Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 15 Höchst, Evangelische Kirche 1336

Beschreibung

Grabplatte des Dekans Crafto und der Margareta. Die Platte aus rotem Sandstein steht heute an der Nordwand des Turmerdgeschosses. Im Feld befindet sich die eingeritzte Darstellung eines Priesters in liturgischem Gewand, dessen Hände über einem Kelch gefaltet sind. In den oberen Ecken sind zwei Wappenschilde angebracht. Die Inschrift läuft auf den Leisten um. Die als runde Punkte gestalteten Worttrenner sind unregelmäßig gesetzt. Im linken unteren Viertel der Platte ist ein Sprung, und die Plattenkante ist teilweise beschädigt.

Maße: H. 196, B. 96, Bu. 7,4 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 63, Nr. 15 - Höchst, Evangelische Kirche - 1336

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. + · ANNO · DOM · IN/I MILESIMOa) · C · CCX · X · XVI · XVIIb) / K(ALENDAS) SEPT(EMBRIS) O(BIIT) CRAFT/O · P(ATE)R · ETc) · DECANVS · O(BIIT) · MARGARETA ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1336, am 17. Tag vor den Kalenden des September (16. August) starb Crafto, Vater und Dekan, und es starb Margareta.

Wappen:
unbekannt1)unbekannt2).

Kommentar

Die Inschrift ist in gotischer Majuskel mit ausgeprägten Bogenschwellungen, Schaftverbreiterungen und Sporen ausgeführt. Die Bogenschwellung des linken Schaftes des stets verwendeten pseudounzialen A ist spitz ausgezogen. Das D in DECANVS weist eine konturierte Bogenschwellung auf.

Der Dekan Crafto ist in den spärlichen Urkunden zur Geschichte des Augustinerinnenklosters Höchst nicht nachweisbar. Er muß nach 1314 Dekan des Klosters geworden sein, da in diesem Jahr noch der Dekan Philipp als Zeuge in einer Urkunde erscheint.3) Auch mit Hilfe der beiden Wappen ließ sich bisher nicht feststellen, aus welcher Familie er stammte.4)

Die in der Inschrift genannte Margareta ist ebenfalls nicht in den Urkunden belegt. Ob sie zu dem Konvent gehörte oder mit Crafto verwandt war und deshalb auf seiner Platte verewigt wurde, läßt sich nicht klären. Zu den Meisterinnen des Klosters scheint sie nicht gezählt zu haben, da dieses Amt seit etwa 1331 durch Ida von Erbach bekleidet wurde.5) Auffällig ist die Anfügung des Sterbevermerks OBIIT MARGARETA ohne weitere Datumsangabe. Beim Tode in demselben Jahr hätte die Nennung des liturgisch wichtigen Tagesdatums genügt, aber auch wenn Margareta an demselben Tag wie Crafto gestorben sein sollte, wäre eine Wendung wie ET IN EODEM DIE zu erwarten gewesen. Möglicherweise verzichtete man aber aus Platzgründen auf das Sterbedatum. Da die Ausführung der Schrift bei dem Sterbevermerk eindeutig gegen einen Nachtrag spricht, muß Margareta entweder um dieselbe Zeit wie Crafto oder zu einem früheren Zeitpunkt gestorben sein.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. X... Schaefer; Schaum-Benedum.
  3. PRET Schaefer; Schaum-Benedum.

Anmerkungen

  1. Zwei geteilte Schrägbalken.
  2. Drei Judenhüte (1:2) mit Bändern.
  3. Schannat, Fuldischer Lehnhof 299, Nr. CCCVII.
  4. Wappen sind auf Grabplatten von Geistlichen in dieser Zeit selten, aber durchaus möglich, vgl. die Platte des Speyerer Domdekans Hartmann von Landsberg, DI 60 (Rhein-Hunsrück-Kreis I) Nr. 33 (1340).
  5. Simon, Geschichte 213; vgl. zu ihr Nr. 16.

Nachweise

  1. Schaefer, Kdm. 136.
  2. Schaum-Benedum, Figürliche Grabsteine 182.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 15 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0001504.