Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 65 Michelstadt, Evangelische Stadtkirche 1492

Beschreibung

Grabplatte der Jutta von Erlenbach, geborene Starkerad von Breuberg. Die Platte aus rotem Sandstein steht heute außen an der Wand des nördlichen Seitenschiffs. Die Verstorbene, die im eingetieften Feld in zeitüblicher Tracht dargestellt ist, hält in den vor der Brust gefalteten Händen einen Rosenkranz. In den vier Ecken des Feldes ist je ein Wappenschild angebracht. Die auf dem Rand umlaufende Inschrift weist auf der oberen und auf der linken Leiste erhebliche Abwitterungsschäden auf, und die linke untere Ecke ist rechtwinklig ausgebrochen. Als Worttrenner wurden Quadrangel verwendet.

Maße: H. 207, B. 97, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 63, Nr. 65 - Michelstadt, Evangelische Stadtkirche - 1492

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. An(n)o · d(omi)ni · M · cccc · xcii · vf / · vnse(r) · liben · fraue · tag · lichtwei · ist · gestorb(e)n · die · e(r)be(r) · frau · Iutt / · starckatin · von · bruberg · / fricz · von · erle(n)b[a]chs · selge(n) · ehusfrau · gewese(n) der · sele · got · genod

Datum: 2. Februar 1492.

Wappen:
Erlenbach1) Starkerad von Breuberg2)
unbekannt3) Bermbach4).

Kommentar

Die Platte wird von Meisinger aus stilistischen Gründen derselben Werkstatt zugeschrieben, aus der unter anderem auch die Grabplatten für Otto (Nr. 43), Johann IV. (Nr. 55) und dessen Frau Magdalena von Erbach (Nr. 61) stammen.5) Auch paläographische Beobachtungen sprechen für diese Zuweisung. Die Formen des versalen A und M auf den Platten Ottos und Johanns entsprechen jenen auf der Grabplatte der Jutta bis ins Detail.6) Zudem weisen die mit ausgeprägten Ober- und Unterlängen ausgeführten Minuskeln deutliche Übereinstimmungen zum Vergeichsmaterial auf. Auffällig und bei den früheren Platten nicht belegbar ist die Bildungsweise des u, bei dem der linke Schaft oben nicht nach links gebrochen, sondern rechtsschräg abgeschrägt ist.

Jutta war eine Tochter des Heinrich Starkerad von Breuberg und der Gertrud von Bermbach.7) Ihr Mann, Fritz von Erlenbach, wird in Humbrachts Stammtafeln zwar nicht genannt,8) doch ist er durch Lehnsreverse aus den Jahren 1407, 1408, 1420, 1439 und 1445 urkundlich belegt.9) In dem Revers von 1439 beurkundet er, als Vormund des Sohnes von Heinrich Starkerad die Risthube als Mann- und Burglehen von Schenk Konrad von Erbach empfangen zu haben. Vermutlich war Fritz zu diesem Zeitpunkt bereits mit Jutta Starkerad verheiratet.

Anmerkungen

  1. Linksgewendet eine Gans.
  2. Ein Schrägbalken, belegt mit drei Ringen.
  3. Das linksgewendete Wappenbild ist nicht mehr eindeutig zu erkennen. Möglicherweise ist ein schreitendes Lamm dargestellt.
  4. Eine Rose, darüber ein Tunierkragen mit fünf Lätzen.
  5. Meisinger, Meister 40 f. und 42.
  6. Vgl. dazu ausführlich bei Nr. 43; vom A ist auf der Platte Juttas zwar nur noch der untere Teil zu sehen, doch gerade er macht aufgrund seiner charakteristischen Bildung die Übereinstimmung mit dem Vergleichsmaterial deutlich.
  7. Fleck, Ergänzungen 79.
  8. Humbracht, Stammtafeln 239.
  9. Simon, Geschichte Urk. Nrr. 42, 44, 47, 53; vgl. Müller, Ortsnamenbuch 726; die Urkunde von 1439 ist nur bei Wagner, Beiträge 62 genannt; vgl. auch Fleck, Ergänzungen 78.

Nachweise

  1. Meisinger, Meister Abb. Taf. VIII 4.
  2. Nikitsch, Michelstadt 107, Nr. 4 mit 129 Abb. Taf. 2.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 65 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0006504.