Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 8 Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika 1296

Beschreibung

Grabplatte Johannes‘ I. Schenk von Erbach. Die Platte aus rotem Sandstein lag laut Schneider ursprünglich im Kloster Steinbach und wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts unter Graf Franz I. von Erbach in das Schloß Erbach gebracht, wo sie in der Einhardskapelle aufgestellt ist.1) In dem kastenförmig eingetieften Feld steht die Figur des Verstorbenen, dessen von schulterlangem Haar bedeckter Kopf auf einem Kissen ruht. Johannes ist mit einem gegürteten Gewand bekleidet, das auf der Brust mit einem sternförmigen Fürspan als Anspielung auf das Wappen geschmückt ist. Darüber trägt er einen Schnurmantel. Mit der Linken hält er einen mit seinem Wappen versehenen Schild vor sich, die Rechte liegt am Schwert, das durch den Schild verdeckt vor dem Körper aufgestützt ist. Die Inschrift läuft auf dem Rand zwischen Linien um. Als Worttrenner dienen drei Trauben an einem Stiel und einmal ein Kreuz.

Maße: H. 220, B. 94, Bu. 5,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 63, Nr. 8 - Erbach, Schloß, aus Steinbach (Michelstadt), Einhards-Basilika - 1296

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Rittereiser) [1/3]

  1. + ANNO · DOMINI + / MILLESIMO · CC · XC · SEXTO · QVINT/O · IDVS · IVNII / · O(BIIT) · IOHANNES · PI[N]CERNAa) · DE · ERBACH

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1296, am 5. Tag vor den Iden des Juni (9. Juni) starb Johannes Schenk von Erbach.

Wappen:
Erbach.

Kommentar

Die Schrift zeigt relativ breite Buchstaben und ist durch den Wechsel von kapitalen und unzialen beziehungsweise runden Buchstaben geprägt. Das trapezförmige A trägt einen nach beiden Seiten überstehenden Deckbalken und einen gebrochenen Mittelbalken. Während das stets verwendete unziale E durch einen Abschlußstrich geschlossen ist, fehlen entsprechende Abschließungen beim C und dem symmetrischen unzialen M. Das I ist dreimal mit einem Nodus in der Mitte versehen.

Die Schriftgestaltung und die Ausführung der Figur zeigen große Übereinstimmungen mit der Grabplatte für den 1293 verstorbenen Eberhard V. Schenk von Erbach (Nr. 7). Allerdings lassen sich bei der Figur neben kleineren Unterschieden in Details wie etwa der Mantelschließe, der Höhe der Gewandfalten, der Länge des Schwertknaufs oder der Teilung des Schildes auch Unterschiede im Standmotiv sowie in der Gestaltung des Kissens ausmachen. Dafür ergeben sich beim Standmotiv Gemeinsamkeiten zwischen der Figur des Johannes und der ebenfalls aus Steinbach stammenden Figur der Agnes von Erbach (Nr. 11). Auch bei Fürspan und Kissen lassen sich Parallelen zu der Figur der Agnes feststellen. Die Inschrift ihrer Platte weist zudem dieselben auffälligen Worttrenner in Form eines Stieles mit drei Trauben auf. Vermutlich wurden die drei Platten von einer Werkstatt gefertigt. Johannes war ein Sohn Eberhards III. Schenk von Erbach zu Reichenberg und hatte Gräfin Anna von Rieneck zur Frau.2)

Textkritischer Apparat

  1. Fehlt bei Schaefer 59.

Anmerkungen

  1. Schneider 24; Schaefer 58.
  2. Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 1.

Nachweise

  1. Gabelkover, Kollektaneen 448.
  2. Schneider, Historie 24 f., Nr. 4 und Taf. I,4.
  3. Luck, Historische Genealogie 7, Nr. 5.
  4. Grabinschriften des Hauses Erbach (HStAD E 12, Nr. 72/1).
  5. Schaefer, Kdm. 59.
  6. Beeh-Lustenberger, Grabdenkmäler 275, Nr. II,4 mit Abb. Taf. 122.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 8 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09k0000803.