Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 19 Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika 1357

Beschreibung

Grabplatte der Kunigunde Schenkin von Erbach, geborene von Bruck. Die Platte aus rotem Sandstein befand sich ursprünglich im Kloster Steinbach1) und wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts unter Graf Franz I. von Erbach in das Schloß Erbach gebracht, wo sie in der Einhardskapelle aufgestellt ist. Im Feld steht unter einer Kielbogenarkade die in flachem Relief ausgeführte Figur der Verstorbenen auf einem Hund. Sie trägt einen Kruseler sowie über dem Kleid einen Mantel mit Pelzkragen, der auf der Brust durch eine runde Schließe zusammengehalten wird. Die gefalteten Hände liegen vor der Brust. Über dem Kielbogen sind zwei Wappenschilde angebracht. Die Inschrift beginnt oben auf der rechten Leiste und endet oben auf der linken Leiste. Als Worttrenner dienen Kreise.

Maße: H. 263, B. 99, Bu. 8,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 63, Nr. 19 - Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika - 1357

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/4]

  1. + ANNO · D(OMI)NI · Mo · CCCo · LVII · YD(VS)a) · SEPTE(M)B(RIS)b) · O(BIIT) · D(OMI)NA · KVONEGVNNISc) · / DE · / BKVCKEd) · LEGITTIMA · C(ONRADI)e) · PI(N)CERNE · DE · ERPPACHf) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1357, an den Iden des September (13. September) starb Frau Kunigunde von Bruck, Ehefrau Konrads Schenk von Erbach.

Wappen:
ErbachBruck.

Kommentar

Die Inschrift ist in einer gotischen Majuskel mit ausgeprägten Bogenschwellungen, Schaftverbreiterungen und Sporenbildungen sowie einer zum Teil starken Kontrastierung von Haar- und Schattenstrichen ausgeführt. Während der Balkensporn des L in LEGITTIMA bis über die halbe Höhe des Schaftes hochgezogen ist, ist er beim L der Jahresangabe deutlich kürzer, so daß die bei den übrigen Buchstaben zu beobachtende Abschließungstendenz hier nicht zum Ausdruck kommt.

Kunigunde entstammte der Ehe Johanns IV. von Bruck mit einer Frau von Limburg.2) Sie war die erste Ehefrau Konrads V., Sohn Konrads III. Schenk von Erbach und der Ida von Steinach, der nach ihrem Tode Margareta Schenkin von Erbach heiratete.3)

Textkritischer Apparat

  1. So statt richtig YDIBVS.
  2. Beim ersten E fehlt der Mittelbalken.
  3. Sic! O klein über das erste V gesetzt.
  4. Sic statt BRVCKE.
  5. u(xor) Luck; C(ONJUNX) Beeh-Lustenberger.
  6. Sic!

Anmerkungen

  1. Luck 12, Nr. 41 (h).
  2. Möller, Stammtafeln NF II, Taf. XLVI.
  3. Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 2; zu Konrad vgl. auch Simon, Geschichte 296 f. und Spiegel, Urkundenwesen 313 f.; zu Margareta vgl. Nr. 27.

Nachweise

  1. Luck, Historische Genealogie 12, Nr. 41 (h).
  2. Beeh-Lustenberger, Grabdenkmäler 276, Nr. II,9 mit Abb. Taf. 121.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 19 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0001907.