalinventar von 1891 eine Entstehung der Wappentafel 1499 aufgrund der typischen Renaissancerahmung und der Form des Wappens bezweifelt und eine Fertigung im 16. Jahrhundert angenommen.1) Aber auch für das 16. Jahrhundert bleibt die breite Form des Wappens und die manierierte Ausführung von Helm, Helmdecke und Helmzier ungewöhnlich. Zudem sind rings um die Tafel Fugen zu sehen, die auf eine spätere Einfügung des Steins schließen lassen.

Einige Buchstabenformen der Inschrift sind ebenfalls auffällig. So weisen M, G, E und z Schwellzüge und damit Fraktureinflüsse auf, die 1499 noch undenkbar sind. Zudem ist die Gestaltung des M auch für ein Frakturversal ungewöhnlich. Das W, dessen Brechungen zum Teil schon zu Rundungen aufgelöst sind, paßt hingegen in die Zeit um 1499. Der Text enthält abgesehen von dem für die Zeit um 1499 ungewöhnlichen Etcetera keine auffälligen Formulierungen.2) Rahmung, Wappenform und Schriftgestaltung sowie die Mauerfugen passen also nicht zum Jahr 1499. Die Verwendung uneinheitlicher, in sich nicht stimmiger Schriftformen spricht dagegen für eine Herstellung im 19. Jahrhundert. Fraglich bleibt, wann die Tafel angebracht wurde3) und wie die vermutlich vorhandene Vorlage aussah, wieweit ihre Form übernommen beziehungsweise verfremdet wurde. Von einer Kopie im eigentlichen Sinne des Wortes wird man jedenfalls nicht reden können.

Graf Michael II. von Wertheim (Nr. 122) setzte den von seinem Vater Wilhelm I. begonnenen Ausbau der Burg mit großem Aufwand fort, was durch mehrere Inschriften und Jahreszahlen dokumentiert wird. Zu nennen sind vor allem die Erweiterung der Burg nach Westen, die dort errichtete Wehrmauer mit zwei Türmen sowie ein weiterer Turmbau im Osten vor der Burg.4)

Anmerkungen

  1. Schaefer 21; ihm folgt Naeher 25; dagegen ging Bronner 29 von einer Entstehung der Tafel 1499 aus.
  2. Vgl. Nr. 50: Wilhelmi Grave in wertheinn; Nr. 85: michel graff zv werthem.
  3. Denkbar wäre etwa eine Anbringung der Tafel 1812, als die heute zum Tor führende steinerne Brücke errichtet wurde, oder um die Mitte des 19. Jh., als man die Burg vor dem weiteren Verfall zu schützen begann, vgl. dazu Röder, Burg Breuberg 26 und 30.
  4. Röder, Burg Breuberg 24 f.; vgl. Nr. 86.

Nachweise

  1. Schaefer, Kdm. 21.
  2. Naeher, Baudenkmäler Taf. 4.
  3. Bronner, Odenwaldburgen I 32.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 70† (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0007007.