Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 27 Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika 1396

Beschreibung

Epitaph der Margareta Schenkin von Erbach. Das Denkmal aus gelbgrauem Sandstein befand sich ehemals im Kloster Steinbach an der Wand und wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts unter Graf Franz I. von Erbach in das Schloß Erbach gebracht, wo es in der Einhardskapelle aufgestellt ist.1) Im Feld ist in Halbrelief die auf einem Hund stehende Figur der Verstorbenen dargestellt, die über einem Kleid einen Mantel sowie einen Kruseler trägt. In den vor der Brust gefalteten Händen hält sie einen Rosenkranz. In den oberen Ecken ist links und rechts je ein reliefierter Wappenschild angebracht. Gesicht, Mantel und Wappen zeigen noch Spuren der originalen Bemalung. Die Inschrift beginnt unten auf der linken Leiste und läuft zwischen Linien bis zum unteren Ende der rechten Leiste. Als Worttrenner dienen Quadrangel. An den unteren Enden sind die Leisten jeweils aufgerollt, so daß sich die Inschrift auf einem aufgelegten Schriftband zu befinden scheint.

Maße: H. 200, B. 86, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 63, Nr. 27 - Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika - 1396

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/4]

  1. ·2) anno · d(omi)ni · mo · ccclxxxxvio · sabato · an(te) · festu(m) · b(ea)ti / bartholomee · / ap(osto)lia) · o(biit) · margreta · pinc(er)ne · de · erpach · d(omi)na · i(n) · bicki(n)bach

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1396, am Samstag vor dem Fest des heiligen Apostels Bartholomäus (19. August) starb Margareta Schenkin von Erbach, Frau zu Bickenbach.

Wappen:
Erbach/Henneberg/Bruck/Rodenstein3)Erbach-Bickenbach4).

Kommentar

Die unregelmäßig gehauene Minuskel weist keine Unterlängen auf. Die Oberlängen sind bei d, f, l und s bis zur Begrenzungslinie ausgezogen, während sie bei b, h und k deutlich kürzer sind und nicht über den oberen Bogenabschnitt des a hinausreichen. Dadurch entsteht ein uneinheitlicher Schrifteindruck. Auffällig ist das x, dessen in der Mitte mit einem Balken durchstrichener Schaft unten gespalten ist und in zwei ausladende, rund hochgebogene Zierlinien ausläuft. Oben ist der Schaft nach links gebrochen und rechts trägt er eine quadrangelförmige Fahne mit unten angehängtem Zierhaken.

Einzelne Schriftmerkmale, die Rosette am Beginn der Inschrift, die Darstellungsform der Figur und die Anordnung der Wappen machen einen Werkstattzusammenhang mit dem Epitaph der 1383 verstorbenen Elisabeth Schenkin von Erbach sichtbar, die im Kloster Himmelspforten in Würzburg bestattet wurde.5) Das Denkmal für Elisabeth stammt von einer Werkstatt, die Frauengrabmäler in Lohr am Main (Main-Spessart-Kreis), im Kloster Himmelspforten und in Laudenbach (Main-Tauber-Kreis) schuf.6) Die Kontakte der Erbacher zu der Werkstatt dürften über das Denkmal für Elisabeth 1383 zustande gekommen sein.

Margareta entstammte der Ehe Konrads IV. Schenk von Erbach mit Anna, einer Tochter Johanns von Bruck und der Anna von Henneberg. Konrad IV. wiederum war ein Sohn Eberhards VI. Schenk von Erbach genannt Rauch und der Uda von Rodenstein.7) Aus dieser Abfolge erklärt sich das heraldisch rechte Wappen, das die vier Großeltern Margaretas angibt. Sie heiratete in erster Ehe Konrad V. Schenk von Erbach aus der Erbacher Linie, der 1381 starb, und in zweiter Ehe Konrad VI. von Bickenbach.8) Aus dieser Konstellation ergibt sich das heraldisch linke Wappen, das in ungewöhnlicher Weise die beiden Ehemänner anzeigt.

Textkritischer Apparat

  1. Das Wort fehlt bei Gabelkover.

Anmerkungen

  1. Schneider 55; Schaefer 58.
  2. Vor anno ist eine Rosette angebracht.
  3. Quadrierter Schild mit den Ahnenwappen Margaretas, vgl. den Kommentar.
  4. Quadriert: 1/4. Erbach, 2/3. Bickenbach.
  5. DI 27 (Würzburg) Nr. 109 mit Abb. 59; für Elisabeth blieb auch die Grabplatte erhalten, vgl. DI 27 (Würzburg) Nr. 108 mit Abb. 48.
  6. Vgl. dazu ausführlich DI 54 (Lkr. Mergentheim) Nr. 29 mit Abb. 23; vgl. zu den Denkmälern im Kloster Himmelspforten auch DI 27 (Würzburg) Nr. 135 mit Abb. 60 und Nr. 170 mit Abb. 61.
  7. Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 1; Möller, Stammtafeln NF II 74 und Taf. XLVI; zu den Eltern vgl. Nr. 23 und Nr. 26.
  8. Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 1 und Taf. 2; zu Konrad V. Schenk von Erbach vgl. auch Nr. 19.

Nachweise

  1. Gabelkover, Kollektaneen 447.
  2. Schneider, Historie 55, Nr. 32 mit Abb. Taf. II,32. 2.
  3. Luck, Historische Genealogie 12, Nr. 41 (k).
  4. Schaefer, Kdm. 59 mit Abb. 33.
  5. Schaum-Benedum, Grabsteine 162.
  6. Berninger, Zeugen 18 f. mit Abb.
  7. Beeh-Lustenberger, Grabdenkmäler 277, Nr. II,11 mit Abb. Taf. 123.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 27 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0002700.