Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 69 Michelstadt, Evangelische Stadtkirche 1490 – 1499

Beschreibung

Grabplatte des Hans Rauschensteig. Die Platte aus rotem Sandstein steht heute außen an der Nordwand des Langhauses. In der Mitte des Feldes ist ein reliefiertes Wappen angebracht. Die Inschrift, deren Worttrenner als Quadrangel mit paragraphzeichenförmig ausgezogenen Zierstrichen gestaltet sind, läuft auf dem Rand zwischen Linien um. Die rechte Leiste ist in der oberen Hälfte teilweise weggebrochen, wodurch Buchstabenverlust eingetreten ist.

Maße: H. 197, B. 100, Bu. 7,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 63, Nr. 69 - Michelstadt, Evangelsiche Stadtkirche - 1490-1499

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. Anno · d(omi)ni · Mo · cccco · xc[..] / xii · die · me(n)s(is) · app(ri)lis · Ob(iit) · honest(us) · hans · rausch(e)nste/ig · cellerarius · in / reich(e)nberck · C(uius) · a(n)i(m)a · req(ui)e(scat) · in · s(an)cta · pace · amen

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 149., am 12. Tag des Monats April starb der ehrenhafte Hans Rauschensteig, Keller in Reichenberg, dessen Seele in heiligem Frieden ruhen möge, Amen.

Wappen:
Rauschensteig1).

Kommentar

Sowohl die von der gotischen Majuskel abgeleiteten Versalien A und M als auch die Minuskeln entsprechen jenen auf den Grabdenkmälern für Otto, Philipp I. und Georg I., sowie Johannes von Erbach und für Jutta von Erlenbach, die alle aus derselben Werkstatt stammen.2) Aufgrund dieser Übereinstimmungen kann man davon ausgehen, daß die Platte für Hans Rauschensteig von derselben Werkstatt wie die genannten Denkmäler gefertigt wurde.

Aufgrund der Beschädigung läßt sich das Todesjahr Rauschensteigs nicht mehr sicher feststellen. Hinter xc sind noch zwei Schäfte möglich, so daß als Todesjahr auch xci, xcii, xcv oder xcix in Frage kommt. Hans Rauschensteig war Keller auf der Burg Reichenberg, die sich ab 1307 im gemeinschaftlichen Besitz der Linien Erbach-Fürstenau und Erbach-Michelstadt nachweisen läßt, ihnen aber vermutlich schon im frühen 13. Jahrhundert gehörte.3)

Anmerkungen

  1. Geteilt, oben ein fünfstrahliger Stern, unten ein Sparren.
  2. Vgl. dazu ausführlich bei Nr. 43 mit weiteren Verweisen.
  3. Simon, Geschichte 121 f. und Urk. Nr. XI; Kleberger, Territiorialgeschichte 62; vgl. auch Müller, Ortsnamenbuch 577.

Nachweise

  1. Grabdenkmäler 357 b.
  2. Nikitsch, Michelstadt 107, Nr. 5 mit 128 Abb. Taf. 1.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 69 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0006907.