Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 11 Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika 1304

Beschreibung

Grabplatte der Agnes Schenkin von Erbach, geborene von Breuberg. Die Platte aus rotem Sandstein befand sich ursprünglich im Kloster Steinbach und wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts unter Graf Franz I. von Erbach in das Schloß Erbach gebracht, wo sie in der Einhardskapelle aufgestellt ist.1) In dem kastenförmig eingetieften Feld steht unter einem Fries aus zwei Pässen und einer Rosette die Figur der Verstorbenen, deren schleierbedecktes Haupt auf einem Kissen ruht. Ihr Kleid ist auf der Brust mit einem sternförmigen Fürspan verziert, der hier das Wappenbild vertritt. In höfisch modischer Geste ruht ihre rechte Hand in der Schnur ihres Mantels, während ihre Linke denselben hochrafft. Die Inschrift läuft auf dem Rand um. Als Worttrenner dienen Punkte und drei Trauben an einem Stiel. Von der linken Leiste ist die untere Hälfte abgeschlagen, wodurch Schriftverlust eingetreten ist. Die übrigen Teile der Inschrift sind nur leicht beschädigt.

Maße: H. 218, B. 71, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 63, Nr. 11 - Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika - 1304

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/6]

  1. + ANNO · DOM[I]/NI · MILLESIMO · C · C · C · [I · I] · I · Ia) · QVA(R)TA · IDVS · IVNIIb) · / O(BIIT) · AGNE[Sc) / CONIVX · EBERHARDId) · PINC]ERNAe) · DE · ER[B]ACH

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1304, am vierten Tag vor den Iden des Juni (10. Juni) starb Agnes, Gemahlin Eberhards Schenk von Erbach.

Kommentar

Bei der unbeholfen wirkenden Majuskel sind die Bogenschwellungen, soweit sie überhaupt vorhanden sind, in Kontur ausgeführt. Während C und E stets Bogenschwellungen in Kontur aufweisen, besitzt D nur in DE eine konturierte Bogenschwellung, und bei O fehlt sie ganz. Das kapitale E in ERBACH ist im Gegensatz zum unzialen E nicht durch einen Abschlußstrich geschlossen, und der Balkensporn des L ist kurz. Auffällig sind die Varianten des A, das stets in einer anderen Ausführung erscheint.

Die beiden I in der Jahreszahl sind nicht völlig sicher gelesen, da der Stein an dieser Stelle erheblich beschädigt ist. Die noch sichtbaren gehauenen Kanten lassen sich aber am besten mit zwei durch einen Worttrenner getrennte I in Verbindung bringen. Ein V scheidet aufgrund der erkennbaren Kantenenden aus. Für ein oder gar zwei X reicht der Platz nicht aus, selbst wenn man von einem X mit einem sehr kurzen unteren Teil des Linksschrägschaftes ausgeht.2)

Der auf der linken Leiste nach Gabelkover und Schneider ergänzte Name EBERHARDI ist bei Schneider nur in der Überlieferung des beschreibenden Teils der „Historie“ enthalten, während er auf dem Stich fehlt. Beeh-Lustenberger hat Schneiders Lesung deshalb lediglich als Vorschlag gewertet, den er später wieder zurückgenommen habe.3) Schneider korrigiert an der fraglichen Stelle jedoch nur Aussagen zu Eberhard VII., nicht zu Eberhard IV., dem er Agnes versehentlich als Frau zuweist. Zudem weicht die Inschriftenüberlieferung im beschreibenden Teil der „Historie“ ohnehin häufiger von dem Wortlaut der Stiche ab, so daß Schneider hier auch eine ältere Überlieferung herangezogen haben könnte. Vor allem übersah Beeh-Lustenberger aber die Überlieferung bei Gabelkover, der die Inschrift um 1575 abschrieb. An der Richtigkeit der Lesung ist somit kaum zu zweifeln, zumal sie auch vom Platz her möglich, zum Formular passend und sachlich richtig ist.

Die Figur der Agnes zeigt im Standmotiv sowie beim Mantel, Fürspan und Kissen deutliche Gemeinsamkeiten mit jener auf der Grabplatte des 1296 verstorbenen Johannes Schenk von Erbach. Zudem weist die Inschrift dieselben auffälligen Worttrenner in Form eines Stiels mit drei Trauben auf. Die beiden Platten dürften somit aus der gleichen Werkstatt stammen.4)

Agnes entstammte der Ehe Eberhards Reiz von Breuberg mit Mechtild von Büdingen5) und war mit Eberhard V. Schenk von Erbach verheiratet.6)

Textkritischer Apparat

  1. 1307 Gabelkover; CCCXIII Schneider 26; CCCII Schneider Taf. I,5; Luck; Grabinschriften des Hauses Erbach; Beeh-Lustenberger 275; CCC(XXV?)II Schaefer.
  2. QVARTA IDVS IVNII fehlt bei Schaefer.
  3. Ergänzt nach Gabelkover; AGNETIS Schneider 26 und Taf. I,5; Luck; Grabinschriften des Hauses Erbach.
  4. Ergänzt nach Gabelkover; Schneider 27; CONIVX [– – –] Schneider Taf. I,5; Beeh-Lustenberger 275; CONIUX (PIN)CERNAE Schaefer.
  5. Sic!

Anmerkungen

  1. Schneider 26; Schaefer 58.
  2. Ein entsprechendes X findet sich auf den Grabplatten für den 1327 verstorbenen Eberhard VII. Schenk von Erbach (Nr. 13) und für den 1334 verstorbenen Heinrich Schenk von Erbach genannt Rauch (Nr. 14).
  3. Beeh-Lustenberger 275 f. mit Bezug auf Schneider 353.
  4. Zu Johannes und der Werkstattfrage vgl. Nr. 6 und Nr. 8.
  5. Möller, Stammtafeln AF I 73.
  6. Möller, Stammtafeln NF I, Taf. XIV; Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 2; zu ihm vgl. Nr. 7.

Nachweise

  1. Gabelkover, Kollektaneen 448.
  2. Schneider, Historie 26 f. und Taf. I,5.
  3. Luck, Historische Genealogie 7, Nr. 6 (f).
  4. Grabinschriften des Hauses Erbach (HStAD E 12, Nr. 72/1).
  5. Schaefer, Kdm. 59.
  6. Beeh-Lustenberger, Grabdenkmäler 275 f., Nr. II,6 mit Abb. Taf. 123.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 11 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0001108.