Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 12 Höchst, Evangelische Kirche 1310

Beschreibung

Grabplatte des Grafen Otto von Waldeck. Die Platte aus rotem Sandstein ist heute in die Ostwand des Turmerdgeschosses eingemauert. Im eingetieften Feld steht in Halbrelief der mit einem Mantel mit Flügelärmeln bekleidete Ritter auf einem Drachen. Sein Kopf mit heute verstümmeltem Gesicht ruht auf einem Kissen. Mit der linken Hand hält er einen Schild mit dem Wappen vor seinen Beinen. Die Rechte liegt am Griff des Schwertes, das er vor sich auf den Boden aufstützt. Die Inschrift beginnt unten auf der rechten Leiste. Die obere Leiste ist zugeputzt worden, und die Längsleisten weisen erhebliche Beschädigungen auf, wodurch Textverlust eingetreten ist. Als Worttrenner dienen Punkte.

Maße: H. 169, B. 79, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 63, Nr. 12 - Höchst, Evangelische Kirche - 1310

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/10]

  1. · ANNO / D(OMI)NI MILLESIM/O TRECE(N)TESIMO DECIMO I(N) DI[E] EME[R.. / – – – / OTT]Oa) COMES · DE · WALDECKE

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1310 am Tag ... (starb) Otto, Graf von Waldeck.

Wappen:
Waldeck.

Kommentar

Die gotische Majuskel ist mit ungelenker und unregelmäßiger Strichführung ausgeführt worden. Abgesehen vom rechten Bogen des linksgeschlossenen unzialen M sind alle Bogenschwellungen in Kontur ausgeführt. Auch die I-Schäfte mit Ausnahme des ersten I in MILLESIMO, die beiden rechten Schäfte des N in ANNO und die Schäfte von L und R sind konturiert. Die Majuskel verzichtet weitgehend auf kapitale Buchstabenvarianten. Nur N ist stets kapital, während in TRECENTESIMO kapitales T mit rundem T wechselt. Daneben zeigt die Inschrift pseudounziales A, unziales D und E, gebogenes L und links geschlossenes unziales M.

Schenk zu Schweinsberg hat den Verstorbenen mit Graf Otto von Waldeck identifiziert, da er am Anfang des Vornamens ein O erkennen konnte, das heute überputzt ist.1) Am Ende des Namens ist ebenfalls ein O zu sehen, vor dem noch zwei weitere stark beschädigte Buchstaben stehen, so daß an der Richtigkeit der Lesung OTTO kaum zu zweifeln ist. Das Todesjahr Ottos, der aus der Ehe Ottos I. von Waldeck mit Sofie Landgräfin von Hessen stammte, wurde bisher in den Stammtafeln mit „um 1323“ angegeben.2) Dieses Datum ist jetzt auf 1310 zu korrigieren, wenn man nicht von einem weiteren, bisher unbekannten Otto von Waldeck ausgehen will. Nachdem sein Vater 1305 gestorben war, hielt sich der junge Otto möglicherweise bei seinem Schwager Eberhard III. von Breuberg auf und wurde deshalb im Augustinerinnenkloster Höchst beigesetzt. Fraglich bleibt nur noch der Todestag Ottos. An der betreffenden Stelle ist EME noch zu lesen, der Rest ist überputzt. Schenk zu Schweinsberg sah jedoch nach einer Lücke von einem Buchstaben noch ein E und ergänzte zu EME[R]E[NTIANE]. Das Fest der heiligen Emerentiana, die zunächst als Märtyrerin verehrt und später in Zusammenhang mit der heiligen Agnes gebracht wurde,3) liegt auf dem 23. Januar. Ihr Fest ist sowohl im Kalender der Diözese Mainz als auch im Kalender der Augustiner-Eremiten verzeichnet.4) Aufgrund der Buchstabenkombination am Anfang des Wortes kommt kaum ein anderer Name in Betracht. Lediglich den heiligen Emmeram könnte man noch in Erwägung ziehen, doch spricht das von Schenk zu Schweinsberg nach der Lücke überlieferte E dagegen.

Textkritischer Apparat

  1. I DI[E S] EME[R]E[NTIANE OBIIT] O[TTO] Schenk zu Schweinsberg.

Anmerkungen

  1. Schenk zu Schweinsberg 14 f.
  2. Europ. Stammtafeln AF I Taf. 138.
  3. V. Saxer, Emerentiana, in: LThK 3 (1995) 624.
  4. Grotefend, Zeitrechnung II,1 114 und II,2 1.

Nachweise

  1. Schenk zu Schweinsberg, Der Grabstein des Grafen Otto von Waldeck 15.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 12 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0001207.